Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3021493-3021545--13224-3037863- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Str. 51 Dr. Blocb’s MocbenscbrM. Seite 823 Budapests Eine Deputation der orthodoxen ifr. Gemeinden von Budapest, Weitzen, Szatnuir, Kisvürda, Nemetkereßtur, Eperjes, Verbö, Bütorkeß, Putnok, Bonyhüd und Paks erschien jüngst unter Vorantritt der Oberrabbiner im Abgeordnetenhause beim Ministerpräsidenten Grafen T i s z a und beim Unterrichtsminister Dr. Berzeviczy. Ersteren begrüßte der Oberrabbiner von Kisvarda, Letzteren derjenige der Eperjeser orth. Gemeinde. Die Minister erwiderten die Ansprachen in sehr freundlicher Weise. Altona. Herr Connnerzienrath A. Marburg ist zum Geheimen Commerzienrath ernannt worden. Pius X. und die Juden. Als der gegenwärtige Papst neun Jahre hindurch Caplan in Tombolo war, gab er durch mehrere Sommer Unterrichtsstunden in einer jüdischen Familie, die in einer Villa nahe dem Dorfe Landaufenthalt nahm. 1867 als Pfarrer nach Salzano versetzt, stand er dort mit dem jüdischen Fabrikanten Romanin Jacur in freundschaftlichen Beziehungen, verkehrte als Gast in dessen Familienkreis, erbat und erhielt von ihm häufig Hilfe für feine Armen, ja der Fabrikant liebte cs, Unterstützungen, die er ertheilen wollte, nicht selbst, sondern durch den befreundeten Pfarrer zu spenden. Als Sarto Domherr in Treviso wurde, hörte dieser nahe Verkehr auf, aber als Bischof von Mantua, welche Stadt eine starke jüdische Gemeinde einschließt, fand Giuseppe Sarto den dorthin übersiedelten Romanin Jacur wieder und erneuerte die ulten Beziehungen. Zum Patriarchen von Venedig befördert, spendete Cardinal Sarto so eifrig Almosen, daß er ofk selbst in Verlegenheit kam; er wandte sich dann stets an einen reichen jüdischen Geschäftsmann, der ihm auch bereitwilligst aushalf, damit der edle Priester seine Wohlthaten weiter üben könne. Als Cardinal Sarto den päpstlichen Stuhl bestieg, hat der inzwischen zum Senator des Königreiches Italien ernannte „Romanin Jacur ün Stadtrath von Mantua auf das Wärmste die Entsendung eines Glückwunschtelegramms an den neuen Papst befürwortet". So berichtet Monsignore de Val in seiner Papstbiographie. Feuilleton. Weibliche Cya««kagiiste und ihre Kehre«. Von Rabbiner Dr. Niemirover-Jassy. Wieder ertönte in Israel: Es werde Licht, und es ward Licht in den Herzen der Inden. Wenn auch die Zanbersprache des Lichterfestes und der festlichen Lichter nicht mehr so verstanden wird als ehedem, so weckt doch das Chanukasymbol das jüdische Gemüth Der Festleuchter erinnert an die Minorah im Tempel, die Zahl der Lichter an Personen und Ereignisse, an legendäre Wunder und geschichtliche Thaten — vielleicht auch an die fromme Chana II und ihre sieben Söhne, die sich für den Glauben des Jndenthums geopfert. Aus dem Lichtmeer der Chanukafeier strömen für unser Geistesauge Flammengestalten, die uns fesseln. Wenn nach der poetisch-mystischen Sage die männlichen Ahnherrn und Helden unseres Stanimes unsere Ehrengäste der Sukka sind und uns am Thorafrendenfeste aus dem symbolischen Rundgange in der Synagoge begleiten, so darf unsere religiöse Phantasie weibliche Herzensfiguren schildern, die uns im Festlichte erhabene Wahrheiten offenbaren. Den Zweck der Makkabäerkämpfe, die Ideale unserer Väter, die Tugenden unserer Mütter künden uns die Festgäste. Die Krone der Makkabäer, der feste, innige Glaube soll auch unser Haupt schmücken. Aus dem starken Glauben strömt des Sabbath Weihe, des Festes Geist, des Lebens Segen, der Seele Kraft, der Familie Glück, des Kampfes Macht und des Sieges Glanz! Zu diesem reinen, lautern und mächtigen Glauben kann man aber nur durch eine Erziebung gelangen, die sich auf Stammestreue aufbauet. Diejenigen Mütter unserer Gemeinde aber, die ihre Töchter den Priesterinnen eines fremden Glaubens überliefern und so in der Gefühlswelt ihrer Kinder fremde Götter herrschen lassen, löschen das Chanukalicht des Judenthums aus und vernichten die Weihe des jüdischen Weibes Alle strahlenden Vertreterinnen unseres Stammes, die in unserem Herzen beim Anblick der Chanukalichter leben, protestiren gegen eine Erziehung im Geiste des Antiochus