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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-02 · 40 (2.10.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Nr. 40 Sette 640 Dr. JSlocb s Mocbenscbcift. Wien. (Trauung.) Sonntag den 4. Oktober l. I. um halb 3 Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel, IL Bez., Tcmpelgasse die Trauung des Fräulein Grete Winter, Tochter des Herrn Leopold Winter, mit Herrn Ingenieur Alfred Löw statt. Wie«. Am 27. d. M. fand im Tempel des IX. Bezirkes die Trauung des Fraulein Salenie Mandl, Tochter des Herrn H. Mandl, Vertreter der Firma Heinrich Klinger und Comp., mit Herrn L. Gold sch mi dt, Chef der technischen Leitung der „Neuen Freien Presse", statt. Unter den zahlreichen Gästen befanden sich Deputationen der Beamten des obgeuanntcn Großhandlungshauses, sowie der Redaction des führenden publicistischen Organes. Rabbiner Dr. Gelbhaus und Obercantor Kläger vollzogen den Trauungsact. Moritz Amster. Am 22. September a. c. wurde der Gerechtesten einer von längerem schweren Leiden erlöst. In Moritz Amster verehrten wir einen Menschen in des Wortes höchster Bedeutung — war doch sein ganzes Leben durchaus auf Menschlichkeit gerichtet. Wo immer eine Roth zu lindern, eine Existenz zu gründen oder zu stützen war, zeigte sich der Heimgegangene unermüdlich bereit, das edle Ziel, das er sich gesteckt, zu erreichen. Mit einer geradezu an die großen Propheten gemahnenden Selbstlosigkeit stellte er sich in den Dienst der Humanität — zahllos finden sich in seinen hinter!offenen Papieren die Beweise der Dankbarkeit Jener vor, welchen er zu irgend einer Verbesserung der Lage verholsen! So ausgeglichen und ausgleichend er gewesen, so wenig gerecht spielte das Schicksal ihm mit. Ehemals ein reicher Großgrundbesitzer in der Bukowina, verlor der Idealist sehr bald die irdischen Güter, um allerdings in den geistigen Schätzen desto glücklicher zu werden. — M. Amster's Poesien verrathen denn auch zumeist einen tiefen, fast melancholischen Zug. Es würde zu weit führen, alle die zahlreichen Ergüsse seines reichen Herzens anzuführen. Nach langjähriger Thätigkeit als Secretär des niederösterreichischcn Gewerbevereines widmete er sich seit 1892 dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus, dessen verdienstvoller Secretär er bis zu Beginn 1903 blieb. Leider lähmte ein vor 3 Jahren erlittener Schlaganfall seine Kräfte — gerade zu einer Zeit, wo sie am nothwendigsten wurden! Seine Hauptwirksamkeit bestand hier in der Redaction des von unserem unvergeßlichen Baron Suttner herausgegebenen „Wiener Kalender" — einer Fortsetzung des von I. N. Vogel begründeten Volkskalenders. In diesem unscheinbaren, aber doch so geschätzten periodischen Werkchen zeigte sich der Schriftsteller jn seiner ganzen Art — und Schriftsteller war er mit Leib und Seele. Durch mehr als 2 Decennien redigirte er zugleich als Herausgeber den „Zirkel", correspondirte mit zahlreichen wissenschaftlichen und humanitären Vereinen und fand immer noch Zeit, dem Hauptziele seines Lebens, der Bekämpfung des Antisemitismus. einen guten Theil seiner ausgeprägten Individualität zu widmen. Sein Scheiden bedeutet für unsere gute Sache einen schweren Verlust. Außerdem aber werden viele Kinder der Armen seinen Heimgang