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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52 Dr. Mocb's MocbenscbrM. Seite 833 erfreute sich allseitig, wie Sie meine Herren sich persönlich überzeugt haben, des lebhaftesten Beifalles. Es ist zu hoffen, daß auch die folgenden Vorträge sich des gleichen Zuspruches erstellen werden. Herr Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn referirt namens der Commission II über die Vermehrung der Lesestunden in der Bibliothek der Cultusgemeinde. Diese Vermehrung entspricht einem tiefgefühlten Bedürfnisse der Leserkreise, welchem unter Anderem auch durch eine Collectiveingabe sämmtlicher jüdischer Studentenverbindungen Ausdruck gegeben wurde. Bisher waren wöchentlich 11 Lesestunden, während in Zukunft deren 24 sein werden, und zwar: Sonntag, christliche Feiertage und Freitag von 9—1 Uhr, Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag je 4 Nachmittagsstunden. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Es wird zur Tagesordnung übergegangen. In Berathung steht der Voranschlag der Einnahmen und Ausgaben der israel. Cultusgemeinde, sowie sämmtlicher unter der Verwaltung der israel. Cultusgemeinde stehenden Fonde und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1904. lieber Wunsch der Cultusvorsteher Eltbogen und Spitzer wird die Generaldebatte eröffnet und als Erster ergreift daS Wort Herr Eltbogen. Das Deficit von K 100.000, mit welchem der Voranschlag abschließt, soll Niemand verstimmen und zu einer pessimistischen Auffassung der Finanzlage und zu einer Vernachlässigung unserer Pflichten verleiten. Wir haben versprochen, Thora, Awoda und Zdoko zu pflegen; wie aber lösen wir das Versprechen ein? Bethäuser und selbst Schulen bauen Privatvereine, und tritt man an den Vorstand mit Anträgen heran um dringende Subvention oder um Bestellung eines Rabbiners, so werden diese Anträge mit dem Hinweis auf das Deficit beseitigt. Redner hält das für ungerecht, selbst die Aufnahme eines großen Darlehens wäre in solchen Fällen gerechtfertigt. Es ist richtig, gegenüber den vielfachen Versäumnissen stüherer Zeiten wurde in dem letzten Jahre viel gearbeitet und geschaffen, das erkenne er gerne an, allein es wird noch immer zu viel gespart und ein jüdisches Sprichwort sagt: „Ohne Hazuo keine Hachnosso." Gegenüber den Ausführungen des Cultusvorstehers Eltbogen verweist der Präsident kais. Rath Klinger auf die stüheren Zustände in der Finanzverwaltung der Gemeinde. Selbst um die laufenden Ausgaben zu decken, mußten Darlehen ausgenommen werden. Heute werde — was vielseitig anerkannt wird, — Manches, das in früheren Jahren verabsäumt wurde, nachgeholt, ohne daß zu derartigen Finanzoperationen gegriffen werden müsse. Redner könne versichert sein, daß der Vorstand nach wie vor bestrebt sein werde, allen gerechten Wünschen nach Möglichkeit nachzukommen. Oberfinanzrath Dr. R a p a p o r t wendet sich gegen die Ausführungen des Herrn Eltbogen. Der Vorstand hat zur Pflege der geistigen Interessen und Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der Gemeindemitglieder viel gethan; die Humanitären Institute erhalten alle ohne Ausnahme viel größere Zuwendungen und erheischen immer größere Opfer. Durch Veranstaltung von belehrenden Vorträgen, die eines zahlreichen Besuches und allgemeinen Beifalls sich erstellen, wird das Interesse der Jugend für das Judenthum angeregt und wach erhalten. Allerdings muß man auch mit den Einnahmen rechnen. Auf erhöhte Steuererträgniffe ist nicht zu hoffen, die Aufnahme eines Anlehens ist blos zur Bestreitung außerordentlicher Erfordernisse, nicht aber zur Befriedigung laufender Ausgaben gerechtfertigt. Nur mit Hilfe äußerster. Sparsamkeit kann es gelingen, eine geordnete Finanzwirthschast in der Gemeindeverwaltung austecht zu erhalten. Cultusvorsteher Salo Cohn: Wir verwalten hier fremde Gelder, das Vermögen der Steuerträger, da ist es erhöhte Pflicht, mit peinlichster Gewissenhaftigkeit vorzugehen. Es kommt wohl im Leben vor, daß Diejenigen, die sich schwer entschließen, selber ein Opfer zu bringen, umso leichter bei der Hand find, das Geld der Gemeinde auszugeben. Redner ist indeß der Meinung, daß man anvertrautes Gut nur mit größter Behutsamkeit verwenden darf. Keine Gemeinde bringt