Epiphanes. Sara, die durch den Zauber ihres Wesens zur Herrscherin, zur Fürstin ihrer Umgebung geworden, zeigt uns wie streng und rücksichtslos sie gegen Jsmacl geworden, als sie die Gefahr erkannte, die dessen Freundschaft ihrem Sohn bringen konnte. Rebekka schildert uns, wie schwer es ihr gefallen, den jüngeren dem älteren Sohne vorzuziehen, daß sie aber doch nur in dem Sohne, der ihre Ideale vertreten, den Nachfolger erblicken konnte. Lea berichtet uns, daß sie oft in ihrer Jugend geweint, weil sie gefürchtet, die Gattin Esans werden zu müssen, während die Schülerinnen der Schulen Esaus oft Jacob verachten und Esau lieben. Rachel entschuldigt es, daß sie aus dem elterlichen Hause die angebeteten Bilder mit sich genommen, da selbst der Aberglaube des Vaterhauses für treue Kinder etwas Heiliges an sich hat. Sie protestirt jedoch dagegen, daß manche jüdische Tochter unserer Tage fremden Aberglauben huldigt und nichtjüdische Götterbilder anbetet. Mirjam erscheint mit ihrer Pauke, die Israel freudig stimmt, nnd verkündet die Lehre von der Aufgabe des jüdischen Weibes, lautere Freude und reine Heiterkeit zu bringen — dem im Kampf ums Dasein ergrauten Vater, dem mit Sorgen belasteten Gatten, dem ringenden und strebenden Sohne. Dieses Mirjam-Instrument edler Weiblichkeit, israelitischer Glaubensseligkeit ist ein Erbe jüdischer Erziehung. Deborah läßt ihr herrliches, ermuthigendes Lied ertönen und fordert Männer und Frauen zum Kampfe für die Ehre des jüdischen Stammes auf. Die fromme und andachtsvolle Hanna der Bibel bringt ihr Knäblein zu Eli, macht so für die jüdische Schule Propaganda und verkündet, daß in jeder Generation sich ein Samuel hcranbilden kann. Channa II, die ihre sieben Söhne für die Einheit und Reinheit des Gottesglaubens opfern ließ, ruft gleich den anderen Ehrengästen unseres Festes: Zündet an das Licht der Religion und Moral im Seelentempel eurer Kinder und entfacht die heilige Flamme des Geistes in der israelitischen Jugend! Stumme Tragödie«. Von Sz Asz. Antorisirte Uebersetznng von Malwina Blumberg. „Gott, der du herrschest über das Weltall! blick' hernieder auf das Elend Wolfis, des Sohnes von Sara-Dwojre! der da ist von dir geschaffen, ein Werk deiner Hände, das du gebildet zu eigenem Ruhm und eigener Zufriedenheit, auf daß er dir treu diene und preise deinen Namen und deine Größe, und verbreite in der ganzen Welt deinen Ruhm. . . ." „Und du, großer Schöpfer, König und Herr, läsfest deine wichtigsten Angelegenheiten unbeachtet und wendest zu deine Aufmerksamkeit einem so unbedeutenden Wesen, wie Wolf, der Sohn von Sara-Dwojre, eines ist? . . . Du fetzest ihn den schwersten Prüfungen und Versuchungen aus, zahllosen Sünden, sendest ihm die herbsten Leiden, das größte Elend und alle Folterqualen deiner Hölle, und all' dies nur, um dich zum tausendsten Male zu überzeugen, ob er diese schweren Heimsuchungen ertragen oder mit Lästerworten gegen dich sich auflehnen wird. ..." Reb Wolf's Glaube jedoch ist unerschütterlich, und nicht ein einziges Mal noch gerieth er ins Wanken! . . . „Erwähle mich, allmächtiger Vater", so ruft der Aermste, „zum Ziele all' deiner verwundenden Pfeile. Ich bin bereit, alles ohne Murren zu ertragen, denn wohl weiß ich, daß dies nur Prüfungen sind, die du meiner Frömmigkeit auferlegst. Alles, womit du mich heimsuchst, gilt mir als Beweis deiner unendlichen Gnade. . ." Wenn indessen nach tagelangem, vergeblichen! Umherlaufen Reb Wolf des Abends mit leeren Händen zu seiner hungrigen Familie heimkehrt, geschieht es manchesmal, daß aufrührerische Gedanken ihn verfolgen und daß seinem Herzen eine sündhafte Bitte sich entringt: „Herr! wohl weiß ich, daß du die Freuden dieser Welt nicht für die Gerechten geschaffen und daß du paradiesische Freuden, welche uns die Qualen dieses Lebens hundertfach vergüten sollen, in Hülle und Fülle für uns im Jenseits vorbereitet hast. Darum wird auch, was mich anbetrifft, der heftigste Sturm den Nachen meines festen Glaubens nicht zum Wanken bringen, die stärkste Strömung meinen Geist nicht auf das Meer des Zweifels und der Verzweiflung treiben, doch eine Bitte möchte ich dir vortragen, Herr! eine Bitte, die zu er-