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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rr.^44 Dr. Dlocd's Mocbenscbrttd Seite sss „Esra*^einen^Einwand er^o6en^atte#J fo .wurde eine Wendung oerselben geändert, worauf die Resolutionen von der Versammlung einstimmig angenommen wurden. Weitere Versammlungen von Palästinafreunden sollen demnächst in anderen Städten stattfinven. Die Propaganda-Commission gedenkt überdies eine rege Agitationsthängkeit auch außerhalb Deutschlands zu entfalten. Gefährliches Grprrime«t.*) Wenn ich in streng geschloffenem Kreise altbewährter Zionisten zu Worte käme, würoe ich beiläufig Folgendes sagen: «rüder! Das Endziel unseres Seynens uno Mreoens ist, entsprechend den religiösen Traditionen, eine geistige und örtliche Zusammenfassung aller zecstceucen Glieder des Mischen Volkes. Allel« Ihr wlffer und habt es mit Thaten bewiesen, .daß es vor Allem dringend geboten ist, für die Hunberttausenoe Oooachloser ern sicheres Heim zu schaffen, wo dieselben, vor materiellem und moralischem Untergang gerettet, sich selbst uno oem jüdischen Volke erhallen werden. Jyr wisset, daß die rhatsächliche Lurchsüyrung dieses großen uno edlen Beginnens viele Jahre in Anspruch nehmen wird. Diese langwierige Arbeit ist nur oer kleinere, nur vorbereitende Tyerl des Zieles. Die Verwiikllchung der HaupiaroeH ist, menschlicher Berechnung nach, in viel späterer Zell zu erwarten. G^wiß soll die Z.okscheildauer mit cousequenrer Arbeit ausgenützt werden. Soll aoer diese Arbeit darin bestehen, dag wir denjenigen Juden, die eine (wenn auch nur precar sichere) leibliche Heimstätte haben, vlese durch unnötyige P r o v ocatlon zerstören uno Denen, die berufen srnv, den Obdachlosen HiisSMiitel zu liefern, das Dach über den Häuptern alizunden?? Cm weiser Gärtner, dem etwa die Ausgabe zufiele, einige Millionen Bäume von ihrem Standorte an einen anderen zu versetzen, würoe diese Arbeit nicht derart leisten wollen, dag er aste Bäume gleichzeitig entwurzelt, um sie bann der Reihe nach zu überführen uno an dem neuen Orte einzusetzen, denn bei solchem Verfahren müßten ore entwurzelten Stämme oeroorren, eye sie zur Wiedereinsetzung gelangen. Ich meine, „Jeschurun“ heiße („«oll der Redlichkeit* und lege uns vie moralische Pflicht aus, für die Wirlynaiwu auch dann Wohlwollen zu hegen, wenn wir Juden „unter uns* sind. Aber jedenfalls foroerr oies auch unser eigenes Interesse. Solche Geoanken drängten sich mir wieoer aus, als ich durch orllre Hand von dem anlizronlstlsch-judlschett Wochenvlalre „llg/enloseg* die aus dem Preßvurger anlisemiiifchungarnsresserlschen „Westungarischen Grenzvotengeschöpfte Nachricht erfuhr, vag ein Mitglied oes Wiener Actlons-Comuss am II. Octvber o. I. in Preßourg einen Vortrag hielt, in welchem es nebst anoeren, angeblich oie Gefühle der ungarischen Juden lief verletzenden Aussprüchen gejagt haben soll: „Cm Jude kann nie sagen, er sei em Ungar, denn oer Juoe kann ule em Ungar sein.* Diese Mittheilung klingt mir um so verwunderlicher und unglau blich er, als ich das betreffende, von mir hochgeschätzte Mitglied des Acllons-Comil^s als euleu Freund oer uiigarifchen Station kenne, bem ich mehrmals die Lage tu Ungarn ausemanoerfctzle uno u» dessen «voynung und Beisein sowie auch mu ferner uno des Herrn Dr. Herzt Zustimmung wir am 31. Marz JLUUiJ oaS Programm ber ungaciscyeuZivnlsteu sesistellteu, dessen zweiter Pnntr svigendermatzeu laurer: „Die ungarischen Zionisten wollen nicht als politische Ratlonalltat gelten uno kerne Ranonalllatenpolltil m Ungarn treiben.* ^Schon hat sich des Preßburger Streiches ein antizionistlsches und — was noch arger — em sich zionistisch nennenvks, racyeschnaubeudeS Bralt bemächtigt. *) Herr Dr. Rünai, Aovocat und staatsanwaltlicher Functionär in Budapest, senvei uns vorileyenben Artikel mit einem Begleitschreiben, itl welchem er um den Abdruck mü Hinweis aus wichtige allgemetne Interessen einbringlich ersucht. Indem wir dem Wunsche des geehrten Herrn Einsenders entsprechen, .wollen wir nicht uMerlasjen, daran zu erinnern, daß antisemitische Berichte über jüdische Versammlungen erfahrungsgemäß gefälscht sind und daß die Preßvurger Meldungen specrell vom Herrn Architekten Oscar Marmorek bereüs em entschiedenes DemeMi erfahren-haben. L.»Jn ungarischen und deutschen Artikeln