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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-25 · 39 (25.9.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 89 Dr. Mocb's MocbenscbrM, Seite 625 Die Excesse sind keine vereinzelte Erscheinung. Die amtlich geförderten Judengräuel in Rußland üben naturremäß auf die rohe Bauernbevölkerung in Ost- und Westgalizien ihre Rückwirkung. In'den letzten Wochen wurden zahlreiche Bauern des Rzeszower Bezirkes in strasgerichtliche Untersuchung gezogen, weil sie dort ein neues Kischenew anrichten wollten, und gleichzeitig mit den Zablotower Verfolgungen wurde auch eine Gährung unter der bäuerlichen Bevölkerung im Kolomeaer B zirke const ti t. Bei den Jahrmärkten von Kalaszkowec und Gwodziech ist es nur deshalb nicht zu Blutvergießen gekommen, weil die Behörden rasch und en rgisch eingegriffen haben. Ob ein innerer Zusammenhang zwischen all diesen Vorgängen, ob ein Central-Agitationsherd existirt, das ist gegenwärtig noch schwer zu bestimmen, wenngleich die Untersuchung in Zablotow bereits Anhaltspunkte für eine derartige Organisation gefunden haben will. Sicher aber ist das Eine, daß, wo immer die bäuerliche Bevölkerung Galiziens auf die Juden losgeht, sie dies nicht aus eigenem Antriebe thut, sondern daß Leute von der sogenannten „Intelligenz" den Anreiz und das Zeichen dazu geben. Der Kaiser hat in Chlopy sein entschiedenes Mißfallen über solche Excesse ausgesprochen und mit aller nur wüuschenswerthen Energie erklärt, daß er Ruhe und Ordnung haben wolle. Wie soll aber Ruhe und Frieden in ein Land einkehren, in welchem von dem Bezirkshauptmanne die bisher unwidersprochene Behauptung aufgestellt werden konnte, die er den sich beschwerenden Juden zugerufen hat: „Packt Euch zusammen und geht, wohin Ihr wollt, ich werde Euch nicht länger schützen", in welchem, wie dies in Zablotow von mehr als 40 Zeugen mit unzweifelhafter Bestimmtheit ausgesagt wird, ein k. k. Finanzwach-Obercommissär in Uniform und mit blankem Säbel sich an die Spitze der Excedenten stellen, dieselben haranguiren, mit ihnen in der thütlichen Mißhandlung und Plünderung der Juden gemeinsame Sache machen darf, ohne daß ihn sofort der Arm der Gerechtigkeit ereilt hätte. Ob die Aufreizung der Bauern von ruthenischer oder polnischer Seite erfolgt, ob die Juden geschlagen werden, weil sie sich in einen politischen Gegensatz zu der Majorität stellen, oder weil sie von ihren Bundesgenossen zeitweilig an ihre knechtische Stellung erinnert werden sollen, ist für die criminelle Beurtheiluug ganz und gar gleichgiltig. Die politische Seite der galizischen Judeusrage drängt gewiß mehr und mehr zur Entscheidung, aber mit brutaler Gewalt, mit Mord, Brand und Raub darf sie nicht gelöst werden und es ist die Pflicht der Staatsgewalt, mit allen ihr zur Verfügung stehenden Machtmitteln gegen eine solche Art der Lösung einzuschreiten. Die „Oesterreichis ch- Jsraelitische Union" hat zur genauen Erhebung des Thatbestandes ihren Secretär nach Zablotow entsendet und den Advocaten D r. S. L. S ch o r r zum Vertreter der Privatbetheiligten bestellt. Korrespondenzen. Aus der Plenarsitzung des Cultusvorstandes vom 16. September 1903 unter dem Vorsitze des Präsidenten kais. Rath Klinger. Der Präsident begrüßt die von ihren Sommerurlauben rückgekehrten zahlreich anwesenden Vorstandsmitglieder, indem er auf die mannigfachen der Erledigung harrenden Aufgaben hinweist, mit denen der Vorstand sich in der nächsten Zeit zu beschäftigen haben wird. An Spenden werden bekanntgegeben: Von Frau Erna von Mises: Für den Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeinde . . . . X i00.— „ den Theresien-Kreuzerverein.. 100.— „ das israelitische Blindeninstitut ...... 100.— Für den israelitischen Frauen-Wohlthätigkeitsverein „Frauenhort".K 100.— „ das israelitische Taubstummen-Jnstitut . „ 100.— K 500.