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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-20 · 47 (20.11.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Dr. ffilocb s MocbenscdrM. Seite 747 man, auch ohne Gott, auch ohne Religion moralisch denken und handeln. Jawohl! aber diese Moral ohne Gott, sie geht nur so weit, als unser eigenes Interesse, unser behaglicher Lebensgenuß dadurch nicht gestört wird. Die wahre Moral, die echte npnst, das unverfälschte aarca, sie können nur dann blühen und gedeihen, wenn sie in dem Glauben an einen Gott der Liebe, an einen heiligen und gerechten Gott, wenn sie in dem '•“> Tn, in dem Wandel auf dem Wege Gottes ihre Wurzeln haben. Darum begnügt sich das Testament Abrahams nicht mit der Forderung, „Liebe und Gerechtigkeit zu üben", sondern gebietet uns zuvor, daß wir auf den Weg Gottes Acht haben. Das Eine ist die unerläßliche Voraussetzung des Anderen. Das, meine Andächtigen, ist der tiefe Sinn des Testamentes, das wir von unserem Stammvater überkommen haben. Haben wir nun zu diesem alten Testament noch ein neues Testament nöthig? Gott, so zählen unsere Weisen, hatte dem Abraham einen kostbaren Edelstein geschenkt, dessen Anblick jedes wunde Herz gesund machte, und als er starb, nahm der Herr das Kleinod zurück und hing es an das Rad der Sonne, auf daß es der Welt nicht verloren gehe, sondern gleich ihr mit seinem Strahlenglanz die ganze Erde erfülle.*) Dieses Kleinod, es war der Glaube Abrahams, es ist unser Glaube, und wenn auch die Wissenschaft erst neuerdings selbst an der Sonne dunkle Flecken entdeckt hat, an unserem Glauben wird keines Forschers Auge einen Makel Nachweisen; rein und fleckenlos, in ungeschwächter Pracht wird er fortleuchten und die Herzen seiner Bekenner für alles Hohe und Heilige, für alles Gute und Edle erwärmen! m. Wie aber soll das Testament Abrahams überliefert, wie soll es der Nachwelt erhalten werden? Auch darauf, meine Andächtigen, antwortet unser Text: „Abraham soll ura ns: na na msr nvs jpö*? rrjrr *a das Vermächtniß seinen Kindern und seinem Hause hinterlassen!" Unsere Kinder, die Träger der Zukunft, sie sind die berufensten Hüter und Vermittler des kostbaren Schatzes, und das Haus soll das Heiligthum sein, in welchem sie dazu erzogen und herangebildet werden sollen. Nicht die Schule, so unentbehrlich auch ihre Stütze für die Aufgabe der Erziehung ist, nicht die Synagoge, so reich auch der Segen ist, den ihr n'vn -o, ihr beständiges Licht verbreitet, das Haus, die Familie, das ist die berufenste Pflegestätte unserer heiligen Ideale, 12 y:ia ibay sn® man::r sb rt ös, wo Gott, wo die Religion das Haus nicht mitbaut, da mühen sich vergebens die Bauleute. Eine alte Denkmünze, die die Sage auf Abraham zurückführte, zeigte auf der einen Seite ein greises Elternpaar, auf der anderen ein lieblich aufblühendes Kinderpaar.**) Eltern und Kinder, sagt uns dieses schöne Sinnbild der jüdischen Familie, sollen gleichsam aus demselben Edelmetalle geprägt sein, sie sollen von Einem Gedanken beseelt, durch die gleiche herzliche Liebe und die gleiche fromme Denkart unzertrennlich mit einander verbunden sein. Daß aber das Haus diesem Jdealbilde entspreche, dafür zu sorgen ist vor Allem die Aufgabe der Frau. Denn die Frau ist gleichsam die Seele des Hauses, inrs v irra „So lange Sara lebte, so sagen unsere Weisen, war das Zelt Abrahams von einer schützenden Wolke umhüllt, gastlich waren seine Thüren für Jedermann geöffnet, in seinem Brote ruhte der Segen, und das heilige Sabbathlicht erfüllte auch das Werktagsleben mit seinen! weihenden Zauber. Mit dem Tode Sara's aber hörten alle diese Segnungen auf."