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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-02 · 40 (2.10.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. gingen EL 17.814 90 (davon Jahresbeiträge 3497, Synagogen- Spenden 1743, Zinsen K 6861 rc.) ein; verausgabt wurden K 16.61546. Klattau. (Schule, Geschenk.) In erster Reihe gilt heute mein Bericht unserer zweiclassigen confefsionellen Volksschule, und da ist die erfreuliche Thatsache zu constatiren, daß 85 israelitische Kinder eingeschrieben und ausgenommen wurden. In unserer ehrbaren Gemeinde gilt als Princip, nur Schüler mosaischen Glaubens aufzunehmen, damit der israelitischen Religionslehre und dem hebräischen Unterrichte mehr Aufmerksamkeit zugewendet werden könne. Auch soll den Kindern Gelegenheit geboten werden, den Gottesdienst zu besuchen und die rituellen Gebräuche zu sehen und sich selbe fürs Leben einzuprägen; es wird gleichzeitig verhindert, den Sabbath und die Festtage zu entweihen. Würde in allen Gemeinden so vorgegangen, so hätten wir bald eine glaubenstreue Nachkommenschaft. Aber freilich — viele der Cultusgemeinden Böhmens hatten ja nichts Eiligeres zu thun, als ihre confessionellen Schulen aufzulösen, und so stillten sie ihre Jugend vor — das Wasser, in dem sie untergehen mußten. Daß an unserer wegen ihrer Unterrichtserfolge schon oft belobten Anstalt auch der zweiten Landessprache die gehörige Würdigung zutheil wird, bedarf wohl nicht erst, besonderer Erwähnung. — Fräulein Karolina, Tochter der Eheleute Janovsky in Klattau, spendete für den neuerbauten Tempel in Blowitz ein weißes Seidenmoire-Poroches. Die Aus - staffirung ist geradezu meisterhaft zu nennen. — a— Frankfurt. (D r. Julius P l o t k e.) Nach längerem Leiden ist hier der Rechtsanwalt und Notar Julius Plotke im Alter von 46 Jahren gestorben. Abgesehen von seiner Stellung als einer der angesehensten Advocaten, wirkte Dr. Plotke in Humanitären und philanthropischen Angelegenheiten mit einer außerordentlichen Hingabe. Der Ber. blichene war unter Anderem auch Vertrauensmann der Baronin Hirsch, einer der Hauptvertreter in der »Jewish Colonisalion Association" und des „Hilfsvereines der deutschen Juden". Tachau. Samstag den 26. September l. I. verschied hiernach langem Leiden Herr Elias Neubauer, ein wegen seiner strengen Rechtlichkeit und Biederkeit allseits geachteter und beliebter Mann. Von der besonderen Beliebtheit, deren sich der Verstorbene erfreute, zeugte die große Beteiligung 'bei dessen am Montag den 28. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnisse, Nach dem im Trauerhause von Obercantor Josef Schön in ergreifender Weise recitirten Trauergebete wurde der Sarg gehoben und eine förmliche Volksmasse setzte sich als trauernde Gemeinde in Bewegung bis zur altehrwürdigen Begräbnißstätte der Tachauer israelitischen Gemeinde, den ganzen großen Friedhof füllend. Alle Schichten der Bevölkerung waren vertreten. Die ganze Feuerwehr, die Spitzen der Behörden rc. Am Friedhofe hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Moriz Wohl einen ergreifenden Nachruf. Diesem schloß sich ein Nachruf des Herrn Director S. Heller ans Wien, eines Schwagers des Verstorbenen, an, der bie ganze große Trauerversammlung zu Thränen rührte. Malmö. Kurz vor Jahresschluß, am 28. Elul, fand die feierliche Einweihung der neuerbauten Synagoge statt. Es ist ein prachtvoller monumentaler Bau mit einer in der Mitte hochragenden Kuppel, umgeben von vier kleinen Kuppeln und bildet eine der schönsten Zierden unserer Stadt. Die Einweihungsfeier, zu welcher Glaubensgenossen von Nah und Fern, die Vertreter aller zu Malmö gehörenden Filialgemeinden herbeieiltev, nahm einen glänzenden Verlauf. Von den Honoratioren der Stadt bemerkten wir: Den Landshöfding (Oberpräsident), die Vorsitzenden der Stadt und des Gemeinderathes, v. Bendz und v. Dieden, die Direetoren der Gymnasien, die evangelische und katholische Geistlichkeit. Als Vertreter der Gemeinde Kopenhagen waren erschienen der ehemalige Oberrabbiner Professor Dr. Simonsen, der gegenwärtige Oberrabbiner Dr. Levinstein, Mitglieder des Vorstandes, denen sich eine stattliche Zahl von Gemeindemilgliedern angereiht hat. Die Feier begann mit „Ma tauwou“, welches von Cantor Horwitz mit schöner Stimme und Chorbezleitung stimmungsvoll vorgetragen wurde. Hieraus bestieg Professor Simonsen die Kanzel und hielt eine geistvolle, tiefdurchdachte Betrachtung über die symbolische Bedeutung des ^New