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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sil. 49 Dr. Dlocb s MocbenscbrM. Seite 78?» zur Erkennung des Genul der Haupt, ölter rc. bestimmt sind. Und das ist der Jrrthum des Herrn Jacob ben Benjamin. Will Herr Jacob ben Benjamin aber den Unterschied zwischen einem Lehrbuche und einen! E l e m e n t a r b u ch e der hebräischen Sprache kennen lernen, so nehme er den praktischen Lehrgang „Limiule Schaaschuim“ (6. Ausl, I. Schlesinger's Verlag, Wien, von demselben E. Bondi) zur Hand. Und noch darf ich verrathen, daß mein Vater heute, in seinem 84. Jahre, im Begriffe steht, eine 5. Auflage dieser unsinnigen und veralteten Grammatik herauszugeben, weil sich, nach so vielen Anfragen zu urtheilen, denn doch ein Bedürfniß dafür entwickelt zu haben scheint. Das die Erfolge dieses „Unsinnes". Die Erfolge der Erziehungsmethode des Herrn Jacob ben Benjamin sind denn doch noch ganz und gar abzuwarten Aber Herr Jacob ben Benjamin greift mir — und hier auch vieler» anderen Eltern — nochmals ins Herz, nämlich mit seiner allgemeinen Behauptung: „Nur Unverstand, Gedankenlosigkeit, elende Unterrichtsmethode oder der Widerwillen der Eltern ist Schuld daran, daß die hebräische Sprache als „schwer" verschrieen wird". Bestimmt, Herr Jacob ben Benjamin, weder ich, noch der Neligionslehrer meiner Kinder, verdienen eines der obigen Schönheitspflästerchen, zu denen man sich in Artikeln, um deren Sachlichkeit halber man seine Person so vollständig ansschaltet, nicht hinreißeu lassen sollte. Und doch ist es für Kinder, die nahezu jeden ganzen Vor- und Nachmittag den profanen Lehrgegenständen widmen müssen, bei nur zwei Religionsstunden wöchentlich sehr schwer, so viel hebräisch zu lernen, daß dies allein — wie Sie behaupten — die Basis für ein echtes Judenthum im Kinde abgeben könnte, besonders wenn der Vater wenig Zeit für hebräische Conversation übrig hat Ich möchte auch darum gerne dem Satze: „Die biblische Geschichte hat keinen zum Juden gemacht" Manches gegenüberstellen, aber ich will ja nicht in den gleichen Fehler verfallen und mir als Laien ein maßgebendes Urtheil arrogiren. So viel ist gewiß: die Frage des hebräischen Unterrichtes ist auch durch den Artikel des Herrn Jacob ben Benjamin noch nicht endgiltig beantwortet, und so zweifellos und anerkennenswerth die Absicht des Herrn Jacob ben Benjamin ist, der Festigung des jüdischen Glaubens zu dienen, ich möchte ihm doch empfehlen, sich inir anzuschließen: Wir überlassen diese Sphäre den berufenen Factoren nnd vornehmlich — Fachleuten. Gustav Bondi, Brünn. Rußland i« Palästina. Jerusalem. Die in mehreren jüdischen Zeitungen, auch in der Ihrigen, erhobene Beschuldigung, daß die hiesige israelitische Bevölkerung zu ihrer Correspondenz nicht türkische, sondern mehr russische Marken benutzt, bereitet uns Herzleid, da sie absolut unwahr ist. Als hiesige Einwohner und Mit-Steuerzahler aller türkischen Abgaben sind wir zweifellos nicht minder treue Patrioten unseres Vaterlandes, wie die ausländischen Brüder, die es gewiß gut meinen, denen aber die hiesigen Verhältnisse unbekannt sind, während wir mit denselben genau vertraut sind. Wir bezwecken mit diesen Zeilen durchaus nicht, die russische Post in Schutz zu nehmen und zu vertbeidigen, aber der Wahrheit gemäß müssen wir constatiren, daß die hiesige russische Post mit der russischen Regierung nichts gemein hat und daß es der letzteren ganz egal ist, ob wir ihre. Post oder andere benutzen. Also ist es vollständig unrichtig, wenn behauptet wird, daß wir den Einfluß dieser Regierung durch Benutzung der russischen Post verstärken. Das russische Postamt wurde