Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 43 (23.10.1903)
- Date
- 1903-10-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 680 Dr. Wlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 43 zrmso besser gerüstet sei wider die Ränke und Tücken der Juden. Er spricht aber nicht für die Verlängerung oder auch nur für die Beibehaltung der bisherigen Schulzeit, er spricht sür die Verringerung. Und dennoch hat er recht und dennoch weiß er, was er will. Für jene universelle Bildung, die dazu nöthig ist, den Juden todtzuschlagen, könnte vielleicht sogar auch die siebenjährige Schulpflicht schon zu viel sein. Man hatte wieder einmal nach Gesellen die Katze geworfen und sie ist auf die Füße gefallen. Eine Schuldebatte sollte es werden und es ward ein Hepp Hepp-Geschrei. Der Uebermuth der Juden wächst ja auch ins Maßlose. Aus allen Theilen der Welt kommen die erschütternden Nachrichten von den blutigen Christenmasiacres, die sie mit der blutgierigen Rohheit, die ihr besonderes Merkmal ist, anrichten. Die Meldungen wimmeln nur so heran, wie sie die fettesten Stellen für sich in Anspruch nehmen, wie sie zum Richterdienst, in den Staatsdienst, in den städtischen Aemtern und in jenen des Landes, im Schulwesen und bei der Armee überhaupt keine Christen zulassen und Alles, Alles nur für sich behalten. Da mußte allerdings etwas geschehen, es war hohe Zeit. Und darum kam die Culturdebatte im niederösterreichischen Landtag so gelegen. Der Weltgeist hielt den Athem an, der Weltverkehr stockte — im niederösterreichischen Landtage wurde um die höchsten Güter der Menschheit gekämpft. Whig. Eine Anregung. Bon einer durch ihren Wohlthätigkeitssinn bekannten Persönlichkeit gingen uns die nachfolgenden Zeilen zu, denen wir in unserem Blatte um so lieber Raum geben, als sie eine sehr beherzigenswerthe, der Aufmerksamkeit der besitzenden Kreise nicht genug zu empfehlende Anregung enthalten. Der Einsender schreibt: ,3« Sommer dieses Jahres fand ich mich veranlaßt, für einige Zeit im Jodbade Holl Aufenthalt zu nehmen. Da fiel mir nun im Curparke und beim Brunnen eine Gruppe von Kindern auf, die unter Aufsicht einer Pflegerin dem Curgebrauche nachgingen. Ich muß gestehen,, daß ich noch selten ein solch' rührendes Bild gesehen, wie es diese von schweren Krankheiten heimgesuchten Kinder boten, die, in gleicher.Kleidung das schwächere an dem stärkeren sich stützend, artig und bescheiden, der Führerin auf den Wink gehorchend, einherschritten. Ueber Anfragen erhielt ich die Auskunft, daß dies arme Wiener Judenkinder seien, die vom Vereine »Ferienheim" zu sechswöchentlichem Curgebrauche hieher entsandt wurden. Ich unterließ es nicht, den Kleinen, wo ich nur konnte, einige freudige Augenblicke zu bereiten, und mein Interesse sür den so eminent wohlthätig wirkenden Verein wuchs von Tag zu Tag. Nur Eines erfüllte mich mit aufrichtigem Bedauern. Die Unterbringung dieser Kinder war nicht eine solche, wie sie sein sollte. Meine Erkundigungen hierüber ergaben ein überraschendes Resultat. Ich erfuhr, daß alle Bemühungen des Vereines, eine geräumige, zweckentsprechende Wohnung sür seine Schützlinge in Hall zu erlangen, fruchtlos sind. Weshalb? Nun, es handelt sich ja um Kinder unserer Glaubensgenossen . . . Und die Folge hievon: Der Verein »Ferienheim", der alljährlich viele Hunderte von armen, kranken Kindern in Feriencolonien und Heilbäder entsendet, an welchen sich so viele Eltern von skrophulosen, der Cur im Jodbade dringendst bedürftigen armen Kleinen wenden, kann in diesen Curort der Wvhnungsuoth halber nur eine ganz geringe Zahl von Schützlingen entsenden. Dabei erneut sich Jahr für Jahr die Sorge: »Wer wird uns sür unsere armen Kleinen Wohnung geben?