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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Mocb's TKHocbenscbrift Seite 835 In unseren alten Gemeinden hat es solches nie gegeben, die Vorstandscollegen mögen sich an ihre Jugend erinnern, wie damals der Aermste mit Pietät zur letzten Ruhestätte gebettet worden; wer diese Traditionen im Judenthum erneuern hilft, wird vielen Dank ernten. Obmann der Friedhofscommission Baurath von Goldschmidt dankt für diese Anregung und verspricht, das Möglichste aufzubieten, um den Wünschen zu entsprechen. Kaiserl. Rath P o l l a k wünscht ein rascheres Tempo in Erledigung der Referate in dieser Commission. Vorsteher K a u d e r s tadelt es, daß die Commisfionsberathungen nie ins Plenum kommen; er wünscht auf dem Friedhof einen besonderen Amtsleiter functioniren zu sehen, eine Vermehrung der LeicheMvächter, auch soll der Rabbiner die Leiche begleiten und nicht unmittelbar nach der Function den Friedhof verlassen. Cültusvorsteher Baurath S t i a ß n y: Die angeregten Fragen hängen mit der Systemisirung der Functionstaxen der Prediger und Cantoren zusammen, worüber College Goldschmidt ein ausführliches Referat mit detaillirten Vorschlägen ausgearbeitet hat, ohne daß man wegen vielfacher Hindernisse zu einem Resultate gelangt ist. Vicepräsident Dr. Alfred Stern spricht die Hoffnung aus, daß die Commission die Anträge ausführen und eingehende Vorschläge vorlegen werde. Beim Voranschlag der Spitalcommission beantragt Prof. Ehrmann eine Resolution, betreffend die endliche Activirung der Schule für Krankenpflegerinnen. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Vertreter kais. Rath Moritz Hirsch: Sehr geehrte Herren! Wie Sie, geehrte Herren, aus dem Ihnen vorliegenden Voranschlags für das Jahr 1904 entnehmen, betragen die - präliminirten Einnahmen. . . . K 2,098.643*77 die präliminirten Ansgäben - -.. . . „ 2,207 536 01 so daß sich für das Jahr 1904 ein unbedecktes Gebahrungsdeficit von . . -.K 108.892*24 ergibt. Dieses Deficit setzt sich aus folgenden Ziffern zusammen: Zuschuß zur ordentlichen Gebahrung des Jahres 1904 K 35.657*46 Zuschuß für außerordentliche Auslagen „ 52.930-— Zusammen . X 88.587*46 hierzu konimt. An Darlehensrückzahlungen und Annuitäten.„ 20.304*78 In Summa . K. 108.892*24 Dieses Deficit soll gedeckt werden: aus dem Cassasaldo des laufenden Jahres, aus Ersparungen, eventuell Mehreingängen an Cultussteuer, und wenn dies nicht hinreicht, durch Aufnahme einer schwebenden Schuld. Die einzelnen Capiteln des Budgets weisen folgende Einnahmen und Ausgaben auf: Abschnitt A Bethäuser, Cultus- und rituelle Angelegenheiten Einnahmen . K 213.713— Ausgaben . „ 468 087— Zuschuß K 247.374— Abschnitt B Unterrichtsangelegenheiten Einnahmen . K. 56.878*28 Ausgaben. „ 300.614*28 Zuschuß . K 243.736— Abschnitt C Friedhofs- und Beerdigungsangelegenheiten Einnahmen . K 451.602.— Ausgaben . „ 265.838 — Ueberschuß . K 185.766— welcher dem Abschnitte Armenwesen und Wohlthätigkeitsanstalten zugewiesen wird. Abschnitt v Israelitisches Spital Einnahmen . K 79.264*05 Ausgaben „ 296.053*— Zuschuß K 216.788*95 Abschnitt E Israelitische Versorgungsanstalt Einnahmen - X 58.752*42 Ausgaben . „ 155.097*— Zuschuß . K 96 3 i4*oö Abschnitt .E Armenwesen und Wohlthätigkeitsanstalten Einnahmen . K 19.780*02 Ausgaben . - ,. 