Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 50 (11.12.1903)
- Date
- 1903-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Dlocb s Mlocbenscbrirr. Seite 801 Wie eifrig und ernst die Vorstandsdamen des Brigittenauer Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines ihren socialen Hilfsdienst versahen, erhellt auch recht deutlich und klar aus jenen Daten, welche sich aus der Zugehörigkeit dieses Vereines zu dem unter der Aegide des löblichen Cultusvorstandes stehenden Wöchnerinnen-Central-Berband unter dem Vorsitze der hochsinnigen Präsidentin Baronin Charlotte Königswarter sich ergaben. Während des Jahres 1902 wurden von dem Verbände in allen Wiener Bezirken zusammen 690 Wöchnerinnen unterstützt, davon in der Brigittenau 2 2 8, also fast ein Drittel. Für diese Unterstützungen wurden im Ganzen 21.801 K. aufgewendet, wovon pro ratn pnrto für den XX. Bezirk 7800 K., davon baar 3506 K. entfielen, welche Hilfeleistung selbstverständlich zahlreiche, mühevolle Recherchen zur Voraussetzung hatte. Aber auch sonst, wo es galt, im Bezirke Gutes zu thun, war dieser Verein zu finden. Bei der Errichtung der nunmehr in der Brigittenau zum Segen unserer armen Glaubensgenossen bestehenden israelitischen Volksküche hat er nicht allein dadurch mitgewirkt, daß er in der Ueberzeugung von der dringenden Nothwendigkeit einer solchen Wohlfahrtsanstalt einen Gründungsbeitrag von 600 Kronen leistete, sondern auch dadurch, daß er die Aufsichtsdamen während der Speisestunden beizustellen sich bereit erklärte. Ebenso übernahmen die Vorstandsdamen die Bedienung bei der Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder, deren Zahl sich im Vorjahre auf rund 250 täglich belief. Im Vereine mit dem unter der Obmannschast des bekannten Menschenfreundes Herrn Heinrich Weiner stehenden Vereines „Die Brüder" betheiligte er sich an der Bekleidung armer Schulkinder, wozu er 300 Paar Schuhe für Schüler der Volks- und Bürgerschulen und 35 Paare für die armen Kleinen in dem Brigittenauer israelitischen Kindergarten beistellte. Schon aus diesem knappen Berichtsauszuge kann man erkennen, wie sehr ernst dieser Frauenverein seine statutarische Aufgabe, nämlich die Unterstützung von insbesondere armen Wöchnerinnen, Witwen und Waisen, immer im Auge behält,' indem er thatsächtich beherziget das in dem Bericht erwähnte schöne Wort Jesaias: „Reiche Brot, wem der Hunger thut weh, Dem Heimlosen stets zur Seite steh'!" Es verdient daher dieser unterFührung der Präsidentin Frau Dr. Emilie Weiß so w o h l t h ä t i g w i r k e n d e Verein nicht nur die A n e r k e n n u n g, s o n d e r n auch die t h a t k r ä s t i g st e Förderung aller e d l e n M e n s ch e n f r e u n d e u n d W o h l t h ä t e r. Budapest. (Eine A ct i on der jüdischen Trafik a n t e n.) Unter Führung des Verboer Oberrabbiners Alexander Reich machte jüngst eine Deputation beim Finanzminister Lukäcs ihre Aufwartung und ersuchte ihn, den Ministerialerlaß betreffs der Provinztrafiken, durch welchen die jüdischen Trafikinhaber — da der Tabaksverkauf auch an jüdischen Feiertagen nicht ruhen darf — hart getroffen wurden, nach Thunlichkeit zu lindern, eventuell auszuheben. Minister Lukäcs empfing die Deputation aufs Freundlichste und erklärte, daß er, insofern die Interessen des Aerars durch die Zurückziehung dieses Erlasses nicht geschädigt. werden, die Aufrechterhaltung desselben nicht für absolut nothwendig halte. Auch erklärte der Minister, daß er in dieser Angelegenheit eine Enquete einberusen werde, in welcher die Interessen des Aerars, wie auch die Wünsche der Trafikanten eingehend erwogen werden sollen. Diese Enquete fand sodann unter dem Vorsitze des Staatssecretärs Gränzenstein statt; an derselben nahmen Oberrabbiner Alexander Reich, wie auch zahlreiche Mitglieder der Deputation der Trasikinhaber theil. Nach längerem Ideenaustausch schloß Staatsseeretär Gränzenstein die Conserenz mit der Bemerkung, daß der Finanz ninister die geäußerten Ansichten in Erwägung ziehen werde. Der Staatsseeretär versprach, daß er die Angelegenheit der Trafikanten aufs Wärmste unterstützen und sich die Zurückziehung des gegen die religiöse Ueberzeugung der Trafikanten verstoßenden Erlasses angelegen sein lassen werde. Czernowitz. (D e r w a h r e F l o n d o r.) Was Dr. Flondor selbst nicht offen einzugestehen wagt — es liegt dies schon in seinem Wesen — das besorgt nunmehr seine Garde, zumeist rumänische Studenteu. Im Landtag hat Dr. Flondor durch den damaligen Sprecher des rumänischen Landtagsclubs, Georg Baron Waffilko, jede antisemitische Gesinnung verleugnet. Er ging noch weiter und hat gegenüber dem Abgeordneten Dr. Straucher in entschiedensten Worten den Antisemitismus verdammt und als etwas Verwerfliches von sich gewiesen. Aber in seinem Herzen lodert die Flamme des Hasses und auch des Racenhasses, sie drängt ihn zur That, während ihm andererseits der Muth fehlt, offen seine Gesinnung