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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-12-04 · 49 (4.12.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
49 (4.12.1903)
Date
1903-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 49 Dr. Dlocb's MocbenscbrLtt. Sette 781 heitliches. selbstloses und unparteiisches Zusammenwirken ist die beste Bürgschaft des Erfolges. Nicht um blinde Nachahmung der leeren Form des Elberfelder Systems handelt es sich, sondern um die Einführung desselben Geistes, derselben Anschauung und derselben Grundsätze in der Außen-Armenpflege unserer Gemeinde. Bei der mir so karg zugemessenen Zeit mußte ich mich auf das Allerwichtigste beschränken, es mir verwehren, auf manche interessante Details einzugehen, aber ich glaube, Ihnen doch gezeigt zu haben, daß das Elberfelder System alles Schablonenhafte vermieden wissen will, die einzelnen Fälle individualisireud behandelt, den Hilfsbedürftigen näher an den Hilfsbereiten heranzuführen sucht, um im Letzteren jene Gefühle zu wecken, deren Sitz der Sprachgebrauch in's Herz verlegt hat. Auf Grund meiner Ausführungen erlaube ich mir nun, Ihnen folgende Vorschläge zur Reform unserer Armenpflege zu unterbreiren: 1. In der Gemeindekauzlei, XV., Turnergasse 22, ist eine Auskunftsstelle über sämmtliche Wohlthätigkeits- Jnstitute der Cultusgemeinde einzurichten, sowie auch jener der Wiener Gemeinde, welche alle Confessionen zugänglich sind. 2. Ist ebenda ein A r m e n k a t a st e r für die Bezirke XII.—XV. anzulegen. Zu diesem Behufe werden die Vereine ersucht, allmonatlich an die Kanzlei ein Verzeichniß ihrer Unterstützungsbewerber, sowie die Art und Höhe der verabfolgten Unterstützung abzuliefern. Der Armenkataster darf nur von dem Vorstande humanitärer Vereine eingesehen werden. 3. Für jeden der Bezirke XII.—XV. werden Armenpfleger gewählt, deren Höchstzahl vorderhand 10 beträgt. Jeder Bezirk wählt aus der Mitte seiner Armeupfleger den Armenvorsteher. Die in der Kanzlei eingelangten Gesuche werden dem Armenvorsteher des betreffenden Bezirkes übermittelt, der sie den Pflegern zuweist. Aufgabe des Pflegers ist es, die Ursachen der Armuth und Nothlage zu erforschen; zweckdienliche Einrichtungen zu treffen und der nächsten Sitzung Vorschläge zur gründlichen Abhilfe zu machen. Zu diesem Zwecke ruft der Armenvorsteher mindestens zweimal im Monat eine Sitzung ein. 4. Zum Ehrenamte eines Armeupflegers sollen auch Frauen berufen werden. 5. Keinem Armenpfleger dürfen mehr als 4 Familien gleichzeitig zugewiesen werden. 6. An zwei festgesetzten Wochentagen halten die Armenvorsteher alternirend eine Amtsstunde in der Kanzlei ab. Wenn es mir gelungen ist, Ihr Interesse für die Armenpflege in erhöhtem Maße zu erregen, wenn mein Referat den Anlaß gibt zu einer auf dem als vorzüglich allgemein anerkannten Elberfelder System basirenden Reform in unserer Armenpflege, dann bin ich für meine geringe Mühe reichlich belohnt. Ich weiß, daß mir nur bescheidene Kräfte beschieden wurden, aber ich stellte diese gerne in den Dienst der edlen Sache, treu dem Dichterworte folgend: Kann ich nicht Dombaumeister sein, Behau' ich als Steinmetz einen Stein, Fehlt mir auch dazu Geschick und Verstand, Trag' ich Mörtel herbei und Sand. Lebhafter Beifall begleitete die Ausführungen des Redners» und zum Schluffe dankten namens der Versammlung der Vorsitzende Obmann S. Beer, sowie Frau B a r a n y dem Redner für seinen ausgezeichneten Vortrag. Die Inden nnd die sogenannten Arier Völkerpsychologische Bemerkungen von einem Christen. III. Der Gegensatz in der Auffassung des Abendländers und des ^fubeit über Würde und Würdenträger verdient schärfer gezeichnet zu werden: es ist der Gegensatz von Idealismus und Realismus. Die