bitter empfinden, da ein so eifriger und selbstloser Obmann des gemeinnützigen „Vereines zur Bekleidung armer Kinder" nicht leicht zu finden sein wird. Von welcher Vielseitigkeit der Verblichene gewesen, möge nachstehende Liste der Ehrenämter bezeugen, welche er in sich vereinigte. Abgesehen davon, daß er Handelskammerrath von Czernowitz gewesen, bethätigte er sich — bis an sein Ende als Schriftsteller, Herausgeber und Redacteur des „Zirkel", Obmann des gemeinnützigen Vereines zur Bekleidung armer Kinder, Vorstandsmitglied des Vereines gegen Verarmung und Bettelei, des Kinderasyls im Kahlenbergerdorf, des nicht politischen Vereines Human itas; Ausschußmitglied der Kleingewerbeabtheilung des niederösterreichischen Gewerbevereiues, Ehrenmitglied in- und ausländischer, wissenschaftlicher und humanitärer Vereine, Mitglied des Clubs der Land- und Forstwirthe in Wien. Ehre seinem Andenken! Wien, September 1903. F. R. Enge l, Vorstandsmitglied des Vereines zur Abwehr des Antisemitismus. Wien. (Dermata.logen-Congreß.) Zu Ehrenpräsidenten des Dermatologen-Congreffts wurden unter Andern Professor S. Ehrmann in Wien, sowie Sanitäisralh R. Glück in Sarajewo ernannt. Die Herren wurden auch zu Vorstandsmitgliedern der Deutschen Dermatologen-Gesellschaft, zum Präses wurde Professor Pick in Prag gewählt. Wien. (Er st er Wiener JüdischerTurn verein.) Der Turubetrieb wird nunmehr mit Beginn der Saison wieder in vollem Umfange ausgenommen. Die Herren turnen Montag und Donnerstag von halb 8-9 Uhr Abends unter der bewährten Leitung des I. Turnwarts Herrn Rudolf Pollak. Das Damenturnen beginnt Samstag den 3. October. (Damenturnstunden: Mittwoch und Samstag von halb 8—9 Uhr Abends). Kindertnrnen. Fechtsection (bei genügender Zahl von Anmeldmigen). Nähere Auskünfte, sowie Anmeldungen zum Beitritte Montag und Donnerstag halb 6—9 Uhr Abends c.::i Turnplätze, L, Mölkerbastei 5. Wien. (Saul Pineles.) Eine angesehene geachtete Wiener Familie ist durch den, Heimgang ihres Oberhauptes in tiefe Trauer versetzt worden. Am 28. September ist Herr Saul P i n e l e s in ein besseres Jenseits abberufen worden. Der Verstorbene war der Abkömmling eines berühmten Gelehrtengeschlechtes, welches dem Judenthum eine große Anzahl hervorragender Männer der Wissenschaft, gelehrte Rabbinen und Führer geliefert hat. Er selber stand auf der Höhe der Zeitbildung und verkörperte in seinem Charakter die vornehmsten alljüdischen Tugenden. Sein Haus war viele Jahre hindurch der Sammelpunkt von Schriftstellern und Gelehrten und er nahm den regsten Antheil an allen Bewegungen innerhalb des Judenthums, dem er mit allen Fasern einer starken Seele treu anhing. Mit einem scharfen Vkrstande verband er ein weiches Herz und ein fein empfindendes Gemülh, vor Allem ein Gottvertrauen, welches ihn viele widrige Schicksalsschläge überwinden ließ. Er hinterläßt eine große Anzahl hochbegabter Söhne und Töchter in angesehener Stellung und von zukunftsreicher Begabung. Wien. Am 24. September ist hier eine sehr sympathische Gestalt der hebräischen Schriftstellecwelt, Jacob Fischer, aus dem Leben geschieden. Der Verblichene, der das Alter von 81 Jahren erreichte, hatte Jahrzehntes hindurch in seiner ungarischen Heimat als Lehrer, bezw. Schulleiter gewirkt und sich in dieser