Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 39 (25.9.1903)
- Date
- 1903-09-25
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 628 Dr. JSlocb's MocbenscbrM. Nr. 39 Hofburg, was ihm eben den Titel eines „Hofjuden" eintrug. Diefe geschäftlichen Beziehungen, die Herr Karrach zu so vielen Militärs unterhielt, datirten aus jener Zeit, da er unter Feldmarschall Radetzky durch mehr als zehn Jahre in der Armee gedient hatte. Er hat alle größeren Gefechte in den Jahren 1848 und 1849 mitgemacht, sich in den Schlachten von Custozza und Novara durch Muth und Umsicht ausgezeichnet und wiederholt Belobungen für seine Leistungen als Späher oder Eclaireur erhalten; auch in den Gefechten von Santa-Lucia und Sommacampagna (23. Juli 1848) hat er mitgekämpft und sich besonders in diesem letzten ausgezeichnet, wofür er die silberne TapferkeitsMedaille erhielt. Er hatte in diesem Gefechte mehrere Wunden erlitten. Später kam er als Feldwebel in den Stab des Hauptquartiers. Außer der Tapferkeitsmedaille besaß Karr ach auch noch eine Erinnerungsmedaille an das 25jährige Regierungs-Jubiläum des Kaisers im Jahre 1673 und die des 50jährigen Regierungs-Jubiläums. Auch Pius IX. hat ihn durch eine Medaille ausgezeichnet, die in lateinischer Sprache die Inschrift trägt: „Papst Pius IX., wieder eingesetzt durch die vereinigten katholischen Waffen. 1849." Bei der Enthüllnng des Radetzky-Denkmales wurde Herr Karrach vom Kaiser durch eine Anspracheausgezeichnet. Auf alle diese Auszeichnungen war der Verstorbene sehr stolz und er ging nie aus, ohne im Knopfloch eine Rosette zn tragen. Sein Andenken wurde von den Leibgarden durch Eintragung seines Namens in das „Gedächtnißbuch" geehrt. Herr Karrach hinterläßt drei Söhne und fünf Töchter und fünfzehn Enkeln. Wien. (Amtsjubiläum.) Die am 11. d. M>. Sabbath Kithowa, stattgehabte Feier der lOjäbrigen Amtsthätigkeii des Obercantors M. Schorr am Beth-Jsrael-Vereine brachte dem Jubilar eine Fülle von Sympathiekundgebungen und Ehrenbezeugungen. Außer den Gratulationen, die ihm seitens seiner zahlreichen Freunde und Verehrer auf privatem Wege übermittelt wurden, ward ihm auch eine officielle Ovation zutheil. Am Vorabend der Feier, vor Sabvatheingang, fand sich nämlich in dessen Wohnung der Gesammtvorstand des genannten Pereins mit dem Obmann, k. k. Oberingenieur Arthur Edler von Mises, an der Spitze, ein und überreichte ihm in Anerkennung seiner 10jährigen verdienstvollen Amtsthätigkeit ein vom Verein gewidmetes Ehrengeschenk. Im Gotteshause, wo der Sitz des Herrn Obercantors decorirt war, wurde derselbe mit einem eigens für diese Feier componirten Boruch babu begrüßt. Sowohl der Abendals auch der Morgengottesdienst wurde besonders feierlich begangen und in der Wohnung des Jubilars erschienen zahlreiche Gäste, um ihm ihre Glückwünsche und den Ausdruck der Perehrung zu überbringen. Wien. Einen schmerzlichen Verlust hat die hebräische Literatur durch das am 12. d. M. erfolgte Ableben des bekannten Schriftgelehrten Fabian Zolles erlitten, dessen Name wohl Jedem, der für hebräische Wissenschaft, für altjüdische Forschungen Sinn und Jntercfse hatte, geläufig war. Einer alten, ursprünglich in Holland ansässig gewesenen Familie entstammend, aus welcher zahlreiche, hervorragende Rabbiner und Gelehrte, u. A. der im 17. Jahrhundert berühmte Großrabbiner Jacob Josua, hervorgingen, hatte der Verblichene schon im zartesten Kindesalter