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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-20 · 47 (20.11.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
47 (20.11.1903)
Date
1903-11-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 Dr Mocb’s Mocbenscbrift. Seite Reverenz erwiesen. Er war gütig gegen die Juden. Und worin bestand diese Güte? Er gab die Erklärung ab, die Regierung steht einer etwaigen Massenauswanderung der Inden sympathisch gegenüber, selbstverständlich aber sollten sich die Juden aus eigene Kosten glücklich machen. Die russische Regierung wünsche die Auswanderung, aber sie wünsche nicht, sie sich etwas kosten zu lassen. Und das ist auch schon Güte! Und dafür bedankt man sich auch noch ehrfurchtsvoll! Und dieser wohlwollende Staatsmann, auch ein Marquis Posa und Geslar auf denn Ministerfauteuil, erläßt die Verordnung, wonach kein Jude soll Linderung seiner Leiden, Erlösung von Krankheit und Siechthum suchen dürfen. Nun ja, eine directe Brnnnenvergiftung ist das nicht, aber das Mittel, die Borenthaltung des Gegengiftes in dringlichen Füllen, ist auch ein sicheres. Vielleicht geht es auch ohne Auswanderung. Es wird beiden Theilen geholfen. Die Regierung erreicht ihren Zweck: Die Juden werden weniger, ohne daß es etwas kostete, und den Juden wird selbst geholfen, wenn sie weniger werden; die Uebriggebliebenen thun sich daun leichter. Und das Morgenroth des jungen zwanzigsten Jahrhunderts breitet über die ganze Geschichte seinen verklärenden Schimmer. Was will daneben noch die erschütternde Thatsache bedeuten, daß in Wien bei der Fest- und Generalversammlung des Katholischen Schulvereines der Heros der Wissenschaft, der Vorkänlpfer für Geistesfreiheit und Volksbildung, der Stadtrath und Abgeordnete und Träger vieler sonstiger Würden, Herr Bielohlawek, das große Wort geführt hat. Er war auf feinem Platze — der richtige Mann an der richtigen Stelle. Er rief die Intelligenz an, „damit dein Ansturm der Loge und Israels energisch Halt geboten werde". Also noch energischer. Es ist in der That nicht mehr zum aushalten, wie die Juden heutigen Tags im Landtage, im Gemeinderath, in den Aemtern dominiren und alles Andere unterdrücken. „Mit einer Frechheit sondergleichen, als ob Intelligenz gleichbedeutend mit Religionslosigkeit sei, wird gegen alle jene gehetzt, welche der Meinung sind, daß in einem freiheitlichen Staate die katholische Kirche und Religion, sowie deren Priester zumindest eben so viel Rechte haben sollen, wie jene eingewanderten Fremdlinge, die, einstens mit Zündhölzchen hausirend, heute mit der Macht des Geldes ausgestattet, alle gelehrten Berufsstände überfluthen." So Herr Bielohlawek. Der tiefsinnige Fachmann für Intelligenz, ist der vielleicht nicht ganz wohl berathen gewesen. Seine Vordersätze lassen eigentlich andere Nachsätze erwarten. Jene Elemente, die mit Zündhölzchen hausiren, überfluthen int Allgemeinen die gelehrten Berufe nicht allzusehr. Da wäre es vielleicht besser am Platze gewesen, darauf hinzutveisen, daß solche Elemente — nach dem bekannten Gemeinplatz — das Nationalvermögen an sich reißen und dann massenweise in Wohlleben schwelgen und wahre Orgien des Daseins feiern. Möglich aber, daß Herr Bielohlawek selbst an diesen Gemeinplatz nicht mehr glaubt und daß er daher zu einem anderen Ausweg seine Zuflucht nimmt. Er schiebt zwar großmüthig den Juden doch das Geld oder die Macht des Geldes zu, aber er wirft ihnen vor, daß sie mit Hilfe dieser Macht alle gelehrte Berufsstände überfluthen. Das stimmt nicht ganz, Herr Bielohlawek. Die Mitglieder der gelehrten Stände, seien es nun Christen oder Juden, haben im Allgemeinen sehr wenig Gelegenheit, die Macht des Geldes spielen zu lassen. Zahlreiche Gesinnungsgenossen des illustren Redners haben die Sache anders gedreht: die Juden, die sich zu den Gelehrtenbcrufen drängen, sind Schuld an der Verelendung der gelehrten Stände, an dem furchtbaren socialen Nebel des Gelehrtenproletariates. Und diese Auffassung hätte vielleicht mehr für sich. Ausgeschlossen von allen bequemen Erwerbsmöglichkeiten, die Staat, Land und Stadt darbieten, bedrückt