— Von Frau Anna von Redlich für wohlthätige Zwecke „ 500.- zur Vertheiung nach Ermessen des Herrn Präsidenten kais. Rath Klinger, welcher hierüber nachstehende Verfügungen getroffen hat: Armenanstalt. .... X 200.— Zur Vertheilung durch das Präsidium...» 150.— Wöchnerinnen-Verband.. 100.— Frauenhort . ... . „ 50.— Von Herrn L. Brettauer für Arme.„ 500.— „ Herrn Dr. Josef Stern als Erbenvertreter nach dem sel. Herrn Leopold Stern für das israelitische Versorgungshans . ,, 400.— „ Herrn Dr. Isidor Lederer für humanitäre Zwecke . . „ 400.— „ Herrn Arnold Fröhlich für verschiedene Wohlthätigkeitsvereine. 250.— „ Herrn kais. Rath Naumann Schefftel: Für die Armenanstalt ........ X 100.— „ arme Bräute.. ltO.— „ 200.— „ Herren Samuel Taussig & Söhne für die Opfer von Kischenew. 500.— „ Herrn Stabsarzt Dr. Fischer für Arme.. 30.— „ Herrn Hermann Trinz für Arme.. 20. - „ Else Sch., für Arme. 2.50 f „ Herrn Doro Stein ein Krankenfahrstuhl im Werthe von „ 200.— für das israelitische Versorgungshaus. Aus den zur Verlesung gelangenden Einläufen seien hervorgehoben : Ein Glückwunschtelegramm des k. u. k. österr.-ungar. Konsulates in Jerusalem und des Lehrkörpers der Laemel- Schule daselbst anläßlich der Einweihung des Neubaues der Schule, für welche von dem Gründer Ignaz Edler von Laemel s. A. eine Stiftung bei der Wiener israelitischen Cultusgemeinde errichtet wurde. Weiters eine Zuschrift des kais. Ruthes Wilhelm, mit welcher derselbe erklärt, die Berufung in den Bethausvorstand dankend anzunehmen. Im Präfidialberichte bringt der Präsident zur Kenntniß, daß die neuernannten Herren Rabbiner Dr. Feuchtwang und Dr. Grunwald ihre Functionen bereits angetreten haben und die Einführung derselben in ihr Amt durch die Bethausvorstände in feierlicher Weise erfolgt ist. Was Herrn Rabbiner Dr. David anlangt, sei zu bemerken, daß der officielle Amtsantritt als Gemeinderabbiner mit Rücksicht auf die bisher noch nicht erlangte österreichische Staatsbürgerschaft des Herrn Rabbiners einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten bleiben müffe. Der Präsident erwähnt weiters der am 15. d. M. erfolgten feierlichen Einweihung der neuerbauten Synagoge des Josefstädter Tempelvereines, bei welcher fast sämmtliche Mitglieder des Cultusvorstandes anwesend waren. Das herrliche Gotteshaus, ein Meisterwerk des Vorstandsmitgliedes Herrn ArchitektenMox Fleischer, dasfichden früheren Schöpfungendr sselben würdig anreiht, sei ein neuerliches Zeichen der Opferwilligkeit unserer Glaubensgenoffen und zweifellos bestimmt, eine erhebende Stätte der Andacht in unserer Gemeinde zu sein. Endlich gibt der Präsident eine Uebersicht über die Caffabewegung der Cultusgemeinde in den abgelaufenen acht Monaten unter Vergleichung der diesbezüglichen Ziffern des Vorjahres. Hierauf werden die seit der letzten Plenarsitzung erfolgten Stiftungsverleihungen zur Kenntniß gebracht, und zwar: Die Dr. Adolf und Emanuel Stern-Stiftung an einen Rigorosanten der Medicin im Betrage von X 216.—. Die L. G. Goldstein-Ausstattungsstiftung an ein armes Mädchen im Betrage X 280.—. Die Albert Gansl-Widmung an 11 Arme im Betrage von zusammen X 390.—. Die Salomon Altmann-Stiftung an zwei gänzlich verwaiste Kinder im Betrage von zusammen X 120.—. Die Nathan und Jda Figdor-Widmung an eine arme Wöchnerin im Betrage von X 16.—. Die Hermann Kohnberger-Stiftung an zwei Arme im Betrage von je X 19.—. Die Betty Horsetzky-Stiftung an zwei Arme im Betrage von je X 8.40. Die Heinrich Krall-Stiftung an 10 kranke Männer im Betrage von je X 40.-. Die Andreas Feigl-Stiftung an acht Witwen im Betrage von je X 103.-. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildet die nachträgliche Genehmigung der vom Vertreter-Collegium während der Sommermonate im Sinne des § 20 des Statutes gefaßten Beschlüffe in nachfolgenden unaufschiebbaren Angelegenheiten:

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