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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-16 · 42 (16.10.1903) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
42 (16.10.1903)
Date
1903-10-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette «68 Dr. Wlocb's Mocbenscbrltt. Nr. 42 Konitzer Proceffes herrschende Aufregung, die mangelnde materielle Unterlage und die exorbitante Höhe der Strafe hin, die in keinem Berhältnifse zur Bestrafung des Moßloff stand. Berlin, 13. October. (Abgelehnte Gnadengesuche.) Kaiser Wilhelm hat die Gnadengesuche des Herausgebers der antisemitischen „Staatsburgerzeitung" und Reichstagsabgeordneten B r u h n und des Redacteurs dieses Blattes, Dr Bötticher, abgelehnt. Bruhn und Bötticher waren zu Gefängnißstrafen von sechs Monaten, bezw. einem Jahre verurtheilt worden wegen verleumderischer Beleidigung der Familie des Fleischers L e w y in Könitz, welche in der „Staatsbürger-Zeitung" beschuldigt worden war, den Ernst Winter ermordet zu haben, sowie wegen verleumderischer Beleidigung der richterlichen Beamten in Könitz, denen in der „Staatsbürger-Zeitung" vorgeworfen worden war, daß sie in der Untersuchung der Winter'schen Mordsache auf jüdische Thäter deutende Spuren absichtlich nicht verfolgt hätten. Beide Behauptungen des antisemitischen Blattes hatten sich in dem Proceffe als erlogen herausgestellt. Die „Staatsbürger-Zeitung" vermag nun heute ihre Wuth über die Ablehnung der Gnadengesuche ihres Herausgebers und ihres Redacteurs kaum zu verbergen. Sie stellt dieser Ablehnung die Thatsache gegenüber, daß Kaiser Wilhelm dieser Tage den wegen Meineid verurtheilten Sohn Moritz des Fleischermeisters Lewy aus Könitz begnadigt hat. Diese Gegenüberstellung ist allerdings intereffant und läßt ziemlich deutlich die Ansicht erkennen, die Kaiser Wilhelm über die antisemitische Hetze in Könitz sich gebildet hat. Berlin. (Ein Todes-Baterunser.) Die Cultur der Gegenwart wird so oft und so laut gepriesen, daß man fast vergißt, wie dünn die Decke der Bildung und Gesittung ist, unter der die menschlichen Leidenschaften und bösen Jnstincte schlummern. Wenn dann die Decke einmal reißt, dann läßt sie einen Blick in Abgründe der Verworfenheit thun, vor denen wir schaudernd zurückbeben. Und doch ist eS nothwendig. nicht die Augen vor solchen widerwärtigen Erscheinungen zu schließen, sondern sie genau zu betrachten, um daraus zu lernen, wie viel noch au? dem Gebiete der Erziehung zur wahren Menschlichkeit zu thun bleibt. Ein kraffer Einzelfall drängt uns diese Betrachtungen aus. Man schreibt uns darüber aus Bromberg: „In Schlochau, der Gegend, wo der Antisemitismus seinerzeit die Winter-Affaire zur Welt brachte, ist dieser Tage ein jüdischer Handwerker, der Schriftsetzer Levi aus Warschau, von ehrsamen Bürgern der Stadt, nämlich dem wohlloblichen Nachtwächter Vergin, dem Schuhmacher Gräber, dem Tischler Stützte und dem Schlossermeister Hahn zu Tode geprügelt worden. In der Herberge, wo der arme Jude einkehrte, wurde er von den genannten wackeren Herren und anderen Gästen damit geneckt, daß er niederknieen und das „Vaterunser" sprechen mußte. Da er aber das Gebet schlecht oder gar nicht konnte, so wurde er derart mißhandelt, daß er in der Nacht verstarb. Auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft ist die Leiche secirt und die oben genannten „Spaßmacher" sind