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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-13 · 46 (13.11.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
46 (13.11.1903)
Date
1903-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 46 Dr. JBlocb s Mocbenscbrtft, Seite 729 Material zum Ban und zur Errichtung der zweitausend Meilen langen Eisenbahn zwischen Ostsibirien und Nordchina zu benutzen. Sogar die russische Regierung erkennt die Ueberlegenheit der Juden an, indem sie sie den slavischen Kaufleuten und Arbeitern als Muster an Fleiß und Nüchternheit hinstellt und zur Nacheiferung empfiehlt. Folgender Vorfall ist ein sprechendes Beispiel dafür: Die Packer der russischen Fischconserven an der Wolga hatten sich zu einer Petition an den Czaren vereinigt und darin den einmüthigen Wunsch zum Ausdruck gebracht, den jüdischen Packern und Arbeitern den Aufenthalt und das Gewerbe zu verbieten. Sie entweihten durch ihre Anwesenheit den heiligen Strom, ihr unchristliches Wesen entfachte den Zorn der Heiligen gegen die Russen, die Jahr für Jahr ihr Geld im Geschäft zusetzten, während die Juden die besten Erfolge hätten. Obgleich die zur Prüfung eingesetzte Commission im Princip geneigt gewesen war. den Russen ihre lästigen Concurrenten vom Halse zu schaffen, enthielt zur allgemeinen Ueberraschung ihr Bericht als Ergebniß sorgfältiger Prüfung die Schlußfolgerung, daß die Beseitigung der jüdischen Fischpacker und Arbeitsleute an der Wolga ein Nationalnngliick wäre. Der Bericht führte ans, daß alle an dem. Fischfang der Wolga interessirt n Juden ihre im Ansiedelungsgebiet lebenden Angehörigen zu Agenten für den Fischhandel machen, durch sie ganz Polen und Westrußland mit Wolgalachs und Wolgastör versorgen, die fremdländischen Fische vom russischen Markt vertreiben und so eine große Industrie von ungeheurer volkswirtschaftlicher Bedeutung geschaffen haben. Weiter constatirt der Bericht, daß jüdische Fischhändler Abgesandte nach Amerika geschickt haben, um die dortigen Methoden für Fischaufbewahrung zu studiren, daß sie die besten amerikanischen Maschinen angeschafft und außerdem Schulen begründet haben, wo ihren Angestellten und ihren Kindern die besten und modernen Methoden für den Fischfang und die Fischconservirung beigebracht werden. Ihre Arbeiter sind von bester Disciplin, keiner verläßt ohne Erlaubniß die Arbeitsstätte oder Übertritt die für die Disciplin erforderlichen Vorschriften; jeder Ungehorsam wird mit Entlassung bestraft. Die russischen Fischconserven-Fabriken dagegen sind regelmäßig ani Montag geschlossen, weil ihre Arbeiter noch sämmtlich betrunken sind. Die Nüchternheit und der Fleiß der jüdischen Arbeiter werden als nachahmungswerthcs Beispiel empfohlen, und die Petition um Ausweisung der Juden wird peremtorisch abgewiesen. Aus der Plenarsitzung des Cnltusvorstandcs vom 18. November 1903 unter dem Vorsitze des I. Bicc- Präsidenten Herrn Dr. Alfred Etern (in Abwesenheit des wegen Unwohlseins verhinderten Präsidenten Herrn kais. Rath Heinrich Kling» r). Beginn der Sitzung 10 Uhr Bormittag. Im Einlaufe werden bekanntgegeben: An Spenden: Von Herrn August Bermann anläßlich des Ablebens seiner Mutter Flora Bermann für die Versorgungsanstalt . K 500.— Von Frau Amalie Nirenstein für das Aliersversorgungs- und Siechenhaus der israelitischen Enltusgemeinde . „ 50.— Von Herrn Heinrich Wiedmann für das Altersversorgungshaus an Stelle eines Kranzes auf den Sarg des sel. Herrn Arthur Edlen von Mises.„ 30.— Von Frau Josefine Latzko für das Siechenhaus an Stelle eines Kranzes auf den Sarg des sel. Herrn Arthur Edlen von Mises... 20.— Von Herrn Julius Hellmann für die israelitische Armen- und Speise-Anstalt ..„ 20.— Von G. Z. für die Juden in Kischenew. ... 18.— Von Herrn Eduard Gretsch fin die Armenanstalt . . . „ 5.— Von Herrn Jakob Fraenkel ein silberner Kidduschbecher für den Währinger Gemeindetempel. Von Frau Hedwig Kohn Zeitschriften für die Bibliothek der israelitischen Veriorgungs-Anstalt. Von L. Schmidhauer's Central - Depot der Jgmander Bitterquellen für die israelitische Versorgungs-Anstalt 50 Flaschen Jgmander Bitterquelle. Von Herrn Moriz Brammer für die Insassen der israelitischen Versorgungs-Anstalt zum Simchas-Thora- Feste 15 Stück Kuchen Entnahme der Sammelbüchsen im Stadttempel: Für die Armenanstalt. 