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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-27 · 48 (27.11.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
48 (27.11.1903)
Date
1903-11-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Dr. Dlocbs MlocdenscbrLtt. Seite 765 - Nr. 48 Der Historiker Mr. Kecky über Anden «nd Indenthnm. Durch den vor Kurzem erfolgten Tod von Mr. Lecky verlor England seinen hervorragendsten historischen und philosophischen Schriftsteller. Seine „Geschichte des Rationalismus", von ihm im Alter von 27 Jahren geschrieben, die „Geschichte europäischer Sitten von Augustus bis zu Karl dem Großen", „England im 18. Jahrhundert" und seine „Demokratie und Freiheit" sind in England elastisch geworden. Vielleicht das bekannteste und gelesenste dieser berühmten Bücher ist die „Geschichte des Rationalismus", und es ist ein Werk, das wegen seiner zahlreichen Beziehungen zu jüdischer Geschichte ein besonderes Interesse für jüdische Leser hat. Diese Stellen sind durch den sympathischen Ton, in dem sie geschrieben sind, ausgezeichnet. Sie begründen den Ruf Mr. Lecky's als eines toleranten und weitblickenden Historikers. Sein Haß gegen die fanatischen Judenverfolgungen, seine Anklage gegen christliche Intoleranz ist deshalb kaum weniger wirksam, weil die Erzählung dieser Thatsache größtentheils ruhig und leidenschaftslos ist. Er zeigt, daß die Verfolgung der jüdischen Race von der frühesten Periode her datirt, in der das Christenthum die Leitung der bürgerlichen Mächte erlangte, und daß, wenn sie auch oft ihren Charakter und ihre Intensität änderte, man kaum sagen kann, daß sie endgiltig ausgehört hat, bis zur französischen Revolution. Das wurde 1865 geschrieben. 30 oder 40 Jahre später mußte er das Bild in noch dunkleren Farben malen. Er fährt fort: „Verhöhnt, geplündert, gehaßt und verachtet von allen christlichen Nationen, aus England verbannt von Eduard I, aus Frankreich von Karl VI., fanden sie in den spanischen Mauren Herren, die zusammen mit dem Maß von Toleranz, die immer durch eine hohe intellectuelle Cultur hervorgerufen wird, nicht ohne Sympathie waren für die Race, deren reiner ^Monotheismus einen deutlichen Gegensatz zu der von Polytheismus sich kaum unterscheidenden Religion der spanischen Katholiken darstellte, und jüdische Gelehrsamkeit und jüdisches Genie trug viel zu dieser hohen, wenn auch vorübergehenden Civilisation bei, die von Toledo bis Cordova strahlte und einen so günstigen Einfluß auf den Glauben von Europa ausübte. Doch als in einer Unglücksstunde das Kreuz den Halbmond auf der Höhe der Alhambra vertrieb, wurde dieser einzige Zufluchtsort zerstört, der letzte Glanz von Toleranz verschwand aus Spanien, und die Vertreibung der Juden war entschieden." Nachdem er diese Vertreibung in einer Sprache, deren Furchtbarkeit unübertresslich ist, beschrieben hat, drückt er dieser Märtyrerrace seine Achtung ans: „Sicher verringert sich das Heldenthum der Vertheidiger aller anderen Religionen zur Unbedeutendheit vor dem Martyrium dieses Volkes, das 13 Jahrhunderte lang alle Leiden ertrug, die der wildeste Fanatismus ausdenken konnte, indem es Verleumdung und Beraubung lieber ertrug und die Schändung ihrer theuersten Verwandten, die Zusügung der schrecklichsten Leiden, als ihren Glauben auszugeben. Denn sie waren keine asketischen Mönche, todt für alle Hoffnungen und Leidenschaften des Lebens, sondern sie waren Männer, die sehr wohl die Vortheile der Welt schätzten, die sie zurückließen und deren Glaube noch fester wurde durch den engen Kreis, in dem sie eingeschlosten waren. Enthusiasmus und das wunderbare Phänomen der Begeisterung, das in der Geschichte der Verfolgung einen so großen Einfluß ausgeübt hat, das so vielen Märtyrern übermenschlichen Muth gegeben hat und die Furcht vor so vielen schrecklichen Quälereien zerstört hat, waren hier fast unbekannt. Verfolgung kam über das jüdische Volk in seinen schrecklichsten Formen, doch verkleidet unter jeder,. Art kleinlicher Bedrückungen, die seiner Größe Abbruch' thun konnten, und es blieb Jahrhunderte lang sein dauerndes Schicksal. Aber