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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 736 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Satoralja-Ujhely. Zur Feier seines 50jährigen Jubiläums erscheint von diesem bestbekannten Pädagogen und mehrsprachigen Schriftsteller unter dem Titel: „Reminiscenzen über meine 50jährige Lehrthätigkeit" eine Denkschrift, welche allen Schulfreunden, Gönnern, Collegen und Schülern des Genannten über Ersuchen kostenftei zugesendet wird. Der geringste Beitrag zu dieser Stiftung wird von dem Proponenten dankend ausgewiesen werden. Jos. Schwarz. Feuilleton. Julia« Mrld-ohla. Von Mary Moß. (Fortsetzung.) Eine flinke, runzlige alte Frau war geräuschlos eingetreten und sah sie sehr wohlwollend an. „Sind Sie Frl. Linton, mein Fräulein?" ftagte sie. Als Edith bejahte, fuhr sie fort: „Herr Josephs sagte, er würde vielleicht einen Augenblick später kommen, sie mögen so fteundlich sein, hier zu warten, wenn Ihnen der Firnißgeruch nicht unangenehm ist. Wir haben nämlich Arbeiter im Speisezimmer, und das ganze Haus ist somit auf den Kopf gestellt." „Wirklich, man merkt das gar nicht!" sagte Edith höflich. „Nun, es ist ein großes Haus, das ist ein Gutes, und dann nimmt Herr Josephs alle seine Mahlzeiten in seinem Studierzimmer. Fühlen Sie sich hier behaglich, Fräulein? Möchten Sie vielleicht ein Glas Wein und etwas Kuchen, während Sie hier warten?" Edith lehnte das Anerbieten ab, und da hörte man schon einen Schlüssel die Hausthür öffnen, Herr Josephs kam und grüßte sie mit seinem sanften Lächeln. „Was denken Sie von meinem Zimmer der Schauderdinge?" ftagte er sie, als die alte Frau sie verlassen hatte. „Dieses Zimmer hat einen Namen, der nur mir und einer anderen Person bekannt ist. Ich fühle mich versucht, Ihnen denselben anzuvertrauen. Sind Sie verschwiegen?" „Schweigsam wie das Grab." Edith fing an, sich behaglicher zu fühlen. „Der Tempel der Freundschaft", seine Augen waren voll launiger, gutmüthiger Belustigung. „Oh, welch' gute Idee! Sie haben einen Platz, der durch Geschenke nicht verdorben werden kann. Meine liebe junge Dame, ist das nicht etwas zu hart gesagt? Dieses Zimmer ist dem Gefühl gewidmet. Hier sind die Möbeln, die meine Eltern nach ihrer Hochzeit anschafften, die Bilder meiner Ur-Urgroßeltern. Man kann doch solche Sachen nicht wegwerfen. Und wenn Jemand die Güte hat, mir ein mit Messing beschlagenes Sophakissen oder eine Vase zu schenken, in die man keine Blumen stecken kann, so habe ich eine anständige Zuflucht dafür in einem Zimmer, das ich kaum je betrete. Wollen Sie mit mir in mein Arbeitszimmer kommen und mir ein Geständniß gestatten?" Das Aussehen des Arbeitszimmers beschwichtigte sofort Ediths Zweifel. „Hier gibt es nichts Häßliches!" sagte sie mit unverhohlener Billigung umher blickend. „Glauben Sie, daß Sie sich hier einige Minuten allein unterhalten könnten?" ftagte Herr Josephs. „Thatsachc ist, daß ich in der letzten Minute ganz unerwartet zu einer Versammlung berufen wurde und daß ich es kaum vermeiden kann, hinzugehen. Wenn Sie ein wenig warten wollten, wenn Sie so gut, so sehr gut sein wollten, cs nicht übel zu nehmen -- „Ich habe ganz unbeschränkte Zeit." Edith fteute sich des Aufschubs. „Nun, es wird nicht den ganzen Vormittag kosten, denn ich habe einen Advocaten holen lassen, damit er die Papiere mit Ihnen durchgehe. Da sind sie auf dem Pult." — Edith sah ein nett zusammengebundcnes Packet von Documenten. Nr. 46 „Und ich dachte, vielleicht würden Sie so liebenswürdig sein, das zweite Frühstück mit mir zu nehmen und wir könnten die Angelegenheit dann in Muße besprechen." Er sah nach