Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 41 (9.10.1903)
- Date
- 1903-10-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr.'41 Dr. Blocks MocbenscbrM. Seite 65S rühmen, die Gebote der Nächstenliebe zu erfüllen, so sollte der Haß uns fern bleiben. Leicht ist es, anderen ihre Fehler und Mängel vorzuhalten, leicht ist es für uns, die Juden mit Borwürfen und Beschuldigungen zu überhäufen. Biel schwerer ist es, sich an ihnen ein Beispiel zu nehmen, von ihrer Solidarität und ihrer gemeinsamen Actionskraft zu lernen; bei ihnen gibt es keine Unterscheidung nach Rang und Stand, Classe und Partei. Mögen immerhin unsere russischen Christen von den Juden, die sie verachten und verfolgen, Ausdauer in der Arbeit lernen und vielleicht auch bisweilen — Ehrlichkeit! Die Weltgeschichte hat uns mit den Juden gemeinsame Jnteresien gegeben; an uns ist es, mit ihnen in Frieden zu leben, statt in Haß und Feindschaft." Am Schlüsse seines Artikels erinnert Graf Tischkewitsch noch daran, daß der Antisemitismus ebenso alt sei, wie das jüdische Volk, und wie in früheren Zeiten, so auch heute sich in rohen Gewaltausbrüchen, barbarischen Metzeleien und blindem Zorne äußert. Nichtsdestoweniger sei das jüdische Volk vorgeschritten, der Antisemitismus hingegen sei stehen geblieben in seinem düsteren Rahmen des Racen- und Stammeshasses. Er habe kein Ziel und keine Zukunft. vermischtes. Wien. (Trauung.) Sonntag den 18. Oktober l. I. um halb 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel. VIII., Neudeggergasse 12, die Trauung des Fräulein Grete Beck, Tochter des Herrn Adolf B e ck, k. u. k. Hoflieferanten, mit Herrn Ernst Langfelder statt. Wien. (Rabbiner Dr. Dawid Brüll.) Der emerit. Rabbiner und Religionslehrer Dr. Dawid Brüll ist am ersten Sukkothtag einem Herzschlage erlegen. Der Verstorbene, ein Vater des Hof- und Gerichtsadvocaten D r. Brüll, sungirte jahrelang in Döbling als Rabbiner, erwarb sich wegen seines Charakters und seines Wirkens vielfache Sympathien und erreichte ein Alter von 74 Jahren. Wieck. Der Präsident des israelitischen Tempelvereines in der Brigittenau Herm. Eltbogen erhielt nachstehendes Schreiben: Euer Wohlgeboren! Als ich im Vorjahre in Wien war und in einem Selchwaarengeschäft speiste, sah ich die dortigen Kinder sehr defect gekleidet; ich erlaube mir hiermit Ihnen einen Ballen Kleider zu übersenden, welche sie gefälligst an die ärmsten Kinder vertheilen lassen wollen. Hochachtend Sarafine Schlesinger. Wien. Bei der Beerdigung des Vorstehers der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Oberingenieur Arthur Edlen von Mises war das Ehrendamen-Comit^ des israelitischen Altersversorgungs- und Siechenhauses, mit seiner Vorsitzenden Frau Jda Diamant an der Spitze, vollzählig erschienen. Die Ehrendamen haben statt einer Kranzspende im Sinne des edlen Dahingeschiedenen dem Siechenhause die Summe von 85 Kronen gewidmet. Wien. Sonntag, den 11. October d. I., von 10—12 Uhr Vormittags, finden die Einschreibungen in der hebräischen Sprach- und Bibelschule des Krankenunterstützungs-Vereines „Oseh Chese d", II., Schiffamts gasse 5, statt. Der Unterricht beginnt am 18. October d. I. um 8 Uhr Früh und wird unentgeltlich ertheilt. Die p. t. Bereinsmitglieder werden ersucht, die Kinder am genannten Tage aufnehmen zu lassen, da nachträglich Niemand berücksichtigt werden kann. Bereinsmitglieder, die keine männlichen Kinder haben, können Andere zur Aufnahme Vorschlägen. Wien. (Bethausverein Wieden und Margarethen.) Durch eine großmüthige Spende des Bankhauses S. M. von R o t h s ch i l d ist der Vorstand des Bethausvereines in der glücklichen Lage gewesen, vor den hohen Festtagen das Bethaus zu renoviren und neu zu adaptiren. Beim Festgottesdienst hat deswegen der Vorstand angeordnet, für die Herren Baron Albert und Nathaniel Rothschild, sowie für t en Cultusvorsteher und Procuristen Herrn Emil Horner einen besonderen Mischeberach zu recitiren. Wien. Der Mädchen- und Frauenverein „Bikur-Chaulim" hielt am Sonntag den 27. September im Sitzungssaals der israel. Cultusgemeinde unter außerordentlicher Betheiligung der Mitglieder seine erste ordentliche Generalversammlung ab. Als Gäste waren unter Anderen erschienen: Frau Jda Diamant, Präsidentin des Ehrendamen- Comites der israelitischen Versorgungsanstalt, Dr. Max Bernhard, sowie Vertreter vieler Vereine. In kurzen Zügen erstattete die Präsidentin Gisela Kohn den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, aus welchem hervorging, daß der Verein jederzeit bemüht war, mit seinen geringen Mitteln den gestellten Anforderungen gerecht zu werden. Den Einnahmen an Mitgliedsbeiträgen im Betrage von K 685.