***) Wahrlich, mit diesem Einen Worte haben unsere Weisen der Würde, der Hoheit, dem heiligen Berufe der Frau ein Zeugniß ausgesprochen, das ganze Bücher *) Lada bathra, 16 b **) Baba kama 97 b. ***) Bereschith rabba, Cap. f0. aufwiegt und Alles übertrifft, was je zu ihrem Lobe ist gesagt worden. Was uns dieses Wort aber insbesondere sagt, ist dies, daß es der Beruf der Frau ist, das Sabbathlicht, das Licht derReligion, im Hause zu entzünden und zu erhalten. Darum ist für die Wiedergeburt des jüdischen Hauses vor Allem die Mitwirkung der Frau nothwendig, und wie für die Vergangenheit, so gilt auch für die Zukunft das Wort*) irmas ibs:: nnpnx d-®: "c©a Israels Erlösung kann nur von den Frauen ausgehen. * * * „A braham ward von Gott auserkoren, auf daß er seinen Kindern und seinen! Hause das Vermächtniß h i n t e r l a s s e, „daß sie Acht haben auf den Weg des Herrn und Liebe und Gerechtigkeit üben." Was hier, m. A., gleichsam als das Lehrziel und die Lehraufgabe Abrahams, des ersten großen Religionslehrers der Menschheit, bezeichnet ist, das ist auch das Lehrziel und die Aufgabe eines Jeden, der dem gleichen Berufe dienen will. Wie aber Abraham seine große Lehre nicht nur mit dem Munde vorgelehrt, sondern durch seinen eigenen Wandel gleichsam vorgelebt hat, so soll auch jeder Lehrer in Israel ihm darin nachstreben und danach trachten, daß seine Handlungen nicht mit seinen Worten in Widerspruch stehen, daß er nichtein ns: irxi unn ns:sei. So haben sich denn aus meiner Betrachtung die hauptsächlichsten Gesichtspunkte ergeben, von denen ich mich in meinem Berufe leiten lassen will. Den ausführlichen Commentar dazu mag mein zukünftiges Wirken selbst geben. Als Abraham die fremden Wanderer in seinem Zelte aufnahm, da sprach er zu ihnen: cnb oä nnpsi „gestattet, daß ich euch ein Stück Brot vorsetze." Und dann ging er hin und bereitete ihnen ein opulentes Mahl. Dazu bemerken unsere Weisen sehr fein: nann cn&w btö a-ms a'pnxn „Werwah rhaft fromm ist, verspricht wenig und hält u m s 0 m e h r!" NurdasEine lasset mich hier noch ausspr e ch e n, daß ich, von glühender Begeisterung für unfern heiligenGlauben und s eine h 0 h e n I d e a l e erfüllt und aufs tiefste davon über zeugt, daß Israels Heil undJsraelsZukunftaufs engste mit demselben verknüpft ist, es als m e i n e L e b e n sarbeit und mein Lebensglück betrachte, nach dem Maße meiner schwachen Kräfte dazu beizutragen, unserem Volke, das ich mit allen Fa fern meines Herzens liebe, sein heilig st es Gut zu erhalten und es in seiner Treue und Anhänglichkeit für dasselbe zu stärken und zu festigen. Euch aber, ihr würdigen Vorsteher, Vertreter und Mitglieder dieser Gemeinde und insbesondere auch diejenigen, die mit mir und neben mir in dieser Gemeinde zu heiligem Dienste berufen sind, Euch bitte ich, mir mit Liebe, Vertrauen und Nachsicht entgegenzukommen und die Bürde meines Amtes zu erleichtern, auf daß es mir gelinge, desselben zu walten zum Segen dieser Gemeinde, zur Ehre Gottes und zum Heile Israels. Amen! Znr Geschichte der Juden in Italien. Von Dr. M. Landau (Wien). Wenn man die geringe Zahl der Juden in Italien bedenkt, so muß man über die große Zahl von Monographien zu ihrer Geschichte erstaunen. Und es beschäftigen sich nicht blos Juden mit der Geschichte ihrer Religionsgenoffen. Das inhaltreichste und interessanteste Werk, den „Codice diplomatico dei Giudei di Sicilia“, haben wir zwei christlichen Geistlichen, Bartolomeo und Giuseppe Lagumina, zu verdanken. Es ist hauptsächlich die Geschichte der Juden in einzelnen Städten Italiens, die den Inhalt dieser reichhaltigen Liter.tur *) Sota 11, b

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