Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1904)
- Issue
- 1 (1.1.1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 Dr. Dlocb's MiocbenscbrM. Nr. 1 strengen Maßregeln gegen solche Eheschließungen veranlaßt sahen. In Spanien und Portugal haben die Zwangstaufen und das aus solchen Convertiten entstandene Marannenthum den Proceß der Blutvermischung wesentlich gefördert. Interessante Details über die Entstehung, Entwicklung, wie über den eigenartigen Cultus der in Abessynien lebenden Falaschas und ihre Beziehung zum Judenthum bildeten den letzten Theil des gelehrten Vortrages, dem alle Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten und dem am Schlüsse lebhafter Applaus folgte. Der zweite Theil des Vereinsabends, der gemüthliche, verlief, durch geistreiche Tischreden gewürzt, sehr animirt. Zglau. (Jahreshauptversammlung des Tempel- Gesangvereines „Schir Zio»".) Unter überaus zahlreicher Betheiligung der Vereinsgenossen fand am 13. December v. I. im Probesaale die Jahresversammlung des Vereines statt. Der Vorsitzende, Obmann Gustav Hellmann, eröffnete die Sitzung durch Begrüßung der Anwesenden, drücke seine Freude darüber aus, daß an derselben der Vorsteher der Cultusgemeinde Adolf Lieblich und dessen Stellvertreter Simon Feldmann, sowie einige Cultusräthe, der Präses der „Chewra- Kadischa" Wilhelm Oesterreicher, nebst einigen Vertretern der hier bestehenden Vereine theilnahmen. Indem derselbe zur Erledigung der Geschäftsordnung schritt, ergriff der Schriftführer Adolf Benesch das Wort, um die Thätigkeit der Vercinsleitung gebührend zu skizziren. Unser Verein, der 20 Jahre besteht, zählt Heuer 70 ausübende Mitglieder (<40 Damen und 30 Herren), 3 Ehrenmitglieder und gegen 200 beitragende Vereinsgenoffen. Der Sängerbund hat sich im abgelaufenen Vereinsjahre in 94 Gesangproben bethätigt und dessen gesangliche Leistungen haben demselben eine achtunggebietende Stellung in unserer Gemeinde verschafft. Der Bericht gedachte ehrend des vor kurzer Zeit in das Reich der Todten Heimgegangenen Tempelvorstehers Maximilian Metzl, der als eifriges Ausschußmitglied das regste Jntereffe dem Vereine entgegenbrachte. Durch Gunstbezeugung Einzelner und anderer Gönner unseres Vereines, zu denen unsere verehrte Cultusgemeinde gehört, die für die materiellen Mittel desselben in hinreichender Weise sorgt, kennt der Verein nur eine Sorge — daß er sich stetig fortbildet. Dieses ist demselben zum Theile gelungen; denn gutgeschulte Sängerinnen, von denen Frau Rosa Epstein durch ihren wohlklingenden Sologesang rühmlich hervorragt, sowie gute Männerstimmen stehen jederzeit im Dienste des Chores. Der aber dem Vereine zu solch anerkannten Erfolgen verhilft, ist der Vereinschormeister Josef Kohn, dessen Namen als Dirigent sowie als Musiklehrer einen guten Klang hat; dessen Compositionen für den Tempelgesang, sowie solche für feierliche Anlässe haben an Zahl und Werth Angenommen; dieselben haben, allenthalben von Fachkennern richtig beurtheilt. zumeist eine gefällige Kritik erfahren. Mit besonderer Freude bringt unser Chor diese durch die Originalität der Auffaffung und richtiger Tcxtanpassung dargebrachten Compositionen zur Aufführung, mit dem Wunsche, daß Herr Kohn sein Talent auf diesem Gebiete weiter erprobe. Der Bericht des Archivars lautete sehr günstig. Durch Neuanschaffung gediegener Werke, sowie durch Schenkungen, hat das Vereinsarchiv eine Bereicherung erfahren; davon verdienen genannt zu werden die Spenden des Obmann-Stellvertreters