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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1904-01-01 · 1 (1.1.1904) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
21 (1904)
Issue
1 (1.1.1904)
Date
1904-01-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 1 Dr. Klocb's MocbenscbrM. Seite 9 Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Cullusvorstandes vom LÄ. December 1903, unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger. Beginn der Sitzung halb 6 Uhr Abends. Im Einlaufe gelangt zur Verlesung: Eine Mittheilung der israelitischen Armenanstalt, wonach Herr Albert Landau aus Anlaß des Ablebens seines Bruders Horace Landall iu Florenz der Armenanstalt eine Spende von X 5000.— zugewendet hat: von Herrn Salo Cohn, für Talmudschüler, K 100.—. Den Spendern wird der Dank votirt. Vor Uebergang zur Tagesordnung bemerkt Herr Vicepräsident Dr. Stern, welcher zu Beginn der Sitzung den Vorsitz führt, daß er sich veranlaßt sehe, auf die in der letzten öffentlichen Plenarsitzung seitens eines Vorstandsmitgliedes vorgebrachten Aeußerungen hinsichtlich der K o s ch e r f l e i s ch f r a g e zurückzukommen. Es sei zunächst daraus verwiesen, daß sich diese Beschwerden allerdings nicht auf die unter Aufsicht stehenden Fleischbänke bezogen und daß Vorstand und Rabbinat seit Jahren unausgesetzt bemüht sind, die Hemmnisse, welche sich einer allseitigen Regelung der Koscherfleischfrage entgegenstellen, zu beseitigen. Vicepräsident Dr. Kohn ergänzt die Ausführungen des Vorredners nach der Richtung, daß das Schechitawesen in tadelloser Weise organisirt sei. Wenn die Frage des Koschersleischverkauses noch nicht in der gewünschten Weise geregelt ist, so sei dies weder dem Cultusvorstande noch dem Rabbinate, sondern einzig und allein den früheren Wiener Verhältnissen zuzuschreiben. Diese sofort, mit einem Schlage zu ändern, liege aber liicht in der Macht des Vorstandes oder Rabbinates. Vorsteher Dr. Alfred Berger schließt sich den Ausführungen der Vorredner an, hält jedoch eine Stellungnahme des Vorstandes zu den in der vorhergehenden Sitzung vorgebrachten Bemerkungen nicht für nothwendig, nachdem sich diese, wie bereits erwähnt, überhaupt nicht gegen jene Fleischbänke richteten, welche unter specieller Aufsicht des Rabbinates stehen und dies auch durch die Firmatafel zum 'Ausdrucke bringen. Bezüglich dieser Fleischbänke sind auch gegenwärtig alle Garantien hinsichtlich des Kaschrus geboten. Ueber Vorschlag der Chewra-Kadischa wird Herr Med. Dr. Isidor Schnabl zum Vorstandsmitgliede der Chewra- Kadischa ernannt. Vicepräsident Dr. Alfred Stern berichtet, daß zur Berathung der anläßlich des 100. Geburtstages Salomon Sulz er's im März 1904 zu treffenden Veranstaltungen ein Cvmitö eingesetzt wurde, bestehend aus Mitgliedern deS Cullusvorstandes, des Jüdischen Museums, des Oesterr.-ung. Cantoren-Bereines re. Dieses Comito habe nach wiederholten Berathungen Vorschläge erstattet, welchen sich theilweise das Vertreter-Collegium angeschlossen habe. Nach längerer Debatte wird beschlossen, zu Ehren des verelvigten Altmeisters des spnagogalen Gesanges eine Gedenktafel in der Borhalle des Stadttempels anzubringen, weiters eine Gedenkfeier im Stadt- und Leopoldstädter Tempel abzuhalten, endlich unter Mitwirkung der Cantoren eine Feier am Grabe Sülzer's zu veranstalten. Die Detail-Bestimmungen für diese Festlichkeiten bleiben Vorbehalten. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. Wien. („Nachlat Jeschurun".) Am ZI.December 1903 fand die 36. ordentliche Generalversanimlung desHumanitütsvereines für die westlichen Bezirke Wiens „Nachlat Jeschurun" im Freitischlocale, Restaurant Neumann, VI., Kollergerngasse 1 statt. Der Präsident Herr Dr. Carl Löwy begrüßt die erschienenen Mitglieder und Gäste, insbesondere Herrn Architekten Max Fleischer als Vertreter des Vorstandes der Cultusgemeinde, ferner Herrn H. Liebermann als Delegirten des Tempelvereines für Mariahilf und Neubau, sowie die Damen Frau Fanni Fröhlich, Therese K ö n i g unb Frau S z ü c s vom Vorstände des Frauen-Wohlthätigkeitsvereines. 'Aus dein Jahresberichte, der mit lebhaftem Beifalle ausgenommen wird, entnehmen wir, daß im abgelaufenen Jahre 7260 Kronen für Beköstigung armer Schulkinder am Freitische des Vereines, ferner für Bekleidung, Vertheilung von Kohlen und baren Unterstützungen an arme Glaubensgenossen verausgabt wurden, durchwegs mehr als im Vorjahre. Der Präsident betont, daß die Mittel, welche dem Vereine zu Gebote stehen, trotz eifrigster und theilweise auch erfolgreicher Agitation noch lange nicht dem erhöhten Bedürfnisse der Bedürftigen und Nothleidenden entsprechen. Von Jahr zu Jahr mehren sich die Anmeldungen zu dem Freitische und ist dies ein trauriger Beweis für das Anwachsen der Verarmten in den Kreisen unserer Glaubensgenossen. 