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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-11-06 · 45 (6.11.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 713 «r. 45 Dr. Llocb s Mocoenscorm. Die Einweihung der spaniolischen Schule in Sarajewo. Die unter überaus zahlreicher Betheiligung der vornehmsten Kreise der Hauptstadt vollzogene feierliche Einweihung der neuen spaniol.scheu Schule in der Suleimangasse war eine erhebende Illustration des ungetrübten confessionellen Friedens. Es erschienen die Herren Sectionschef Dr. v. Rajner, GM. Cvjetieanin, die Hofräthe Hörmann und Treseec, Senatspräsident Shek, Generalcommissär von Budisavljeviö Oberbaurath Dr. Kellner, Regieruugssecretär Dlustus^in Vertretung der Hauptstadt Regiernngsrath Ritter von Zarzycki, Bürgermeister H. Nezir eff. skatiü und GR- Jusnfbeg Filipoviö. in Vertretung der österr.-ungar. israelitischen Cultusgeineinde der Vorstand korporativ unter Führung des Rabbiners Dr. Weszel und des Präsidenten Dr. Rothkopf, für den croatischen Gesangverein „Trebevi«'. der Präsident Ostojie mit d.n Vereinssecretären, für den Männer Gesangverei i Vicepräsident Ehormeister von VancaZ, für den orthodoxen Kircheugesaugverein „Sloga" Präsident Risto H. Damjanovie, im Rainen der hiesigen Lehranstalten die Directoren Bedjaniö, Karaman, Bnjher Uild BlaLekovie und die Vertretungen der Volksschulen, die Gerichtsräthe Halles und Danczak u v. A. Die weiteren Korridore waren mit den Aeltesten der sefardischen Gemeinde gefüllt, denen die Freude über das frohe Ereigniß aus den Augen strahlte. Mit gewohnter Pünktlichkeit fuhr Seine Excellenz der commandirende General und Landeschef G. d. K. Baron Appel in Begleitttng des Personaladjutanten Herrn Hauptmann von Maretich am Hause vor. am Eingänge vom Gemeindevorstande unter Führung des greisen Präsidenten Salamon eff. Salom ehrfurchtsvoll empfangen und durch ein Spalier festlich gekleideter junger Leute nach dem im ersten Stockwerke befindlichen Bethause geführt. Hier überreichte der Präsident Seiner Excellenz den Schlüssel des Gotteshauses mit der Bitte, die Thüre zu öffnen. Seine Excellenz willfahrte der Bitte in der freundlichsten Weise und begab sich unter Vorantritt des Vorstandes und gefolgt von den erschienenen Sommitäten nach dem Eiircusitze rechts von der Bnndeslade, während sich die Herren des Gefolges in den Sitzreihen zu beiden Seiten niederließen und die übrigen Festgäste das Schiff des Gotteshauses füllten. Nachdem sich Se. Excellenz niedergelassen, begann der gottesdienstliche Theil der Feier .Herr Cantor Kappon sang ein Eröffnungsgebet. recitirte zwei auf die Einweihung bezügliche Psalmen und hielt hierauf in spanischer Sprache über die Bedeutung des Tages und den Zweck der neuen Schule eine gelungene Festrede, welche auf die anwesenden Mitglieder der Gemeinde sichtlich tiefen Eindruck machte. Nnn trat der Gemeindepräsident Salamon eff. Salom, in den vorgeschriebcnen Gebetmantel gehüllt, vor die Bundeslade, schobden goldgestickten Vorhang zur Seite und öffnete den Schrein, in welchem die in kostbare Gewänder gehüllten, mit reichen Silbergeräthen geschmückten Thorarolle.i sichtbar wurden. Das Mitglied des Rabbinatscollegiums Herr Josua Salom verrichtete ein von ihm in claffischem Hebräisch verfaßtes Gelegenheitsgebet für Alle, die den Bau angeregt, denselben gefördert und unterstützt haben, die dabei betheiligt waren und überhaupt zum