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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-25 · 52 (25.12.1903) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
52 (25.12.1903)
Date
1903-12-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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's' rnHI TMHJ iiJ Seite 832 Wollen wir es etwa den altorthodoxen Juden überlassen, diese Güter zu vertheidigen? Werden die Vereine zur Verbreitung der Aufklärung ihnen nicht auch zu Hilfe kommen? Mit welchem Recht verurtheilen wir also diese ehrlichen Träger der überlieferten Vorschriften? Wir beschuldigen sie, das Licht zu scheuen, und sie dagegen trauern um uns, die wir vom Licht der Aufklärung verblendet seien. Nicht Aufilärung ist es, wenn der Mensch ' zum Thier herabsinkt und seine Ideale Instinkten weichen, wenn sein Gehirn verödet und das himmlische Feuer in ihm erlischt (das Schwinden der Ideale ist der Ausdruck einer zusammenschrumpfenden Geistesthätigkeit), nicht Aufilärung ist es, wenn das Judenthum aus dem Herzen verdrängt wird und das Gefühl der Gerechtigkeit erlischt, wenn nationale und sogar Familienbande zerrissen werden und die Moral sinkt! Aus einer solchen Aufklärung entsteht unserem Volke in der ersten Generation Assimilation, in der zweiten Verrath und in der dritten tödtliche Feindschaft. So kommt Eurem Volke denn zu Hilfe, ihr Wohlthäter unter den Juden! Gebt chm in dieser schweren Zeit, deren Ende nicht abzusehen ist, die Früchte der Aufilärung zu kosten, aber behütet es zugleich vor den tödtlichen Stichen ihrer giftigen Stachel und vergeht vor allen Dingen nicht, das; der Jude Licht und Wahrheit braucht — Wahrheit noch mehr, als Licht! * * * Die richtige Erziehung der jüdischen Jugend kann nur mit Hilfe und durch das Beispiel einer gesinnungstüchtigen Familie, durch die Leitung einer erhabenen Mutter erreicht werden, und darum rache ich, vor allen Dingen als erste Bedingung zur Erreichung dieses Zieles jüdische Schulen für das weibliche Geschlecht einzurichten, zur Bildung und Erziehung der jüdischen Mädchen, unserer künftigen Mütter, im biblischen Sinne. Die Frau ist am meisten dem verderblichen Einfluß unserer Zeit ausgesetzt; ihre Sittlichkeit und Moral verdampfen leicht in der ungesunden Atmosphäre unseres Jahrhunderts, ihre Ideale unterliegen bald im Kampfe mit den zeitgemäßen Anforderungen an Luxus und Mode; sie gleicht darin der Blume, welche in erstickender Umgebung chren zarten Dust einbüßt. Die jüdische Frau sinkt tief herab, sie verliert ihre Eigenart, welche einstmals die Bewunderung und das Entzücken aller Menschen ausmachte. Die Initiative zum „Religionswechsel" ihrer Kinder und deren Loslösen von ihrem Volke ist in den meisten Fällen der jüdischen Frau zuzuschreiben. Thoraschulen für die jüdischen Mädchen einzurichten, womöglich das entzückende und von Allen geachtete Vorbild der biblischen Frau herzustellen, an Geist erhaben, an Tugend reich; seinem Volke achtbare Mütter zu geben, welche ihre Kinder auf den Weg der Wahrheit zurückführen und die Fahne des Judenthums hoch halten zur Ehre Israels und im Namen der Gerechtigkeit — das ist die große Aufgabe, würdig großer Männer. Dr. M. Tschernichoff (Odessa). Korrespondenzen. Aus der öffentlichen Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde, Sonntag, den 20. December 1903, unter Vorsitz des Präsidenten kais. Rath Minger. Im Einlauf werden bekannt gegeben: a) Spenden: Vice-Präsident Dr. Alfred Stern, zur eventuellen Ergänzung der Brüder Julius und Dr. Alfted Stern-Stiftung per K 8400 auf K 10.000 ........ K 1600. - Herr Dr. Philipp Neumann, für Arme - .- „ 1000.— „ C. S., für drei würdige Competentinnen oer Th. Uffenheimer'schen Ausstattungsstiftung je K 300 . . . „ 900.— „ Max Ritter v. Gutmann, zur Ertheilung von 4 Stipendien per je L 100 an Bibel- und Talmudschüler . . „ 400.