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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Dr. Llocb's Mocvenscbrlkt. Rr. 44A Seite 692A Wege ist. Das^jüdische.Bolk.wendet sich ^instinctivauf den.richtigen Weg. Neue Colonisations- und Bodenkaufsvereine entstehen. Man hat den Nationalfonds für sofortigen Bobenkaus destlmmt. Die einflußreichsten jüdischen Blätter haben sich für die Palästinacolouisation erklärt. Für die ostafrikantsche Expedition streßen nur minimale Beiträge em, während die Spenden für den Nationalfond jetzt bedeutend anwachsen. Das Volk will Palästina und die Kteincoloaisation. Doch kann das Colonisationsprogramm nicht unverändert ausgenommen werden. Das Ansiedelungswerk ist in eine neue Phase getreten. Heute sehen wir ein, daß wir auch in den Nebenländern Palästinas colonisiren muffen, weil Palästina zu klein und vorläufig verschlossen ist. Diese Gebiete empfehlen sich für die sofortige Rettungsaction; so wird die Behebung der Judennoth mit der Wlederaufrichtung Zions verbunden werden. Die Colonisation muß auch städtischer und industrieller Natur sein; die Juden müffen im Orient alle Berufe treiben. Gründliche Ersorschungsarbeiten und das Entwerfen einer wlrthschaftlichen Generalstabskarte, eines colonialen FelbzugSplanes müssen der neuen Colonisation vorangehen. Die Colonisation selbst muß auf Grund einer dauernden Berständigung aller im Orient thätigen jüdischen Organisationen erfolgen. Sie muß immer höhere rechtliche und politische Garantien erstreben, insbesondere die Aufhebung des Einwanderungsverbotes, die Sicherung des Erwerbs-und Besitzrechtes von Immobilien, des Rechtes aus Errichtung von Häusern, die Verminderung der ruinirenden landwirthschaftlichen Steuern, endlich die Ausdehnung des Principes der autonomen jüdischen Gemeindeverwaltung bis zu den weitesten rechtlich-politischen Grenze». Die Mittel zur Durchführung dieser planvolle«, zielbewußten Colonisation bestehen in der kräftigen Erneuerung der Colonisationsvereine, in ihrem Zusammenschluß zu einer Centralorgamsation und ihrer Bereinigung mit allen anderen jüdischen Palästinafactoren. Diese Aktion bezweckt keineswegs die Spaltung ober Schwächung einer anderen Mischen Organisation, etum der zionistischen. Sie soll im Gegentheil zum loyalen Zusammenarbeiten der Palästrnafreunde und der Zionisten führen und dem Palästinawerk auch nichtzionistische Elemente zusühren. Auch im Berhältniß zur »I c aM und zum Rothschil o-C o m i t e stehen die Colonisationsvereine aus dem Standpunkt loyalster Anerkennung der erworbenen Berdienste, ja, sie betrachten es als eine Pflicht, diesen viel angegriffenen Körperschaften ihre Anerkennung öffentlich auszusprechen; zugleich aber die Erwartung, daß die „Jca- und das Rothschild-ComitL sich mit den Colonisanonsvereinen, den Allianzen, dem Deutschen Hilssverein, der zionistischen Organisation, dem Bne-Brity-Orden, der Chaluka-Organisation und dem Palästinensischen Actwnscomite zwecks dauernd gemeinsamer Arbeit in Palästina verstänoigen werbe. Im Sinne seiner Ausführungen schlug Dr. Nossig nachstehende Resolution vor: Resolutionen. Angesichts der befriedigenden und aussichtsreichen Entwicklung der jüdischen Colonien in Palästina beschließt die am 19. October in Berlin tagende Versammlung der Palästinafreunde nachstehende Resolutionen: I. Das Werk derNeubesiedelung Palästinas durch Juden ist unentwegt und mit erhöhter Energie fortzuführen; es soll durch Erwerb geeigneter Ländereien vorbereitet werden; es soll sich nicht nur auf das türkische Palästina, sondern auch auf Syrien erstrecken; nicht nur landwirthschastlicher, sondern auch städtischer und industrieller Natur sein; auf Grund entsprechender Ersorschungsarbeiten und nach einem einheitlichen Plane erfolgen; es soll durchaus legal sein und sich mir der Erstrebung immer höherer rechtlicher Garantien verbinden. II. Ms Mittel zur Erreichung dieser Zwecke werden empfohlen: Die Belebung der bestehenden Palästina- Colonisations-Vereine durch eine kräftige Propaganda und die Gründung neuer B.erein.e dieser Art; das Z u > a m^m^e.n t r e.t e.n u n d d i ec e n t r a.l.e Organisation aller Colonisationsvereine; der loyale Zusamme»Schluß Letztere^r mir allen jüdischen Körperschaften, oie sich s ü r Palästina interefsiren, und die Herbeiführung einer dauernden Verständigung unter denselben zwecks einheitlicher Führung des Ansiedelungswerkes. lll. Die Versammlung spricht Dem Baron ^Edmund Rothfchild'fchen Palästina-Comitö und der ca“ für ihre bisherigeThätigkeit, durch welche oas jüdische Ansiedelungswerk im Orient begründet und gefestigt wurde, ihre wärm st e Anerkennung a u s.