* Die gemachten Erfahrungen haben mich überzeugt — und Biele werden sich mir anschlicßen — daß es eine Nothwendigkeit ist. ein Heim für jüdische, eines Jodbades bedürftige kranke Kinder zu errichten. Sehen wir es doch täglich auf's Neue, daß wir Juden nur auf uns selbst angewiesen sind. Insbesondere wir in Wien, im Reiche der Christlich-Socialen, machen immer und immer wieder diese Erfahrung. Wir müssen uns unserer armen Glaubensgenossen annehmen und helfen, wo wir nur können. Es gibt wohl keinen Zweig der Wohlthätigkeit, welcher mehr der Förderung und Unterstützung würdig und bedürftig wäre, als der, welcher sich zur Aufgabe stellt, armen, kranken Kindern Gesundung zu bringen — oft ihnen das Leben zu erhalten. Meine Anregung zur Schaffung eines Hospitales für scrophulöse jüdische Kinder in Bad Hall ließe sich umso eher leicht und rasch realisiren, als es sich lediglich um die Baukosten, die höchstens K 20.000 betragen dürsten, handelt, während sür die Erhaltung der bewährte Verein »Ferienheim" aufkäme. Ich hin überzeugt, daß unsere wohlhabenden Glaubensgenossen sich dieser Aetion nicht entziehen werden und habe meinen Beitrag hiezu dem Präsidium des »Ferienheim", Wien, I.. Schottenring 2, zukommen lassen." Soweit der Einsender, dessen Name und Adresse uns bekannt sind. Ueber unsere Erkundigung theilt uns der Vorstand des »Ferienheim" mit, daß im Vereinsvorstande selbst auf diese Anregung hin der Betrag von K 6000 zur Schaffung eines »Hospital für jüdische skrophulose Kinder in Bad Hall" gewidmet wurde. Wir erklären uns gerne bereit, Spenden für diesen eminent wohlthätigen Zweck entgegenzunehmen und in unserem Blatte auszuweisen. Erklärung. Ueber den Vortrag, den ich am 11. d. M. im Preßburger Verein „Ahavat Zion“ hielt, brachte ein dortiges Localblatt einen sehr ausführlichen Bericht, der aber bei der anderthalbstündigen Dauer des Vortrages doch nur einzelne Schlagworte enthalten konnte. Wie es bei Wiedergabe solcher Vorträge leider fast immer der Fall ist. enthielt der Bericht neben vielem richtia Wiedergebenen auch sehr viel Mißverstandenes, Entstelltes und Falsches, das ich nicht berichtigt habe, weil ich viele Spalten dazu gebraucht hätte. Das Wiener „Deutsche Volksblatt" greift aus dem genannten Referate einige besondere krasse Stellen heraus, um sie als Ansicht der Zionisten über die übrigen Inden seinen Leiern darznbieten. Man wird es begreifen, daß ich noch weniger Lust habe, mich mit dem „Deutschen Volksblatt" in eine Polemik einzulassen. Ich bitte nur meiner Erklärung Raum zu gewähren — woran Jeder, der meine Gesinnung kennt, wohl nicht einen Augenblick geglaubt hat, und was übrigens das zahlreiche Auditorium meines Vortrages mir bezeugen kann. — daß ich die mir in den Mun" gelegten, vielfach geradezu widersinnigen Phrasen nicht gebraucht habe. Hochachtungsvoll Architekt Oscar Marmorek. Tranerfeier für den verewigten Cnltusvertreter Arthur Edlen v. Mises."^' Sonntag den 18. b. M. veranstaltete der Synagogenvereiu «Beth Israel" im israelitischen Tempel, Wien, II., Leopoldsgasse, eine Tranerfeier für seinen frühzeitig verstorbenen Obmann, den Cnltusvertreter Oberingenieur Arthur Edlen v. Mises. Nicht allein die nächsten Angehörigen des Verewigten, die trauernde Witwe, die beiden Söhne und die Familienmitglieder, sondern auch sämmtliche Vorsteher des Vereines „Beth Israel" mit dem Senior Herrn S. M e i s e l s an der Spitze haben sich aus diesem Anlässe in den Tempelräumlichkeiten eingefunden. Als Ehrengäste erschienen und wurden von dem Obmann-Stellvertreter S. Deiches, sowie von den Vereiusvorstehern Herrn Directvr Jg. Zolles, Alexander L a n d a u, Max R o s enf e l d und S i l b e r m a r k zu den für sie reservirten Ehrensitzen geleitet: Der Präsident der israelitischen Cultnsgemeinde kais. Rath Kling er mit dem Vicepräsidenten k. k. Landesschnlrath Dr. Gustav Koh.n, die Vorsteher Dr. Alfred Berger, Salo C o h n, Hermann E l t b o g e n, Architekt Max Fleischer, k. k. Baurath von Goldschmied, Emaunel H o f m a n n, Dr. F. Katzau, Salom. Rasner, Dr. Maximilian S t e i n e r, k. k. Baurath Wilhelm St i aß n y; der Vicepräsident der türkisch-israelitischen Gemeinde Herr Licco Adutt;vom Rabbinate waren erschienen: Oberrabbiner Dr. M. G üd em a n n, Rabbiner Dr. Schmied!; ferner die Rabbinen Dr. Bach, Dr. D a w i d, D. F e u ch twang, Dr. GruuWald, Kramer Dr. Taglicht, Ch. Papo, der Secretär der israelitischen Cultnsgemeinde, kais. Rath Dr. Theodor Lieben mit seinem Stellvertreter Dr. Emil Adler, der Präsident der Freien Vereinigung . für die orthodoxen Israeliten Herr Beruh. H o f b a u e r, der Vorsteher der Chewra-Kadischa Herr Ortsschulrath S. Heit, die Tempelvorsteher S ch r a m e k. Ad. S tiaßny, Straßberg und W a s s e r v o g l, Religionsschulinspector Prof. Dr. K an itz, Negierungsrath Dr. S ch l a g, die Hof- und Gerichtßadvocaten Dr. Felix Hö nigsmann, Dr. Albert Wagner, Prof. Schwarz, Lector Fried-