Gelingen beitrugen. Dann hob der greise Präsident zwei Thorarollen aus der Lade und reichte dieselben den Mitgliedern des Rabbinatscollegiums. Diese stellten sich am Altäre zu beiden Seiten des celeb irenden Cantors auf, welcher nun ein uraltes hebräisches Gebet für Se. Majestät verrichtete. Nachdem das fromme Amen am Schlüsse des Gebetes verklungen war, intonirte der Gesangverein „La Lyra" die Volkshymne. Während des Absingens wurden die Thorarollen im f ierlichen Umzuge, gefolgt von den Notablen der Gemeinde, durch das Gotteshaus getragen und hierauf in die Bundeslade gestellt, welche Salamon eff. Ealom schloß. Ein kurzes Schlnßgebet beendete den kirchlichen Theil der Feier. Unter Führung des Gemeindevorstandes besichtigte sodann Se. Excellenz die Schnlräumlichkeiten, überall von der versammelten Schuljugend mit jubelnden Zivio! begrüßt, um sich hierauf in den großen Saal des zweiten Stockwerkes zu begeben, wo die Eröffnung der Schule stattfinden sollte. Die Südwand des Saales schmückte ein lebensgroßes Porträt des Monarchen, umgeben von einem geschmackvollen Draperien-Arrangement. Za Füßen des Kaiserbildes bedeckte ein prächtiger Teppich den Boden, auf welchem eine Reihe Fauteuils aufgestellt war. Das Vorstandsmitglied Herr Elias E. Kajon trat vor und hielt in der Landessprache die folgende Anrede: „Ew. Excellenz! Hochverehrte Herren! Es ist ein feierlicher Moment im Leben unserer Confession und ganz besonders im Leben unserer Religionsgemeinde, der uns hier versammelt hat. Seit unserem V.iterlande die neue Aera der Cultur und des Fortschrittes mit jenem Tage erstand, als die mächtige und väterliche Hand unseres erhabenen Kaisers und Königs hier zu herrschen begann, waren wir bestrebt, in jenen Bahnen zu wandeln, welche uns das erhabene Wort Sr. Majestät gewiesen. Und nach einen: Vierteljahrhundert haben wir es, Dank sei dafür Gott und seinem Stellvertreter auf dieser Erde, unserem erhabenen Herrscher, dahin gebracht, daß wir, wohl mit großen Opfe n, unseren Kindern einen Tempel der Aufklärung und Cultur errichten konnten. Im Namen unserer Gemeinde bitte ich Sie unseren innigen Dank dafür entgegenzunehmen, daß Sie dies unser F st zu verherrlichen kamen, das wir mit dem aus tiefstem Herzen kommenden Rufe schließen: Gott erhalte^ unseren erhabenen Kaiser und König, Se. Majestät Franz Josef I.! „Zivio! Zivio! Zivio!* Brausender Jubel begleitete die uiit großer Wärme vorgetragene Rede, begeistert erschallte das dreimalige Zivio! Als der Enthusiasmus sich gelegt hatte, erwiderte Se. Excellenz ebenfalls in der Landessprache mit einer warmen Beglückwünschung der Gemeinde, welche damit, daß sie für ihre Heranwachsende Jugend eine Schule gebaut, den Beweis erbrachte, daß sie der neuen Aera volles Verständniß entgegenbringe. Die homagiale Loyalitätsversicherung, welche Se. Excellenz soeben vernommen, werde an die Stufen des Thrones gelangen und Seiner Majestät gewiß Freude bereiten. Nach freundlicher Verabschiedung vom Gemeindevorstande verließ Se. Excellenz unter rauschenden Ovationen der Versammelten den Saal und das Haus Nach beendeter Feier sandte der Vorstand der sefardischen Cultltsgemeinde an die allerhöchste Cabinetskanzlei folgende Huldigungsdepesche : Die sefardisch-israelitische Cultusgemeinde in Sarajevo» welche heute unter Erinnerung an die vor einem Vierteljatzrhundert erfolgte Occupation ihre erste aus eigenen Mitteln erbaute Schule eröffnete, legt