Albert Pokorny (etliche Männerchöre), des Vereinsausschusses Karl Pollak (18 Stück gemischte Chöre). Nebst dem Streben für die Hebung und Verbesserung des Gesanges haben die Vereinsleitung und ihr verdienstvoller Obmann auf die humanitären Bestrebungen unausgesetzt ihre volle Aufmerksamkeit gerichtet durch Verleihung von jährlichen Unterstützungen solcher Mitglieder, welche sich dem Hochschul- oder Fachstudium widmen, durch Beitrage an Curbedürftige, sowie durch Darlehen an würdige Bittsteller; selbst den Brudervercinen gegenüber im Schoße der Cultusgemeinde zeigte sie sich in dringenden Fällen dienst- und werkthatig. Immer zeigt sich im Vereine das Bestreben, die gute Disciplin unter den Mitgliedern zu wahren, um die Harmonie des Gesanges mit der der lautern Gesinnung in Einklang zu bringen Daß unser Obercantor D. Weiß mit dem Chordirigenten seine Aufgaben in vollem Einverständnisse in zufriedenstellender Weise löst, ist ein erfreulicher Umstand und von wohlthuender Wirkung. Der Vereinsbericht spricht schließlich den Wunsch aus, daß unser Verein so wie früher zur Abwechslung dem „heitern Liede" mehr Aufmerksamkeit zuwende, wodurch ein Lieblingswunsch der jüngeren Mitglieder erfüllt werde. Hinweisend auf die Bedeutung des Vereinsmottos: „Ist zu Gottes Ehre ein Verein, muß er besteh'« und gedeih'n", spricht der Berichterstatter die Erwartung aus, daß der Verein zur Ehre Gottes und zum Heile des Volkes weiter wirken werde. (Anhaltender Beifall.) Der Vorsitzende dankte dem Schriftführer und pflichtete seinen Ausführungen vollends bei. Cultusvorsteber Lieblich spricht sich ebenfalls lobend über die Leistungen des Vereines aus und dankt demselben im Namen der Gemeinde, wobei er betont, daß die guten Erfolge desselben insbesonders der trefflichen Leitung seines Obmannes zuzuschreiben seien, was die lebhafte Zustimmung der Versammlung hervorrief. Hierauf erfolgte der Bericht des Vereinscaffiers Wilhelm Pollak über die Caffagebahrung. Dieselbe weist eine stetige Mehreinnahme nach; das Vereinsvermögen beträgt 10.000 K. lieber Antrag des Vorsitzenden wird in Berücksichtigung der umsichtigen Verwaltung des Vereinsvermögens dem Caffier der Dank zugesprochen. Mit der Prüfung der Rechnungen wurden zwei Revisoren betraut. Bei der Wahl wurden der frühere Obmann Gustav Hellmann und Obmann - Stellvertreter Albert Pokorny einstimmig wicdergewählt. desgleichen der bisherige Vereinsausschuß: Adolf Benesch, Jonas Heim, Karl Pollak, Käthe Rosner, Sophie Sommer, Simon Weiß Bei Punkt „Freie Anträge" angelangt, wurde einem Ansuchen des Vereines „Chewra-Kadischa" Folge gegeben, wofür der Obmann derselben für das Entgegenkommen dankte. Mit einer Vertrauenskundgebung für die Vercinsleitung wurde die Sitzung geschlossen. A. B. Jungbunzlau. (Festbankett der Chewra-Kadischa.) Am 27. d. M. um 2 Uhr Nachmittags veranstaltete der hiesige Verein der Beerdigungsbrüderschaft gemäß seinen Statuten ein Bankett im festlich geschmückten Saale des Hotels „zur blauen Traube". Die Speisen wurden streng rituell zubereitet und beftiedigten selbst den anspruchvollsten Gourmand. Während des -Mahles begrüßte Herr Friedrich Schubert, der Präses dieses Vereines, die anwesenden Mitglieder und Gäste aufs Herzlichste, gedachte mit Wehmuth der verstorbenen Mitglieder und ermunterte die Anwesenden, in ihrem heiligen Diensteifer nicht zu ermüden. Hierauf hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Hoch die Festansprache, worin er die Chewra-Mitglieder auf