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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt, Sette 681 mann, sowie die Vorstandsdamen des israelitischen „Frauen-Wohlthätigkeitsvereines für Hausarme" mit ihrer Präsidentin Frau Clara Klärmann u. A. Nach dem Minchagebete wurde die Trauerfeier durch einen vom Obercantor Schorr im Begleitung eines verstärkten Chores vorgetragenen Trauerpsalm eingeleitet, worauf Herr Rabbiner Mayersohn die Kanzel bestieg, um dem Verewigten folgende Gedenkrede zu halten: Geehrte Trauerversammlung! Unser Freund und Obmann Edler v. Mises, dessen plötzliches Hinscheiden wir Alle tief beklagen, führte den hebräischen Namen unseres Erzvaters Abraham. Es sollte dies nicht ohne gewichtige Vorbedeutung für seinen Tod sein. Derselbe hat uns in einer Lage zurückgelassen, wie sie beim Tode Abraham's hervortrat. Es heißt in: 21 tök a"2 d"ö 'bna bs nar abirn ja i3'28 ama» “laaw tarn mi8 an na8 pn maab nb -im irroe nanv a^irb h 'in na8i mra» a^irn mai8 "KOnap »TOR» An dem Tage, an welchem unser Erzvater Abraham starb, stellten sich alle die Großen der Völker in Reihen und klagten „Wehe der Welt, die ihren Führer verloren, und wehe dem Schiffe, dessen Steuermann dahin ist". Der Verlust eines Führers hat für die Welt eine andere'Bedeutung, als der eines Steuermannes für ein Schiff, das mitten in die Brandung des Meeres hineingeriffen ist. Denn die Welt kann sich eine zeitlang in ihren ausgefahrenen Geleisen fortbewegen, auch fehlt es ihr niemals an einer Zahl von mehr oder minder bedeutenden Talenten, welche in die Lücke zu treten bereit sind. Aber in kritischen, gefahrvollen Zeiten — da erst zeigt es sich, ob der rechte Mann am rechten Platze steht. Bei einem Schiffe jedoch, das seinen Steuermann verloren und mit dem die Meeresbrandungen ihr schreckliches Spiel treiben, da bedeutet der Verlust des Führers sofort eine Gefahr, wenn nicht gar ein Verhängniß. Von unserem theueren Heimgegangenen Freunde gilt beides. Als Führer unserer großen Gemeinde Wien gilt von ihm a^ir^ b '18 lavoa 228V „Wehe der Welt, die ihren Führer verloren". Es ist zwar anzunehmen, daß es in ihrer Mitte nicht an begabten Männern fehlen wird, die bereit sein werden, in die entstandene Lücke zu treten. Nichtsdestoweniger bedeutet auch in der Hinsicht sein Scheiden einen bedeutenden Verlust. Denn wo werden sich in unserer Zeit so leicht jene Männer finden, die mit der nöthigen Sachkenntniß auch eine wahrhaft jüdische Gesinnung verbinden; Männer, die bereit sind, auch dort, wo es sich um die Interessen unserer wnpii mm handelt, mit Begeisterung und Wärme einzutreten. Ungleich größer ist jedoch der Verlust, der unseren engeren Kreis, die polnische Gemeinde am Wiener Platze, betroffen hat. Viele Jahre waren ihre Mitglieder ohne Einheit und Zusammenschluß in diesem großen Meere der Weltstadt zerstreut, recht eine 2'2 nanaan first ein Schiff, das dem Spiele der Meeresbrandungen preisgegeben ist. Wie schwer hat es gehalten, einen Mann zu finden, der, von dem allgemeinen Vertrauen getragen, fähig war, dieses bedrohte Schiff mit sicherer Hand zu steuern. Mit dem größten Eifer war er auf die innere Ausstattung