Proben von Scharfsinn und Wissen geliefert. Ein leuchtendes Vorbild war dem Dahingeschiedenen in seinem als Mensch und Gelehrten so hochgeschätzten, ältesten Bruder Jeschaje gegeben, deffen tiefsinnige Werke gewissermaßen die Brücke zwischen der alten und neuen Richtung in der jüdischen Religionswissenschaft bildeten. Kaum dem Knabenalter entwachsen, unterhielt der Heimgegangene regen Briefwechsel und Verkehr mit den bedeutendsten jüdischen Gelehrten, insbesondere mit dem Philosophen Suchastower, dem Dichter Gottlober, dem Talmudisten Zweifel, dem Grammatiker Lerner u. v. A. In späteren Jahren schloß er sich innigst an Professor Graetz, Rabbiner Joel, Prof. Zuckermann, Prof. Levi u. v. A. an, mit denen ihn eine tiefe persönliche Freundschaft verband, und so mancher Aufsatz, so manche Abhandlung, die von diesem anerkannten Gelehrten verfaßt wurde, verdankten ihr Entstehen seiner Anregung. Und was den Verblichenen so sehr auszeichnete, war, daß er im Gebiete modernen Wissens ebenso heimisch war, wie in dem des Judenthumes, und daß er unablässig bestrebt war, selbst noch in den letzten Jahren seine Kenntnisse hierin zu vervollkommnen. Ebenso wie als Mann des Wissens war er als Mensch. Für Arme und Unbemittelte eine stets offene Hand habend, peinlich bemüht, seiner Gabe den Stachel des Verletzenden für den Empfänger zu benehmen, war er ein warmer und hilfsbereiter Förderer junger Talente und Studirender. Mit warmer Begeisterung trat er stets für seinen Glauben ein, und als es galt, in Graz den ersten Tempel auf steirischem Boden zu gründen, widmete er sich mit Feuereifer dieser Aufgabe und suchte deren Gelingen durch Schenkung einer Thorarolle sowie auch in anderer Weise zu ermöglichen. Stets war er sich bewußt, welche Pflichten er als Angehöriger einer so achtbaren Familie seinen Mitmenschen, insbesonders seinen Glaubensgenossen gegenüber habe, und selbst den Adel des Geistes, den Adel der Gesinnung, den Adel im Wesen verkörpernd, schätzte er in seinem Umgang nur diese Eigenschaften und nicht jene, welche durch den zufälligen Besitz gegeben sind. Ein Muster eines Ehegatten und Familienvaters, war sein ganzes Sinnen und Trachten auf das Wohl seiner Familie gerichtet. In seinem Geiste suchte er seine Kinder zu erziehen, und es war ihm die Genugthuung zutheil, seine Söhne in hochgeachteten Stellungen und als Männer der Wissenschaft zu sehen. Doch war seit dem vor fünf Jahren erfolgten Ableben seiner unvergeßlichen Gattin seine Lebensfreude zur Gänze gebrochen. Am 12. d. M. fand in Anwesenheit eines zahlreichen Publicums dessen Leichenbegängniß statt und hielt ihm der ihm seit Jahren befreundete Rabbiner Dr. Gelbhaus einen ergreifenden Nachruf, in welchem dieser in vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden markigen Worten eine treffende Charakteristik des so jäh Dahingeschiedenen entwickelte. Wenn bei irgend Jemand das Wort der Psalmisten sw -i?a nvb miüij; inpna zutrifft, so war es bei ihm. Er ruhe in Frieden! Djakovar. (L e h r e r j u b i l ä u m.) Die israel. Eultusgemeinde Djakovar beging Samstag den 12. September d. I. in besonders feierlicher Weise das 25jährige Amtsjubiläum ihres Religionslehrers des Herrn Ignatz Aufferber. Zur Feier des Tages wurde Herr Aufferber zur Thora aufgerufen. Herr Cantor Weißmann trug einen eigens zu diesem Zwecke verfaßten Mischeberach vor, worauf Herr Rabbiner Dr. Lazar Roth in