Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 52 (25.12.1903)
- Date
- 1903-12-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 836 In der heute abgeführten Debatte wurden von den geehrten Herren Collegen in weitgehendem Maße Wünsche und Forderungen dargelegt, deren Realisirung Unsummen verschlingen müßte und zu deren Bedeckung — selbst wenn der Cultusgemeinde gar keine anderen als die erwähnten Aufgaben oblägen -die gesammten Einnahmen des Jahres 1904 nicht hinreichen würden. Durch die Aufstellung dieser verschiedenartigen Wünsche, denen ich, falls die erforderlichen Mittel vorhanden wären, freudigen Herzens zustimmen würde, mag cs den geehrten Herren Collegen gelungen sein, sich im gewissen Sinne beliebt zu machen. Speciell mir jedoch obliegt leider die ernstere Aufgabe, mich weniger gefällig zu zeigen, und ich muß mir die Frage, welche von keinem der geehrten Herren Vorredner mit Ausnahme des Herrn Collegen Oberfinanzrath Dr. Rappaport aufgeworfen wurde, pflichtgemäß stellen, wie ich die Bedeckung für alle diese Erfordernisse finden kann. Sie wissen, meine geehrten Herren, ebenso gut als ich, wie schwer es bereits fällt, auch nur für die unumgänglich nothwendigsten Bedürfnisse der Gemeinde die Bedeckung zu schaffen. Eine weitere Erhöhung der Cultussteuer müßte verhängnißvolle Wirkungen mit sich bringen. Die Contrahirung von Schulden, ohne deren Tilgung sorgsam vorbedacht zu haben, ist weder nach meinem, noch sicherlich auch nach Ihrem Geschmacke. Ein Decennium mußten wir vorübergehen lassen, ehe wir die Renovirung des Tempels II., die Vergrößerung des Altersversorgungshauses, den Bau des Siechenhauses und größere Subventionirungen an Tempelbauvereine vornehmen konnten: und es ist bei sorgsamer und weiser Haushaltung nicht ausgeschlossen, daß wir in einem weiteren Decennium nach und nach die Erfüllung aller der begründeten Erfordernisse erreichen können. Dazu gehört eben wieder eine Reche von Jahren, in welchen sich der Sparsinn und die öconomische Wirthschafts-Gebahrung unserer Verwaltung zu bethätigen haben wird. Für diesen Augenblick jedoch ist dies Alles sofort nicht erreichbar. Ich wiederhole, daß die von den geehrten Herren Collegen ausgesprochenen Forderungen derzeit zurücktreten müssen. Es wäre unbillig, von uns zu verlangen, daß Alles das, was in den von den geehrten Herren Vorrednern angedeuteten Richtungen Jahrzehnte hindurch etwa verabsäumt wurde, nunmehr von uns auf der Stelle realisirt werde. Eine derartige, über das zulässige Maß hinausschießende und die Unzulänglichkeit der verfügbaren Mittel außeracht lassende Politik müßte naturgemäß aus unsere Finanzen geradezu katastrophal wirken und würde das von uns im Laufe der letzten Jahre nur schwer und mühevoll erreichte Gleichgewicht in unserem Haushalte für unabsehbare Zeit hinaus wieder vernichten. Ich spreche nicht nur meine innerste Ueberzeugung aus, sondern es ist dies auch die feste Anschauung der überwiegenden Majorität des Vertretercollegiums, wenn ich erkläre, daß die Frucht einer langen Reihe schwieriger Arbeit und fürsorglicher Wirthschafts-Gebahrung in dem Momente nicht wieder in Frage gestellt werden darf, wo wir erfteulicher Weise die Aussicht auf sichere Ordnung unserer Finanzlage endlich erlangt haben. Zur Mitwirkung in diesem Sinne werden Sie mich nach meinen bescheidenen Kräften stets bereit finden. Sollten jedoch, was ich als ein Unglück für unsere Gemeinde nicht wünsche und nicht hoffe,‘ die entgegengesetzten Tendenzen in Ihrem Schooße das Uebergewicht erlangen, dann wäre ich nicht Ihr Mann und müßte dieses Amt Ihnen sympathischeren Händen übergeben. Somit empfehle ich Ihnen die Annahme des Ihnen vom Vertretercollegium vorgelegten Budgets. Der Präsident constatirt, daß das Budget, über dessen Positionen capitelweise abgestimmt wurde, conform der Vorlage angenommen erscheint, dankt unter lebhafter Zustimmung der Versammlung dem Finanzreferenten Herrn Vertreter kaiserl. Rach Hirsch für seine überaus hingebungsvolle und ersprießliche Dhätigkeit im Interesse der Gemeinde