hier vor zwei Jahren von der privaten ruffischen Dampfer- und Handels-Gesellschaft eröffnet, die in allen Hafenstädten im Orient Agenturen besitzt. Dasselbe hat der hiesigen Bevölkerung und auch allen jüdischen Institutionen große Dienste geleistet. Unsere deutschen Glaubensgenossen wissen wahrscheinlich nicht, daß fast die Hälfte der sämmtlichen zu wohlthätigen Zwecken hier eingehenden Spenden aus Rußland kommt. Bis zur Eröffnung der hiesigen russischen Postabtheilung wurden alle von Rußland eintreffenden Geld- und Werthbriefe von der russischen Post nur bis Jaffa expedirt, von wo sie auf Rechnung und Risico des Empfängers durch Privatreisende insgeheim nach Jerusalem weitergeschickt werden mußten, was mit enormen Spesen und großen Schwierigkeiten verbunden war. Wären einige Geldpack.te gestohlen oder abhanden gekommen, hätte Niemand dafür Ersatz geleistet. Allen diesen Unannehmlichkeiten wurde mit der Eröffnung der hiesigen russischen Post, welche sämmtliche Geldpackete auf eigene Garantie und ohne besondere Spesen hierher befördert, ein Ende gemacht. Zudem ist der russische Post-Verwalter hier, Herr Abram Solomiak einer unserer Glaubensgenossen, der auch ein hohes Amt in dem hiesigen russischen General-Consulat bekleidet und sich hier eine große Popularität erworben hat. Unter solchen Umständen ist es ganz unmöglich, die russische Post zu meiden. Die Praxis lernte uns mit Niemanden hier zu zanken, und aus jüdischen und politischen Umständen müssen wir überall nur Frieden suchen. Hat doch der Prophet mit den Worten „Suchet das Wohl der Stadt" nicht die Mauern und Häuser, sondern die Menschen der Stadt verstanden. Und duldet doch die türkische Regierung selbst alle auswärtigen Posten im Orient auch aus ein und demselben Grunde mit allen in Eintracht und Frieden zu stehen. Die kleinen russischen Postmarkeu für Drucksachen sind um 20—25 Percent billiger, weil die russische Zehn-Kopeken- Marke sich in 5 kleine Marken ä 2 Kopeken theilt, während die anderen Posten nur in 4 kleine Marken getheilt sind. Deshalb ist es selbstverständlich, daß die hiesigen Anstalten ihre Drucksachen nach Deutschland und anderen Staaten der Billigkeit halber mit russischen Marken versenden. Sämmtliche geschlossene Briefe aber, die mit ganzen Marken frankirt werden müssen, werden allerseits, sogar nach Rußland, mit türkischen Marken versandt. Ter Leiter der hiesigen türkischen Jüdischen Postabtheilung, Herr Honig, erhält für die von ihm verkauften Marken 20 Percent Rabatt. Was das Altenhaus 2I^3Ldab-36k6niw anbetrifft, so kann ich bestätigen, daß dasselbe jährlich türkische Marken bis zum Betrage von 4000 Frcs. verwendet. A. Bentauwim. Hochgeehrter Herr Redacteur! Ich beehre mich, Sie gef. zu ersuchen, die folgenden Zeilen in Ihrem werthen Blatte zu veröffentlichen, zur Antwort auf einen in demselben erschienenen Artikel. Die Art und Weise Ihres geschätzten Blattes, correct und unparteilich zu handeln, läßt mich hoffen, daß Sie den Abdruck dieser Mittheilung, welche zweifellos die zahlreichen Leser Ihrer geschätzten Zeitung interessiren wird, nicht verweigern werden. Noch vor einem Jahre zurück habe ich sprechen gehört von Angriffen, die gegen die Verwaltung des russischen Postamtes in Jerusalem, dessen Leiter ich Unterzeichneter die Ehre habe zu sein, gerichtet worden. Ich habe in dieser Beziehung sogar einige mehr oder weniger feindliche Artikel in verschiedenen jüdischen Zeitungen gelesen, doch in keinem derselben habe ich solche Thatsachen, die zu berücksichtigen würdig sind, entdeckt. Der Artikel Ihres geschätzten Blattes aber verlangt eine Antwort im Interesse der Wahrheit. Man behauptet, daß diese Artikel