Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 51 (18.12.1903)
- Date
- 1903-12-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Sette 822 Dr. Mocb's MocbenscbrM< Nr. 51 Wien. An der isr. Kinderbewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, sand am 14. d. M. eine Chanukafeier statt, an welcher der Vorstand und zahlreiche Mitglieder der seit 61 Jahren bestehenden Anstalt theilnahmen. Nach Entzündung der Lichter durch einen fünfjährigen Knaben und nach Darbietung einiger Gedichtchen und Liedchen erhielten die Kleinen eine reichliche Jause, worauf sämmtliche Kinder — 218 an der Zahl — mit Kleidern, Schuhen re. und Spielsachen beschenkt wurden. Wien. (Jüdische Cneyklopädie.) Die Verlagsbuchhandlung Funk und Wagnalls Company in London und New-Iork, Herausgeber und Verleger der „Jüdischen Encyklopädie", hat die Wiener Buchhandlung Gerold & C o. in Wien, I., Stefansplatz 8, mit der Vertretung betraut, wo auch einzelne Exemplare des großen Werkes cingesehen werden können. Wien Der israelitische Frauen-Wohlthätigkeitsverein Josefstadt im VIII. Bezirke der Stadt Wien hielt am 13. December eine Chanuka-Feier, wo er weithin über 100 Kinder aus allen Bezirken Wiens mit vollständiger Wäsche, Schuhen, Hüten und Winterkleidern versehen hat. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt dem Zwecke gemäß eine sehr würdige Ansprache. Nachher wurde von den Kindern die Volkshymne gesungen, wie auch von allen Gästen auf unseren erhabenen Monarchen Franz Josef I. ein dreifaches Hoch ausgebracht. Nach all den feierlichen Ansprachen wurden die Kinder seitens der Vorstandsdamen mit einer guten Jause bewirthet. Wie«. (Wiener Bet-lla-Niärasoll-Verein.) Der Vorstand des Bet-lla-Niärasell-Vereines hat in der am 30. November d. I. stattgefundenen Sitzung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. S. Gelbhaus in Anerkennung seiner zehnjährigen Lehrthätigkeit am Bet-ka-Midrascli zum Lector an dieser Lehrstätte ernannt. Wien. (Humanitärer Verein „Neuer Freundschaftsbund" utr Bekleidung armer jüdischer Schulkinder.) Dieser rührige, noch junge Verein hielt Dienstag den 8. December sein diesjähriges Bekleidungsfest im Saale „Bayrischer Hof" in besonders feierlicher Weise ab. Es wurden 50 Kinder (Knaben und Mädchen) mit vollständiger Winterkleidung und Schuhen betheilt und dann reichlich bewirthet und beschenkt. In seiner Ansprache betonte der Obmann des Vereines, Herr Julius Wottitz, in einer zum Herzen der zahlreich anwesenden Gäste gehenden Weise, daß trotz der vielen Wohlthätigkeitsvereine der Noth unter unseren Glaubensgenossen nicht abgeholfen werden könne; er verglich die herrschende Noth mit dem Faffe der Danaiden, welches — weil bodenlos — niemals gefüllt werden könne, und führte aus, daß bei einigem guten Willen der Wohlhabenden diese Noth etwas gemildert erscheinen würde. — Mit einem Appell an die betheilten Kinder, sich der erwiesenen Wohlthat durch Fleiß und Folgsamkeit würdig zu zeigen, schloß unter Absingung d r Volkshymne die schöne Feier Wien. Der Theologische Verein der Hörer an der israelitischtheologischen Lehranstalt bringt hiermit zur Kenntniß, daß das Vereinsmitglied Herr Samuel Arje Samstag den 19. d. M. im Letü Lawickrasell (Tempelgasse 3) beim Morgengottesdienst eine Predigt halten wird. Beginn des Gottesdienstes 8 