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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-10-02 · 40 (2.10.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
40 (2.10.1903)
Date
1903-10-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Dr. Dlocb's THHocbenscbritt, Seite 639 Aus Libau, der bedeutenden Hafen- und Handelsstadt Nordrußlands, wird uns geschrieben: »Nicolaus II. besichtigte am 23. und 24. August a. St. den Libauer Kriegshafen und stattete bei. dieser Gelegenheit unserer Stadt einen Besuch ab. Unter den verschiedenen Deputationen, deren Empfang der Minister Plehwe vermittelte, befand sich auch eine Abordnung der jüdischen Gemeinde unter Führung ihres Rabbiners. Der Kaiser zeichnete diese Deputation besonders aus, indem er aus den Händen ihres Führers eine Gesetzesrolle als Geschenk entgegennahm und den Rabbiner beauftragte, den Gemeindemitgliedern seinen Dank auszusprechen. Es ist besonders bemerkt worden, daß auf ausdrücklichen kaiserlichen Befehl weder Polizei noch Militär die Straßen, die der Kaiser paffirte, besetzt hatte. Dagegen wurde von etwa 6000 Fabriksarbeitern und der Libauer Schuljugend Spalier gebildet/ Ein Jude Gouverneur von Hongkong. Oberst Mathew Nathan, bisher Gouverneur der Goldküste, wurde zum Gouverneur von Hongkong ernannt. New-Jork. Die »Oesterreichisch-ungarische Zeitung" meldet: »Mit aufrichtiger Befriedigung verfolgen wir die Thätigkeit der »United Austrian Hebrew Charities Association", die mit ihrem Liebeswerke in das tiefste Dunkel menschlichen Elends, das sich in die Kellerlöcher und in die Dachstübchen der Ostseite verkriecht, den Sonnenstrahl menschlichen Mitgefühls bringt, und wir zollen aufrichtige Bewunderung dem Präsidenten dieser Gesellschaft, dem Rev. Dr. Adolph Spiegel, der seine Menschenliebe sowohl in den Dienst der Humanität gestellt hat, als er auch seine unermüdliche Thatkraft in Angelegenheiten des öffentlichen Wohles zu jeder Zeit bethätigt. Rev. Dr. Spiegel hat vor 34 Jahren in Buczaez, Oesterreich, das Licht der Welt erblickt. Gegenwärtig ist er der Seelsorger der Schaarith Zedek Congregation in Henry Street, einer der größten und ältesten Gemeinden deutsch-amerikanischer Juden, welche Stellung er durch 4 Termine inne hat. Die Gemeinde ist ihm in inniger Verehrung zugethan und hat ihrer Erkenntlichkeit durch Ueberrcichung von Liebesgaben Ausdruck verliehen; die Präsentation dieser Ehrengeschenke erfolgte durch Männer, die im öffentlichen Leben der Stadt New-Iork bedeutende Stellungen innehaben, durch Congreßn anGoldfogle und Richter Steckler. Rev. Dr. Spiegel hat nach Bee> digung des' spanischen Krieges als Seelsorger in Porto Rico gewirkt. Durch seine Bemühung wurde auf dieser Insel, in Ponce, die erste jüdische Religionsgemeinde begründet, welcher ein Cousin des berühmten Zionisten Dr. Theodor Herzl vorsteht. Die amerikanische Regierung in Porto Rico hat ihn in allen seinen Bestrebungen unterstützt, insbesondere aber in seiner Hilfsthätigkeit, welche er anläßlich eines Erdbebens entfaltete. Das Erdbeben hatte zahlreiche Familien obdachlos und elend gemacht, und es gelang seinem eifrigen Bemühen, den Widerstand des katholischen Clerus zu brechen, der seine zahlreichen Gebäude den Uuterstandslosen verweigerte. Er steht im besten Andenken sowohl in Porto Rico als auch in Domingo, Westindien, den früheren Stätten seiner Wirksamkeit. Seitdem er hier die Seelsorge seiner Gemeinde übernommen hat, sehen wir ihn bei mehreren Gelegenheiten im Interesse des öffentlichen Wohles eingreifen. Anläßlich der Fleischtheuerung und der dadurch heraufbeschworenen Riots wurde er von den D legalen, die 250 Congregationen in New-Aork und New-Jersey vertraten, als Arbitrator erwählt, um die Angelegenheit des Volkes gegen die Großschlächter zu vertreten. Nachdem er gehörige Einsicht in die Angelegenheit gewonnen hatte, wußte er von den Großschlächtern Conceffionen zu erringen und den häßlichen Ausschreitungen ein Ende zu machen. Mit dem vollen Gewichte seiner Persönlichkeit srtzte er sich für die ordentliche Verwaltung der Stadt New-Jork ein, und er gehörte dem Notifications-Comitö an, welches Seth Low, Grout und Fornes der Unterstützung der Fusion versicherte. Dieses Comite, deren Präsident W. H. Baldwin, Director