Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 842 Dr. BLoch's WochenjÄrrifi Nr. 52 stellung gelangte und sehr gefiel. Zum Schluffe kam der „Schlager" des Abends „Eine Vorlesung bei der Haus Meisterin" und daß die Lacher dabei vollauf ihre Rechnung fanden, bewies die schallende Heiterkeit und der stürmische Beifall, welchen die äußerst gelungene, komische Aufführung dieser hochdrastischen Posse erzielte. Hiemit war das Programm beendigt und nun begann der Tanz,. dem bei dem flotten Spiel der Werkscapelle bis zum Morgen unermüdlich gehuldigt wurde. — i — Wischau. Der Statthalter hat dem Herrn Jakob Weinberger, Lehrer an der Volks- und Bürgerschule in Wischau und zugleich Religionslehrer in der dortigen Cultusgemeinde die Ehrenmedaille für 40jährige, treu geleistete Dienste zuerkannt. Straffnitz. (C h a n u k a f e i e r.) Anläßlich des Chanukafestcs sowie der Betheilung armer Schulkinder mit vollständiger Winterbekleidung veranstaltete der Oberlehrer I. Robitschek als Schriftführer des Schulkreuzervereines am ersten Chanukatage eine Schulfeier, welcher Mitglieder des genannten Vereines, der politischen Jsraeliteugemeinde, sowie zahlreiche Gäste von Nah und Fern beiwohnten. Der Oberlehrer begrüßte die zahlreich Erschienenen und richtete an die Vereinsmitglirder, sowie an die zw betheilenden Schulkinder eine Ansprache und schloß mit einem dreimaligen „Hoch" auf Se. Majestät unseren vielgeliebten Kaiser, in welches die Schuljugend und die zahlreich Versammelten begeistert einstimmten. Die Schulkinder der Unterclaffe trugen paffende Gedichte vor. Die Schülerinnen der Oberclasse brachten das Festspiel „Huldigung der Blumen" und die Schüler derselben Elasse das Liederspiel „Leopold der Erlauchte" ausdrucksvoll zum Vortrage. Hernach hielt Se. Ehrwürden Herr Dr. A. Friedmann eine gediegene Ansprache an die Schuljugend und erklärte denselben die Bedeutung des Chanukafestcs. Brody. Am 19. d. M. wurde Frau Rachel Lea Lewin, eine durch Frömmigkeit und Herzensgüte ausgezeichnete Frau, unter zahlreicher Betheiligung aller Kreise der besten Gesellschaft zur letzten Ruhe gebettet. Im Trauerhause widmete Se. Ehrw. Herr Rabbiner Lewin der Hingeschiedenen einen tiefempfundenen Nachruf. Zabreh. Anläßlich des Chanukafestes fand am 17. d. M., 7 Uhr Abends, in dem hiesigen neurenovirten Tempel zu Zabreh ein Festgottesdienst statt, bei welchem nebst einem zahlreichen Publicum auch eine Vertretung der israelitischen Cultusgemeinde Mährisch-Ostrau, und zwar der Prästdent Herr Dr. Alois Hilf, die Herren Cultusräthe Moriz Krasny, Dr. Emil Reick, Ignatz Reiß, Josef Weißlitz und Dr. Max Beer, erschienen war. Eingeleitet wurde derselbe durch das Lka-'l'annm-Gebet, welches von einem Männerchore gesungen wurde, und Herr Cantor David Meise! aus Mährisch-Ostrau gleich beim Beginne das Solo Adonaj-Uhavti uns durch sein wohlgeschultes sympathisches Organ überraschte, worauf nun das Anzünden der Chanukalichter folgte. Nachdem der Chor das Lloaus-2ur gesungen hatte, bestieg Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. I. Spira die Kanzel. Der Redner beginnt die Rede damit, daß der Vorstand frohen Herzens erschienen sei. weil es wirklich ein erfreulicher Anblick ist, daß eine Hand voll Inden durch ihre Opferwilligkeit so ein schönes Gotteshaus errichtet haben. Es war dies nur möglich, daß einige begeisterte Männer keine Mühe und Kosten scheuten, um das Werk zu schaffen; ferner sprach der Redner über die Bestim . ungen des Gotteshauses in Verbindung mit dem Chanukafeste. Nach dem Gottesdienste, wo sich dann die Vertretung der Cultusgemeinde Mährisch-Ostrau und sämmtliche Herren im anschließenden Sitzungszimmer zusammenfanden, hielt der Präsident Herr Dr. Alois Hilf eine Ansprache, in welcher er das Wirken des Zabreher Bethausvereines und insbesondere das des Herrn Ignaz Goldberger, der durch unermüdlichen Fleiß an das Werk der Tempelrenovirung schritt, hervorhob und mit dem Wunsche schloß, die Zabreher Judenschast möge auch fernerhin das Interesse für ihren Glauben bewahren wie bis nun. Neutitschein. Ein glänzendes Makkabäerfest in unserer Gemeinde war es, welches gestern die Wahrheit jener Worte: „Das Kind ist der Vater des Mannes" uns gleichsam ad oculos demonstrirte. Die Begeisterung für unsere ruhmreiche Geschichte fand an demselben wieder ihren Weg ins Elternherz durch das werthvollste Medium unserer jüdischen Ideale, durch das Kind. Großartige Wirkung erzielte das neueste Festspiel des verdienstvollen Pädagogen S. Katz; „Chanukamännchen", gegeben von Fritz Bermann, assistirt von einem schönen Mädchenreigen. In den Dienst der Sache stellten sich nebst dem