Uhr. Jungbunzlau. Anläßlich der Chanukafeier veranstaltete die hiesige Ortsgruppe des „Hilfsvereines zur Unterstützung der polnischen Juden" am 12. d. M. einen Festabend im „Hotel Beranek". Am Beginn dieser Feier begrüßte der Obmann dieses Humanitätsvereines Fabrikant Herr S. Haas die zahlreich erschienenen Gäste auf's Freundlichste und ermunterte sie, nicht zu erlahmen in ihrem Wohlthätigkeitssinn. Hierauf sprach Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. M. Hoch einen poetischen, in schwungvoller Sprache verfaßten Prolog über die Makkabäersiege und hielt seinen Vortrag über die Makkabäerzeit. Dann folgten Gesangs- und Musikpiäcen sowie Recitotionen, worunter zwei sehr ausdrucksvoll vorgetragene Gedichte der Frau Di. Steinreich vielen Beifall fanden. 8. Oderberg (Bahnhof). Der Vorstand des israelitischen Bethgusvereines zu Oderberg (Bahnhof) veranstaltete am 13. d. M. eine Chanukafeier. Eingeleitet wurde der Gottesdienst durch ein vom Kinderchore gesungenes deutsches Mah TWu, verbunden mit einem längeren Solo, welches vom Herrn Obercantor Goldman wirkungsvoll ausgeführt wurde. Vor dem feierlichen Anzünden der Channkalichter hielt Herr Goldman eine längere Ansprache an die Kinder, in welcher er die Analogien zwischen der Chanukageschichte und den Ereignissen der der Jetztzeit hervorhob. Hierauf traten die Kinder in Reih' und Glied und der lange Zug bewegte sich zum Gasthause des Herrn Safier, wo die Kinder, etwa 200 an der Zahl, mit Chocolade und Gebäck bewirthet wurden. Einige religiöse und humoristische Gedichte wurden »an den Kindern vorgctragen und ein kleines Theaterstück aufgeführt, welche reichlichen Beifall fanden. Etwa 20—25 Kinder armer Eltern, wurden auch mit Geldbeträgen zur Anschaffung von Winterkleidern bedacht. Z. Tesche«. Unter großer Theilnahme aller Kreise der Bevölkerung wurde Herr Ferdinand Kohn, ein sehr frommer, wohlthätiger Ehrenmann, Schwiegersohn des großen Talmndisten und Philanthropen Jsak Tauber aus Leipnik, zu Grabe getragen. Tieiergreifend waren die innigen Abschiedsworte, die der Schwager des Verklärten, Rabbiner Dr. Jacob Tauber aus Preran im Namen der Familie, deren Mäcen er stets war, thränenreich sprach. Der ruhmvolle Nachruf, den der ehrwürdige Rabbiner Dr. L e i m d ö r f e r dem durch seinen mustergiltigen Tugenden ausgezeichneten bescheidenen Manne hielt, bewegte Aller Herzen. Essegg. Unser allgemein verehrter Schulleiter Herr Marcus S ch i ck, der im Laufe von nahezu 40jähriger Lehrthätigkeit eine ganze Generation erzogen und herangebildet hatte, starb am 6. December im Alter von 73 Jahren. In einigen Monaten hätte seitens der Cultusgemeinde sein vierzigjähriges Dienstjubilänm gefeiert werden sollen, zu welchem der Cultusvorstand bereits die vorbereitenden Maßnahmen getroffen hatte. Doch er sollte den schönsten Tag der äußeren Ehrungen seitens seiner dankbaren Schüler und seiner Gemeinde nicht erleben. Ueber seinen Lebenslauf erfahren wir folgende wichtige Daten: Marcus Schick wurde im Jahre 1830 in Tnöap in Böhmen geboren. Nachdem er in Prag die Realschule und die Technik absolvirt hatte, war er als Ingenieur beim Bau einer galizischen Eisenbahn thätig. Im Sturmjahre 184s bemächtigte sich auch seiner die flammende Begeisterung nach politischer Freiheit und bald finden wir den tapferen Jüngling