menschlichen Dinge werden durch Menschen geregelt, und damit der Regler, der Beamte, über seinen Wirkungskreis orientirt sei, ist ihm ein.Regulativ gegeben. Der Jude sagt nun, der Beanlte, der M e n s ch richte, der Abendländer aber sagt, das Regulativ, das Papier richte: der Abendländer klopft (bildlich gesprochen) ans Fenster und verkehrt mit dem Beamten durchs Fenster und bleibt außen im Regen stehen, der Jude aber tritt durch die Thüre ein und verkehrt mit dem Beamten im Zimmer auf gleichem Fuße — Mensch zu Mensch. Da ist es doch natürlich, daß der Jude bei den Aemtern — es brauchen nicht politische Aemter zu sein, es können auch Banken, Geschäftshäuser, Fabriken sein — weit mehr erreicht, als der Abendländer im Guten wie im Bösen, denn der Jude verwerthet seine außerordentliche M e n s ch e n kenntniß, während er als Mensch mit dem Menschen verkehrt, der menschliche Dinge zu regeln hat, während der Abendländer, der als Partei mit dem Amt verkehrt, höchstens seine P a r a g r a p h e n kenntniß verwerthen kann. Was hilft es mir aber, wenn ich das Messer noch so gut kenne, und kenne den Fleischer nicht: er wird mir mit dem Messer, mit dem Paragraphen, doch das Stück zumessen, das er für angemessen hält. Der Europäer nennt den jüdischen Standpunkt (ich habe beide Standpunkte der Klarheit wegen schroffer gezeichnet) anmaßend, zersetzend, verwerflich. Er ist aber dennoch der vernünftige, und darum ist er auch beispielsweise in Amerika der allgemein anerkannte. Der europäische Standpunkt, daß nicht die Einsicht des Mannes, sondern der Paragraph, das ideale Amt entscheide, führt zu furchtbaren Entartungen der Ae m t e r, die den Contact mit den thatsächlichen Verhältnissen ganz verlieren: Armeen sind dadurch verdorben, Staaten zertrümmert worden. Was man jüdische Zudringlichkeit und Corruptionssucht nennt, ist an sich eine sehr vernünftige Handlungsweise, die auch den Abendländern sehr heilsam wäre. Allerdings kann die jüdische Methode, mißbraucht, auch furchtbaren Schaden anrichten. Liber soll man das Messer abschaffen, weil man damit auch morden kann, oder den Hammer, weil schon Biele damit erschlagen worden sind? Wir sprechen den Schluß aus: in der Durchführung von Aeten ist der Jude dem Abendländer absolut überlegen, und zwar durch an sich durchaus ehrenhafte Eigenart, durch unbefangene Beobachtung und objective Beurtheilung, also tiefere Erkenntniß der thatsächlichen Berhältniffe. Die größte Gefahr des abendländischen Idealismus liegt darin, daß der Abendländer seine Folgerungen immer aus seinen Idealen, nicht aus den thatsächlichen Berhältnisien zieht. Der Abendländer sieht beispielsweise im Priester einfach und absolut den Verkünder des Willens Gottes: aus diesem Ideal zieht er die ganz logische Forderung, daß dem Papste die absolute Herrschaft über die Welt gebühre. Da es nun immer Menschen gibt, die diese Meinung nicht theilen und diese auf die Gläubigen nur störend wirken können, so folgt aus dem Ideal der päpstlichen Weltherrschaft, der Herrschaft Gottes, ganz logisch, daß die Inquisition jene Ungläubigen aus der Welt zu schaffen habe. Dahül kommt man, wenn man in seinen Folgerungen vom idealen Priester, dem Sprachrohr Gottes,-«usgeht, und nicht vom schwachen irrenden Menschen, der priesterkiche Functionen ausübt. Dem Abendlande wären unendliches Leid, furchtbare Zerrüttungen erspart geblieben, wenn es stets nach jüdischer Art aus den concreten Verhältnissen, nicht aus den Idealen seine Folgerungen gezogen hätte. Die Juden erkennen sofort, wenn in ihren Kreisen eine ungesunde Strömung einreißt. Sofort veranlassen die geistig Hochstehenden eine Wendung zum Guten, die Abgefallenen aber, die in der falschen Strömung

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