an den Stufen des allerhöchsten Thrones die innigsten homagialen Gefühle der Treue und Dankbarkeit nieder. Sie betet zu Gott um das lange Leben unseres allergnädigsten Kaisers und Königs Franz Josef I. — Für die sefardisch-israelitische Gemeinde: Salamon I. Salom, Präsident." Feierlicher Gottesdienst anläßlich der Installation eines Obergespans. Der neuernannte Obergespan des Comitates Syrmien und der Stadt Semlin, Emerich v. Hideghety, äußerte den Wunsch, daß anläßlich seiner Installation nicht nur in der römisch-katholischen Kirche, der er selbst angehört, sondern auch in der griechisch-orientalischen Kirche, sowie im israelitischen Tempel Gottesdienste abgehalten werden mögen, damit die Gleichheit unter den Confessionen gewahrt und die Eintracht zwischen den Bürgern verschiedener Bekenntnisse auch bei diesem Anlässe zum Ausdruck gebracht werde. Der Gottesdienst im Tempel konnte mit vollem- Rechte ein Act des Kiddusch Haschern genannt werden. Jllustre Gäste füllten das prunkvoll deeorirte Gotteshaus. Mit dem Obergespan erschienen: Geheimrath Minister für Croatien und Slavonien Ervin v. Cseh, Landlagspräsident Gjurgjevic mit zahlreichen Reichstags- und Landtagsabgeordneten, Obergespan v. Chavrak mit der Deputation des Nachbareomitates Birovitiea, Bieegespan v. Cuvaj, mit der Deputation des Comitates Po^ega, Deputationen der Städte Esset, Semlin, Mitrovitz, Karlovitz und Peterwardein unter Führung ihrer Bürgermeister, die Mitglieder der Comitatseongregation, unter denen sich viele - katholische, serbische und protestantische Geistliche befanden, sowie ein den besten Kreisen unserer Bürgerschaft angehörendes Publicum. Viele erschienen in reichen Gala-Costümen. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer, die jedes Plätzchen der Männer- und Frauenabtheilung füllten, dem Gottesdienste, welcher mit dem vom Obercantor Adolf Schwarcz und dem unter der Leitung des Cantors Türkeltaub stehenden gemischten Chore weihevoll vorgetragenen Nah-tovu eröffnet wurde. Diesem folgte „Ss’u sch’oum“, bei welchem das Solo vorzüglich zur Geltung kam. Herr Oberrabbiner Dr. I. Diamant sprach vor offener Bundeslade ein stimmungsvolles croatisches Gebet für den König, den Banns und den Obergespan, dessen Wahlspruch „Eintracht und Gerechtigkeit" sehr wirkungsvoll angewendet wurde. Hierauf wurde Psalm 111 (Sulzer) vom Obercantor und Chor erhebend zu Gehör gebracht. Die vielen Hunderte der erschienenen Gäste waren voll des Lobes über den Gottesdienst im Tempel. Judentaufen in Berlin. Auf der Brandenburgischen Provinzialsynode wurde folgender Antrag gestellt: „Generalsynode wolle beim Evangelischen Oberkirchenrath eine allgemeine Verordnung erwirken, dahingehend, daß die Geistlichen der Landeskirche über jede Proselytentaufe an das Provinzialconsistorium einen Bericht zu erstatten und dabei anzugeben haben, in welcher Weise die Vorbereitung zur Taufe stattgefunden hat. Ueber die Gründe, welche die Brandenburgische Provinzialsynode zu ihrem Antrag veranlaßt haben, berichtet der ehemalige Hofprediger Stöcker: Es trete alle Jahre eine ganze Menge von Proselyten aus dem Judenthum an die Pastoren heran, bei denen neben religiösen Beweggründen auch andere Gründe maßgebend seien. Die Kirche habe in jedem Falle die heilige Pflicht, es mit diesen Uebertritten recht genau zu nehmen. Habe doch vor nicht langer Zeit ein gelehrter

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