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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 650 Dr. Llocb's MocbenscbrLtt. Rr. 41 zweier Werke getheitt, eventuell kann unter besonderen Umstanden ein Werk für den Preis des nächsten Jahres vorgemerkt werden. Ausgeschlossen von der Zuerkennung des Preises sind Operetten, Ausstattungsstücke und lascive Tendenzwerke. Werke, welche eine Begebenheit auf niederösterreichischem Boden zur Grundlage haben, sollen bevorzugt werden? Die neueste Rettungsaction der Christlich-Socialen wird in der literarischen Welt zweifellos den gebührenden Beifall finden. Das »christlich-sociale literarische Rettungscorps und feine Jury wird sich als eine würdige Institution des antisemitischen Wien erweisen und es ist uns angesichts des regen Interesses, das allerorten für die neue Schöpfung vorherrscht. Nicht übelzunehmen, wenn wir schon heute ein großes Geheimniß verrathen: Zum Obmann der Jury ist der bekannte Literaturfreund Herr Hermann Bielohlawek ausersehen. Wie«. (Antisemitische Machination in Schulsachen.) Die städtische Schule in der Werderthorgasse leidet trotz ihrer anerkannten Vorzüglichkeit an Schülermangel — ein Umstand, der den Werth dieser Anstalt in den Augen denkender Eltern nur erhöht. Vom Standpunkte der Schulverwaltuug wäre dies — so sollte man glauben — ein Anlaß, dieser Schule mehr Schüler zuzuweisen. Nun geschah aber gerade das Gegentheil. Zu Beginn des heurigen Schuljahres wurden beiläufig siebzig Kinder, und zwar durchwegs israelitische, ausgewiesen, so daß zwei Classen gesperrt werden mußten. Hiedurch wurden nicht nur die materiellen und pädagogischen Interessen der Eltern, sondern auch die Schulgesetze selbst arg verletzt. Nach dem Schulsprengelgesetze dürfen Kinder, welche schon in einer Schule waren oder deren Geschwister diese Schule besuchen, nicht ausgeschult werden, wenn sie auch einem anderen Schulsprengel angehören. Es darf überhaupt jedes Kind jede Schule Wiens besuchen, wenn Platz ist und der betreffende Ortsschulrath einverstanden ist. Nun waren alle Ausgewiesenen schon ein oder mehrere Jahre Schüler dieser Anstalt, viele hatten Geschwister dortselbst und überdies war sehr viel Raum vorhanden, da durchschnittlich nur dreißig Kinder in einer Claffe saßen. Somit trafen alle Bedingungen zu und dennoch wurde diese chicanöse Maßregel ergriffen, welche nur eine Etappe zu dem Ziele bildete, die Majorttät der Kinder dieser Schule so zu gestalten, daß die Oberlehrerstelle ja nicht etwa einem Juden zufalle. Die betroffenen Eltern werden dafür zu sorgen haben, daß das geschilderte Vorgehen im Reichsrathe zur Sprache komme, und überdies alle Schritte ergreifen, um dem bestehenden Gesetze Achtung zu verschaffen. Baven. (Heilanstalt Allanb.} Der schöne Spruch des weisen Königs: „Der Geist des Menschen lindert sein Leid", bewälirt sich in hervorragender Weise bei den jüdischer! Patienten in der Heilanstalt Alland vorzüglich desbalb, weil der Geist, der diese Leidenden beseelt, ein wahrhaft religiöser ist.. Derzeit befinden sich dortselbst 23 Pfleglinge beiderlei Geschlechtes jüdischer Confession, die sich aus verschiedenen Kronlandern der österreichischen Monarchie recrutircn und deren mehrere von der Wiener Cultusgemeinde erhalten werden. Dank der loyalen Bedacktnahme des bumanen Schöpfers dieser Wohlfahrtsanstalt ist auch für das