trefflichen Sänger, Realschüler Arthur Himmler, die Bürgerschülerin Zilli Herz, sowie das bewährte Damencomite, Fräulein Jda Bermann und Fräulein Jda Hersch. Lobend erwähnt sei zum Schluffe die prächtige Deklamation: „Ausgcwiesen" durch den talentirten Studiosius Leo Körner, und gerne stimmen wir in den zündend ausgebrachten Wunsch des Herrn Buchhalters Barber ein: Auf Wiedersehen! Belovar (Croatien). Unserem geehrten, um die innere Organisation unserer Cultusgemeinde, wie um die-Hebung ihres Ansehens nach Außen hochverdienten Rabbiner Herrn S. D. Tauber wurde nach Abhaltung des anläßlich der Chanukafeier im Tempel veranstalteten Festgottesdienstes eine sehr angenehme Ueberraschung zutheil. Nach dem Gottesdienste, bei welchem derselbe eine großängelegte Rede hielt, begaben sich Herr Vicepräses Dr. Rehberger in Begleitung mehrerer Vorstandsmitglieder zum Herrn Rabbiner, um ihm mit Rücksicht auf seine Verdienste einen herrlichen Silberpocal im Namen der Gemeinde zu überreichen. Bei diesem Anlasse hielt Herr Dr. Rehberger eine Ansprache an unseren Rabbiner, in welcher er hervorhob, daß die Gemeinde sich glücklich fühle, an ihrer Spitze einen so ausgezeichneten Rabbiner und Seelenhirten, der Mekadesch h äschern ist, zu besitzen. Mit tiefer Rührung und sehr bewegt nahm unser geehrter Herr Rabbiner das ihm dargereichte Geschenk entgegen und erwiderte in seiner gewohnten geistreichen Weise und Schlagfertigkeit mit einer Rede, die allgemein tiefen Eindruck machte. Budapest. Der Religionsprofessor und pensionirte Lehrer oer israelitischen Muttergemeinde in Satoralja-Ujhely Israel Singer begeht am 30. d. M. das Jubiläum seiner fünfzigjährigen Pädagogischen Thätigkeit. Die Verehrer und früheren Schüler des Jubilars beabsichtigen, aus diesem Anlässe für die israelitischen Schüler des dortigen Obergymnasiums eine Stiftung zu errichten. Der Schülstuhl veranstaltet am 30. d. M. zu Ehren Singer's eine Jubiläumsfeier. Berlin. (Professor May bum.) Rabbiner Doctor Maybum, der langjährige Prediger der Berliner jüdischen Gemeinde, erhielt wegen seiner auf dem Gebiete der Bibelkritik erworbenen literarischen Verdienste den Professortitel. Fraukfurt a. M Nach dem nun feststehenden Programm für die Feier des vierhundertjährigen Bestehens des „Philanthropins" wird am Donnerstag den 14. April 1904, Vormittags, eine akademische Feier stattfinden, der am Nachmittage eine Festaufführung, veranstaltet von jetzigen und ftüheren Schülern und Schülerinnen der Anstalt, folgen wird. Da die Adressen mancher der ehemaligen Schüler trotz eifriger Bemühung des Adressen- Ausschusses nicht zu ermitteln waren, so werden diejenigen Zöglinge des „Philanthropins", denen bisher eine directe Mittheilung über das Jubiläum nicht zugekommen ist, gebeten, ihre genaue Adresse an Herrn Director Dr. Adler, Frankfurt a. M., Rechneigrabenstraße 16, zu senden. Waffenstillstand. Novelle von Babette Fried-Prag. Es war ein schwüler Tag des Hochsommers im Jahre 1866. In einer großen niederen, sehr rein gehaltenen Stube saß eine nicht mehr junge Frau mit Ausbessern von Wäschestücken beschäftigt. Man sah es den vergrämten Zügen derselben an, daß sie von dem Leben nicht allzusanft angefaßt ward, daß sie Sorgen hatte, ja den Kampf ums Dasein führte wie ein Mann. Sie war Witwe, und zwar die Witwe eines Mannes, der seine Aufgabe nicht, leicht ausgefaßt hatte, vielmehr für Weib und Kind im Schweiße seines Angesichtes sorgte, strebte, und arbeitete, was in seinen Kräften stand. Aber mit diesen Kräften war es nicht weit her gewesen. Als ihre älteste Tochter kaum 8 Jahre und ihr einziges Söhnchen nicht ganz zwei Jahre alt war, erlag der treue Gatte und Vater einem langjährigen tückischen Lungenleiden. Auf seinem Krankenlager, das binnen Kurzem sein Sterbebett werden sollte, sagte er zu seinem still vor sich hinweinenden Weibe: „Doreleben, mein Kind, ich muß sterben. Gott, gelobt sei er! will es nicht haben, daß ich noch länger an Deiner Seite glücklich sei. Gott lohne Dir alle Treue und Liebe, die Du mir immer, namentlich während meiner Krankheit bewiesen hast. Ich selbst kann es nicht. Doch hat mir es Gott mit seiner gnädigen Hilfe ermöglicht, euere Zukunft so weit sicher zu stellen, daß Ihr bei Fleiß und Sparsamkeit vor Noth sicher gestellt seid. Und fleißig und sparsam bist Du immer gewesen, mein treues Weib, sonst wäre es mir nicht gelungen, etwas zu erwerben, nachdem ich doch für das Haus so viel schuldig war, Du weißt ja, den Löb Singer. Aber jetzt ist Alles abgezahlt und in der Truhe hast Du noch ein Sparcassabuch liegen. Das ist die kleine Mitgift für die Mädel. Wenn ich todt bin, so lasse Dir gleich ein