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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-23 · 43 (23.10.1903) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Dr. Mocb's THUocbenscbrift Seite.677 UNr. 43 Schriftthum enthalten find. Kaum ein Schüler unter Hunderten dürfte den Inhalt des gefammten Kanons der Brvel auch nur annäherungsweise kennen, kein einziger dürfte die Gefchichtsetappen des jüdischen Volkes kennen, an die sich die einzelnen Bücher der Bibel anschließen. Ueber die Geschichte und Bedeutung des jüdisch-hellenistischen Schriftthums für die Cultur und für unsere ganze Vorstellungsweise, von dem Inhalte der Schriften Philos, von der Existenz eines Jesu Sirach, von der Bedeutung Maimonides und von seinen religiösen Bestrebungen wird den Schülern kaum gesprochen. Ja, es gibt Religionslehrer, die es principiell vermeiden, aus üoelverstandener O-thovoxie von den Hellenisten. zu sprechen. Und doch war Pjilo ein so guter Jude, wie oer conservattvste Rabbiner, und doch ist die Geschichre des Josephus Flavins für einen nach clasfischer Bildung strebenden Gymnasiasten viel interessanter, als zum Beispiel das Buch Esther, weil Josephus in seinen Äugen das Judentyum in Zusammenhang bringt m.t der Periode des elastischen Altertyums und weil es zeigt, oaß selbst im Geiste der classischen römischen und griechischen Bildung aufgezogene Männer treue Anhänger der mosaischen Religion waren. Das Gstafrika-Projert drr zionistischen Parteileitung»*) (Interview mit dem Mitglieds des zionistischen Actionscomites, Herrn Oscar Marmore!.) Sie wollen meine Ansicht über die Ostafrika-Frage kennen lernen? Ich entspreche gerne Ihrem Wunsche, wenn ich nur damit zur Aufklärung uno rlchtigen Information Ihres dem Zionismus nicht geneigten Leserkreises vertragen kann, denn ich bin der Ansicht, vag die Gegnerschaft gegen den Zionismus nur aus Unkenntniß und Mißverständlich seiner Wege und Ziele beruhen kann, oaß es aoer vei dem schweren Ernste der Lage der Juden auf der ganzen Welt höchste Zeit ist, alle Gegnerschaften und Befehdungen fallen zu lassen uno es jeoes Einzelnen Pflicht ist, mltzuwirken und muzuaroeiten an der Verbesserung des Loses verluden. - Die Vorgänge in Rußland einerseits und die Bemühungen zur Verhinoerung der Einwanderung.der Juden in jene Länder, die für sie eine Zufluchtsstätte waren, mutz doch jeoem Juden den Gedanken uno oen Wunsch nayelegen, eine Heimstätte für die Judenschast ausfindig zu machen, in der sie endlich einmal endgutlge Ruhe finden könnten. Beweist es denn der während des VI. Zloulsten-Eongresses zur öffentlichen Kenntniß gelangte Bnef des russischen Ministers Plehwe an Dr. Herzt noch nicht klar genug, daß der von oen Gegnern der zionistischen Idee vorgeschlagene Weg, die Verbesserung des Loses der Juden in Rußland selbst anzustreben, absolut unmöglich ist?! AVer was von Rußland gut, gilt von den meisten Ländern der Erde, wo das Los der Juden von Tag zu Tag nicht besser, sondern schlechter wird und die Vertröstung aus die Zukunft eine Vertröstung all ealeullas graeeas ist. Man sägt uns von gegnerischer Seile, oaß »Zion" eine Utopie sei. Das ist eine Behauptung, die der unseren einfach gegenübersieht. Sie wird so lange Utopie bleiben, so lange man ihre Erreichung nicht versuchen wird. Im Uebrigen haben wir niemals behauptet, dieses Ziel von heute auf morgen erreichen zu können. Keineswegs ist es *) Anmerkung. Das Ostafrika-Project der zionistischen Parteileitung ist derzeit oer Mittelpunkt einer scharfen und leidenschafttlchen Discuffion und beschäftigt in hohem Maße die jüdische Oeffenttichkeit. Nüchterne patriotische Männer im Westen bringen dem Plane, welcher Aussicht zu bieten scheint, für die bedrängten Glaubensgenossen eine freie Zufluchtsstätte zu schaffen, begreifliche Sympathien entgegen. In Kreisen der russischen Zionisten hingegen, wo von Anfang an gegen das Projcct eine Abneigung vorgeherrschl hat, steigert sich die Gegnerschaft von Tag zu Tag bis zur Feindseligkeit und Verbitterung, welche in den Petersburger und War,chauer jüdischen Blättern unverhohlen zum Ausdruck kommen. Wir haben uns deswegen an das Mitglied des großen Actionscomites, Herrn Architekten Oscar Marmore! mit der Bitte gewendet, die Leser der „Oesterreichischen Wochenschrift" über den Stand der Oftafrikafrage zu informiren. Getreu unserem Principe, jeder Meinung über wichtige jüdische Angelegenheiten unparteiisch Raum zu gewähren, schließen wir der dankenswerthen Enunciation des Herrn Marmorek auch einen uns zugekommenen gegnerischen Artikel des Herrn Dr. Alfred N o s s i g und eine bemerkenswerthe Aeußerung des Herrn Mathias A ch e r ^Birnbaum) an. wahr, daß