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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-09 · 41 (9.10.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
41 (9.10.1903)
Date
1903-10-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Sette 647 thätigkeitsverein und Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchenhort vertreten durch die Präsidentin und mehrere Vorstandsdamen, Frau Dr.Rosa Wagner,Frau Dr. Zins, mehrere Oberbeamte des Eisenbahnministeriums, sowie Freunde der Familiedes Verstorbenen. Im Trauerhause widmete Herr Rabbiner Dr. Taglicht dem Verblichenen folgenden Nachruf: Theurer Freund! Wunden Herzens traten wir heute über die Schwelle deines Hauses, das wir, deine Verwandten und Freunde, stets so gerne und in freudigster Stimmung aufsuchten. Wärmste Herzlichkeit hat uns allezeit hier empfangen, dein gewinnendes Wesen uns hier gefesselt. Fast immer bewegten sich die Gespräche auf einer höheren Linie, um die Güter des Judenthums, um Menschenliebe, um werkthätige Hilfe. Durch dein und deiner edlen Gattin Wesen und Walten ist uns dein Haus wie eine geheiligte Stätte erschienen, die wir immer gehobenen Sinnes verließen. Und heute gehen wir tief gebeugt von hinneu. denn still steht dein Herz und deine Lippen sind geschlossen. Als gesundeten, in alter Schaffensfreudigkeit neubelebten Mann hofften wir dich zu begrüßen. Und nun sollen wir Abschied von dir nehmen. Ach. so früh, so unerwartet ist die Stunde schmerzlichsten Abschieds gekommen. Wir können es nicht fassen. Kran insjn 'bsi joaw '«n by Unaufhaltsam fließt die Zähre ob all der Herrlichkeit, die mit dir in den Staub sinken soll. Indem wir dich ins Grab senken, gehen so viele schöne Gaben, so viele herrliche Tugenden, die dich auszeichneten, verloren. Die schönen Traditionen deiner durch reinsten Herzensadel hervorragenden Familie hast du sorgsam gehütet und weiter gesponnen. Durch deine Begabung, deine strenge Rechtlichkeit, deine peinliche Gewissenhaftigkeit hast du in deinem Berufe und im öffentlichen Leben den Platz, auf den das Geschick und das Vertrauen deiner Mitmenschen dich gestellt, voll ausgefüllt^ und zu einem ehrenvollen gestaltet. Güte des Herzens und Vornehmheit der Gesinnung machten dich zum wahrhaft edlen Menschenfreund. Durch dein bescheidenes Wesen und freundliches Entgegenkommen bahntest du allen Hilfesuchenden den Weg zu dir. Für Alle hattest du ein freundliches Wort, Vielen brachtest du Linderung, gar Manchem dauernde Hilfe. Sie Alle, Alle, die dich gekannt, weinen um dich »ä3 *103 in Bitterniß der Seele. Und deine Familie! Was du ihr gewesen? Ich'kann in meinem Schmerze die Gedanken und Worte mir nicht ordnen, um das zu schildern. Wenn ich, geliebte Leidtragende, auf Euch blicke, auf die Gattin» ihre Eltern, auf die Kinder und den Bruder, dann erstirbt mir das Wort auf den Lippen. „Denn unermeßlich wie das Meer ist Euer Schmerz". Theurer Freund! Krone deines Hauses, Zierde deiner Familie! Schmerzgebeugt tragen wir dich aus deinem Hause in das kühle Grab« Ziehe in Frieden! Nachdem Obercantor Schorr die Tcauergesänge zum Vortrag gebracht hatte, wurde der Sarg gehoben und aus den Centralfriedhof geführt. In der Ceremonienhalle der israelitischen Abtheilung hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann die Trauerrede. Rede an der Bahre des Herrn Arthur Edlen v Mises, gehalten vom Oberrabbiner Dr. M. Güdemann. Wenn der Schmerz über den Tod eines vortrefflichen Mannes durch Nebenumstände noch gesteigert werden kann, dann ist es hier der Fall. In der Fremde mußte er sterben, er. für den in der Fremde leben zu müffen schon ein halber Tod gewesen wäre, so sehr hing er an seinem Hause, an Frau und Kindern und Verwandten. Und der edlen Gattin, die in bewunderungswürdiger Stärke und Ergebung alle die Schwankungen und Enttäuschungen der Reise mitgemacht hat, ihr war es auferlegt, bei der Heimkehr mit Noemi