Bedürfnist Kranker mosaischen Glaubens Sorge getragen worden, indem zu diesem Zwecke ein Betlocal zur Verfügung gestellt wurde, welches über Anregung des Wiener Cnltusvorstehers Dr. Alfred Berger, von den Wiener und Badener Cultusgemeinden eingerichtet und von verschiedenen Seiten mit frommen, dem Zwecke entsprechenden Widmungen bedacht wurde. Dieser Raum also, so klein er sich auch prasentirt, ist für die dortigen jüdischen Patienten eine reiche Heilquelle für ibren jedenfalls deprimirten Seelenzustand. Dort versammeln sich die Kranke i gehobenen Gemüthes fast täglich zur gemeinsamen Andacht, wo einer. derselben als Vordrer fungirt, das „Aer-1'onüä" imstand halt und überhaupt den heiligen Raum mit pietätvoller Aufmerksamkeit beaufsichtigt. Dieser rege religiöse Geist aber wird durch dle stetige Förderung des Badener Cultusvorstandes, insbesondere durch die Herren Moriz L e i t n e r und Anton Schneider, nicht nur im gleichen Eifer erhalten, sondern immer intensiver angefacht. Zu diesem heiligen Zwecke besuchten diese beiden Herren am 20. September diese Heilanstalt, um mit dem dortigen Director behufs der abzuhaltenden Andacht an den hohen Feiertagen Rücksprache zu nehmen und den Patienten durch warme Thciln hme Aufmunterung und Trost zu geben. Der Director erwies ihnen in Allem außerordentliches Entgegenkommen, war über die seinen Pfleglingen geschenkte Aufmerksa > keit erfreut und diese selbst von dem ihnen gewordenen Besuche auf das Angenehmste berührt. Und so wurde durch die Fürsorge der Wiener und Badener Cultusgemeinde an den hohen Feiertagen in der Heilanstalt ein andachtsvoller Gotttesdienst abgehalten, zum Vorbeter war Herr G- Schön aus Wien bestellt und hat diese Andachtsübung auch auf den nichtjüdischen Patienten den günstigsten Eindruck gemacht. Am Sonntag nach dem Losed-LasedonLfeste, am 26. September, ward unseren Anstaltspfleglingen eine weitere Ueberraschung zutheil. Fast der gesammte Badener Cultusvorstand, mit dem Präses Herrn Moriz L e i t n e r und Vicepräses Herrn Anton Schneider an der Spitze, begleitet vom Gemeinderabbiner Herrn Wilhelm Reich und dem Cantor Herrn M. Seifert, wie von dem ersten Vicepräsidenten und dem Vorsteher der Wiener Cultusgemeinde, den Herren Doctoren Alfred Stern und Alfred B e r'g e r, erschien Nachmittags in der Heilanstalt, um daselbst anläßlich der Bußtage eine Weihandacht abzuhalten. Se. Ehrwürden Rabbiner Wilhelm Reich hielt eine besonders erhebende und zu .Herzen dringende Ansprache, durch welche alle Anwesenden zugleich aufs Tiefste ergriffen und andachtsvoll erbaut wurden Nach der Predigt trug Cantor Seifert das Minchagebet vor, womit die Andacht ihren Abschluß fand. Der Dank der Kranken war ein ergreifender und war es von ihrem Gesichtsausdrucke abzulesen, wie innerlich befriedigt und geistig gehoben sie von der ihnen gewordenen Seelenkräftigung geworden sind. J. Israelitischer Mädchen-Freitisch- und Fürsorge-Verein in Brünn. Am 28. September fand die zweite Vollversammlung dieses Vereins im eigenen Locale statt. Die Präsidentin Frau Laura Schulz begrüßte die zahlreiche Versammlung in längerer Ansprache, worauf die Schriftführerin Frau Paula Spitz den Rechenschaftsbericht über das Bereinsjahr 1902/3 verlas. Dieser Bericht enthält außer den sachgemäßen Mittheilungen über die Mitgliederschaft, die Anzahl der Bespeisten, die Inspektion