Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 46 (13.11.1903)
- Date
- 1903-11-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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ssm »SS*=*T?*?*T *W-i'3B 111.46 Dr. Mocb's Mocbenscbritt. 731 beim Tempelbesuche vorangehen, weiters durch Vorträge, gesellige Gespräche in geeigneter Weise auf die Wichtigkeit der Hochhaltung ^des jüdischen Bewußtseins, der Religionspflege durch erweiterten Unterricht und Bethätigung im Cultus belehrend und fördernd einwirken würden, damit Rabbiner und Religionslehrer, denen dieses Herzens- und Berufspflicht ist, Unterstützung und wirksame Mithilfe von Männern und Frauen von Ansehen erhalten. Auf diese wird gehört vom Volke. Es müssen zu diesem Behufe jüdische Toynbeehallen, nicht nur für die Armen an Geld und Freude, sondern für die Armen an jüdischen Geist und Gesinnung aus den besten jüdischen Kreisen entstehen und nachdrücklich zur Abstellung des jüdisch-nationalen und religiösen Jndifferentismus Zweckmäßiges veranstaltet werden. Prämien, Stipendien und Stiftungen für Pflichteifrige würden auch viele zum Besseren aneifern. Der Gottesdienst, namentlich der Morgengottesdienst, müßte so früh als möglich beginnen und, wo es die Gemeindemitglieder wünschen, bedeutend gekürzt werden. Ohne Eile soll vorgebetet werden, wo es sein kann, auch mit Chorgesang. Das laute Gebet fange zum Beispiel mit Borechu an, daran schließe sich ahabu rabbu und Schema bis ömöth. Mi choinanclui buelim bis gool jisroel. Lautes schiuaurui «sieh. (Montag und Donnerstag, wenn kein Halbfeiertag, WajaumerDovid und schanmer jisrael, el erech appajim vor der Vorlesung der Thora.) Olenu und die üblichen kaddeschim. .1 Prag. Ungewöhnlich tief und nachhaltig war der Eindruck, den Herr Dr. I. Ziegler, Rabbiner in Karlsbad, mit seinem Vortrage „Die jüdische Propaganda in der griechisch-römischen Zeit" auf das überaus zahlreiche und distinguirte Auditorium ausübte, das, seinen Ausführungen zu lauschen, im Afike-Jehuda- Verein am 15. v. M. erschienen war. In einem weit über eine Stunde währenden freien und mit seltener rhetorischer Kraft zu Gehör gebrachten Vortrage hat er eine reiche Fülle von Gelehrsamkeit in einer leichtfaßlichen populären Darstellung geboten, die Eultur der bezeichneteu Epoche und ihre Träger lebenstreu vorgeführt und so bis zum Schluffe die ganze Zuhörerschaft in der gespanntesten Aufmerksamkeit zu erhalten gewußt. Seine Worte haben nicht blos belehrt, sondern wirkten zugleich auch erhebend und boten allen Anwesenden einen wahren geistigen Genuß. Es war — so ungefähr leitete er seinen Vortrag ein — eine Action von seltener staatsmännischer Klugheit, die Alexander den Großen zur Gründung der Stadt Alexandria führte. Denn begünstigt durch die geographische Lage mußte diese Stadt rasch einen mächtigen Aufschwung nehmen und zum Mittelpunkte der alten Eultur werden, wo griechischer Schönheitssinn und systematisch geschulter Geist gepaart mit orientalischer Schwärmerei sich allmälig zu einem harmonischen Ganzen vereinigten. Auf das Geistesleben der in Egypten, namentlich aber in Alexandrien lebenden Juden mußte diese Berührung mit einer neuen Eullurwelt besonders befruchtend und umgestaltend wirken. Brachten sie doch aus ihrer Heimat eine für sich völlig abgeschlossene Weltanschauung mit, die sie nach Aneignung der griechischen Sprache unwillkürlich zu einem Vergleiche derselben mit der griechischen Weltweisheit anregte. Die Assimilation in Sprache und in manchen Sitten, die wir unter den alexandrinischen Juden im weitesten Maße antreffen, hat ihr nationales Selbstbewußtsein und ihre religiöse Eigenheit nicht beeinträchtigt und getrübt, sondern in ihnen das Verlangen gereift, durch Hefter* tragung der heiligen Schrift in die griechische Sprache, durch Verbreitung der Ideen der mosaischen Gesetzgebung bei den Griechen diesen die Achtung vor dem Judenthume abzuringen. Mit Stolz wiesen sie darauf hin, daß die Wahrheiten der griechischen Philosophen in den Büchern der Bibel in klarer Form als geoffenbarte Lehren enthalten sind, eine Thatsache, die ihnen später auch noch Anlaß gab, den Grund dieser Verwandtschaft des Gedankeninhaltes zwischen beiden Literaturwelten zu erforschen. Diese Untersuchung brachte sie dann auf die sonderbare Idee, daß die griechischen Philosophen ihre Lehren, da die Bibel älter als alle Weisen Griechenlands ist, aus dieser geschöpft hätten. Ein fernerer Vergleich