— stehen Spitalsausgaben von X 51? — gegenüber. Nach Hinzuziehung der eingelaufenen Spenden und Abziehung aller sonstigen Ausgaben ergibt sich ein Saldo von etwa K 180.—. Nach Verlesung einiger Dank- und Anerkennungsschreiben schloß die Präsidentin niit einem warmen Appell an 'die Erschienenen, den Verein auf das Thatkräftigste zu unterstützeu, unter begeisterten Zurufen ihre Ausführungen. Aus Beantragung der Präsidentin wurde die bisherige Vicepräsidentin Hannia Korall, als die eigentliche Gründerin und ihrer großen Verdienste um den Verein, sowie dem Umstand Rechnung tragend, daß sie in kürzester Zeit Wien und den Verein verläßt, um ein eigenes Heim zu gründen, einstimmig zum ersten Ehrenmitgliede ernannt. Der neugewählte, relpective wiedergewählte Vorstand constituirte sich aus folgenden Mitgliedern: Gisela Kohn. Präsidentin; Rosa Stransky, Vicepräsidentin; Mimi Berliner, I. Schriftführerin; Helene Halbertal. II. Schriftführerin; Frieda Wittmann. I. Cassierin; Jenny Breiner, II. Cassierin; Lea Bondi, Rosa Haas, Babette Hirschler, Julie Schwarz (ohne Function). Als Revisoren wurden einstimmig gewählt die Herren: Dr. Martin Engländer, Wilhelm Morgenstern. Ll 8. Wien. Mit Bewilligung des k. k. Corpscommandos in Wien fand wie alljährlich, so auch heuer auf Ansuchen des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde während der hohen Festtage in der hiesigen Roßauerkaserne für die ganze hiesige Garnison jüdischer Confession unter der bewährten Leitung des Matrikelamts-Officials Herrn Jacob Stein ein feierlicher, von Herrn Adolf Welsch in würdiger Weise abgehaltener Gottesdienst statt. Es wurden an beiden Reujahrstagen, wie auch nach Schluß des Versöhnungsfestes über 400 Mann seitens des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde rituell verköstigt. Wien. (Spende.) Unter „Bon einem glücklichen Neujahrskind in Neutitschein für die armen Waisenkinder in Kischenew" sind uns 5 Kronen zugekommen. Graz. Am 6. October werden es 40 Jahre, daß Herr Max S ch i s ch a im Dienste der hiesigen Cultusgemeinde steht. Am 6. October 1863 von der damaligen sich gebildeten Cooperation als Schächter engagirt, versah derselbe nacheinander sämmtliche Functionen, die in einer jüdischen Gemeinde Vorkommen, bis die Cooperation zur Bildung einer Cultusgemeinde schritt, welche den Beamtenstand vergrößerte. Herr Schischa, mit talmudischem Wissen ausgerüstet, ein Sohn eines der größten Mattersdorser Gelehrten, bewährt sich noch immer in treuester Pflichterfüllung trotz seines Alters, ohne Rücksicht auf körperliche Gebrechen und ungünstige Witterungsverhältniffe. Er genießt mit Recht allgemeine Sympathien. d. Preßbrrrg. (Bon der Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger in P r e ß b u r g.) In dieser Anstalt ist eine neue Pflegerinnenstelle creirt worden. Bewerberinnen, die auf diese Stelle reflectiren, haben ihr mit Geburts-, Gesundheits-. von einer israelitischen Gemeinde auszustellenden Sittenzeugnissen versehenes Gesuch in Begleitung einer kurzen Lebensbeschreibung und allfälliger Empfehlungsschreiben bis 25. October l. I. an den Präses des Directionsrathes der Anstalt, Primararzt Dr. Jakob Fischer, einzusenden. JarolsHin. (R a b b i n e r S a l o B l o ch.) Am Ausgang des Neujahrsfestes ist der Rabbiner der hiesigen Gemeinde Herr Salo Bloch nach 35jährigem gesegneten Wirken gestorben. Er hat ein Alter von 63 Jahren erreicht. Lemberg. (Panik in einerSynagoge.)Jn Nowofielice Glacheckie (Bobrka) brach am 1. d. M. in einem nächst der Synagoge gelegenen Wohnhause ein Brand aus. Zur selben Zeit befanden sich anläßlich des Bersöhnungstages viele Andächtige im Tempel. Der Feuerschein war auch in der Synagoge sichtbar und plötzlich ertönte ein schriller Ruf: „Es brennt!" Daraufhin entstand eine fürchterliche Panik. Die Frauen aus der Galerie stürzten sich gegen die schmale Ausgangsthür und schon im nächsten Augenblicke hatte sich ein so dichter Knäuel gebildet, daß die Frauen in der Thür eingekeilt standen. Das Schreien