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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-20 · 47 (20.11.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 47 Dr. JBlocbs MocbenscbrLtt. S»1te 755 das Wort zur Beantwortung einiger Anfragen. Eine größere Anzahl von Mitgliedern trat hierauf der „Union" bei. — Am 14. November b. I. referirte Herr Dr. Tänzer in Hohenems über d.e Innsbrucker Versammlung und die Thätigkeit der „Union", was ebenfalls eine größere Anzahl von Beitrittserklärungen zur Folge hatte. In Innsbruck wurde, das „Israelitische Schul- und Cultuscomitö". in Hohenems Herr Rabbiner Dr. Tänzer als Vertrauensmann der „Oefterreichisch-Jsraelitischen Union" ausgestellt. Petersburg. (Journalist und Staatsmann.) In diesen Tagen weilte einer der Eigenthümer des „Daily Telegraph", Herr Wolf, in Petersburg. Wie nun erzählt wird, war der Hauptzweck seiner Reise nach Rußland der Wunsch, sich mit der Lage der russischen Juden und mit der Stimmung der russischen Regierung gegen ihre jüdischen Unterthanen bekannt zu machen. Am 25. October wurde Herr Wolf von dem Minister des Innern, Herrn von Plehwe, empfangen und er hatte mit ihm eine längere Unterredung. Wie zu erwarten war, bemühte sich der russische Minister, den englischen Journalisten zu überzeugen, daß die Beziehungen der russischen Regierung zu den Juden die allerhumansten seien, und er wies besonders daraus hin, daß er persönlich keinerlei feindliche Gefühle gegen seine Mitbürger jüdischen Glaubens hege; im Gegentheil strebe er danach, ihre Lage zu erleichtern, zu welchem Zwecke in dem ihm unterstellten Ministerium entsprechende Projekte bereits ausgearbeitet würden. Auf die Entgegnung Herrn Wolfs, daß die große Masse der jüdischen Bevölkerung sich in einer traurigen Lage und in vollständiger Rechtlosigkeit befinde, antwortete Herr v. Plehwe, daß die Rechtsbeschränkungen durch die Nothwendigkeit hervorgerufen würden, und daß für die Juden der beste Ausweg — die Auswanderung sei. Herr Wolf zweifelte an der Wirksamkeit dieser Maßregel und bemerkte, daß Rußland, wenn es die Juden zur Auswanderung iu andere Länder zwinge, sich eine Menge Feinde im Auslande schaffe. Davon habe Rußland sich unlängst überzeugen können, als das Blutbad von Kischenew eine starke Erregung der öffentlichen Meinung in den Bereinigten Staaten hervorrief, die bis dahin stets im freundschaftlichsten Verhältnis zu Rußland gestanden hätten. Indessen, so fügte Herr Wolf hinzu, ließe sich doch in Rußland genügend Raum für alle Unterthanen finden, z. B. sei es nicht zu verstehen, warum die Regierung den Juden die Einwanderung in die Mandschurei verbiete. Augenscheinlich sei es nothwendig, in diesem Gebiete eine russische Industrie zu schaffen, es in ökonomischer Beziehung zu beleben, und zu diesem Zwecke würden die Juden ein sehr brauchbares Element abgeben. Herr v. Plehwe zeigte sich sehr erfreut über diesen Gedanken. „Das ist eine gute Idee", soll er bemerkt haben, „das muß besprochen werden, wenn Generaladjutant Alexejew hierherkommt." iilasuo. Herr Heinrich Perlberger, Sohn des Großindustriellen kais. Rath I. S. Perlberger in Klasno bei Wieliczka, wurde am 13. d. M. an der Universität zu Bern in der Schweiz zum Doctor der Philosophie und Chemie promovirt. Suezawa (Bukowina). Am 14. d. Nt. taugt.- Se. Eminenz der Erzbischof und Metropolit, vormals Universitätsprostssor Doctor Wladimir Ritter v. Repta zur Consecration einer Kirche, die durch die Kunstmalereien die Bewunderung aller dieselbe Frequentirenden erregt, hier an und wurden demselben seitens aller Corporationeu und Vereine die größten Ehrenbezeugungen und Huldigungen entgegen gebracht. Zum Empfange wurde mitten in der Stadt eine Triumphpforte errichtet; Se. Eminenz stieg dort vom Wagen ab und der Bürgermeister der Stadt, Franz Ritter Des Loges hielt eine feierliche Ansprache, die Se. Eminenz erwiderte. Nach derselben ergriff unser ehrwürdiger Oberrabbiner Dr. Abraham Löwy, der in Begleitung des Vorstandes mit zwei prachtvoll geschmückten Thorarollen den Erzbischof empfing, das Wort und setzte in einer tief