zu bekunden und als ehrlicher Gegner des Judenthums auf den Plan zu treten. Hinterhältigkeit ist der Trumpf dieser Art Politik. Und wie in den im Landtage zur Genüge erörternden Fällen, betreffend den antisemitischen Brandartikel „Rumänen und Juden" und das so gefinnungsniedrige Pamphlet „Zur Abwehr", Dr. Flondor stets andere vorschiebt, irgend einen Strohmann hinstellt, der für ihn die Kastanien aus dem Feuer holen soll, so auch in dem neuesten Falle, der uns diesmal beschäftigt. Dr. Flondor ist gegenwärtig selbstvergessen genug, die rumänische Jugend irrezuleiten und sie zum Kampfe gegen den Frieden im Lande, gegen die Mitbewohner jüdischer Confession zu verleiten. Nur so kann man es sich erklären, daß es Studenten in der Bukowina wagen konnten, eine Versammlung einzuberufen, ans deren Tagesordnung „Die Verbreitung des Antisemitismus" stand, lieber dieses Vorkommniß liegt uns der nachfolgende Bericht eines Theilnehmers an der Versammlung vor: „Am 19. November fand in Czernowitz eine von stud. phil. Tofan einberufene rumänische Studentenversammlung statt, welche als ersten Punkt der Tagesordnung das liebliche, insbesondere den rumänischen Patentpatrioten Wolczynski und Flondor sehr angenehme Thema: „Welche Maßnahmen wären gegen das Jndenthum zu unternehmen?" hatte. Als Erster sprach hierüber der Einberufer der Versammlnug. Er wies, mit Rücksicht darauf, daß die jüdischen Studenten sich an der politischen Agitation im Lande betheiligen, auf die Nothwendigkeit hin, die Juden in der Bukowina zu vernichten. Wie? Das hätte die Versammlung zu beschließen. Er meine, daß dies am geeignetsten mit der Herausgabe einer antisemitischen Broschüre in rumänischer Sprache zu bewerkstelligen wäre. Damit man aber mit der Abfassung einer solchen Broschüre nicht zu viel Mühe haben soll, empfahl er, ein bekanntes französisches, unter dem Titel „Verax" erschienenes antisemitisches Hetzbüchlein zu übersetzen und es dann gedruckt unter das rumänische Landvolk zu bringen. 8tnä. tdeol. Czoban (ein Siebenbürger) „bestätigt", daß das rumänische Volk kn der Bukowina von den Juden ausgesogen, betrogen und Lbervortbeilt werde, und meint, es wäre am Platze, hier im Lande selbst, für den Antisemitismus sprechende Daten zu sammeln und sie dann in der angeregten Weife zu fructificiren. Damit aber hiefür kein Kostenaufwand nöthig sei, kann alles in der „Desteptarea4 gedruckt werden, gleichviel ob sich die Versammlung für den „Verax" oder für eine Originalbrofchüre entscheidet. In ähnlichem Sinne sprachen noch Bodnarescn und Busiu Siretea. Hierauf ergreift das Wort Herr Bartoiu, welcher die Ueberflüffigkeit dieser ganzen Debatte nachweist und den jungen Herren zuruft, sie möaen achtgeben, was sie thun. Schließlich wird über Antrag des Herrn Morariu beschlossen, nichts zu drucken und zur Tagesordnung überzugehen. — An der Versammlung nahmen circa 100 Personen theil. von denen der größte Theil, gewiß an die 90. nicht eines Sinnes mit dem Flondorianischen Anhang waren. Diesem Umstande ist es zuzuschreiben. daß diese Leutchen dort ziemlich kleinlaut und selbst froh waren, daß der Gegenstand von der Tagesordnung abgesetzt wurde. Von der Opposition (d. i. der Theil der „Junimea", der für Dr. Aurel von Onciul mit dem Corps „Bukowina" ist) waren für den Fall, als es nothwendig sein sollte, mehrere Redner defignirt. — Der zweite Punkt der Tagesordnung betraf die bevorstehende 400jährige Stefan-Vodafeier in Putna. Beim Punkte „Eventualia" sollte der Versuch gemacht werden, dem Dr. Flondor und der Bojarenclique irgend eine Vertrauenskund ebung zu beschließen. Dies wurde jedoch mit Rücksicht auf die nichtentsprechende Stimmung unterlassen. Diese Versammlung ist ein neuerlicher Bestrag zum „wahren Flondor". Flondor — als Antisemit, ist nun dauernd festgenagelt. Man muß nunmehr in der Bukowina mit der traurigen Thal suche rechnen, daß Dr. Flondor nicht allein seine im Verborgenen vegetirende sogenannte „rumänische Volkspartei", sondern auch einen Theil der Junimisten für die Verbreitung des Antisemitismus mobilisircn will. Ein anderer Theil und er hält gemeinsam mit der „Bukowina" zur Fahne Dr. Onciuls — huldigt freisinnigen Anschauungen. Und gerade diese Stellungnahme beweist, wie dringend nothwendig eia Zusammenschluß aller freisinnigen Elemente in der Bukowina ist. Nur wenn der Freisinn eine Macht im Lande wird, kann er der finsteren reaktionären Bande den Boden entziehen. Die Bevölkerung wird es in ihrer Macht haben, bei den nächsten Wahlen ihr Schicksal zu schmieden. Will sie den confeffionellen und nationalen Frieden dauernd erhalten, dann muß sie mit den Freisinnigen gegen jene Erzreaktionäre gehen, die sich nicht schämen. Gesinnungsgenossen eines Dr. Flondor zu fiin. Auch die Deutschen in der Bukowina werden nunmehr F..rbe bekennen müffen. Halten sie an den Banden fest, die sich zwischen ihnen und den Rumänen von der Couleur Dr. Flondor spinnen, dann