und ähnliche Gegenstände von localer Bedeutung auch einige Ausführungen von allgemeinerem Interesse für einen jüdischen Leserkreis. Frau Spitz hatte die Güte, Ihrem Correspondenten auf seine Bitte ihr Manuseript zur Verfügung zu stellen, und diesem sei nun Folgendes entnommen: „Wir sind, wie aus dem Titel unseres Vereines hervorgeht, Freitisch- und Fürsorge-Verein. Dem entsprechend wollen wir also nicht nur das leibliche Wohl unserer Schützlinge im Auge haben, sondern müssen nach unserem besten Ermessen trachten, auf die Berufswahl der Mädchen dahin Einfluß zu gewinnen, daß auch wirklich die Richtige den für sie geeigneten Bildungsgang einschlägt. Wir wissen sehr wohl, daß das ganze Vermögen der Armen ihre Kinder bilden, daß es von den Kindern abhängt, ob die Sorgen und Mühen, die oft namenlos großen Opfer, welche der Erziehung gebracht werden, dadurch ihren Lohn finden, daß eine einträgliche, gesicherte Lebensstellung des Kindes eine Unterstützung der Eltern in deren Alter ermöglicht. Leider müssen wir vor Ihnen berichten, daß unsere redlichsten Bemühungen, den Eltern Rathschläge zu ertheilen, ungerechtfertigtem Mißtrauen begegnen. Trotzdem wir ganz objectiv die Eignung der Mädchen für diesen oder jenen Beruf erwägen, schenkt man unserer oft besseren Einsicht kein Gehör. Während sich die meisten ohne Ueberlegung für den Besuch der Handelsschule entscheiden, machen wir die Beobachtung, daß sich bisher nur wenige Mädchen für den Beruf einer Lehrerin oder Kindergärtnerin entschlossen haben. Andererseits bemerken wir, daß für weniger intelligente, zum „Lernen" untaugliche Mädchen die Aussichten, die unsere Kochschule bietet, meist unterschätzt werden. Die meisten Juden, insbesondere auf dem Lande sind der Ueberzeugung, es gebe für ein Mädchen kein beklagenswertheres Los als das eines Dienstboten. Weist man die Leute darauf hin, es sei für ihre ganz unbegabte Tochter am besten, kochen zu lernen, und daß sie als Köchin oder Stütze der Hausfrau einen ebenso lohnenden als sichern Erwerb finde, dann wird ein solcher Vorschlag nicht selten als Beleidigung aufgefaßt. Wir haben mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen, um den Leuten klar zu machen, daß bei gründlicher Vorbildung die Aussichten eines Dienstboten besserer Kategorie durchaus keine schlechten sind. Umsomehr freut es uns, Ihnen mittheilen zu können, daß von den 10 Kochschülerinnen des letzten Jahres 4sehr brauchbare tüchtige „Mädchen für Alles" geworden sind; die sechs anderen wurden wohl auch placirt, einige als Stütze der Hausfrau, haben sich aber — zum Theil nicht durch eigene Schuld — nicht überall bewährt. Wir haben die Bestimmung getroffen, Mädchen unter 16 Jahren nur dann in die Kochschule aufzunehmen, wenn sie körperlich vollständig geeignet sind. Die Kochschule war in ziemlich befriedigender Weise mit Aufträgen versehen. Es kamen Bestellungen auf Vorspeisen, Fische, wie auch auf Braten und Bäckereien; die Preise sind mäßig, die Ausführung tadellos, und je mehr bestellt wird, desto mannigfaltiger wird das Können der Schülerinnen. Ich gehe nun zur Besprechung der Schwierigkeiten über, welche uns die Placirung der Handelsschülerinnen bereitet. Ungeachtet unseres eifrigsten Bemühens fanden von den 12 Handelsschülerinnen der beiden ersten Vereinsjahre nur sehr wenige

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