zur Verantwortung gezogen worden. Nun. befremdend sind ja solche Ergüsse des antisemitischen Humors nicht. Immerhin verdient als charakteristisch für gewisse Anschauungen bervorgehoben zu werden, was der „Graudenzer Gesellige" zum Schluß seiner Mittheilung obiger Thatsachen berichtet: „Die Angeklagten dürsten eine schwere Strafe erhallen, da sie sich nicht allein der schweren Körperverletzung, sondern auch der gröbsten Gotteslästerung schuldig gemacht haben." Also der Berichterstatter scheint mehr Nachdruck darauf zu legen, daß die Angeklagten Gott gelästert haben, indem sie das Vaterunser von einem Juden sprechen ließen, als darauf, daß sie einen Menschen um's Leben gebracht-haben. Wahrlich, eine solche Verwirrung der moralischen Begriffe wäre nicht zu begreifen, wenn nicht in eben derselben Gegend Leute lebten, denen die Antisemiten auch das Märchen vom Ritualmord beizubringen vermochten." Wir find mit dem Einsender insofern nicht ganz einer Meinung, als auch uns diese Verbindung von Mord und Gotteslästerung als das Charakteristische an diesem abscheulichen Vorgänge erscheint. Ist nicht die Konitz-Hetze und das alberne Blutmärchen daran schuld, wenn der Gegensatz zwischen Christen und Juden wieder zu unerträglicher Schärfe gediehen ist? Die Folterknechte, die den Schriftsetzer Levi mit dem Vaterunser zu Tode marterten, haben schwerlich die antisemitische Beweisführung sich zu eigen gemacht, aber sie haben nach antisemitischem Recept gehandelt, sie haben in ihrer Beschränktheit den Anttsemitismus in die That umgesetzt. Wenn man künfttg die Frage aufwerfen sollte, worin der Antisemitismus besteht, so wird man auf das Verbrechen von Schlochau Hinweisen. Er besteht darin, den Juden mit Hilfe der Religion der Viele todtzuschlagen. Soll es wirklich so weiter gehen wie bisher mit der antisemitischen Hetze, dieser „Schmach des Jahr-,' Hunderts*? Auch der Staat hat ernstlich zu Prüfen, ob^ er länger die antisemitische Verhetzung, die man an ihren Früchtenl genügend erkennt, ertragen darf. Vor Allem aber gilt es, immerj wieder die Ideen der Humanität und der Gerechtigkeit zu vertreten, denn in ihnen liegt der beste und sicherste Schutz gegen* ähnliche Rückfälle in die Barbarei. Vermiscbtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der. sei. Frau Leonore Mayer: von Jacob Mayer, IX., Porzellangaffe 52, K 10.—; Dr. Falk, IX., Liechtensteinstraße 26, X 10.—; Josefine Pick, III., Pragerstraße, X 1.—; Norbert Allerhand, III., Adamsgasse, X 1.—; Leon Holpern, 111., Hetzgasse 34, X 5.—; Max Falk, III., Hörnesgasse 16, K 5.—; Dr. L. Libitzky, IX., Porzellangasse 32, K 2.—. Zusammen K 34.—. Anläßlich des Ablebens der sei. Frau Josefine Czackes: von Dr. Ludwig Redlich. XX., Klosterneuburgerstraße 10a, X 10.—; Jaques Czackes, II., Schreygasse 16, X 10.— Zusammen X 20.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn kais. Rath Hermann R o b i t s e k: von Isidor Löti, I., Grillparzerstraße 7, K 20.—. Anläßlich des Ablebens der sel Frau RosaSchweinburg: von Ludwig Bollag, I., Kohlmessergasse 6, X 2.—. Anläßlich des Ablebens des sel Herrn SaulPineles: von Clara Pineles, IX., Porzellangasse 5), X 30.—; Otka Herzig. IX., Porzellangasse 50, X 30.—; Markus Pineles, IX., Roßauergasse 3, X 20.—; Dr. Stanislaus Pineles, IX., Alibanplatz 9, X 20.—; Dr. Friedrich Pineles, I., Liebiggasse 4, X 20.—; Enkel Pineles, IX., Roßauergasse 3, X 15.