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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 11)
Language
German
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M. 52 Dr Dlocb's Wocbenscbrift Seite 837 spiel: „Ein freudiges Ereigniß bei Ephraim Apfelkern" auf, in welchem die „Mile" in einer das Gefühl eines jeden Juden tief verletzenden Weise auf die in diesem Falle allerdings nicht die „Welt", sondern einen öffentlichen Scandal bedeutenden Bretter dieses „Varietes" gebracht wird. Als Mitglied der Cultusgemeinde Wien erlaube ich mir hiermit die ergebene Anfrage: 1. Hat der geehrte Vorstand von dieser das Judenthum tief herabsetzenden öffentlichen Profanirung eines jüdisch-religiösen Actes, dem zweifelsohne ein der Taufe bei den Christen ähnlicher sacramentaler Charakter innewohnt, Kenntniß? 2. Gedenkt der geehrte Vorstand bei den staatlichen competenten Behörden die geeigneten Schritte zu unternehmen, um diesem öffentlichen Scandal baldigst ein Ende zu bereiten? Einem geehrten Vorstand Hochachtungsvoll ergebener Dr. Moriz Singer in. p. Eine Synagoge von der exeenliven Feilbietung bedroht. Sehr geehrter Herr Redacteur? Mit großer Freude habe ich in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes gelesen, daß auch andere jüdische Herzen beim Anblick des kleinen Gotteshauses in Liesing von denselben Empfindungen ergriffen wurden wie ich. Mit noch größerer Freude erfüllte es mich, zu sehen, daß ich verstanden wurde und daß sich die Opferwilligkeit über mehr als die Spende von 1 Krone erstreckt. Wir wollen also hoffen, daß dieses gute Beispiel zahlreich Nachahmung finden und daß die Besitzenden ihrer Pflicht eingedenk sein werden. Wenn wir Alle, wenn namentlich wir Frauen unsere Pflicht thun, dann werden wir die drohende Schmach, daß ein Gotteshaus wegen einer Schuld von 2834 fl. und 50 kr. executiv feilgeboten wird, von uns abwenden. Zu diesem Zwecke fordere ich meine jüdischen Mitschwestern auf, nicht nur selbst ihr Scherflein.beizusteuern, sondern auch durch Sammlungen im Freundeskreise dazu beizutragen, das angestrebte hohe Ziel schneller und sicherer zu erreichen. Die „Jours" haben begonnen, wie schön wäre es, wenn man da ein bischen anstatt der gewöhnlichen inhaltlosen Gespräche auch vom schmucken Liesinger Tempelchen sprechen würde, das man in einen Pferdestall umwandeln will, und wenn man dann gleich eine kleine Sammlung einleiten würde! Jüdische Frauen thut Euere Pflicht! Rühret Euch, gebt und sammelt, um ein Chillel Haschern zu verhindern! Ich übersende Ihnen, geehrter Herr Redacteur, den Betrag von 13 Kronen als zweite Sammlung, Dazu beigesteuert haben: R. Z. X 5.—, F. G. K 1.—, C. B. K 1.—, M. F. X 1.—, N. N. K 2.—, A. Sch. K 1.—, H. I. X 1.—, R. K. K 1.—, zusammen K 13.—. Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Hochachtung Rosa F. Weitere Spenden sind eingegangen: Von Herrn Albert Mandelbaum X 20.—, von Frau Doctor Diamant in Wien X 2.—, von Frau Katharina König in Wien X 1.—, unter „G., Wien" X 36.—, von Herrn Josef Wünsch in Wien mit dem Motto: „Wir wollen zum Ruhme Gottes Tempel aufbauen, aber nicht solche zu unserer Schmach niederreißen lassen" - X 20.—, von F. Pinkas in Triest X 1—, von Frau P. Löwenthäl in Triest X 1.—, von Herrn Doctor M. G. Mehrer in Wien X 1, von den Herren Jac. Krißhaber & Co. in Wien X 3. Zu den Judenexceffen in Zablotow. Am 25. October brachte das antisemitische „Alldeutsche Tagblatt" folgende Correspondenz aus Lemberg: „Kürzlich hat sich der Unmuth der galizischen Landbevölkerung gegen die Juden in dem Judenstädtchen Zablotow in Ausschreitungen Luft gemacht. Die Juden verbreiteten hierüber übertriebene Berichte, wie dies immer ihre Taktik bei solchen Gelegenheiten ist, um die öffentliche Meinung zu alarmiren. Wie nun das „Slowo polskie“ mittheilt, hat die behördliche Untersuchung festgestellt, daß bei den Ausschreitungen in Zablotow bkvs die zwei jüdischen Krämer Moses Karpel und Jonas Burg schwer und noch sechs andere Juden leicht verletzt wurden. Bemerkenswerth ist es, daß das amtliche Protokoll über die