— Nr. 52 Herr Adolf Stöffel, für Arme ........... . K b00.— Sammelspende für die Schulkinder in der Brigittenau durch Herrn Dr. Berger: Bon Herrn Redacteur Lichtblau . . . L 20.— „ „ Friedrich Nadler. . „ 20.— „ „ Sigmund Handofsky . . . „ 20.— „ „ Josef Sachs L3.—, von Hanserl LI.- - .„ 4.- „ „ Leopold Hutter 10.— „ Frau Nimm Leon. „ 10.— „ „ Ernestine Jakob .„ 2.— „ D. H., Wien - .. 20.— „ N. N. Mark 100.—.. „ 117.20 „ 207.20 Frau Betty Thalberg, zur Bertheilung an bedürftige Glaubensgenossen. - - .„ 200.— Herr Max Qnittner sei., Legat für das Hospital in Gleichenberg. . . . . . „ 100.— Frau Fanni Kann, für das Altersversorgungshaus, anläßdes Jahrzeittages ihres sel. Gatten Leop. Kann . „ 100.— St. B. für einen wohlthätigen Zweck.. . ■ . „ 20.— Herr Alfred Heinsheimer, für arme israelitische Kinder in der Brigittenau -.20.— „ Max Jeiteles, für die Chewra-Kadischa . . . . „ 20.— „ Heinrich Scholler, für die Ausspeisung armer Kinder in der Brigittenau . . . . ....... 5.— Frau E. M., für die Brigittenauer Schulküche 20.— „ Deborah Modreiner, für die Brigittenauer Volksküche „ 14.— Erich, Paul und Alice Platschek, für die Brigittenauer Volksküche .. . . .... „ 6.— Frau Rosa Wolfner ................ 4.— Herr Julius Weiß. . . . .. „ 2,— Fräulein Estella und Jeannette Zolles, für das Bethaus im Allgemeinen Krankenhause eine neusilberne Dose und zwei neusilberne Leuchter mit Widmungsinschrift. Herr Moritz Brichta, einen ncusilbernen Chanukaleuchter für das Bethaus im.Allgemeinen Krankenhauses „ Jerome Stern, für Verköstigung armer Kinder der Brigittenau ......... 10. - Den Spendern wird der Dank votirt. Weiters ein Dankschreiben der Leitung des Brigittenauer Kindergartens für die für das Schuljahr 1903/0.4 gewährte Subvention von K 2000.—. Ein Dankschreiben des Hilfsvereines für die nothleidende jüdische Bevölkerung in Galizien, in welchem es unter Anderem lautet: „Die Anerkennung und das großherzige Beispiel der Wiener Cultusgemeinde werden beispielgebend und nacheifernd auf weite Kreise wirken, die sich bisher noch nicht veranlaßt gefühlt haben, uns in unserem Streben geistig und materiell zu unterstützen." Die Dankschreiben der Frauen: Nanny David, Hermine Kadisch, Adele Edle von Mises, für die Berufung in das Ehrendamen-Comitä für die Versorgungsanstalt. Dankschreiben des Herrn Vorstehers Salo Cohn für das ihm anläßlich des Ablebens seines Bruders ausgesprochene Beileid des Cultusvorstandes. Endlich eine Note des Bezirksschulrathes der Stadt Wien, mit welcher unter Bezugnahme auf die Eingabe vom 30. Juni 1903 dem Vorstande mitgetheilt wird, daß (im Sinne des Gesetzes) der Concurs zur definitiven Besetzung der Oberlehrerstelle an der allgemeinen Volksschule für Knaben, II., Untere Augartenstraße 3, unter Forderung des Nachweises der Befähigung zur Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes ausgeschrieben wurde. Dem Plenum werden mehrere seit der letzten Plenarsitzung verliehene Stiftungen zur Kenntniß gebracht. Herr I. Vicepräsident Dr. Alfted Stern bringt im Präsidialberichte zur Kenntniß, daß Samstag, 19. December 1903, die Chanukafeier in der Versorgungsanstalt in überaus feierlicher Weise stattgefunden habe. Wie alljährlich, so auch Heuer, sind in dankenswerther Weise die Kosten von Herrn Vorsteher Salo Cohn bestritten worden. (Lebhafter Beifall.) Weiters bringt Vicepräsident Dr. Stern zur Kenntniß, daß von den zufolge Plenarbeschlusses vom 8. November 1903 abzuhaltenden Vorträgen aus der Mischen Geschichte, der des Herrn Dr. Grunwald über „Die Juden in den Weltstädten des Alterthums" bereits stattgefunden hat. Dieser Vortrag' war überaus zahlreich von einem vornehmen Publicum besucht und Dr. Dlocb's Mocbenscbrm.

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