zu sprechen: „Voll Hoffnungen bin ich ausgezogen, und leer bringt mich der Herr zurück". Und die traurige Wendung vollzog sich am Bersöhnungstage, aber von den beiden Losen des Lebens und des Todes war ihm leider das letztere bestimmt und es ward sofort verwirklicht. Dennoch ist die Erinnerung an den Bersöhnungstag geeignet, die schwergeprüfte Familie, die Gattin, die Kinder, den Bruder und die übrigen Verwandten auch mit der an diesem Tage gefallenen Entscheidung auszusöhnen. Denn diese Entscheidung lautete in Wahrheit nicht auf Tod, sondern auf Leben. Er lebe, wenn anders das unauslöschliche Andenken, das der Mensch sich selber stiftet, der eigentliche Inhalt und Zweck des irdischen Daseins ist. Dieses Andenken wird ihm unsere Gemeinde bewahren, denn er war einer der thätigsten, treuesten und gewiffenhastesten Verwalter ihrer Institutionen, die ich nicht alle anführen kann, von denen ich aber das Versorgungs- und Siechenhaus ausdrücklich hervorheben muß. Denn in der Verwaltung dieser Anstalten, die er mit edlen Männern und Frauen th eilte, da hat er die aufopferungsvollste Humanität im Vereine mit tiefer religiöser Gesinnung bethätigt. Es kam ihm nicht blos daraus an, daß diese Anstalten als Denkmäler einer allgemeinen Wohlthätigkeit bestehen sollten, sondern sie sollten die jüdische Signatur tragen, die Greise und Siechen, denen die Religion die beste Trösterin ist, sollten diese Trösterin nicht vermiffen, wie er sie immer zur Seite hatte und wie sie ihm gewiß den letzten Abschied erleichtert hat. So hat der vortreffliche Mann, dessen letzter Besuch noch dem Versorgungs- und Siechenhause galt, durch die Pflege dieser Anstalten sich verewigt, sein Andenken wird in diesem Wirkungskreise, aber auch in jedem anderen, an dem er Theil hatte, lebendig und gesegnet bleiben und immer anregend und fördernd wirken. Diese Gewißheit wird auch der frommen Gattin und den wackeren Söhnen ein tröstlicher Gedanke sein. Ihnen war er der treueste, zärtlichste Gatte und Vater, aber uns Allen wird er als einer unserer edelsten Glaubensbrüder stets unvergeßlich bleiben. Er ziehe hin in die „Hütte des Friedens", in das Reich d r Seligkeit, Amen! Der Präsident latf. Rath Klinger trat sodann an den Sarg heran, um mit folgenden ebenso herzlichen als tiefempfundenen Worten von dem College» Abschied zu nehmen: „Tief erschüttert stehen wir, die Vorsteher der Cultusgemeinde, an der Bahre unseres hochgeschätzten, unvergeßlichen Collegen. Wie ich es gestern in der aus diesem traurigen Anlässe von mir einberufenen Vollversammlung des Vorstandes ausgesprochen habe, so sage ich es heute und so wird man es noch nach Jahren sagen, daß mit deinem Heimgange, Arthur Edler v. Mises, einer der besten und edelsten Männer aus unserer Gemeinde geschieden. Wir haben es soeben aus berufenem Munde gehört, was du für unsere Altersversorgungshäuser geleistet, und wir im Vorstande haben deine treue Erfüllung echter jüdischer Menschenliebe mit angesehen. Hier uns zur Seite stehen thränenfeuchten Auges Insassen dieser unserer Altersheime, welche zu allen Zeiten in dir Vater und Berather erblickt haben. Ich muß es leider sagen, daß dein Heimgang eine Lücke in unserem Vorstande zurückläßt, welche zu ersetzen kaum möglich sein wird. Bei aller Hellighaltung der Traditionen unseres Glaubens hast du dich der Anforderung der Jetztzeit nie verschlossen und dein durch die gewissenhafteste Pflichterfüllung hingebungsvolles hervorragendes Wirken bleibt für immer unvergessen. So empfange denn theurer College, herzinnigen Dank, Dank im Namen der Gemeinde, Dank vom Vorstande, Dank der Insassen unserer Wohlfahrtsinstitute, Dank über das Grab hinaus!" Am offenen Grabe hat noch das Vorstandsmitglied des Vereines „Beth-Jsrael", Herr Deiches in einer warmen Rede im Namen der Vereinsmitglieder dem Obmann den letzten Gruß nachgerufen.

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