kurzen, markigen Zügen das Leben und Wirken des Gefeierten schilderte. Am darauffolgenden Sonntag Nachmittag versammelten sich die Gemeindemitglieder, zahlreiche Freunde, sowie dessen Collegen, unter Letzteren auch Herr Katechet Franz Vuljak, zu einem Festcommers, bei welchem Herr Aufferber in vielen sinn- und humorvollen Toasten gefeiert wurde. Friedek-Mistek. (I n st a l l a t i o n.) Am 8. d. M. fand in feierlicher, erbebender Weile die Installation des von Karlstadt hierher berufenen Rabbiners Sr. Ehrw. Herrn Dr. I. Drobindsky statt. Zu der Feier hatten sich nicht nur sämmtliche Mitglieder der Cultusgemeinde versammelt, sondern es waren bei dem Acte auch die Gemeindeausschüsse von Friedek, Mistel und Kolloredow, der k k. Bezirksschulrath und das k. k. Bezirksgericht Friedek, die Ortsschulräthe der beiden Schwesterstädte und die Lehrkörper sämmtlicher deutschen Lehranstalten Friedeks und Misteks, sowie eine Abordnung der Culiusgemeinde M.-Ostrau vertreten. Im Tempelvorhofe hatten den neuen Rabbiner die Cultusgemeinde-Beamten, die Vorstände des Frauen- Wohlthätigkeits- und des galizischen Hilfsvereines, der Chewra-Kadischa und des Synagogenvereines Friedland, sowie die Vertretungen der Städte Friedek und Mistet begriißt. In der Erwiderung auf die Ansprache des Bürgermeisters von Friedek, Herrn Ed. Koltscharsch, betonte der neue Rabbiner, daß ihn das friedliche Zusammenleben der Eonfessionen in der Stadt besonders freue und daß er an dem Fortbestehen und Festigen desselben unermüdet Weiterarbeiten werde. Unter Orgelklängen hielt Herr Dr. Drobindsky seinen Einzug in den Tempel, empfangen durch den Willkomm „Borucb habu“. Hierauf versammelte sich der Gesammtvorstand vor der Bundeslade. Nach Absingung des Chores „Gott grüße Dich" hielt der Cultusvorsteher Herr Hermann Löw an den neuen Rabbiner eine zündende Ansprache, in welcher er ihm das Rabbinatsamt übertrug und die Herr Dr. Drobindsky in ebenso gehaltvoller Weise beantwortete In der Antrittsrede, einem herrlichen Gleichniß der drei biblischen Berge und dem Wirken und Streben unseres Lehrers Moses, entwickelte Herr Dr. Drobindsky das Programm über sein Wirken als Religionslehrer und Seelsorger. Mit dem Schlußchore „Preis und Anbetung" fand die Feier einen schönen, würdigen Abschluß. Herr Dr. Drobindsky wurde von den Anwesenden vielfach beglückwünscht, wie ihm auch eine Glückwunschdepesche seiner ehemaligen Eultusgemeinde Karlstadt, die die Namen fast sämmtlicher Mitglieder derselben trug, übermittelt wurde. 3 Karlstavt (Croatien). Zufolge Berufung unseres Rabbiners Herrn Dr. S. Drobindsky nach Friedek-Mistek ist hier der Posten feit 1. d. M. frei geworden, und wurde an dessen Stelle bei der am 20. d. abgehaltenen Generalversammlung mit Acclamarion der Prediger und Religionslehrer Herr Dr. Bernhard Schick, welcher am Budapester Seminar seine Studien vollendet hat, gewählt. — Herr Schick ist eine junge Kraft, einer flavischen Sprache mächtig, und hofft die hiesige Gemeinde, daß der Gewählte mit der Zeit es auf eine höhere Stufe bringen wird. 8 l Kopenhagen. Die bange Ahnung, die uns unlängst erfüllte, ist zur traurigen Gewißheit geworden; unser allverehrter Rabbiner, Herr Dr. Goitein, ist im Alter von nur 39 Jahren in ein besseres Jenseits hinübergegangen, tiefbetrauert von den Mitgliedern der hiesigen Gemeinde, die alle eine gleich große Verehrung für ihn hegten. Diesem Manne kann man nachsagen,