der Long Island Eisenbahn, war, bestand aus der Elite der hiesigen Bürgerschaft. Rev. Dr. Adolph Spiegel ist seit Anfang dieses Jahres Präsident der »United Austrian Hebrew Charities Association", gehört dem Board of Ministers des jüdischtheologischen Seminars an, zu dessen Board of Advisers er früher gehörte. Im Orden Brith Abraham hat er die Stelle des Chairman on Lecture and Advancement inne. Er ist Chaplain der Pratt Loge (Free Mason) und bekleidet die Position eines Executiv-Mitgliedes der »Union Orthodox Congregation for U. S. and Catiada". Jüdische Feiertage betreffend. Neuerdings sind der »Union of Orthodox Jewish Congregations of the United States and Canada" mehrere Gesuche zugegangen, in welchen diese Körperschaft angegangen wird, die Spitzen der verschiedenen städtischen Departements, sowie den »State Board of Regents" zu ersuchen, daß jüdischen Beamten, Angestellten und Studirenden Gelegenheit gegeben werde, an den bevorstehenden jüdischen Feiertagen ihren religiösen Pflichten Nachkommen zu können, mit anderen Worten, sie an besagten Feiertagen von ihren diversen Pflichten zu entbinden. Auf dieses Ersuchen hin hat der Mayor folgendes Schreiben an den Seccetär der eingangs erwähnten Körperschaft gerichtet: »Geehrter Herr! Sie werden wohl wiffen, daß eine offrcielle Anerkennung religiöser Feiertage irgend welcher Art nicht existirt, aber ich bin überzeugt, daß kein städtischer Beamter es ablehnen würde, einen Angestellten an genannten Feiertagen von seinen Dienstverpflichtungen zu entbinden, wenn ein solcher Angestellter aus Gewifsensgründen sich für die von Ihnen angeführten Feiertage frei zu machen wünscht. Ergebenst (Gez.) Seth Low, Mayor." Dr. James Ruffel Parsons, Secretär des »Board of Regents", schreibt: »Wir sind nach Kräften bestrebt, solche Conflicte zu vermeiden. Wir haben beschlossen, mit Bezug auf Prüfungen von Candidaten, am Freitag den 2. October die akademischen Gegenstände zu wiederholen, welche am Donnerstag den 1. October behandelt werden sollen." Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Anna Tausky* Von Herrn Karl D. Boskowitz. II., Lilienbrunngasse 11, K 10.—, von Herrn Sal. Beer, XIII., Linzerstraße 20, X 10.—, zusammen X 20.-. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau Hany Rosenberg: Von Herrn Berthold Mayer, IX., Liechtensteinstraße 59, X 5.—, von Herrn Markus Adler, III., Hauptstraße 18, X 5.—, von Herrn Josef Paunzen. I, Sterngasse 5, X 10.—, von Herrn M. Paunzen, I., Sterngasse 5, X 6.—. zusammen X 26 —. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau Frieda Horowitz: Von Herrn Sigmund Mendel, I., Rathhausstraße 15, X 20. - . Für Jahrzeit von Moriz Nagel: Von T. W. X 4,—. Anläßlich des Ablebens der selig. Frau R o sa l i a H u t t r e r: Von Herrn Josef Huttrer. II., Glockengasse 22, X 3.—, von Herrn Salo Bittner, I.. Seilerstätte 24, X 2.— , von Herrn David Seidner, II.. Franzensbrückenstraße 18. X 3—, von Herrn Jacob Ehrmanu, VII., Kaiserstraße 12. X 2.—, von Frau Anna Blau, I. Fleischmarkt 10, X 2.—, von Frau Lotte Elsner in Budapest X 2.—, von Frau Bertha Ripper, III., Hauptstraße 139, X I.—, zusammen X 15.—. Wien. (Richtigstellung.) In dem Artikel: .Arbeitsliebe und wahre Humanität" in Nr. 38 d. Bl. S. 602. Z. 24 bis S. 603. 1. Spalte, Z. 41 beginnend: »Wie hoch das Handwerk ... bis Polen, Rußland, Bukowina überhaupt", ist ein Citat aus der Schrift: »Arbeit und Arbeiter im jüdischen Volke" von Dr. A. Kurrein, Frankfurt 1890. Wien. Herr Maximilian Paul-Schiff hat als Präsident des ,.Galizischen H i l f s v e r e i n s" seine Demiffion gegeben. Anlaß zu seinem Rücktritte soll, wie wir vernehmen, die Form der vom ..Hilfsverein der deutschen Juden" in Gemeinschaft mit dem Galizischen Gemeindebund erlassenen Einladung zu einer Delegirtenversammlung in Lemberg, betreffend die Bekämpfung des jüdischen Mädchenhandels, und in weiterer Folge die Frage der Beschickung dieser Delegirtenversammlung gegeben haben. Wie«. (Spende.) Für die armen Juden in Kischenew sind uns von Herrn Hermann Altar in Proßnitz X 6.— zugekommen. Wien. (Verlobung.) Fräulein Rosalie A b e l e s hat sich mit Herrn Moriz D e u t s ch, in Firma Albert Deutsch, aus Baden bei Wien verlobt.

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