und schließt um 3/42 Uhr die Sitzung. Rr. 5? Zum hundertjährigen Geburtstag Salomon Sulzer'S. (Einges end et.) An die verehrlichen Gemeindemitglieder der Bezirke XII—XV. „Wer einen Hauch von der Gottesbegeisterung der Psalmen in sich aufnehmen könnte! Was sind die Hymnen Pindars gegen die Psalmen! Ein Volk, das aus sich einen Dichter, wie König David einer ist, und die Propheten hervorgehen sah, darf sich mit stolzem Bewußtsein rühmen, ein auserwähltes zu sein." Friedrich Hebbel unter dem Eindrücke der Kunst Sal. S u l z e r ' s aus dem Wiener israelitischen Friedhof. In tvenigen Monaten vollendet sich ein Jahrhundert seit dem Tage, der uns den Meister des „Schir Zion" geschenkt hat. Unter den Auspicien dieses Namens und im Geiste dieser Schöpfung werben wir für die Pflege der jüdischen Sangeskunst in unseren .Bezirken. Im Liede uns von dem Leid der Zeit die Seele zu entlasten, in einer geistesengen Gegenwart uns die Brust zu weiten und das Herz zu stählen in Tönen, welche den Worten unserer Psalmisten, der Kunde von den Thaten und Leiden der Väter die Tiefen des Gemüthes erschließen, für den Gottesdienst Verständniß. und Theilnahme zu wecken und zu vertiefen, der Jugend Begeisterung für unsere Vergangenheit einzuhäuchen und in ihrem Gemüthe unsere Zukunft vorzubilden, das ist unser Plan. Sei es zu ernster Mitarbeit, sei es zu wohlwollender Förderung in weiterem Verbände, begrüßen wir freudigst jede Kraft, die sich in den Dienst der edlen Sache stellt. In der gewissen Zuversicht, daß die Hebung des religiösen und social-ethischen Sinnes in unseren Bezirken Allen am Herzen liegt, richten wir all Jeden die innige Bitte, unseren Bestrebungen durch den Beitritt Zustimmung und Beifall zu bezeigen. Dr. Max G r u n w a l d, Rabbiner der israelitischen Cultusgemeinde. Gottlieb T ä u s s i g, Cultlisvorsteher. Kaiserl. Rath Wilhelm Pollük, ' - - -• Cultusvorsteher. Salomon Beer, Obmann der Bezirkscommission. Samuel Steiner, Obmann des Bethausvorstandes. Dr. S. K r e n b e r g e r, Obmann des Einzelvereines Fünfhaus des „Zion". Anmeldungen werden an die Gemeindekanzlei, XV., Turnergasse 22, erbeten. Aufruf. Der Israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsvereinin Wien, I., Seitenstettengasse 2, die älteste Frauenvereinignng Wiens, hat seit seinem Bestände (1816) unzähliges Gute geschaffen und Millionen für die Unterstützung hilfsbedürftiger Witwen und Waisen, kranker und siecher Frauen verwendet. Täglich nimmt das Elend der ortsansässigen jüdischen Bevölkerung zu, doch findet es nach wie vor fast nur seitens der Glaubensgenossen und der bestehenden confessionellen Vereine Berücksichtigung.Infolge dieser traurigen Verhältnisse werden die an uns gestellten Anforderungen immer größer, im Gegensatz hiezu sind aber die Einnahmen des Vereins von Jahr zu Jahr im Rückgänge begriffen. Seit Jahren sind wir daher gezwungen, das immer größer werdende Deficit durch Entnahmen aus dem Reservefond zu decken, so daß letzterer, wenn nicht binnen Kurzem neue Einnahmsquellen gefunden werden, bald vollkommen erschöpft sein wird. Um nun einen annähernden Ersatz für den uns durch Ausfall an Jahresbeiträgen und Spenden entstandenen Verlust zu erzielen, richten wir an alle Glaubensgenossen die inständige Bitte, unseres Vereines (in gleicher Weise wie der Ehewra- Kadischa) beim Hinscheiden weiblicher Familienmitglieder und Bekannter zu gedenken und bei Entfallen einer Kranzspende die Ablösungsspende unserem Vereine gütigst zukommen laffen zu wollen Diese seit längerer Zeit in Budapest geübte gleiche Sitte hat dem dortigen israelitischen Frauenvereine reichliche Beiträge zugeführt; wir sind überzeugt, daß unser Appell bewirken wird, daß auch in Wien dieselben Opfer gebracht werden. Die Namen der Spender, der Betrag sowie die Veranlassnug der Ablösungsspende werden wir jeweilig veröffentlichen. Wien. An den geehrten Vorstand der israelitischen CultuHgemeinde Wien! Die Budapester Orpheum-Gesellschaft führt, wie aus Placaten ersichtlich, seit einiger Zeit ein Sing- Dr. Mocb's Mocvenscvrlrr,