in allen Berufen, suchen sie überall, auch in gelehrten Berufen, eine Zuflucht, und sie suchen und suchen, bis sie auch dort finden, was ihnen beschieden ist, das Elend. Whig. AnIrUtsprrdigt des Herr« Uaddiner Dr. G. David. Gehalten am!3. New-mber 1903 im ifracl. Tempel,II., Tempelgasse. A n d ä ch t i g e G e m eiude! Als R. Josua einst die Stätte betrat, von der aus R. Elieser, einer der gefeiertstett Lehrer in Israel, seine Vorträge zu halten pflegte, da küßte er den geweihten Lehrstuhl und sprach: Dieser Stuhl gleicht dem Berge Sinai, nnd d e r, der d a r a u f g e s e s s e n h a t, d e r B u n d e s l a d e. * i Aehnliche Empfindungen der Ehrfurcht erfüllen auch mich in dieser Stunde, wenn ich an die verklärten Meister denke, die von dieser Kanzel herab eins-: das Wort Gottes verkündet haben, trenn ich auf den ehrwürdigen Greis Hinblicke, dem es durch die Gnade Gottes noch gegenwärtig beschieden ist, von hier aus voll jugendlicher Geistesfrische die Saal des Heils auszustreuen. Und aus der Tiefe des Herzens danke ich dem allgütigen Lenker der Tinge, der in Seiner Liebe und Treue mich auf wunderbaren! Wege hierhergeführt nnd dazu berufen hat, in dieser —r in dieser großen, ehr'.o ürd igen, von ein e r g l o r r e i ch e n V e r g a n g e n h eil g e t r a g e n e n und d urch ih re h o he I n teil i ge uz, d n rch i h re «vissens ch a f t l i ch e dl e g s a m k e i t, '.v i e d u r ch i h r e g e m e i n n ii tz i g e n B e st r e b u n g e ri u n d Lei st u n g e n a u s g ce i ch it e t e n Gemeinde der Herold Seiner beglükenden Botschaft zu sein, und inbrünstig flehe ich zu Ihm, daß Er mir Seinen Beistand angedeihen lasse und mit Seinem Geiste mich begnade, mit dem Geiste der Weisheit und der Einsicht, mit dem Geiste des MutheS und der Entschlossenheit, mit dem Geiste der Erkenntnis und der Gottesfurcht, auf daß ich glücklich vollende, wozu Er mich gesendet hat, aus daß ich die Geister und die Herzen für Seine Heilslehre gewinne und ihr befruchtender und belebender Segen allen Gliedern dieser Gemeinde zuströme. Welches aber ist die Heils lehre, deren Verbreitung die vornehmste Ausgabe meines Berufes ist? Wir brauchen, meine Andächtigerl, nur auf die lichtumflossene Gestalt unseres Stammvaters Abraham zu schauen, wie sie in den dieswöchentlichen und den oorangegangeuen Schriftcapireln dargestellt ist, und diese Lehre steht gleichsam in lebendiger Verkörperung vor unseren Augen. In der That, meine ^Andächtigen, wäre auch unsere ganze Thora, wäre Israels gesarnmte Geistesschöpfung unter den Trümmern unseres Heiligchumes zerstört und begraben worden, und gelänge es den Schatzgräbern der Wissenschaft, von all der versunkenen Herrlichkeit nichts weiter als das Gerstesbild Abrahams au das Tageslicht zu fördern, man würde aus den leuchtenden Zügen dieses Torsos, aus dem Göttlichen Adel, der sie überall verklärt und verschönt, den erhabenen Geist unserer ganzen Lehre, das ganze System der jüdischen Weltanschauung wiederherstellen können. Die Thora selbst aber gibt uns die schönste Erklärung zu diesem Bilde und sagt es uns in einfachen, klaren, ausdrücklichen Worten, was es was bedeuten soll: rrpn nEtn vnrtx ns: v:: ns rv:n -urs jPöb vn'-p "3 I ch h a b e Ab r a h a m a u S erköre n, 22-3: >1^2 so spricht der Herr, a u f d a ß e r s eine u K i n d e r n u n d sei n e m H a n s e das V e r ui ä ch r n i ß h i n t e r l a s s e, d a ß s i e A ch t Hab e ll auf d e n W e g d e s H e r r n, u m L i e b e ll n d G e r e ch t i g teil zu übe n! (Gen. 18. ld).' D i e s e s T e st a m e n t A b r a h a m s, meine Andächtigen, das in wenigen Worten Wesen und Inhalt unseres heiligeil Glaubens erschöpft, enthält das trefflichste Programm für den, der zum Lehrer dieses Glaubens bestellt ist, und erscheint mir deshalb als das würdigste und geeignetste Thema für die heutige Betrachtung, mit welcher ich meine regelmäßige Lehrthätigkeit in diesem Gotteshause eröffnen soll. I. „Wir sollen auf den Weg Gottes acht e n!" Das ist das Erste, was unseres Stammvaters Testament von ) Scliir haschirim rabba I.

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