Sphäre seiner Thätigkeit insbesondere durch die das Durchschnittsmaß weit überragende Pflege der hebräischen Sprache und der Bibelkunde heivorgethan. Das wahre Gebiet seines geistigen Lebens und Schaffens war jedoch das hebräische Schriftthum, dem er sich nahezu seit einem halben Jahrhundert mit fast nie rastendem Eifer hingab. Während dieses Zeitraumes übergab er der Oefftntlichkeit theils durch Mitarbeit an den „Kochbe Jizchak“, dem „Hamagid“, dem „Ibri“ u. s. w., theils in'der Form selbstständiger Publikationen: „Zilzele kodesch“, ,,Kol rinah“, „Kolebel“, „Ebel we nechamah“, „Rosch haedah“ (Uebersitzung von L. A. Frankl's „Primator-) u. s. w. eine Reihe von Dichtungen, die ihm bei allen Freunden der hebräischen Literatur Beliebtheit und einen sehr geachteten Namen erwarben. Durch eine Reihe von. Jahre» widmete er sich vollständig der Herausgabe der Zeitschrift „Hajehudi“, die zuerst in Preßburg, sodann in Wien erschien. Nicht unerwähnt soll ferner bleiben, daß aus seiner Feder eine treffliche hebräische Biographie des unvergeßlichen Volksmannes Adolf Fischhof herrührt. Die literarischen Erzeugnisse Jacob Fischer's zeichnen sich durch besondere bibelgemäße Reinheit der Sprache und durch Anmuth des Ausdruckes aus; seine Dichtungen, die sich schon durch die Sauberkeit ihrer Form einschmeicheln, spiegeln ein mildes Gemüth wieder und offenbaren ein zartes Empfinden der das Leben begleitenden Stimmungen mit einem Anflug von Melancholie. Tief religiöses Gefühl äußert sich in einer an Schönheiten reichen, oft begeistert schwungvollen Sprache in dem „Zilzele kodesch“ betitelten Cyelus von Gedichten, in denen die Festtage der Juden besungen werden. Jn Hinsicht auf seine Eigenschaften als Mensch war der Verblichene von sehr gewinnendem, bescheidenem Wesen, ein Charakter von lauterster Rechtlichkeit, eine wahre „anima candida“. Bei seiner Bestattung sprach Oberrabbiner Dr. Güdemann einen eindrucksvollen Nachruf, in dem er den reinen Lebenswandel des Verstorbenen, sowie dessen Wirken als Lehrer im edelsten Sinne mit sehr ehrenden Worten würdigte. Brüx. Am 24. September starb nach längerem Leiden im Alter von 87 Jahren Frau Karoline Spitz, die Mutter unseres Cultuspräsidenten Herrn Dr. Josef Spitz. Die Heimgegangene, welche wegen ihres edlen Charakters und wohlthätigen Sinnes allgemeine Verehrung genoß, hinterläßt eine große Am zahl Söhne und Töchter, Enkel und Urenkel, welche geachtete Stellungen einnehmen. Budapest. Die Landes-Rabbinerschule versendet ihren Bericht für das Schuljahr 1902/3. Demselben geht eine wissenschaftliche Abhandlung des Herrn Prof. Dr. Bacher „Aus dem Wörterbuche Tanchum Jeruschalmi's- (p-svvn "iso jv anaip*?) nebst einem Anhänge über den sprachlichen Charakter des Maimunischen Mischne Thoravoran. Der Bericht selbst gedenkt zunächst der am 8. October v. I. stattgehabteu Feier des 25jährigen Bestehens der Anstalt und theilt sodann mit, daß zwei Hörer nach Abschluß ihrer Studien entlassen wurden, von denen einer als Prediger und Religionslehrer nach S.-A.-Ujhely, der zweite als Rabbiner nach Szentes berufen worden ist. Die obere Abtheilung wurde von 17, die untere (Gymnasial-Cursus) von 70 Hörern besucht.^ Für den Ez Chajim (Stipendien)-Berein

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