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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Dlocb's MocbenscbrLtt. Seite 787 weiter zu stärken und ihre letzten verderblichen Pläne zu unterstützen. Gelingen diese, was Gott verhüten möge, dann wird Herr Solomiak am längsten Consulatsbeamter und Postleiter gewesen sein, mag er noch so viele Jahre der russischen Macht hilfreiche Dienste geleistet haben. Also man verschone uns in Europa mit den russischen Postmarken aus Jerusalem. Korrespondenzen. Eine Synagoge von der exekutiven Feilbietung bedroht. Wir erhalten folgenden A n f r u f! An der Südbahnstrecke Atzgersdorf—Liesing steht ein kleines Häuschen. Es trägt die Aufschrift „Beth Hakeneseth" und beherbergt nebst dem Gotteshause auch eine Talmud-Thoraschule. Ein früher durch dreißig Jahre in dem Nachbarhause eingemiethetes Tempel-Local war gekündigt worden. Ein neues Local zu Miethe zu beschaffen war absolut unmöglich. Und so mußte der gefertigte Tempelverein — wollte er nicht auf Gottesdienst und Lehre verzichten — vor drei Jahren jenes neue bescheidene Häuschen erbauen. Infolge unvorhergesehener Calamitäten ist das müßige Präliminare (circa 13.000 Gulden) überschritten worden und nun soll die dem Gottesdienste und dem Unterrichte geweihte Stätte wegen eines Fehlbetrages von 4600 Gulden e x e c u t i v v e r st e i g e r t werden. Um dies abzuwenden, wurden in den letzten Tagen 1600 Gülden gesammelt. 3000 Gulden fehlen noch. Eine für den zumeist aus unbemittelten Mitgliedern bestehenden Betbausverein Atzgersdorf—Liesing unerschwingliche Summe! So wenden wir uns an unsere wohlhabenden und opferwilligen Glaubensbrüder in Wien mit der innigsten Bitte: Helft uns! Lasset nicht jene Gott geweihte Stätte und Schule Vörden Thoren Wien's ob einer Schuldsumme von 4000 Gülden unter den Hammer kommen. Man will sie — wie man uns sagt — zum Pferdeftall umwandeln. Oh! wendet van uns Allen diese Schmach ab. Die Cassa der Wiener Cultusgemeinde nimmt Spenden entgegen und der mitgefertigte Dr. Alfred Stern trägt dafür Sorge, daß das einlaugende Geld n u r dann, wenn der vorerwähnte Erforderniß-Betrag zur Gänze erreicht ist, ausgefolgt werde. Andernfalls werden die Beträge den Spendern (welche Namen und Adresse angeben wollen) zurückgestellt. Dr. Alfred Stern Der Tempelverein: Bicepräsident der Wiener Cultus- Atzgersdorf — Liesing. gemeinde. Verein zur Abwehr des Antisemitismus. Unser dem Vorsitze des Vicepräfidenten Freiherrn von Seiler fand Samstag Abends im Saale des Wissenschaftlichen Club die diesjährige Generalversammlung des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus statt, der die Baronin Frau Bertha S u t t n e r, Hofrath Professor N o t h n a g e l, Supew intendent Professor Seberiny, Baron D o b l h o f f rc. anwohnten. Nach Begrüßung der Anwesenden erstattete der Schriftführer Oberinspector Engel den Jahresbericht. In tiefempfundenen Worten gedenkt der Bericht der furchtbaren Ereignisse in K i s ch e n e w. Zur Linderung der dort durch Mord und Plünderung entstandenen Noth hat der Verein sein Schürflein durch Widmung eines Geldbetrages beigetragen. Der Jahresbericht wurde einstimmig genehmigend zur Kenntniß genommen. Baron D o b l h o f f führte aus, daß in den letzten Sitzungen des niederösterreichischen Landtages sich eine förmliche Schreckensherrschaft breit gemacht habe. Die Antisemiten haben versucht, die Wiener medicinische Schule durch llnbegründete Angriffe herabzudrücken. Solchen Vorgängen gegenüber stillzuschweigen, wäre ebensoviel, als sich zum Mitschuldigen derselben zu machen. Es dürfe nicht ruhig zugesehen werden, daß unter dem Vorwände der Bekämpfung des Judenthums der modernen Bildung und Wissenschaft direct ins Gesicht geschlagen wird. Der Redner beantragt folgende Resolution: „Die heute hier Versammelten geben ihrer Entrüstung Ausdruck