—; H. Abramowits, IX., Altmuttergasse 4, X 10.—; Broncia Koller, VI., Magdalenenstraße 8, X 30; Doctor Ferdinand Brüll, Floridsdorf, X 10; Dr. Hermann Deutsch, XX.. Wallensteinstraße 21, X 10.—. Zusammen X 195.— . Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Arthur Edlen von Mises: Von Frau Adele v. Mises X 20.—; von Herrn Fischl Landau X 30.—; Dr. E. N X 20.—; Benno Rothziegel. Apotheker, X 10.—; Dr. Heinrich Kosel, I., Wipplingerstraße 22, X 10.—; Dr. Leo Libitzky, IX., Porzellangasse 52, X 20.—; Herrn Theodor R. v. Taussig, I., Teinfaltstraße 8, X 20.—; B. Weichselbaum, n., Im Werd 13. X 40.— : Dr. Alfted Berger, I., Judenplatz 6, X 20 —; Dr. Gustav Kobn, I., Salzgries, X 10.—; Dr. Moriz Löwy, I.. Wipplingerstraße 19, X 5.—; S. Morgenroth, II., Leopoldsgasse 2 a, X 5. Zusammen X 210.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Bertha P i r ch a n: Von Fräulein Käthe Herrling, IX., Stroheckgasse 11, X 3'60; Fräulein Helene Löw, II., Untere Augartenstraße 1, X 4.—. Zusammen X 7,60. Anläßlich des Ablebens hes ,seligen.. Herry. Mpriz M.ü l,(,e.r: Von Herrn Dr. Karl Kraus X 25.—. Die Judenunruhen in Rußland. Meldungen von Exceffen gegen die Juden in Mohilew haben sich nach den der Israelitischen Allianz' zu Wien zugegangenen Berichten glücklicherweise nicht bestätigt, doch ist die Lage in den meisten von Juden bewohnten Städten infolge der ausgesprochen judenfeindlichen Haltung des Ministers des Innern und der meisten Gouverneure eine sehr traurige, und es werden täglich neue Ausschreitungen befürchtet. Für die Opfer des Maffacres in Homel hat die Israelitische Allianz zu Wien als vorläufigen Beitrag eine Spende von Rubel 5000.— (circa K. 13.000) überwiesen, der Schaden wurde auf Rubel 200.000 berechnet. Siebzig Juden, die sich gegen die vom Militär geschützten Exeedenten verteidigten, sind verhaftet und stehen unter der schweren Anklage, das Militär angegriffen zu haben! Wien. (JsraelitischeKinderbewahranstalt.) Aus Anlaß der hohen israelitischen Feiertage wurde auch Heuer wieder in den Räumen der israelitischen Kinderbewahranstalt, 11., Schiffamtsgaffe 15, ein solenner Festgottesdienst abgehalten, der unter der Leitung des Directors Max Fischer stand, welcher in seinen Bestrebungen, die Würde und Weihe des Gottesdienstes zu erhöhen, wie alljährlich von einem Bethausvorstande unter der Führung der Herren S. Brod und Dr. Anton Steiner wirksam unterstützt wurde. Herr Religionslehrer Wilhelm Breuer begeisterte wie im Vorjahre das aus den besten Kreisen sich recrutirende Publicum durch zwei Predigten, in denen er unter Anderem die Glaubensgenossen auch zur Förderung der wohlthätigen Zwecke jener Anstalt aneiferte, in deren Räumen der Gottesdienst stattfand, während Herr Brod in gewohnter, tief ergreifender Weise die Hasicorott vortrug und die Herren Geiringer (Wien) und Religionslehrer S. Löwy (Graz) sich mit vollem Erfolge ihrer cantoralen Functionen entledigten. Wien. Bei dem Leichenbegängnisse des CultuSgemeinde-Vor- | stehers Arthur Edlen v. Mises war auch Herr Adolf Hofmann, Obmann des Tempelvereins für den IV. und V. Bezirk, anwesend. Wien. („31 rael. Frauen-Wohlthätigkeits- Verein für H aus arme.) Der Vorstand des „Israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits-Vereines für Hausarme", welcher beim

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