der Uhr. „Jetzt aber muß ich, mit Ihrer Erlaubniß, fort." „Dies ist ein reizendes Plätzchen zum Warten. Es wird mir nicht an Lectüre mangeln. Bitte, lassen Sie sich nicht durch mich abhalten." Anstatt zu lesen sank Edith in einen besonders behaglichen Lehnstuhl und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Das Geld an sich bedeutete ihr nichts; sie hatte nie ein Bedürfniß danach empfunden. Aber es gab so viele Fragen, die sie stellen wollte, nach ihrer Mutter, ob Herr Josephs sie gekannt hatte; nach Büchern, die sie lesen sollte, um etwas über ihr Volk zu erfahren. Die Thorglocke läutete, sie hörte Schritte auf der Treppe, und mit gleichgiltigster Miene spazierte Julian in das Zimmer. „Ich bedaure, etwas spät zu kommen", fing er in einem Tone an, der vollkommen der Ansprache an eine fremde Frau, mit dichtem, dunklem Schleier, angepaßt war. Dann brach er plötzlich aus: „Um Gotteswillen, wer find Sie?" „Die Aaronson Legatarin!" sagte sie im Tone eisigen Widerwillens, ohne ein Wort beizufügen. Aergerlich, beschämt, sich in einer Falle gefangen sehend, fühlte sie sich physisch schwach und besiegt, und lehnte hilflos in dem tiefen Fauteuil. Julian lehnte mit dem Rücken am Kaminsims und hielt, die Arme über der Brust gekreuzt. Seine gespannte Stellung deutete auf rasches Denken, höchste Sammlung, er plante einen Feldzug und sie mußte sich bereiten, zu widerstehen. Vielleicht suchte er nur nach einem Boden, wo sie sich unbefangen treffen konnten. Sie mußte ihm sofort sichtbar zeigen, daß sie sich nur auf Grundlage der Gegenwart trafen, daß die Vergangenheit vollständig begraben war. Plötzlich sprach er: „Ein ziemlich hartes Geschick, nicht wahr?" „Eine unerwartete Erbschaft zu machen, ich dächte, daß die Menschen das sonst zu ertragen vermögen." Sie hatte hinlänglich Fassung gewonnen, um aufzustehen und an das Pult zu treten. „Oh das Geld!" Julian dachte noch nach, und seine Stimme klang, wie aus einiger Entfernung. „Ja das Geld!" Edith war unangenehm und schneidend. „Ja um dessentwillen sind wir auch nur hier, um darüber zu sprechen, wenn Sie, wie ich vermuthe, der von Herrn Josephs erwartete Advocat sind." „Nun denn," fuhr er ganz heiter, blind für ihre üble Laune, fort, lesen wir diese Papiere durch, dann können wir — über anderes sprechen — später. „Ich würde lieber nur das nöthige Geschäftliche abmachen und dann sofort gehen." „Natürlich!" stimmte er zu, ganz wie Sie wünschen." Daß er mit ihr war, stieg ihm zu Kopf wie Wein, bis ihm jede Schwierigkeit, die sie machen konnte, lächerlich und unbedeutend erschien, neben der Thalsache, daß er mit ihr allein innerhalb von vier Wänden war. „So sind Sie schließlich doch eine von uns", fuhr er fort, „ist es Ihnen sehr peinlich?" „Das gehört nicht hieher!" sagte sie ftostig, indem sie ihr Herz gegen die ansteckende Natürlichkeit seines Benehmens verhärtete. „Natürlich nicht! Welchen möglichen Unterschied sollte es machen?" dabei nahm er ein Document ans und blätterte flüchtig darin. Seine bereitwillige Zustimmung vermehrte die Empfindung von Unwirklichkeit, gegen welche sie ankämpfte. Das Gefühl hilfloser Unbeweglichkeit, wie in einem bösen Traum, beschlich sie; und doch war der Traum nicht so böse. In vollkommen geschäftlichem Tone fuhr er fort: „Das ist eine sehr langwierige Geschichte, es. wird Jahre dauern, diese Papiere durchzusehen. Wenn Sie mir einen Vorschlag gestatten wollen, setzen Sie sich hier in diesen Stuhl, damit wir alles auf dem Pult ausbreiten können. Danke, während Sie Ihren Schleier ablegen, will ich sehen, welches Papier zuerst kommt. Edith war

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