über die unberechtigten Angriffe auf die Vertr eter des ärztlichen Standes, welchen sie den „Stolz unserer Hauptstadl" nennen; sie erhoffen von den Behörden im Interesse der Ordnuna auf Grund gesetzlicher Basis Hintanhaltung solcher Auswüchse; sie protestiren auch gegen den Mißbrauch des Buchdruckes, durch welchen diese gehaltlosen Beschimpfungen und gehässigen Hetzreden in der Oeffentlichkeit verbreitet werden, zum Schaden für die Klarheit der Begriffe in der Bevölkerung und nur geeignet, die Achtung zu untergraben, welche Jedermann den Vertretern der Wissenschaft und in erster Linie dem ärztlichen Staude schuldet " Die Resolution wurde ohne Debatte einhellig unter starkem Beifall angenommen. Hofrath Professor Nothnagel sprach zunächst dem Freiherrn von D o b l h o f f seinen wärmsten Dank aus für das rührende Interesse, welches er in feinen 'Ausführungen bekundet habe. Hofrath 'Noth n a g e l bemerkte im weiteren Verlaufe seiner Rede, es wurde bereits die Frage aufgeworfen, ob der Verein noch Existenzberechtigung habe, nachdem feine Kräfte leider nicht ausgereicht haben, den 'Antisemitismus erfolgreich zu bekämpfen. Unsere Existenzberechtigung haben wir aber schon dadurch erwiesen, daß wir uns constituirt haben. Die Auflösung des Vereines wäre ein Fehler. Eine der Ursachen, warum wir nichts geleistet haben, fei, daß wir nur den Marionetten gegenüberstehen, aber nicht jenen Mächten, die sie lenken. Wir müssen uns auch ferner erhalten. Eine weitere Frage, die hier aufgeworfen wurde, war, was wir thun können, nm den Verein wieder mehr in die Oeffentlichkeit treten zu lassen. Zu diesem Zwecke wäre es angezeigt, ein Comitä einzusetzen, das hierüber zu berathen und Vorschläge zu erstatten hätte. Baronin Suttner erklärte, es war ihr sehr schmerzlich, hieher zu kommen, sie habe es aber für ihre Pflicht gehalten, zu kommen, sie fei dies dem 'Andenken ihres verstorbenen Gatten schuldig, an dem Verein, den ihr Gatte begründet, festzuhalten. In seinem letzten Willen habe er ihr arffgetragen, weiter zu arbeiten für die Ziele der Menschlichkeit. Wenn Alle zurücktreten sollten, dann werde sie die Letzte sein in diesem Vereine. (Lebhafter Beifall.» Baronin Suttner empfahl, öfters öffentliche Versammlungen abzuhalten, zu welchen auch den Feinden der Zutritt zu gestatten sei, selbst auf die Gefahr hin, gesprengt zu werden. Jeder solche Verein fei ein Kampfverein und dürfe seinen Gegnern nicht ausweichen. (Beifall.) In das vorgeschlagene Comit6 wurden sodann folgende Herren gewählt: Baron D o b l h o f f, Oberinspector Engel und Nordbahnbeamter Wald st ein. Nachdem noch Professor Seberiny den Zusammenhang zwischen Judenthum und Christenthum dargelegt hatte, wurden schließlich die Wahlen in den Ausschuß vorgenommen und hierauf die Versammlung geschlossen. Der Sturmgeseüe Socrales. Die „Oesterrcichische Wochenschrift" >Nr. 46 vom 13. November 1903) bringt einen Artikel unter der Spitzmarke: „Der Sturmgeseüe Socrates", dessen 'Autor Se. Ehrwürden Dr. Tänzer, Rabbiner in Hohenems, ist. Die verehrliche Redaction nimmt in einer Fußanmerkung gegen den Satz: „Wir Menschen von heute haben nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den Anforderungen der Zeit in allen Institutionen des Judenthums Rechnung zu tragen" Stellung und erwidert: „daß alle radikalen reformatorischen Bestrebungen, das Judenthum entsprechend den Anforderungen der Zeit auszugestalten, direct zur Taufe führen." Ich erlaube mir also der verehrlicheu Redaktion zu bemerken, daß dieselbe sich mit dieser Behauptung im Jrrthume befindet. Vor Allem ist es doch einleuchtend, daß wer zur Taufe hinneigt, jedwedes Interesse am Wohl und Wehe des Judenthumes verloren hat, ihm bleiben alle inneren geistigen Bewegungen in Israel vollkommen gleichgiltig; der psychische Zustand

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