behördliche Untersuchung betreffs der Zablotower Excesse zum Schluffe erklärt, „daß diese Excesse durch den Wucher und die Arroganz der Zablotower Juden provocirt worden find". Das „Alldeutsche Tagblatt" mußte sich dazu bequemen, am 21. November folgende amtliche Berichtigung abzudrucken: „An Wohlgeboren Herrn Wilhelm Philipp Hauck, Reichsrathsabgeordneten, als verantwortlichen Schriftleiter der periodischen Druckschrift „Alldeutsches Tagblatt", Wien, 3/1, Hauptstraße 29. Die gefertigte Staatsanwaltschaft ersucht um Veröffentlichung der nachstehenden amtlichen Berichtigung in der nächsten oder zweitnächsten Nummer des „Alldeutschen Tagblattes": Die Folge 170 der periodischen Druckschrift „Alldeutsches Tagblatt" vom 25. Gilbharts (October) 1903 brachte unter der Merke „Judenexceffe in Zablotow" die Nachricht, das amtliche Protokoll über die behördliche Untersuchung betreffs der Zablotower Excesse erkläre am Schluffe, daß diese Excesse durch den Wucher und die Arroganz der Juden provocirt worden sind. Diese Nachricht ist vollständig unrichtig: die behördlichen Anzeigen und protokollarischen Aufnahmen enthalten hinsichtlich der Ursache der Excesse keine derartige Feststellung. K. k. Staatsanwaltschaft Wien am 19. November 1903. Der k. k. II. Staatsanwalt: Dr. B o b i e s." Preßburg. Bei der Audienz der Deputation der orth.- israelitischen Cultusgemeinde, bestehend aus den Herren Doctor Stein, Lazar Gestettner und Franz Herzfeld, durch Se. Majestät fungirte als Sprecher Dr. Stein, der in feiner von Sr. Majestät huldvollst angehörten homagialen Ansprache: „dem Allmächtigen Dank hiefür ausfprach, in diesem sorgenvollen Jahre Sr. Majestät Kraft und Gesundheit verliehen zu haben." Se. Majestät geruhte diesen Passus mit bejahendem Kopfnicken zu begleiten. Nach der Ansprache stellte Se. Majestät an Dr. Stein die Frage: wie es mit den Gesundheitsverhältnissen der Stadt Preßburg stünde. Dr. Stein antwortete hierauf, daß derzeit keine Epidemie herrsche, sowie daß sich die Gesundheitsverhältnisse von Jahr zu Jahr bessern. Se. Majestät erkundigte sich fernerhin, wie es mit dem materiellen Aufschwünge der Stadt bestellt sei. Als auch diesbezüglich günstige Aufklärungen gegeben werden konnten, gab Se. Majestät hierüber seiner Freude Ausdruck und entließ allergnädigst die Deputation. Budapest. Die israelitische ungarische literarische Gesellschaft hielt unter Vorsitz Bänöczys eine Vortragssitzung, in welcher als Erster der Oberrabbiner Dr. Moriz Schwarz aus Raab über „alte illustrirte Manuscripte" eine interessante Vorlesung Hielt. Der zweite Vortragende, Ignaz Preisner, sprach über den Racencharakter der Juden, ein Thema, mit dem sich in neuester Zeit Gelehrte und Nichtgelehrte viel befaßten. Der Warschauer Anthropologe I u d t hat ermittelt, daß die Juden in der Zerstreuung keinerlei physische Aenderung erlitten haben und trotzdem so wesentliche Abweichungen vom semitischen Charakter zeigen, daß man sie kaum zu den Semiten zählen könne. In jüngster Zeit endlich haben Neuropathologen gefunden, daß die Juden, obwohl im Allgemeinen schwächerer Constitution, sich dennoch durch geringere Sterblichkeit und größeren Widerstand gegen Erkrankungen auszeichnen, dagegen incliniren sie in höherem Grade zu den Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems. Demgegenüber weist Vortragender darauf hin, daß die Jnclination zu Geisteskrankheiten die natürliche Folge dessen ist, daß die Juden mehr zu den intellectuellen Berufen Hinneigen. Als Beweis dessen führt er an, daß von den Hörern der Budapester Universität circa 30 Percent Juden sind, während diese blos 4'2 Percent der Gesammtbevölkerung Ungarns ausmachen. Der Vortragende kommt zu dem Resultate, daß die Juden keinerlei aparten Racencharakter aufweisen, am wenigsten einen ausgesprochen semitischen. Was speciell die ungarischen Juden betrifft, haben ihnen Herz und Verstand längst gesagt, daß sie dem Glaubensbekenntnisse nach Juden, ethnographisch aber Ungarn sind, so gute, wie welch anderer Ungar immer.

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