bei alledem ging der jüdische Geist als Sieger hervor. Wahrend seine Umgebung in der Finsterniß thörichter Unwissenheit dahinkroch, während fast ganz Europa sich vor trügerischen Reliquien verneigte, schritten die Juden aus dem Pfade der Wissenschaft fort, indem sie Fortschritte erzielten mit derselben Standhaftigkeit, mit der sie an ihrem Glauben festhielten. Sie waren die geschicktesten Physiker, die tüchtigsten Financiers und gehörten zu den besten Philosophen, während sie nach den Mauren erst die Zweiten in der Kenntniß der Naturwissenschaften waren. Sie waren auch die Hauptinterpreten des westlichen Europas für arabische Wissenschaften." In der „Geschichte Englands im 18. Jahrhundert" spricht Mr. Lecky in entrüsteten Ausdrücken von dem Vorurtheil, das zu der Zeit bestand, als Lord Palhams Regierung im Jahre 1753 danach strebte, ein Gesetz über die Naturalisation der Juden durchzubringen. Das Gesetz wurde angenommen, aber die „unvernünftige Agitation in der Judensrage" zwang die Regierung ein Jahr später, es wieder aufzuheben. Der folgende Absatz ist interessant, weil er zeigt, daß ein außergewöhnliches Gefühl gegen die Juden sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts bemerkbar machte: „Die alte Verleumdung, daß die Juden gewohnt wären, einen Christenknaben am Charfteitag zu opfern, die emsig aus dem Continent verbreitet war und die noch jetzt den Gegenstand eines Wandgemäldes in der Kathedrale von Toledo bildet, wurde fest geglaubt, und die Legende der Kreuzigung des Juden von Lincoln drang tief in die Phantasie der Bevölkerung ein. Sie wurde erhalten durch eine alte Ballade von Chaucer, die viele Jahre nach der Vertreibung der Juden wieder hervorgeholt wurde, in der er einen jüdischen Mörder eines Christenkindes zum Gegenstand macht und die eins seiner packendsten Märchen ist, und in demselben Sinne malte Marlowe am Ende des 16. Jahrhunderts seinen „Juden von Malta" in den dunkelsten Farben. Keine Seite in der Geschichte des 18. Jahrhunderts zeigt klarer, wie tief der Stand der intellectuellen und politischen öffentlichen Meinung in England war. Es herrschte allgemeine Furcht vor der Concurrenz der Juden. Die Kaufleute fürchteten, daß sie England mit Wucherern füllen würden; die Landbevölkerung fürchtete, daß zum Schluß der größte Theil des Landbesitzes in die Hände der Juden übergehen würde, die ihre Macht dann zur Zerstörung der Kirche benutzen würden. Ein Parlamentsmitglied fügte hinzu, daß den Juden einen Ruheplatz in England zu geben, eine Hauptbedingung für den christlichen Glauben vernichten würde. Ein Anderer erinnerte die Minister, zu welcher Ausbreitung und zu welcher Macht die Juden es in 430 Jahren in Egypten gebracht hätten. Die Gefühle des Volkes wollten es nicht erlauben, und trotz des unbestreitbaren Niederganges des kirchlichen Geistes gab es keine Frage, in der die öffentliche Meinung so empfindlich wäre." Von der rumänischen Judenpolitik sagt er an anderer Stelle: „Sie bildet eins der schmählichsten Capitel der modernen Geschichte und hat mehr als alles Andere dazu beigetragen, die früheren Sympathien für die orientalischen Christen zu verringern." „Israelitische Wochenschrift". Korrespondenzen. Aus dev Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 28. November 1903 unter dem Borsitze des I. Biee- Pr'asidenten Herrn Dr. Alfred Stern. An Spenden werden bekanntgegeben: Sophie v. Bauer zur Vertheilung an Arme . .... X 400.— Gabriele Jordan für die Versorgungsanstalt 200.— S. Heit aus Anlaß der glücklichen Entbindung seiner Tochter Frau Sophie Reinitz für den Wöchuerimienverband . . K. 100.— für den Verein zur Erhaltung einet ifrael Kinderbewahranstalt . . „ 25.— für den Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israel. Waisen „ 25. - für den Verein „Frauenhort" . „ 25 — für den Frauenverein im VIII. Bez „ 25. - K 200 — Dr. Wilhelm Tschögl für wohlthätige Zwecke . - » ”0.— S. L für den Erhaltungsfond der Versorgungsanstalt . „ 15.— Frl. Marie Bondi, Kraukenutensilien für die Versorgungsanstalt im Werthe von ..• 50.—

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