Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 39 (25.9.1903)
- Date
- 1903-09-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 89 Dr. Dlocb's Mocbenscbritt. Sette 627 Dresden. In unserm schönen Sachsenlande hat sich etwas Ungewöhnliches ereignet: In dem nahen Birkwitz wurde ein jüdischer Gutsbesitzer, Herr Immanuel Ephraim, zum Gemeindevorsteher einstimmig gewählt. Zwar wollte der Amtsvorsteher die Wahl nicht bestätigen, mit der Motivirung, daß ein Jude doch in einer christlichen Gemeinde nicht Obrigkeit sein könne. Aber ein Recurs an den k. Kreishauptmann genügte, um diese Bedenken hinwegzuräumen. Bei der Einführung des neuen Gemeindevorstehers erklärte der betreffende Beamte trotzdem, daß er an seiner ursprünglichen Anschauung festhalte, sich aber der Entscheidung der Vorgesetzten Behörde selbstverständlich füge. Hoffentlich wird der jüdische Gemeindevorsteher, der sich weit über den Kreis seiner Gemeinde hinaus allgemeiner Achtung erfreut, den Herren beweisen, daß auch ein Jude sehr gut geeignet ist, die Geschäfte einer Gemeinde treu und sorgsam zu führen, sowie deren Wohl zu fördern. Berlin. Die traurige Katastrophe, die unsere Brüder in Kischenew betroffen hat und unter deren Nachwirkungen noch heute alle Erwerbsquellen dem jüdischen Mittel- und Arbe.iterstand dort verschlossen sind, hat auch das thätige Mitgefühl der Juden aller Länder wach gerufen. In dem letzten Monatsbulletin, das die „Alliance Israelite Universelle" veröffentlicht hat, find alphabetisch nach Städten geordnet die Summen aufgeführt, die dem Central-Comite von den verschiedenen Local-Comites oder von anderen Stellen zugegangen sind. Dieses trockene alphabetische Register zeigt die weite Verzweigung der Alliance, welche nicht nur als Wohlthäterin angegangen wird, wo Juden in ihrer Eigenschaft als Juden verfolgt werden, sondern die auch von Juden aller Länder als Vermittlerin ihrer Wohlthätigkeit gern in Anspruch genommen wird. Unter dem Buchstaben „A" werden so Städte aus Italien, Frankreich, Holland, Deutschland, Ungarn. Türkei, Egypten und Algerien aufgeführt. Bei „B" kommen noch Belgien, Schweiz, Amerika und Indien hinzu. Hier stehen Basel und Baltimore, neben Barr und Bayonne zwischen Bologna und Bordeaux. Der Buchstabe ,C", der mit Cstro beginnt, zählt zwischen Carpentras und den piemontesischen Casale das marokkanische Casablanca auf, und bringt hintereinander Colmar, Cöln, Constantinopel, Copenhagen und Cossonay. Im Buchstaben „T" verdienen besondere Erwähnung die nordafrikanischen Städte Tanger, Tetuan und Tunis, am meisten aber das palästinische Liberias. Die 108 Franken, die man von dieser armen Kleinstadt aus für die Nothleidenden von Kischenew an die Alliance gesendet hat, wie überhaupt die Beiträge aus dem Orient sind besonders erfreulich. Sie beweisen, daß durch das Erziehungswerk der Alliance Israelite der Gemeinsinn in den Kreisen unserer Glaubensgenoffen im Orient geweckt worden st, an dem es dort bisher fast völlig fehlte. Ein schwieriges Problem. Die ruffische Preffe beschäftigt sich mit der originellen und etwas sonderbar klingenden Frage, ob Rothschild ein — Jude ist. Bei der kürzlich in Baku stattgehabten Versteigerung der ärarischen Petroleum-Terrains von Bibi-Eibat trat auch das Pariser Haus Rothschild als Käufer auf und erwarb einige dieser Terrains. Die „Nowoje Wremja" und zahlreiche andere russische Journale fordern nun, daß dieser Kauf ungiltig erklärt werde, da den Juden im Kaukasus der Grundbesitzerwerb nicht gestattet ist und daher Rothschild als Jude die erwähnten Petroleumsterraius nicht kaufen durfte. Dem gegenüber vertreten die „Nowosti" und noch andere ruffische Blätter die Ansicht, daß den Kauf nicht Rothschild, sondern das Bankhaus Rothschild abgeschloffen hat und letzteres durchaus nickt als „Jude" angesehen werden kann. Wie die russische Regierung in dieser Frage entscheiden wird, ist nicht bekannt. Die armen Juden hängt sie. (»Jüdische Rundschau".) Jaffa. Vor Kurzem wurde vor dem hiesigen Assisengerichtshof ein Proceß verhandelt, welcher lange Zeit das Gesprächsthema der jüdischen Ackerbaucolonisten gebildet hat. Ein syrischer Katholik Namens Alfred Rock, der aus einer sehr reichen Familie in Jaffa stammt, hatte im October vorigen Jahres aus einem nichtigen Grunde einen jüdischen Ackerbauer Abramowitz getödtet, welcher in Rischon-Lezion, einer bei Jaffa gelegenen Colonie, wohnte. Auf Veranlassung der jüdischen Notabeln von Jerusalem befaßte sich der Assisengerichtshof mit dieser Affaire. Da der Angeklagte zur Verhandlung nicht erschienen war, wurde er in eontnmaeiam zu 15 Jahren Zwangsarbeit und zu 33,300 Piaster (ca. 6000 Mark) Geldstrafe, zahlbar an die Witwe Abramowitz, verurtheilt. Seine Güter, deren Werth sich auf 160.000 Mark beläuft, wurden confiscirt. Vermischtes. Kranzablösungsspeuden zu Gunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.» Seitenstettengaffe 4 für arme kranke Glaubensgenoffen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Berthold Kraus' Bon Dr. Josef u. Ada Gelber, I., Salvatorgaffe 6, X 20.