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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-30 · 44 (30.10.1903) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
44 (30.10.1903)
Date
1903-10-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ur. 44 Dr. Bloch’s Jahrgang XX Centralorgan für die gesammten Interessen des ----^- Wien, 30. Orlober 1003. -■)»■ •>-4- - Lrsch eint jeden Freitag. -■» - Brief-Adresse: Wien, IX/1, Berggasse 38. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wien. X ' U D. kr. Pofispsrraffen-Anrk Clearing-OrrKrhr Nr. 810.976. Ledartion und Administration: . Wien IX/l, Berggajssr Nr. 39. Telephon Nr. 14.847. lg % Iudenthums. .'-— =m SrplgsPrri» für Sestrrrrtch: Halbjährig 8 Kronen. Einzelexemplare 80 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 * ' Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 24 Heller. % - m Inhalt: Leitartikel: Die Palästina-Colonisationsbewegung. — Gefährliches Experiment. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Glossen zur.Tagesgeschichte. — Die Juden in der russischen Armee. — Eorrespondenzen: Eine Erwiderung. Wien. Zur Hebung des Tempelbesuches. Berlin. Dippold und Sternberg. Zwei bedeutsame Kundgebungen. Die wirthichaftliche Bedeutung der Judenfrage in Rußland. Die Judenexcesse in Homel. Cincinnati. — Vermischtes: Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien. Wien, Zalaegerszeg, Nagy-Körös, Kuttenberg, Prag, Klattau, Troppau, Tarnopol. Aus Jassy. — Feuilleton: Julian Meldohla. — Briefkasten. — Aufruf. — Inserate. Zur grfäUigen Keachtuug. Nachdem wir in den nächsten Wochen mit dem Drucke einer neuen Auflage der Adreß sch leisen für die ,»Oesterreichische Wochenschrift»' beginnen, ersuchen wir alle jene unserer geschätzten Abonnenten, deren Adreßschleise irgend welchen Mangel oder Unrichtigkeit in der Adressirung enthält, uns dies gefälligst postwendend bekannt geben zu wollen. Die Administration. Me Nalästina-ColonisationsbeWegimN. Schon feit dem'Minsker Congreffe konnte man in Rußland eine verstärkte Wiederaufnahme der Palästina- Colonisationsbewegung wahrnehmen. Nicht nur, daß die Verwendung des Nationalfonds zum sofortigen Terrainkauf von Palästina empfohlen wurde, es bildeten sich überdies neue Bodenkaufsgenossenschaften und auch die ganze Thätigkeit des Ingenieurs Ussischkin war auf Förderung der direkten Action in Palästina gerichtet. Nun beginnt auch die Stagnation, in der sich die Colonisatioflsbewegung im westeuropäischen Judenthum unleugbar befand, zu weichen und eine erfreuliche. viel versprechende Erneuerung derselben vollzieht sich vor unseren Augen. Maßgebend war für, die Neubelebung der Colonisationsvereine in erster Linie der Umstand, daß die wirthschaftliche Krisis des Ansiedelungswerkes vorüber ist, daß die letzten Nachrichten über die Entwicklung der Colonienin P alästina außerordentlich ermunternd sind. Die Initiative zu einer neuerlichen, regeren Thätigkeit in Palästina ist,von der B er,liner Propaganda-Commission des Gent ralcomitLs der Colönisationsvereine ausgegangen. Diese Commission besteht, unter dem Borsitze, von Dr. H. Hildesheimer, aus den Herren Prof. Martin Phil i.p p s y n, Berthold Israel, Willy Bambus, Prof. Leopold Landau, Dr. Alfred Nossig. Prof. Otto Marburg und zwei Vertretern des Berliner ,Esra". Demnächst tritt auch das P a riser Central-Comit 6 zusammen, welches unter dem Vorsitze von Narcisse Leven steht und sich aus den Herren Großrabbiner Z a d o k - K a h n, Prof. Joseph Halevi, Rabbiner D r e y f u ß, Dr. Emil Meyerson, Rabbiner Weiß köpf, D. Prague, M. Altmann, sowie Oberst Goldsmid, London, zusammensetzt. Auf Veranlassung der Berliner Propaganda-Commission veranstaltete das Central-Comite des „Esra" in Berlin eine öffentliche Versammlung von Palästinafreunden, welche am 19. October im Saale des Fürstenbergbräu stattfand und ein zahlreiches Publicum vereinigte, unter dem sich auch auswärtige Delegirte befanden. Nach den Eröffnungsansprachen der Herren M. Dorn und Dr. Hildesheimer fand ein Bortrag von Dr. Alfred Nossig .Unser Colonisationsprogramm* statt, dessen Inhalt wir auf Grund des stenographischen Protokolls folgen lassen. - Der Vortrag zerfiel in vier Haupttheile. Zunächst formulirte Dr. Nossig das Colonisationsproblem. Er faßte es in die Fraage: »Ist der Plan der Gründung eines autonomen jüdischen Gemeinwesens außerhalb des palästinensischen Länderkreises der unentwegten Fortsetzung des palästinensischen Ansiedlungskreises ohne alle Kräftezersplitterung vorzuziehen V Das Problem ist im Grunde ein colonialtechnisches: .Allmälige Ansiedelung unter stufenweiser Anstrebung immer höherer politischer Rechte oder vorangehende Sicherung der höchsten politischen Rechte und nachfolgende möglichst rasche Maffencolonisation Im zweiten Th eile bemühte sich Dr. Nossig nachzuweisen, daß das Ansiedelungswerk in Palästina sich heute vorzüglich bewährt habe und gute Aussichten für die Zukunft biete und daß der Weg der langsamen, r e ch tlicben Colonisation, die nach und nach zu einer Großcolonisationmit politischem Endzweck anwachse, durch die geschichtliche Erfahrung und die Bolkswirthschaftstehre empfohlen werde. Der Bericht eines politischen Zionisten, Dr. Friedmann, bezeugt es, daß die Krise des Palästina-Colonisationswerkes völlig überwunden sei. Ein anderer politischer Zionist, Dr. Oppenheimer, hat in seinem Anfiedelungsreferat die langsame Colonisation als die einzig richtige bezeichnet und vor der raschen Maffencolonisation gewarnt. Der dritte Theil enthielt eine Widerlegung des Programmes der politischen Masse ncolonisation und die Bekämpfung des ostafrikanischen P r o j e c t e s. Maffencolonisation muß mit Elend und Epidemien enden. Eine Ansiedelung in Ostafrika eröffnet, wenn man die vorhandene Literatur über Uganda zu Rathe zieht, für die Juden nur ungünstige Aussichten und würde unter allen Umständen eine schädliche Kräftezersplitterung bedeuten. Im vierten Theil entwickelte Dr. Nossig das neue, erweiterte Colonisationsprogramm für Palästina. Man hat auf dem letzten Zionisteneongreß den Verlust Palästinas beweint. Es war gar kein Anlaß hierzu vorhanden. Niemals war uns Palästina näher als jetzt, wo das Anfiedelungswerk auf bestem

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