ihre Pflichten aufmerksam machte und seine Rede mit so mancher humorvollen Pointe würzte. Herr Cultusvorsteher llur. vr. Steinreich hielt seinen Trinkspruch in böhmischer Sprache und gedachte darin auch der Verdienste zweier hochachtbarer Gemeindemitglieder, die in Bälde von hier übersiedeln werden. Der Senior der hiesigen israelitischen Lehrer, Herr I. Hoffmann, hielt sodann einen längeren Toast über den Bestand der Cultusgemeinde und erntete für seinen vorzüglich gelungenen Trinkspruch allgemeinen Beifall. Erst in später Abendstunde verließen die Gäste in der animirtesten Stimmung dieses zur allgemeinen Zufriedenheit stattgefnndene Brudermahl. Czernowitz. Eine Versammlung der jüdischen Großgrundbesitzer der Bukowina fand hier statt, um angesichts der bevorstehenden Landtagswahlen eine Organisation zu schaffen. Anlaß zur Versammlung gab nach einem vom Executivcomito des jüdischen Großgrundbesitzes .ausgegebenen Communique die Thatsache, daß bis jetzt die jüdischen Gutsbesitzer des Wahlrechts nicht einmal nach seiner activen Seite theilhaft waren. Hieran trage in erster Linie die Indolenz des Einzelnen Schuld. Durch eine Organisation müsse nun die Möglichkeit geschaffen werden, daß die jüdischen Großgrundbesitzer ein politischer Factor werden. An der Versammlung nahmen von den vierzig Geladenen dreißig Theil, die übrigen haben ihre Zustimmung schriftlich ausgesprochen. Es wurde ein siebengliedriges Actionscomite gewählt. Paris. (Baron Arthur de Rothschild.) Der nach langem Leiden in voriger Woche in seiner Villa in Monte Carlo verstorbene Baron Arthur de Rothschild ist nur 52 Jahre alt geworden; er war der Sohn des -Barons Nathaniel von Rothschild. Baron Arthur hatte als Officier in der französischen Armee gedient, aber schon vor Jahren seine militärische Carriere aufgegeben. Er war ein Freund des Wassersports, war Ehrenpräsident des französischen Iachtvereins und hat jährlich viele Monate an Bord seiner Jacht zugebracht. Er beschäftigte sich mit Vorliebe mit dem Studium von Posteinrichtungen und Postangelegenheiten und hat als Ergebniß dieser Studien zwei Schriften veröffentlicht: „Ueber den Einheitspreis des Briefportos und die Einführung von Postmarken in England" und „Geschichte der Briespost von ihren' ältesten Ansängen bis aus unsere Tage." Da Baron Arthur Ritter der Ehrenlegion gewesen, hat sein Leichenbegängniß hier in Paris mit militärischen Ehren stattgefunden. Auf Wunsch des Verstorbenen sollte keine Grabrede gehalten werden, die Hinterbliebenen hatten alle Blumenspenden abgelehnt, so daß die Beerdigung in aller Einfachheit stattfand und nur durch die große Zahl und die persönliche Bedeutung der Leidtragenden sich auszeichnete. Das französische Centralconsistorium, das Consistorium von Paris und die Vorstände der Pariser Synagogen waren vollzählig erschienen, um der ersten jüdischen Familie der Stadt ihr Beileid zu beweisen; zahlreiche hohe Beamte und Deputationen von Vereinen, in deren Vorstand Baron Arthur gewesen, wohnten dem Leichenbegängniß bei. Auf dem Friedhof Pore Lachaise wurde der Sarg in der Familiengruft der Rothschild beigesetzt; die Trauergebete sprachen die Großrabbiner von Frankreich und von Paris und Rabbiner Raphael Levy, Caplan am jüdischen Krankenhaus. Paris. Der Vicar Lemeunier richtete an die „Aurore", veranlaßt durch ein vorher in diesem Blatte erschienenes anonymes Schreiben, das von vielen Seiten ihm zugeschrieben worden war, ein Schreiben, in dem es heißt: „Ich möchte zeigen, daß es im