die,zionistische^L.itunz erklärt hat, daß sie selbst sich von ^der ewigen Unerreichbarkeit Palästinas überzeugt habe und deshalb Ostafrika auf das Tapet gebracht har. Im Gegentheil haben unsere bisherigen Bemühungen in uns die Ueberzeugung nur gefestigt, daß wir uns auf diesem Wege durchaus nicht in utopisttschen Geleisen bewegen. Allein die Katastrophen, welche über das Judenthum in den letzten Jahren mit immer größerer Häufigkeit hereinbrechen und einen Thetl desselben zwingen, die Verwirklichung unseres EniWter nicht abzuwarten, hat das Actionscomitä veranlaßt, sich Mes Tyeiles von Palästina zu erinnern, welcher heute ganz brach liegt und den es gleich zu erlangen hoffte: das ist die Sinai- Halbinsel. Daß ich der Expeoinon angehören durfte, welche von unserer Centrale abgesenvet wurde, um das Land auf seine Besiedlungsfäyigkeit und die Feststellung jener Bedingniffe zu prüfen, die oer Besiedlung ourch Juden vorangehen müßte, wird eine der größten Auszeichnungen meines Lebens sein. Diese aus lauter Fachleuten zusammengesetzt gewesene Expedition ist zugleich ein Beweis, wie gewiffenhafl das zionistische Actionscüiuite vorgeyt, denn es ist sich der großen Verantwortung bewußt, die auf seinen Schultern lastet. Als die Unmöglichkeit der augenblicklichen Besiedlung von Egyptisch - Palästina erwiesen war und andererfelts von der englischen Regierung ein angeblich sehr fruchtbares und für die Colonlsation geeignete^ Land unter ganz außergewöhnlich günstigen Bedingungen und großen Vorrechten dem jüdischen Volke zur Verfügung gestellt wuroe, war die zionistische Leitung vor eine große und wichtige Entscheidung gestellt: ob sie das großmütyige Anbot gleich abweifen sollte, denn das angebotene Land liegt fernab von »Zwn", unserem Ideale, oder ob es diese Frage dem jüdischen Volke zur Entscheidung vorlegen solle. Aus den Congreßverhandlungen ist bekannt, daß diese zwei Meinungen zuerst rm Acilonscomits und dann km Congreß der Delegirren des jüdischen Volkes sich schroff gegenüoerftanoen, daß aber die Majorität in beiden Körperschaften zuletzt für die Entsendung einer Expedition zur Prüfung des ostafclkanischen Anbotes sich entschleoen hat. Das Actionscomilö und auch der Congreß haben nichts Anderes gethan, als was gegenwärtig im ältesten parlamentarischen Lande der Welt, in England, sich abspiell, wo ebenfalls eme große, weittragende prlnclpielle Frage dem Lande zur Discuffion übergeben wuroe. Das ostascikanifche Project erregt jetzt die Geister aller Jener, die für die Zukunft des jüdischen Volkes ein Jntereffe haben. Es wird pro und contra mit all jener Lebhaftigkeit, die den Juden eigen ist, gekämpft, hie und da auch über das Ziel geschossen und auch — wie es im Kampfe immer zu gescheheu pflegt — unterstellt und entstellt. Falsch ist die Ansicht, daß der Zionismus Bankerott gemacht hat, oaß er sein Programm aufgegeben hat oder daß zumindest eme Spaltung im Zionismus platzgegriffen hat. Viel zu eng sind die Bande des Baseler Programmes, welche alle Zionisten umschlingen und Niemandem in ver ganzen zionistischen Partei und am allerwenigsten denjenigen, die an ihrer modernen Gestaltung und Ausbildung jahrelange gearbeitet haben, für sie gekämpft und sich mit ihrem ganzen Sein und Wesen eingesetzt haoen, fällt es ein, auch nur ein Jota von diesem Programme aufzugeben oder an diesem »granitenen Programme" — wie es Nordau nannte — zu feilen. Nicht »Zwn" oder »Ostafrika" ist das Losungswort, sondern »Zion" allein, ohne jede Ablenkung auch nur für einen Augenblick, oder äus dem Wege nach »Zion" Stationen zur momentanenHilfeleistung. Aoer »Zion" forever! Diese Frage ist nicht, wie mit Unrecht behauptet wird, schon längst entschieden, uno nicht das Actionscomitö, auch nicht ver Congreß, sondern das jüdische Volt selbst in seinem instinktiven, gesunden Sinne wird die letzte Entscheidung fällen m»d dieser Entscheidung würden sich alle disclplinirten Zionisten unterwerfen. Denn Dlsciplin ist eine Eigenschaft, die sich nur dann als vorhanden erweist, wenn sie aus die Probe gestellt wird. Die Erregung, die jetzt im zionistischen Lager herrscht, ist nur ein Beweis oafür, welch reges Leben der Zionismus dem starrschläfrigen Körper des Judenrhums wieder emgeflößt hat. Jüdische Colonialpoliiik. In einem intereffanten Artikel, den Dr. Price jüngst im „Tag" veröffentlichte, stellte er fest, daß die Juden sich anschicken, eine Colonisationsthätigkeit zu entfalten, und zwar in Britisch-Afrika. Thalsächlich treiben jedoch die Juden bereits seit über zwanzig Jahren praktische Colonisation. Es ist eine der eigenthümlichen Erscheinungen

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