der Volksmoral des immer mehr versumpfenden Griechenthums mit der aus dem Mosaismus gewonnenen und im Monotheismus tief begründeten hohen Sittlichkeit des eigenen Volksthums hatte nur die Steigerung des jüdischen Volksbewußtseins zur Folge. Also erscheint es nur ganz natürlich, daß die alexandrinischen Juden in der Ueberzeugung von ihrer geistig-sittlichen Ueberlegenheit über ihre Mitbürger Schritte unternahmen, um das griechisch-römische Heidenthum für die Lehren der Bibel zu gewinnen. Diesem Streben nach Ausbreitung der jüdischen Religionslehren haben wir die propagandistische Literatur des alexandrinischen Judenthums zu verdanken, in welcher die sibyllinischen Weissagungen die hervorragendste Stelle einnehmen. Der allmälige Verfall der polytheistischen Götterwelt Griechenlands ist den gebildeten Juden nicht entgangen und sie lassen darum durch die sibyllinischen Orakel das Griechenthum selbst die Vorzüglichkeit, das Vernunftgemäße der jüdischen Religion preisen. Der philosophische Vertreter der jüdischen Propaganda ist Philo der Alexandriner, dem, wie auch Josephus die Aufgabe zugefallen ist, die Reinheit und Erhabenheit der Lehren des Judenthums gegenüber der unter den Griechen erwachten Reaction gegen die Verbreitung jüdisch-religiöser Ideen zu vertheidigen, die lügenhaften Behauptungen und gehässigen Entstellungen eines Apion und anderer Feinde des Judeuthums zu entkräften. Der Vortrag fand zum Schluffe stürmischen Beifall und der Appell des Vereinsobmannes Herrn Dr. A. Deutsch hatte den schönen Erfolg, daß von den Anwesenden sich eine größere Anzahl als neue Mitglieder des Vereines Afike Jehnda anmeldete. Der dem Vortrag folgende gemächliche Theil des Vereinsabends verlief sehr nnimirt und es wurden hiebei viele schöne Toaste ausgebracht. Budapest. Der transdanubische Rabbinerverein hielt unlängst seine Generalversammlung. Aus diesem Anlässe sprach der Neupester Rabbiner Dr. Venetianer im Rahmen einer großangelegten Studie über die Organisation der ungarischen Jndenheit, wobei er die einschlägigen Verhältnisse anderer Länder in älterer und neuerer Zeit Revue pafsiren ließ. Sein Antrag ging dahin, daß die Idee eines Congresses fallen gelassen, dagegen die einheitliche Organisation durch ein Gesetz octroyirt werden solle. Der in jeder Beziehung bemerkenswerthe Vortrag ist soeben unter dem Titel „A magyar zsidosäg szervezeterol" erschienen und somit in anerkennenswerther Weise allen Ungarn, die sich für diese Frage interessiren, zugänglich gemacht. Trebilsch Den Bemühungen unseres Cuttusvorsrandes ist es nun gelungen, einen langgehegten Wunsch unserer Gemeinde endlich zu erfüllen und einen: tiefgefühlten Bedürfnisse Rechnung zu tragen. Bevor mau zu der Friedhofstraße gelangte, mußte man bis jetzt den Weg durch enge und steile Gäßchen nehmen, die nichts weniger als reinlich sind: im Laufe des heurigen Sommers wurde eine neue schöne Straße hergestellt, welche das Gebiet der Jsraelitengemeinde unnüttelbar mit der Friedhofstraße verbindet. Ferner wurde eine Ceremonienhalle erbaut, welche zwar frei von allem übertriebenen Luxus ist, aber allen Anforderungen der Zeit entspricht und fich sehr geschmackvoll repräsentirt. Die Mittel zu diesen Bauten wurden größtentheils durch Spenden der hiesigen Gemeindemitglieder und auswärts wohnender Nachkommen Trebitscher Familien aufgebracht. Die Namen aller Spender sind in einem Buche verzeichnet, jene, welche größere Beträge widmeten, auf einer Marmortafel verelvigt. Das größte Verdienst in dieser Angelegenheit erwarb sich nach jeder Richtung unser geehrter Cultusvorsteher Herr Leopold Ornstein. Am 1. November Nachmittags fand die feierliche Einweihung der Halle statt. Nach dem Mine! i a-Gottesdienste in der Synagoge begab sich ein langer Festzug auf den Friedhof, wo Alles in dem neuen Gebäude seinen Platz nahm und der Herr Cultusvorsteher die Gäste begrüßte. Herr Ryhbiner Dr. P o l l a k hielt die Weiherede, in welcher er das vollendete Werk als eine wahre That schel Gemilutk Chasodim pries, und Litten, welche sich darum irgendwie bemühten, den Dank aussprach. Den gesanglichen Theil der Feier besorgte der Ca::tor Herr Moriz Fuchs mit dem Gefangsverein in lobenswetther Weise. Zum Schluffe drückte noch das Cultusausschußmitglied Herr Ignaz H. Soffer dem Herrn Cultusvorsteher in warmen Worten seinen besonderen Dank aus. Alle Theilnehmer waren von de n prächtigen Barre und der schönen Feier höchst befriedigt.