als Commandanten von hundert Studenten in der Prager Bürgermiliz. Diese Bethcilignng am politischen Leben mußte wohl Ursache gewesen sein, daß er Oesterreich verließ und eine Stelle als Erzieher bei einer Herrschaft in Ungarn annahm. Von dort ging er nach Lengyeltoti und Marczali als Lehrer, bis er endlich in Essegg landete, wo er sich die innigen Sympathien der Scküler und Eltern erwarb. In glücklichster Ehe lebte er m t seiner Gattin volle 43 Jahre und ihrem Bunde entsprossen zwei Söhne und eine Tochter. — Von de. Werthsä ätzung, deren sich der Verstorbene erfreute, zeigte die stattgefundene imposante Leichenfeier, an welcher sämmtliche Verehrer des Verstorbenen theilnahmen; sogar aus PoLega traf eine dreigliedrige Deputation, bestehend aus den Herren Dr. Band, Gerichtsadjunctcn Largonja und dem Privatier Victor Mavrak, ein. Oberrabbiner Dr. Ungar widmete dem verdienten Manne einen schwungvollen, ergreifenden Nachruf. Der Vorstand der isr. Cultusgemeinde und Chewra- Kydischa condolirte unter Führung des Vorstehers Dr. Hugo Spitzer im Träuerhause und die gewesenen Schüler des tiefbetrauerten Lehrcrs bildeten zu beiden Seiten des Le'chenwagens Spalier. Sämmtliche Lehranstalten waren vertreten. Die Schuljugend, der Lehrervcrein „Zapdnica" gaben dem todten Lehrer das letzte Geleite Am Friedhofe selbst trugen die Vorstandsmitglieder und die einstigen Schüler des Verstorbenen den Sarg vom Leichenwagen bis zum Grabe. Dieser Act echter Pietät rief tiefe und anhaltende Bewegung hervor, welche sich noch mächtig steigerte, als Herr Cultusvorsteher Dr. Hugo Spitzer sowohl in dieser seiner Eigenschaft, als auch im Namen aller einstigen Schüler einen von Pietät und warmer Dankbarkeit durchwehten Nachruf dem Verstorbenen widmete, dessen packender Wirkung sich Niemand verschließen konnte. Im Schoße der Gemeinde selbst wurde mit seltener Spontanität eine Action zur Gründung eines „M a r c u s Schick- F o n d e s" eingeleitet, welcher sich voraussichtlich die vielen nach Hunderten zählenden auswärts lebenden Schüler dieses verdienten Mannes anschließen werden. Die Zinsen dieser Stiftung sollen alljährlich am Sterbetage weil. Marcus Schick, einem nothleidenden jüdischen Lehrer ausgefolgt werden. N. Sch. Prag. Der hiesige Großindustrielle Josef S o b o t k a wurde mit 14 1.000 Stimmen in den Vorstand der Arbeiter- Unfall-Versicherung gewählt. Triest. Prof. Cavaliere Vittorio C a st i g l i o n i verläßt unsere Stadt, um dem Rufe als Oberrabbiner nach Rom zu folgen. Olmütz. Am Sonntag den 13. December hat im Sitzungssaal der hiesigen isr. Cultusgemeinde die Betheilung von circa 30 arinen Schulkindern mit compteten Winterkleidern in Anwesenheit der Präsidentin des Vereines Frau Sofie Zweig, sowie deren Stellvertreterin Frau Sofie Kaufmann, weiters der Vorstandsdamen und der Vertreter der Cultusgemeinde stattgefunden. Herr Cultuspräsident Dr. Eben hob in feiner Ansprache die edlen Zwecke und Ziele dieses eminent wohlthätigen Vereines hervor und knüpfte hieran den Wunsch, daß es der zielbewußten Leitung des Vereines gelingen möge, in diesem humanen Wirken sich stets zu bethätigen. Hierauf fand im Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim die Festpredigt hielt Und den humanitären Act des Frauenvereines vom religiösen Standpunkt besonders lobend hervorhob.