unseres Bethausvereines bedacht. Einen großen Theil seiner freien Zeit widmete er diesem Dienste. Unser Verein darf sich daher einer Zahl von Einrichtungen rühmen, wie sie nur wenige aufzuweisen haben. Nun, da er uns so plötzlich entrissen wurde, sehen wir uns mit Schrecken den alten Gefahren der Zersplitterung preisgegeben, und man wird es begreifen, wenn wir mit vollem Nachdruck unsere Klage erheben. Rta'snap ,Tt28W fD'aa*? nb 'irr „Wehe dem Schiffe, dessen Steuermann dahin ist". Fragt man, wie war es möglich, daß der Heimgegangene, der doch mehr der modernen Richtung angehörte, dennoch das ungetheilte Vertrauen unserer polnischen Brüder sich erwirken konnte, so kann ich darauf nur mit den Worten unserer Weisen erwidern- „In pap “tritt sagte der 83“iaa. maR nb 83? 'irr, 'wjra rrtrr3?'2ärp8 ,,-nb'i mrnw» p8„ ."rmnan bs mau '2 npn Das Land nra«?, das ist für unsere Zeit Galizien, wo das Studium der nnnpri min noch mit Eifer betrieben wird, wo das jüdische Leben noch kräftig sich bewegt. Dies Land hat ihn geboren und großgezogen. Dort hat er seine ersten jüdischen Gesinnungen in sich ausgenommen und dieselben auch dann noch behauptet, als er in andersdenkende Kreise überging. ' wrir rfrra 'aat p8. Das ist die große Weltstadt Wien mit ihrer großen Gemeinde, in deren Mitte er es zu einer hochangesehenen Stellung brachte nnittn Ha ,Ti2K “2 npn mttK nb 83 18. Eekes, das ist der engere Kreis unserer polnischen Gemeinde, es darf heute mit Recht in die Klage ausbrechen: „Wehe uns, denn wir haben dieses kostbare Werkzeug, das so sehr zur Führung und Leitung sich geeignet erwies, verloren!" Doch, wir wollen über die allgemeine Trauer nicht derjenigen vergessen, deren Herzen er im Leben am nächsten stand. Das ist seine trauernde Gattin und seine verwaisten Söhne. Wie er im öffentlichen Leben stets die altjüdischen Grundsätze vertheidigte, so führte er.auch sein eigenes Haus in diesem Sinne« Die Armen und Bedrängten fanden bei ihm stets eine offene Thür. Ein jeder konnte bei ihm ohneweiters Zutritt finden, ohne sich erst den schweren Demüthigungen aussetzen zu müssen, wie dies in der heutigen Welt fast allgemein der Fall ist. Auch in der Hinsicht eiferte er dem Vorbilde unseres Erzvaters Abraham nach, dessen Namen er trug. In diesem Streben vereinigte sich mit ihm seine wackere Gattin, die selbst cnvr rtaa wußte, daß es für ein jüdisches Haus keinen größeren Ruhm gibt, als nmn^ mna geöffnet zu sein, für Alle, die aus der Noth des Lebens dort eine Zuflucht suchen. In dieses Haus, in welchem man bisher so viele Thränen getrocknet, schwer Heimgesuchte aufgerichtet hat, ist nun selbst tiefe Trauer eingekehrt. Zu den 4 Dingen, um derentwillen die Sonne sich verfinstert npib nan, rechnen unsere Weisen auch -ja«»» pn8 ’3W NN82 jtt“r. Zwei Brüder, bereit Blut gleichzeitig vergossen wurde. Dieser Fall ist nun leider in dem Hause unseres Freundes Edlen v. M i s es in buchstäblichem Sinne zur Wahrheit geworden. In ganz kurzer Zeit sind so beide Brüder von der Hand des Todes hingerafft worden. Mögen die trauernden Angehörigen Trost in dem erhebenden Bewußtsein finden, daß die weitesten Kreise in aufrichtiger Trauer sich mit ihrem Schmerze vereinigen; wir aber wollen beten *?8i»' n'2 iay nana 13b nmr 8in jamn. Herr Obercantor Schorr sang hierauf das Schiwisi und das Kaddisch mit der vollendeten Gesangskunst, welche man bei ihm jederzeit bewundert. Es war eine überaus würdige Trauerfeier, welche allen Theilnehmern lange in Erinnerung bleiben wird. Trauer-Andacht in der Israelitische» Versorgungsanstalt. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien veranstaltete Montag, den 19. October 1903. 5 Uhr Nachmittags, im Betsaale der Israelitischen Versorgungsanstalt für Arthur Edlen v. Mises, Ober-Ingenieur im k. u. k. Eisenbahn- Ministerium, Vertreter der israelitischen Cultusgemeinde und Referent für die Versorgungsanstalt, eine Trauerseier, zu welcher wegen Raummangel nur die nächsten Angehörigen und Vertreter der dem Verewigten im Leben nahegestandenen Corporattonen geladen werden konnten. Nebst der Familie des Verblichenen fanden sich ein: Oberrabbiner Dr. Güdemann. Präsident kaiserlicher Rath Heinrich K l i n g e r, Bicepräfident Dr. Gustav K 0 h n. die Vertreter: k. k. Baurath Ritter v. Gold schmid t. kaiserl. Rath Moriz Hirsch, Dr. Felix K a tz a u, k. k. Oberfinanzrath Dr. Rappaport, Dr. Maximilian Steiner, Director Theodor Ritter von T a u s s i g; die Vorsteher Doetor Alfred Berger, Dr. Josef Breuer, Salo Cohn, Professor Dr. Ehrmann, Moriz B. Eisler, Dr. Marcus Spitzer, Heinrich Teltscher, kais. Rath Weil, die Secretäre kais. Rath Dr. Lieben und Dr. Adler; die Commission für die Versorgungsanstalt, und zwar die Damen: Präsidentin Jda Diamant, Jenny Adler, Jda Eisenschitz, Jda Güdemann, Hermine Ko lisch, Martha Stiaßny, Marie Teleky. Netty Vogel, Rosa Zifferer, die Herren Benno Rothziegel, kais. Rath Schefftel. Adolf Singer, Börsenrath Steinhübel; Primarius Doetor L0ebl, Herr und Frau Verwalter K 0 d i t s ch e k, Secundararzt Doetor Julius Frisch, Anstaltsbeamter B r ö s l e r. Rabbiner Mayersohn, Obercantor Schorr. Obmann-Stellvertreter Deiches mit den Vorstandsmitgliedern des Bethauses „Beth- Jsrael", Insassen des Bersorgungs- und Siechenhauses u. v. A. In überaus ergreifender Weise recitirte Herr Obercantor Bsla Guttmann nach dem Mincha-Gebete die üblichen Trauerpsalmen, begleitet von seinem unter Leitung Professor Sulzer's stehenden Chore. Hierauf hielt der Obmann der israelitischen Versorgungs- Anstalt, Cultusvorsteher Herr Salo Cohn folgenden, dem Collegen Arthur Edlen von Mises gewidmeten warmen Nachruf: „Mit inniger Wehmuth gedenke ich heute unseres leider so früh dahingeschiedenen Collegen Arthur Edlen v. Mises, um dem wackeren, pflichttreuen Mann über Ersuchen unseres geehrten Präsidenten im Namen der Altersversorgungsanstalt einige Worte treuer und dankbarer Erinnerung nachzurufen. Zwar weiß ich, daß ich kaum im Stande bin, sein Wirken so zu würdigen, wie er es verdiente, aber ich hoffe, daß meine schlichten Worte, vom Herzen kommend, auch den Weg zu Ihrem Herzen finden werden. Was Arthur v. Mises seiner Familie, was er unserer Gemeinde war, das haben Sie erst jüngst von berufener Sette Und aus beredtem Munde gehört. Ich ^möchte hier nur seine

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