234.501— Zuschuß K 214.720*98 Abschnitt 6 finanzielle und administrative Angelegenheiten Einnahmen . X 1,217.011*91 Ausgaben - „ 472.400 86 Ueberschuß K 744 611*05 Darlehensrückzahlungen und Annuitäten . K 20 304*78 Der Hinweis darauf, daß die Gesammtabrechnung für das Jahr 1904 ebenso wie die Rechnungsabschlüsse der beiden vorangangenen Jahre — vom Jahre 1902 wissen wir es jetzt schon gewiß, und vom Jahre 1903 ist es mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen — gleichfalls ohne faktisches Deficit schließen werde, ist meines Dafürhaltens unzutreffend. Im Gegentheil, ich bin zu meinem Bedauern zu der Annahme berechtigt, daß wir das budgetirte Deficit im Jahre 1904, sofern uns nicht ganz besondere und außergewöhnliche Umstände zustatten kommen sollten, nicht beseitigen werden. Zur Begründung dieser meiner Annahme kann ich anführen, daß in das Budget des Jahres 1901 die Gefammtbaukosten für Spital, Altersversorgungshaus und Siechenhaus ausgenommen wurden, thatfächlich jedoch in dem genannten Verwaltungsjahre nur die Hälfte der präliminirt gewesenen Beträge aufgewendet wurde. Die zweite Hälfte haben wir für das Jahr 1903 präliminirt und in diesem Jahre find die Arbeiten ausgeführt und auch bezahlt worden. Hiebei darf aber nicht übersehen werden, daß wir das Glück hatten, mehrere namhafte Spenden zum Baue des Siechenhaufes und des Altersverforgungshaufes von Wohlthätern zu erhalten. Insbesondere ist es die Summe von 68.000 Kronen, welche wir der Munificenz des Baron Rothschild zu danken haben, sowie ein Betrag aus der Verlaffenfchaft Karl Pollak per 8400 Kronen. Weiters fällt in die Wagschale der erzielte Mehreingang von 75.000 Kronen an Cultussteuern. Nur auf diese Weise wird es erklärlich, daß wir auch im ablaufenden Jahre 1903 aller Wahrscheinlichkeit nach ohne Deficit, vielleicht sogar mit einem Ueberfchusie abschließen werden. Meine Befürchtung für das Ergebniß des Jahres 1904 ist umsomehr begründet, als dieses Budget nicht die von den einzelnen Ressorts beantragten, sondern vom Vertreter-Collegium vielfach stark gekürzte Ziffern enthält und es daher fraglich ist, ob damit das Auslangen gefunden werden wird. Andererseits wurden die präliminirten Eingänge an Cultussteuern von K 1,050.000 im Vorjahre auf X 1,150.000 pro 1904 eingesetzt, das ist eine Erhöhung der Einnahmen um K 100.000, welche wohl durch die Eingänge im laufenden Jahre begründet erscheint, aber immerhin eine nicht positiv sichere Ziffer darstellt. Aber noch ein weiteres Moment habe ich hervorzuheben, welches die vom Vertreter-Collegium gehegte Befürchtung rechtfertigt. Das ist unser Capitel für Armemvefen. Trotzdem wir dem Budget des laufenden Jahres für unsere Humanitären Institutionen erhöhte Beträge zugewiefen haben, zeigt es sich jetzt schon selbst, ohne das im Rechnungsabschlüsse ziffermäßig auszuweisende Endergebniß abwarten zu müssen, daß diese nicht genügten und bedeutende Ueberschreitungen vorkamen. In früheren Jahren haben wir bei Verwaltung des Armenwesens eine wesentliche Erleichterung in den uns von zahlreichen Cenfiten zufließenden freiwilligen Spenden gefunden. Seit längerer Zeit ist jedoch in dem Zuflüsse dieser Spenden ein andauernder und uns sehr betrübender Rückgang deutlich wahrzunehmen. Der stetig wachsende Ausfall erschwert und benimmt uns geradezu die Möglichkeit, allen Armen und Nothleidenden in entsprechendem Maße die wünschenswerthe Hilfe und Unterstützung zu gewähren, weil unsere eigenen Mittel auch nur zur theilweisen Linderung der vielseits auftretenden großen Noch und Armuth begreiflicherweise das Auslangen nicht gewähren. Jur Vertrauen auf die zu allen Zeiten von der Judenschaft bekundete Opserwilligkeit gibt das Vertreter-Collegium der zuversichtlichen Erwartung Raum, daß eine Besserung dieser hoffentlich nur vorübergehend schlechten Verhältnisse bald wieder eintreten wird.

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