von vertraulichen Personen geschrieben sind; aber die süßliche Art, womit dieselben zusammengestellt sind, läßt als Gewißheit vermuthen, daß die genannten Artikel aus derselben wenig empfehlenswerthen Quelle ans Jerusalem herrühren, so daß sie unter der Maske von Patriotismus und Sorge um das Wohl des Publicums die Vorurtbeile des niedrigsten persönlichen Jntereffes verstecken. Die russische Regierung hat den Unterzeichner dieser Zeilen, obwohl Jude und Pionnier der jüdischen Kolonisation in Palästina, für würdig gehalten, ihm einen solchen wichtigen Posten, wie Director der russischen Post in Jerusalem, anzuvertrauen, nachdem die genannte Regierung ihn als Dragoman ihres Generalconsulates dieser Stadt im Verlaufe von 15 Jahren angestellt hat. Nun in dieser Eigenschaft ist es meine Pflicht, die falschen Thatsachen des Artikels hervorzuheben und dem jüdischen Publicum, welches für seine Glaubensgenossen der heiligen Stadt warmes Interesse trägt, eine offene und wahrhaftige Erklärung zu geben. 1. Man macht Vorwürfe meiner Administration, daß sie die Briefe, welche türkische Marken tragen, taxirt. Schon sieben Monate, daß ich es nicht mehr thue. Ich habe es jedoch während einer kurzen Zeit gethan, aber infolge dieser Umstände: die türkische Post hat bei Eröffnung unserer Post hier angefangen, Briefe, welche russische Marken tragen, zu taxiren. Ich habe die ersten Schritte bei dem türkischen Postdirector gethan, um ihm die Ungerechtigkeit seinerHandlung anzuzeigen. Er hat mir geantwortet, daß er wird es auch ferner fortsetzen, sein Recht ausübend. Ich habe ihn gewarnt, daß ich werde auch anfangen, Briefe mit türkischen Marken zu taxiren. wenn er der Vernunft nicht Gehör geben wird. Nun antwortet mir der Postdirector barsch: „Sie sind ein Jude und Sie werden es nicht wagen zu thinl". Nun wohl! Ich habe es gethan während einiger Zeit und als Beweis, daß ich Recht hatte, ist die Thatsache. daß die türkische Post bald einen Befehl bekommen hat, Briefe mit russischen Marken nicht mehr zu taxiren. Sie hat sich dem Befehle gefügt, nun habe ich aufgehört, Briefe mit türkischen Marken zu taxiren. Das war meinerseits eine einfache Maßregel von vollständiger Bestrafung, berechtigt von den Anmaßungen der türkischen Post. Und was den Druck, welchen das russische Generalconsulat pn Jerusalem auf die Administration unserer Post ausübt. anbetrifft, erkläre ick laut und fest, daß dies ist falsch! 2. Man macht mir Vorwürfe, ein sehr großes Rabatt zu haben Alle hiesigen Postämter machen dasselbe und die türkische Post gibt 20"/« Rabatt. Hier ist eine genaue Erklärung: Unsere Marken von 10 Kopeken, geltend 25 Cent oder einen tü'kischen Piaster, vertheilen sich nicht in 4 Theile, wie in den andern Ländern, sondern in 5 Theile, jedes von 2 Kopeken, so daß für 25 Cent bekommt man 5 kleine Marken anstatt 4, und jede dieser kleinen Marken dient, eine Drucksache mit Gewicht von 50 Gramm zu frankiren. Ist es eine unredliche Concurrenz? 3. Man beschuldigt die russische Post, daß sie Gewerbeschnorrern aus Jerusalem Adreffen europäischer Wohltbäter liefert. Meine Vergangenheit als Dragoman des russischen Generalconsulats, mein reiner, makelloser Ruf — ich kann mich damit schmeicheln — in Palästina und Ausland, stellen mich höher als solche Verleumdungen, welche nur von unwürdigen, gewissenlosen Personen fabricirt werden können. Man darf nicht vergessen, daß der größte Theil von den Spenden, Gaben nnd Unterstützungen für die wohlthätigen Anstalten und unsere nothleidenden Glaubensgenossen der heiligen Stadt aus Rußland komme und selbstverständlich gibt die hiesige

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