^ Wenn wir diese Resolutionen beschließen und sie unseren Gesinnungsgenossen empfehlen — schloß Dr. Nossig — so entrollen wir oamu allerdings nicht ein so bestechendes und verlockendes Programm, wie es die Idee einer sofortigen Staatsgründung war. Unser Weg ist ern langer und mühevoller, aber er hat Eines für sich: es ist der einzige, der zur wirklichen und sicheren Erreichung oes angestrebten Zieles führt. Dort, im Orient können wir die Freude erleben, Jahr für Jahr eine Reihe neuer, blühender Colonien entstehen zu sehen, und dabei das Bewußtsein haben, daß durch jede von ihnen unsere eigentliche Ausgabe gefördert wird, oas Werk der endgiltigen Erlösung des jüdischen Volkes. - Daß die vom Vortragenden angedeutete Kräfttgung der Colonisatronsbewegung sowie oie Anbahnung einer Verständigung zwischen allen Colonifatlonssactoren Aussichten haben, sich zu verwirklichen, bewiesen Briese und Telegramme, welche anläßlich der Versammlung eingetroffen waren und die allerorts bestehenden Sympathien für die Palästina-Colonisationen bekundeten. Erwähnt sei ein sehr ermunterndes Schreiben von Nareisse Leven an Dr. Alfred Nossig, (welches jedoch nicht zur Verlesung gelangte), ein Collecttvtelegramm aus Wien, welches die eben erfolgte Begründung eines neuen B e r e i n e s d e r Palästinafreunde anzeigte, ein Schreiben aus Budapest, endlich ein Brief von Dr. N a t a n im Namen des »Hilfsvereines deutscher Juden-, dem wir folgende Erklärung entnehmen: »Unser Hilfsverein der deutschen Juden steht allen Bestrebungen, ein gemeinsames Arbeitsfeld in Palästina zu schaffen, sympathisch gegenüber und ist gern bereit, so wert das in sein ThätigkeilSgevret gehört, dieser Sympathie praktisch Ausdruck zu verleihen.- ' In der auf den Bortrag folgenden Discussion ergriff zunächst Willy Bambus das Wort und entwickelte m eingehender Darstellung den gegenwärtigen günstigen Stand der Palästina-Colonifatron und oie Aussichten einer Besiedelung in größerem Umfange. Professor Warburg, der Vorsitzende der Ostafrika-Commission, erklärte, daß das Ostafrikamsche Projekt noch keineswegs ganz ernstlich ins Auge gefaßt wurde, und empfahl für die Rettungsaelion besonders Borderasien, welches er als oas vorzüglichste und aussichtsreichste Colonisationsgebiet der Erde bezerchnete. Dr. Franz Oppenheimer betonte, daß er auf öffentlich-rechtliche Sicherung des Ansiedelungswerkes Gewicht lege und daher, so lange eine solche in Palästina nicht zu erreichen sei, angesichts der oringenden Nothwendigkeit einer Rettungsaelion sich auch für ein englisches Gebiet entscheiden würde. Dem gegenüber führte Dr. Hildesheimer aus, daß gerade die Größe des jüdischen Elends und ^die Dringlichkeit einer Abhilfe es zur Pflicht machen, nicht die Erreichung eines Charters abzuwarten, sondern zunächst auf kolonisatorischem Wege dre Rettungsaction in erreichbarem Umfange zu führen und ste nach dem Lande unserer Väter hinzulenken. Ephraim Kohn überbrachte den Gruß der jüdischen Pionniere in Palästina und betonte, daß man im Heiligen Lande die Thätigkeit des »Esrahoch vewerthe. Davis Trietsch erklärte seine volle Ueberelnjtlmmung mit dem Noffig'schen Referat und empfahl insbesondere die industrielle Colonisation in der Nähe der Städte als Mittel, um größere Mengen jüdischer Bevölkerung im Orient anzusiedeln. Bertold Feiwel sprach vom Standpunkte des politischen Zionismus, dessen Berhältniß zur Colonisationsbewegung er zu präcisiren versuchte. Da ein Redner gegen die Fassung der Resolutionen vom Standpunkte der Satzungen de-

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