durchdachten, schwungvollen Rede die Toleranz und die humanen Principien, die unsere heilige Religion durchträuken, auseinander. Seine Eminenz reichte zum Danke unserem Herrn Oberrabbiner Dr. Löwy die Hand und entwickelte in einer längeren cordialen Ansprache, daß er die ihm zu Theil gewordene große Ehre, die Begrüßung in Begleitung der heiligen Thorarollen vollkommen zu würdigen verstehe, und daß er mit den Israeliten durch das Band des Alten Testamentes, das er auch verehre, sich eng verknüpft fühle und sich jederzeit verpflichtet erachte, den Israeliten die geziemende Achtung und das größte Wohlwollen entgegenzubringen. — Zum Diner wurde von Sr. Eminenz der hiesige Cultus-Vorsteher Herr J. U. Dr. Adolf Finkler geladen. Feuilleton. Julian Meldshlu. Von Mary Most. (Schluß.) Julian hatte einige Beherrschung tviedergervvnnen, und sprach mit ruhiger, schwer zu bekürnpsender Sicherheit. „Sie sehen," fuhr er fort, „Sie müssen daran, früher oder später, gleichviel, was Sie thuu. Wenn Sie jetzt davonlausen, werde ich Sie doch Wiedersehen, vielleicht an einem weniger schicklichen Platze. Ich werde Sie sehen, Edith, das ist gewiß — in Ihrem Hause, in dem eines anderen, im Theater, oder aus der Straße. — Er wartete aus ihre Antwort." „Sehr wohl", Herr Meldohla, aber vielleicht wollen Sie mich freundlichst erst einen Augenblick anhören. Wollen Sie ein für allemal verstehen, daß ich mit mir vollkonunen einig bin betreffs unserer künftigen Beziehungen. Edith hatte an sich eine schreckliche Unsähigkeit entdeckt, ein ruhiges, richterliches Benehmen zu bewahren, wenn sie seinen Augen begegnete. So entging ihr auch der Blitz von Freude und Muthwillen, welcher bei ihrer trocken-correcten, kleinen Rede in seinem Gesichte ausstrahlte. Edith, wohlgesetzte Phrasen gebrauchend, hatte keinen Schrecken für ihn. Er sah vollkommen ein, daß, wenn sie das Bedürsniß einer so künstlichen Bertheidigung empfand, der Tag wirklich gewonnen war. Es blieb ihm nur noch übrig, die kleb ergäbe so einzurichten, daß sie mit allen kriegerischen Ehren, mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel abziehen konnte. Wenn er nur seinen Kops behalten konnte, würde sie sicher den ihrigen verlieren. Er fing ziemlich gelassen an. „Sie werden sich zumindest nicht weigern, meine Entschuldigung dafür anzunehmen, daß ich geschrieben habe." „Entschuldigungen!" Edith fühlte sich gleichfalls überzeugt, daß die Schranken zwischen ihnen unübersteigbar seien. „Das ist kaum ein passender Fall für Entschuldigungen. Ein Mann kann kaum einer Frau mehr sagen, als Sie mir schrieben. Es verbleibt uns nur, die unvermeidlichen Folgen unserer Handlungen aus uns zu nehmen." „Darin sind wir eben verschiedener Ansicht. Ich sehe nicht ein, wenn inan einen oder auch zwanzig Fehler machte, man verpflichtet sein sollte, sie fortwährend zu machen. Vorigen Sommer benahm ich inich wie Daniel Deronda in Unterröcken." „O der Esel, der Naseweis, der blöde fromme Thor, der ich war!" Und dann die Idee, Sie seien eine Person über die Liebe, zu welcher man hinwegkommen kann. „Sehen Sie", das brachte er mit besonders unschuldiger Miene vor — „ich hatte vorher noch nie die geringste Schwierigkeit ein Mädchen zu vergessen — eine ganze Menge Mädchen, wahrhaftig." „Wahrscheinlich", sagte Edith höflich, „haben Sie sich noch nicht genug Zeit dazu gelassen." „Zeit!" Eine Ewigkeit würde mir nicht dazu hinreichew Sie zu vergessen, übrigens will ich es auch gar nicht. „Vorausgesetzt, daß meine Meinungen unverändert wären?" „Ihre Meinungen! Denken Sie, was Sie wollen? Mir handelt es sich um Sie, nicht um Ihre Meinungen." „Dann haben Sie eine sehr niedrige und oberflächliche Anschauung von dem, was die idealen Beziehungen zwischen Mann und Weib ausmacht." Als sie dieses treffliche Gefühl aussprach, klang Ediths Stimme ihr selbst gar nicht überzeugend, tvurde aber natürlich und voll Empfindlichkeit, als sie an dem schmerzhaften Punkte ankam. „Und jetzt sind Sie geneigt, meine geringe Eignung zu übersehen, seit Sie mich nicht ganz unwünschenSwerth gesunden haben?"

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