192.81 „ „ Chewra-Kadischa. 148.67 „ „ Armen der österreichisch-ungarischen Gemeinden im heiligen Lande. 48.71 Im Einlaufe befindet sich weiters eine Zuschrift des Herrn Adolf Rosenbaum mit dem Danke für die ihm zum Ausdrucke gebrachte Theilnahme anläßlich des Hinscheidens seines Sohnes; desgleichen ein Dankschreiben der Frau Dr. Anton Löwy für die Würdigung der Verdienste ihres verstorbenen Gatten seitens der Cultusgemeinde. Im Präsidialberichte theilt Herr Bicepräsident Dr. Stern den Antrag des Vertretercollegiums mit, die Ersatzwahl für den verewigten Herrn Arthur Edlen von Mises in seiner Eigenschaft als Vorstandsmitglied der israelitischen Cultusgemeinde erst gleichzeitig mit den nächsten Neuwahlen im Jahre 1904 vorzunehmen, dagegen die durch seinen Tod fteigewordene Stelle im Vertretercollegium und in mehreren Commissionen anläßlich der Neuconstituirung des CultusvorstandeS im Jänner 1904 zu besetzen. Dem Anträge des Bertretercoüegiums wird zugestimmt. Weiters weist der Vorsitzende darauf hin, daß im März des Jahres 1904 ein Jahrhundert seit der Geburt des Altmeisters Professor Sulz er verflossen sein werde und daß aus diesem Anlasse eine Centennarseier geplant sei. Die von dem zu diesem Zwecke bestellten Comitö gestellten Anträge werden nach Berathung durch das Vertretereollegium der Plenarversammlung zur Beschlußfassung vorgelegt werden. Der Vorsitzende bringt des Weiteren in Erinnerung, daß der Cultusvorftand seinerzeit in Angelegenheit der Ausschreibung der Oberlehrerstelle in der Schule II., Untere Augartenstraße, eine Eingabe an die Behörde nach der Richtung überreicht habe, daß im Sinne des Gesetzes für diese Stelle, der Majorität der Schüler entsprechend, seitens der Petenten die Befähigung zur Ertheilung des israelitischen Religionsunterrichtes zu verlangen sei. Es könne nun constatirt werden, daß sowohl für diese Schulleiterstelle, N'ie auch für die Stelle eines Direktors an der Knaben-Bürgerschule I!.. Schwarzingergasse, der Concurs entsprechend der Majorität der Schüler im Sinne des Gesetzes von den Petenten die Befähigung zur Ertheilung des. israelitischen Religionsunterrichtes verlangt. Des Ferneren macht der Vorsitzende Mittheilung von der am 26. Oktober 1903 durch Herrn kais. Rath Hirsch vorgei.o nmenen Cassa-Scoutrirung, bei welcher die ordentliche Cassagrbahrung coi.statirt wurde. Endlich gibt der Vorsitzende einen Bericht über die Einnahmen der Gemeinde bis zum 31. October 1903 unter Vergleich mit den diesbezüglichen Ziffern des Vorjahres in der gleichen Periode. lieber Antrag des Vertretercollegiums wird einstimmig beschlossen, den bisherigen Vertreter der israelitischen Consession im Landesschulrathe, Herrn Vicepräsidenten Dr. Gustav Kohn, neuerlich für die Periode 1904—1910 behufs Ernennung in Vorschlag zu bringen. Secrelär kais. Rath Dr. Lieben reserirt namens des Vertretercollegiums in nachfolgenden Stiftungs-Angelegenheiten: Die Moriz Goldberger'sche Rabbinatscandidaten- Stistung im Betrage von X 560.— wird dem bisherigen Besitzer dieses Stipendiums für ein weiteres Jahr belassen. Die Frau Charlotte Rabatz'sche Jahrzeit-Widmung wird in die Verwaltung der israelitischen Cultusgemeinde übernommen: des Weiteren werden die Modalitäten der Uebernahme der Graberhaltungs-Widmung nach dem sel. Herrn Emanuel Granichstädten im Sinne der Anträge des Vertretercollegiums festgesetzt. Das Ansuchen einer Stipendistin der L. G. Goldstein'schen Ausstattungsstistung um Verlängerung der festgesetzten Eheschließungsfrist wird im Sinne der stistbrieslichen Bestimmungen abgewiesen. Endlich wird der von Herrn Vice-Präsidenten Dr. Alfred Stern beantragten Austheilung des Legates nach dem verewigten Herrn Hermann Socholler per K 1000.— für wohlthätige Zwecke Folge gegeben. Den wichtigsten Berathungs-Gegenstand bilden die Anträge der Unterrichtscommission aus Abhaltung von Vorträgen über jüdische Geschichte, Literatur und Volkskunde. Herr Vice-Präsident Dr. Gustav Kohn begründet die Anträge der Nnterrichtscommisfion, denen sich das Vertretereollegium vollinhaltlich angeschlossen hat, in einem eingehenden Referate und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Ausführung dieser Anträge geeignet

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