'Auf Antrag des Revisors Herrn H. Liebermann wird der Casfaverwaltung sowie dem Gefammtvorstande das Absolutorium ertheilt. Herr Architekt Fleischer anerkennt die Leistungeu des Vereines, spricht namens der Cultusgemeinde sowie der Mitglieder des Vereines dem Vorstande für sein selbstloses, erfolgreiches Wirken den wärmsten Dank aus. Anregungen der Herren Barkatt und Hirsch werden zur Kenntniß genommen. Laut 8 1;_> der Statuten gelangen heuer die Herren Sal. Lemberger, Dr. Carl Löwy, Richard Schüller und Sam. Weiß zum Austritte. Sämmtliche Herren candidiren neuerlich und werden einstimmig wieder in den Vorstand gewählt. Ebenso Revisoren die Herren H. Liebermann und Ernst Schüller. .Holleschau. Sonntag den 27. d. M. fand die feierliche Einweihung der neuerbanten Ceremonienhalle auf dem hiesigen Friedhofe statt. Die Einweihnngsfeier wurde mit der Verrichtung des Minchagebetes eingeleitel. Hierauf begaben sich die Vorstände und sämnitliche Mitglieder der Gemeinde auf den Friedhof, wo Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Frei mann, als Obmann des Baucomitös, in kurzen Worten dem Bürgermeister die Halle in Obhut der Gemeinde übergab. Herr Bürgermeister Ignatz Baumgarten betonte in seiner Erwiderung: Es ist sonst keine freudige Veranlassung, welche die ganze Gemeinde an dieser Stätte versammelt. Aber diesmal freut er sich, diese schöne Halle, die ein beredtes Zeugniß von der Opferfreudigkeit und der Pietät der Gemeindemit. lieber gibt, in die Obhut der Gemeinde zu übernehmen. Zugleich versicherte er, für die Erhaltung dieses Baues stets Sorge zu tragen. Nach Oeffnung der Cwemoinenhalle begrüßte der Cultnsvorsteher Herr Carl Beer die Anwesenden und dankte allen betbeiligten Factoren von Nah und Fern, die zur Durchführung dieses Baues beigetragen haben, und erwähnte, so wie die Gemeindemitglieder vor 10 Jahren zum Tempelban jeder sein Scherstein beigetragen hat, so ist auch diesmal Niemand zurückgeblieben. Hierauf stimmte Herr Cantor Braun feld das Adouoj wo odum watedohu an. Sodann hielt Herr Rabbiner Dr. Freimann eine formvollendete Weiherede, die auf alle Zuhörer einen mächtigen Eindruck ausübte. Tie Leichenhalle ist ein besonders schöner Bau, der sich sehr geschmackvoll repräsentirt. Um das Zustandekommen desselben haben sich Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Freimann, der Cultusvorstand. Herr Bürgermeister, die Chewra-Kadischa, Herr Dawid Grätzer und Herr Albert Löw in Budapest besonders verdient gemacht. Mit gröberen Spenden betheiligtcn sich: L Beecks Witwe und Söhne, Brüder Skrainka, Brüder Grätzer, Abraham Grätzer, Alois Blum, Adolf Freund in Wien u. m. A., denen hiemit im Namen der Gemeinde der beste Dank ausgesprochen wird. Braunfeld. Prag. (A f i k e - I e h u d a.) lieber „Ethnische Verschiedenheiten unter den Inden" sprach am 22. d M. Herr Professor Dr. I. Oesterreicher, Lehrer an der dritten deutschen Staalsreackchule in Prag, im „Vereine zur Pflege und Verbreitung der jüdischen Wissenschaft". Der großangelegle, von tiefer, fachmännischer Gelehrsamkeit erfüllte Vortrag zeigte in großen Zügen all jene Verschiedenheiten, die im Lause der Geschichte sich in dem Entwicklungsgänge des jüdischen Volkes vielfach manifestirten. Ausgehend von den biblischen Cbetiten und Amoriteu. die in Kanaan in engster Berührung mit dem israelitischen Volke standen und durch häufig wiederholte Kreuzungen die Reinheit der jüdischen Race beeinträchtigten, führte der Vortragende auch zahlreiche Beispiele ans der biblischen Erzählung an, wo Einzelne, wie Moses und Salomo durch eheliche Verbindungen mit Angehörigen anderer Nationen dem jüdischen Volkskörper fremdes Blut zuführten. Griechische Sclavinnen bildeten einige Zeit einen vielbegehrten Handelsartikel nach Palästina, wo sie dann im Judenthnm aufgingen. In dem Jahrhundert der Zerstörung Jerusalems war der Hang, sich mit der jüdischen Religion auch dem jüdischen Volksthum anzuschließen, namentlich in Rom und zwar in den vornehmsten, aristokratischen Kreisen, stark ausgeprägt, was den zeitgenössischen römischen Schriftstllern zu allerlei satyrischen Bemerkungen Anlas; bot. Im achten Jahrhundert wurde durch die Entstehung des Chazarenreiches mit einemmale eine ganze Nationalität sür's Judenthum gewonnen, wodurch natürlich 'ie Gesammtheit des jüdischen Racencharakters in starkem Maße eine Beeinflussung erhielt. Auch in Ungarn wiederholten sich namentlich zur Zeit der ersten Regenten die Fälle gegenseitiger Verheiratung zwischen Juden und Magyaren in so großer Zahl, daß der ftomme König Ladislaus und einige seiner Nachfolger sich zu

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