bin ich stets für^die Existenz uno Einheit des jüdischen Volkes und die Solidarität aller Juden emgestanden. Diese Solidarität kann und darf aber nrchl so weit gehen, dort, wo die jüdische Bevölkerung vom Gesetz als politische (wohl gemerkt: politische) Nationalität nicht anerkannt ist, d e n n o ch eine solche trotzig zu proclamiren, und darf die Solidarität nicht so wert gehen, daß die Inden des einen Staates sich in das Verhalten der Jüden eines anderen Staates zu diesem uno dessen christlicher Bevölkerungfaktisch Hineinmengen. Schon aus dem Grunde nicht, weil das Berhältniß der betreffenden jüdischen Bevölkerung zu ihrem Aooptivlande nach Macht uno Recht einzig von diesem avhängt. Dieses einzig mögliche, natürliche und vernunslgemäße Pcrnclp wurde auch vom ersten Baseler Congreß anerkannt und ausgesprochen. Was haben fich nun österreichische oder rusfische Juden m die inneren Verhältnisse Ungarns zu mengen? Hiezu mangelt es ihnen an Verstand »iß und Berechtigung. Wenn nun einem österreichischen Redner, der kein Jurist ist, über ungarische Verhältnisse ui der Hitze der Begeisterung die CorreclheU staatsrechtlicher und politischer Ausdrücke abhanden kommt, so ist dies wohl zu bedauern, aber immerhin recht mildernd zu beurtheilen, umso mehr, als solche Reden von dem Strome oer weiteren Ereignisse fortgeschwemmt werden. Wenn aber ein hierländischer Jude solche Reden fixirt, zu einer fortwirkenden Tharsache ausvauscht und r» einem juden- und Ungarn hassenden Blatt publiciren läßt, so ist das Felonie, heimtückischer Berrath gegen sem Land, gegen die Gesa mmth eit der ungarischen Judenheit uno gegen — den Zionismus, dessen flottere Ausbreitung in Ungarn an einen tooien Punk: angelangt ist (was seither ausposaunt worden). Dies ist nur therlweise dem Emflnffe jüdischer Gegner zuzuscyreiven, denen Pcetzvurger Schilvastuckchen nur willkommen fern dürften. Angefichrs solcher wird es mrr begreiflich, wie aus dem philosophischen Literatur- und Kunst-Recensenten weüand Dr. Adolf Silverstem, der vor dem ersten Baseler Congreß einen unterstützenden Artikel im „Pester Lloyd* für den Zionismus geschrieben, bald darauf unser enragirrer Gegner weroen konnte. Jch vin und bleive politischer Zronist, stehe für vre Ausrechthaltung des Baseler ProgrammeS als Regel für die Allgemeinheit ein, auch wenn mich manche Genoffen exeommunicireu sollten; — ich bleibe ein treuer Anhänger Dr. Herzl's und des Acnons-Comics, mögen unS diese nach Zwn, Oflasrika oder wo immer hmsühren, wo den Verfolgten Rettung und Coneentration winken. Wenn aber beschränkte Jünglinge, sicherlich infolge Mißverstehender Jnrenlionen der Führer, gegen die Gesetze oder sociale Ruhe Ungarns verstoßen sollten,fo wird jeder rechtschaffene ungarische Jude, ob Zionist oder Nlchtzwnrst, solche Attentate energisch zurückweisen. Nicht alle Preßbucger Zionisten trifft der besagte Borwurs, sondern nur einige Wichtiglhuer und die von ihnen ausgehenden bösen Informationen. Diese find umso mehr zu bedauern, ja zu verdammen, weil bereits in den besten ungarisch gesinnten jüdischen Kreisen, sogar im gegnerischen Lager, die Solidarität des JudentyumS häufig betont wird uno fich immer mehr Wohlwollen für die zwnlstlschen Bestrebungen kundzugeben beginnen. Man konnte ernwenben, die Ueberschwänglichkeit des „Affimilanten* hätte die herostratischen Uebergriffe junger Zionisten heroorgerusen. Dies ist aber für Letztere keine Entschuldigung, und wenn der Chauvinismus ber Ersteren uns den Haß oer Rlchtmagyaren zugezogen hat, so wird die Preßburger Verblendung den Zorn oer Hegemonen Nation und der amtlichen Kreise l»lcht blos gegen die Zionisten, sondern gegen die Juden Ungarns überhaupt herausbeschwören, ohne unS als Entgelt die Gunst der Nationalitäten zu gewinnen. Wenn die Spannung zwischen der Hegemonen ungarischen Nation und den „Nationalitäten* nachgelassen haben wird, wird hoffentlich auch den Juben gegenüber die eifersüchtige Reizbarkeit ausyören. üaveant consuies, ne quid detrimenti res populi capiat! (Nachschrift. Knapp vor Absendung dieses Artikels wurde mir «ne doppelte Befriedigung zu Tyeit. Die eine besteht in , einer in Nr. 43 der „Welt* publicirten Berichtigung. Die anderßßW in einer treffenden ausführlichen Bemerkung des Budapestv^M

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