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn kaiserlichen Ratles Hermann R o b i t s ch e k: Bon Herrn Alexander Brüll in Fiume X 20.—; von Herrn kaiserl. Rath Bernhard Pollak, I., Reichsratbsstraße 31, X 20.—; von Herrn Eduard n. Emma Weiß, Stockim-Eisenplatz 3—4, X 20.—; von Herrn Carl Hirsch, I., Ruprechtsstiege 1, X 30.—; von Herrn Sam. Bing, I., Ruprechtsstiege 1, X 20.—; von Herrn Dr. Alexander Bing, I., Ruprechtsstiege 1, X 20.—; von Herrn Robert Kolisch, IX.. Schlickplatz 4, X 20.—; von Herrn Alexander Scharf, IX., Kolingasse 20, X 20.—; von Herrn R. Latzko. IX., Kolingasse 20, X 20.—; von Herrn Hermann Hochsinger, I., Augustengasse 3, X 10.—; von Herrn Doctor Fritz Hochsinger, I., Augnstengaffe 3, X 60. -; zusammen X 260.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Sigmund Neustadl: Von Herrn Albert u. Frau Regine Winterberg X 20.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Eleonore K o h u : Von Familie Kohn, III., Kolonitzgasse 10, X 50.—. Wien. (Silberne Hochzeit.) Regierungsrath Dr. Heinrich Sieger und deffen Gemahlin I e a n n e begingen am 22. d. M. das Fest der silbernen Hochzeit im engsten Familienkreise. Der Familie sind aus diesem Anlasse zahlreiche Kundgebungen der Sympathie und Verehrung von Nah und Fern zugekommen. Wien. Sie haben in Ihrer jüngsten Nummer mitgetheitt, welch ganz hervorragende Erfolge ein junger Mann unserer Religion auf dem Gebiete des Schwimmsportes zu verzeichnen hat. indem er in einem förmlichen Siegesläufe alle großen Meisterschaften und ersten Preise errang, welche in dieser Saison ausgeschrieben waren. Aber nicht blos Leopold Mayer hat die Gleichwertigkeit der Leistungen jüdischer Jünglinge mit denen unserer arischen Mitbürger bekundet. Schon seit nahezu 10 Jahren sind es jüdische Namen, deren Träger im edlen Sporte des Schwimmens ganz Hervorragendes leisten und somit den Vorwurf unserer Gegner rechtfertigen, daß die Juden sich überall „verdrängen". um die Ersten zu sein. Die Namen Otto Wahle, I. Orlik. Ruberl, Kestler haben in der Welt des nassen Elementes einen sehr guten Klang auch außerhalb der Grenzen von Oesterreich. Den Ruf der Wiener Schwimmerschast haben hauptsächlich Juden im Auslande zu hohen Ehren gebracht. Erst kürzlich holte sich Ruberl, das Mitglied des Wiener Schwimmclubs „Austria", aus dem Baterlande des Sports, das uns sonst in allen Zweigen der körperlichen Uebungen weitaus überlegen ist. in England, in drei Schwimmconcurrenzen alle drei ersten Preise. Und so könnte man noch viele Namen und Erfolge aufzählen, wenn der knappe Raum es zuließe. Wien. (Zur Einweihung des neuen Tempels in der Josefstadt) bemerken wir noch nachträglich, daß die Grundsteinurkunde im classischen Hebräisch von Herrn I. Mintz verfaßt war. Unter den bei der Feierlichkeit anwesenden Mitgliedern des Cultusvorstandes befand sich auch Herr Cultusvorsteher Sigmund K a u d e r s. Wien. (Ablösung von Neujahrs-Gratulationen.) Als Ablösung für Neujahrswünsche sandten uns die Firma Wulkan & Neubrunn K 10.—, Herr kais. Rath Doctor Theodor Lieben. Secretär der israelitischen Cultusgemeinde, X 10.—. Herr Schildermaler David Schwarz X 2.— für die Chewra-Kadischa zu. Wien. Für die armen Juden in Kischenew find uns von Frau Oberingenieur Anna Hahn aus Prag X 5.— zugekommen. Wien. <Der letzte „Hofjud e".) Vorige Woche fand unter Betheiligung zahlreicher Trauergäste das Leichenbegängniß des Herrn Adolf K a r r a ch, des letzten „Hofjuden", statt, der kürzlich hier gestorben ist. Kar rach führte durch mehr als dreißig Jahre einen ausgebreiteten Handel mit abgelegten Kleidern und war in diesem Fache sozusagen Specialist. Er verlegte den Schwerpunkt seiner Thätigkeit auf den Handel mit abgelegten Officiersuniformen und Ansrüstungssorten. Kraft einer besonderen Erlaubniß von Se'te des Obersthofmeisteramtes hatte er in der Gardekaserne stets freien Zutritt ruck durste dort die abgelegten Uniformstücke, Mäntel, Epauletten, Säbek, Porteepees und Goldkragen aufkaufen, für die er wieder seine Abnehmer hatte. Er war der Einzige, der diese Begünstigung genoß, und seine Geschäftstätigkeit führte ihn auch vielfach in die Gebäude der? •:; -?