Tomid", welches der Redner mit einem Dank- und Legensspruche entzündete. Es wurde hernach Pf. 84 gesungen, worauf Herr Rabbiner Dr. Wohlstein in schwedischer Sprache die Einweihungsrede hielt, die sich durch Formschönheit und Ideenreichtum auszeichnete. Nachdem der Redner das Gebet für König und Vaterland verrichtete und die Volkshymne gespielt wurde, betrat Herr Obecrabbiner Dr. Levinstein aus Kopenhagen die Kanzel, um mit einer Gluth der Begeisterung, die zündend wirkte, die Gemeinde zu ermahnen, den Idealen des Judenthums allezeit treu zu bleiben. Damit schloß die erhebende Feier, die auf alle Theilnehmer einen tiefen, unauslöschlichen Eindruck machte. Die Judenexeeffe in Homel. Je mehr Einzelheiten über die blutigen Vorgänge in Homel bekannt werden, umso augenscheinlicher tritt die Thatsache hervor, daß die Excefse unter der Patronanz der öffentlichen Autoritäten verübt wurden. Wir wollen einige marränte Umstände hervorheben. Zahlreiche jüdische Familien hatten fich, vor den Maffacres flüchtend, nach dem drei Meilen von Homel entfernten Dobrusch gerettet. Da langte am Dienstag den 15. September ein Telegramm aus Homel ein, daß die flüchtigen Juden aus Dobrusch zu verjagen seien, weil sie an diesem Orte nicht das Aufenthaltsrecht haben. Dobrusch ist nämlich ein Dorf, und den Juden steht selbst in dem ihnen zugewiesenen begrenzten Gebiete das Recht des Aufenthaltes in Dörfern nicht zu. Ein anderer Umstand, bei welchem die Hand der Behörde hervortritt, ist, daß anläßlich jener Vorfälle aufgegebene Telegramme an gewisse Zeitungen zwar vom Telcgraphenamt angenommen, aber den betreffenden Zeitungen nicht zugekommen sind. — Am 12. September fand man einen Korb voll Proclamationen, enthaltend den Aufruf, über die Juden herzufallen. Am 15. September wurden zwei Kisten mit Proclamationen gefunden, in denen aufgefordert wird, die Juden an ihrem Versöhnungstage, wenn sie in ihren Bethäusern beisammen und wehrlos sind, zu überfallen. Unter den Juden in den sämmtlichen Städten herrschen die größten Besorgnisse, besonders seitdem sie sehen mußten, daß das aufgebotene Militär den Ruhestörern als Schutzmauer dient, hingegen fich der Selbstverteidigung der Juden mit Waffengewalt entgegenstellt. Wie in Kischenew waren am dritten Tage plötzlich, wie auf ein gegebenes Zeichen, die Exceffe beendet, allerdings, nachdem mehrere Juden erschlagen, über hundert leicht und schwer verwundet, über 200 Geschäfte ausgeplündert waren und ein Schaden, den man vorläufig, ohne ihn aber noch ganz übersehen zu können, auf mindestens 150.000 Rubel schätzt, angerichtet worden war. Washington. (R o o s e v e l t u n d d e r Z i o n i s m u s.) Präsident Roosevelt nahm von Zionisten in Baltimore eine jüdische Nationalflagge entgegen. Die Annahme einer amerikanischen Nationalflagge, die ihm in schöner Ausstattung als Geschenk überreicht werden sollte, hat er kürzlich abgelehnt, was damals allgemein abfällig besprochen wurde. Man erblickt daher in dem jetzigen Vorgang die größte Anerkennung, die der Zionismus bisher bei irgend einer Regierung gefunden hat. Feuilleton. Kol nidre. Kol nidre war's. Des Tempels mächt'ge Hallen Erwiesen sich zu klein für all' die Menge, Die zum Gebet sich eingefunden hatte. Um durch fromme strenge Speisenthaltung, Durch Reu und Buß' mit Gott sich zu versöhnen. — Ich saß ganz abseits in der dunklen Nische Und gab mich hin dem Zauber des Kol uidre; Und Wort um Wort des hehren Bußgebetes Und Ton um Ton der schaurigsüßen Weise, Die leis' wie Schluchzen bald, bald wie ein Aufschrei Aus überquell'nder Brust zu Gott emporstieg, Drang tief mir in die reuerfüllte Seele, Gar mächtiglich bewegend mein Gemüthe. „Gott meiner Väter!- betet' ich voll Inbrunst, „O neig' Dein Ohr dem Fleh'n der armen Menschen Und zürne nicht; — sind sie doch Deine Kinder! Verzeihe liebreich Jedem seine Schwächen; Vergib auch mir. Allgüt'ger, meine Sünden. Denn wo ist der, der nie gestrauchelt wäre!" Noch war zerknirscht ich ins Gebet versunken; — Da plötzlich fühlt' ich meine Sinne schwinden. Ein Sausen rast mir durch den Kopf — ein Rauschen, Mir war's, als schwebt' empor ich durch den Aether Mit Blitzesschnelle nach den Höh'n des Himmels, Und ehe ich noch wußt' wie mir geschehen. Fand ich mich droben schon im Reich der Sel'gen. — Wo nehm' ich Worte, all' den Prunk zu schildern. Der mich umgab! — Und hätt' ich tausend Zungen, Und jeder war' Jesaias Ausdruck eigen.

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