für Wohlthätigkeit so viele Opfer wie die Wiener, die Humanitären Institute, Spital, Altersversorgung und Siechenhaus u. s. w., welche anderwärts, z. B. in Budapest, Berlin, von Privatsonds gespeist werden, müssen wir mit dem Gelde der Steuerträger erhalten: die Steuersteigerung der letzten Jahre war zu groß, und da die Cultussteuerleistung überhaupt lediglich Sache der Pietät ist, so ist es nicht klug, den Bogen allzu straff zu spannen. Cultusvorsteher Kauders bespricht die Gemeindeverwaltung nach den drei Richtungen von Thora, Awoda und Gemilath Chaffodim. Die Nachtheile des allzu minimalen, gesetzlich auf wöchentlich zwei Stunden beschränkten Religionsunterrichtes kann der Vorstand schwerlich saniren, da muß vor Allem das Elternhaus nachhelsen. Was aber Awoda betrifft, so erinnert er an den Zustand der Mikwah, der aller Beschreibung spottet; so kann es nicht weiter bleiben, denn wir sind nach dem Statute zur Erhaltung der Mikwah verpflichtet. Redner bespricht auch die Koschersleisch-Frage und tadelt es, daß, während man überall, in Berlin, Paris und London, in der Lage ist, Fleisch, das verläßlich koscher ist, jederzeit zu erhalten, man in Wien auf einige unter Aussicht stehende Gemeinde-Fleischbänke und auf die wenigen Fleischbänke der Machsike hadass angewiesen ist. Diese wichtige Frage einer befriedigenden Lösung zuzuführen, ist Pflicht der Gemeinde, welcher der Redner zu diesem Behuse sich gern zur Verfügung stellt. In Bezug aus Wohlthätigkeit steht Wien glänzend da. Redner schließt, indem er die Angelegenheit der Tempel-Vereine wärmstens befürwortet. Präsident kaiserl. Rath Klinger betont gegenüber dem Vorredner, daß die Angelegenheit der Mikwah den Vorstand wiederholt beschäftigt. Die diesbezüglichen Berathungen haben leider durch den Heimgang des früh verblichenen Collegen Edlen von Mises eine Unterbrechung erfahren hat. Der Vorstand ist statutarisch zur Erhaltung einer Mikwah verpflichtet und wird sehr bald der Ausgabe näher treten. Cultusvorsteher Baurath v. Goldschmidt meint, die beiden entgegengesetzten Anschauungen, die zum Ausdruck gekommen sind, widersprechen einander nicht, sondern ergänzen sich, Sparsamkeit mit Vernunft und Ausgaben mit Vernunft. Wir sind noch nicht beim Normalbudget, und es harren unser noch neue Ausgaben und neue Ausgaben. Wir werden, wie wir soeben vernommen, eine Mikwah bauen, wir werden aber auch an die Einrichtung der Curse fürjüdische Krankenpflegerinnen schreiten müssen. Die letztere Angelegenheit wurde bis zur Fertigstellung des neuen Tractes im Rothschildspital vertagt; das Spital ist nun fertig und wir müssen nunmehr an die Ausführung unserer Beschlüsse denken. Redner bespricht die Situation der Vereinstempel, schildert die Art solcher Vereinsgründungen und fordert dringend eine Regelung dieser speciellen Verhältniffe. Der Präsident kaiserl. Rath Klinger erinnert an den musterhaften Tempelverein in Mariahilf, der keinerlei Subvention beansprucht, aber Glänzendes leistet, und an das segensreiche Wirken des Collegen Max Fleischer als Präsident dieses Tempelvereines. (Allgemeine Zustimmung.) Cultusvorsteher Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer sieht in der Generaldebatte den Hauptzweck, den Voranschlag als Ausdruck des in der Gemeindeverwaltung herrschenden Geistes zu beleuchten und zu commentiren. Er spricht mit hoher Anerkennung von der Initiative einzelner Privatpersonen, die Wichtiges und Großes geschaffen. Das Vereinswesen soll demgemäß gefördert und nicht behindert werden. Er bespricht eingehend die Koscher-Fleischftageund die Mikwah-Angelegenheit und beantragt eine Resolution, das Mikwah-Comittz aufzufordern, binnen kurzer Frist dem Plenum Anträge zu stellen. Bei Besprechung des Erfordernisses der zweiten Commission hebt er die Wichtigkeit und Nothwendigkeit einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt und Cantorenschule hervor, damit die Cantoren die Eignung erlangen, auch in der Kanzlei eventuell thätig zu sein. Auch die Methode des Unterrichtes bedarf der Verbesserung; die Jugend mit hebräischer Grammatik zu quälen, sei ebenso verfehlt, wie den Geschichtsunterricht auf eine geistlose Nomenclatur von Personen und Jahreszahlen herabzudrücken.

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