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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-25 · 39 (25.9.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Rr. 39 Dr. Wlocb's Mlocbenscbrttr. Seite 624 Die Errefle von Zat>loto»v. Ueber die blutigen Judenexceffe, deren Schauplatz am 11. d. M. das kleine Städtchen Zablotow im Bezirke Snyatin war, erhalten wir folgende authentische Mittheilungen: Am 11. September fand in Zablotow Jahrmarkt statt, zu welchem sich 5—6000 Bauern aus dem ganzen Bezirke eiugefunden hatten. Im Laufe des Nachmittags kam es zwischen dem 64jährigen jüdischen Lederhändler Salomon Dulberg und einem Bauer, dessen Namen nicht eruirt werden konnte, zu einem Marktstreite. Der Bauer versetzte dem Händler mehrere Stöße vor die Brust, die dieser abwehrte, worauf sich ersterer mit der Drohung entfernte: „Ich werde Dir schon zeigen!" Kurze Zeit darauf entstand vor dem Hause Dulberg's ein Auflauf, und als Dulberg von seinem Marktstande in's Haus eilte, fand er seine Wohnung mit vielen Hundert Bauern erfüllt, welche ihm erregt zuriefen: „Wo ist die abgeschlachtete Bäuerin?" Als Salomon Dulberg erklärte, daß er von einer solchen nichts wisse, durchsuchten die Bauern das ganze Haus, nahmen sodann Dulberg in ihrer Mitte, schleppten ihn auf die Straße und hieben dort mit Knütteln unausgesetzt auf den Greis ein. Der Haufe setzte sich nach dem Bezirksgericht in Bewegung. Auf dem Wege dahin wurde Dulberg derart geprügelt und auf dem Boden geschleift, daß er das Bewußtsein verlor und gewiß sein Leben eingebüßt hätte, wenn nicht im kritischesten Augenblicke die herbeieilende Gendarmerie auf den Bauernhaufen gestoßen wäre, dem sie den Halbtodten entriß und in die Räume des Bezirksgerichtes brachte. Der im Hause des Salomon Dulberg arbeitende Houigmacher Aba E i s e n b e r g stürzte, als der Lärm begann, aus seiner im Hofe befindlichen Werkstätte. Sofort warf sich ein anderer Hause von Bauern auf ihn mit den Worten: „Dieser Jude hat die Bäuerin geschlachtet!" Aba Eisenberg entfloh aus dem Hause Dulberg's, versteckte sich in dem benachbarten Hause des Eisenhändlers Jupiter unter einer Bank in der Kammer und bedeckte sich mit einem Strohsack und mit Bettkissen. Die Bauern stürmten ihm nach, au ihrer Spitze, wie Aba Eisenberg und andere Zeugen mit Bestimmtheit aussagen, der Finanzwach-Oberaufseher Eduard Skalski inUniform, der die Bauern unausgesetzt haranguirte und mit blankem Säbel in den Strohsack und in andere Gegenstände hiueinstach, um Eisenberg ausfindig zu machen. Da sie Aba Eisenberg nicht fanden, euttrugen die Bauern aus dem Geschäfte des Jupiter eine Anzahl Eisenstangen und auch eine schwere Brechstange, zertrümmerten Fenster und Thüren und setzten nun das Zerstöruugswerk auch an anderen Orten fort. Die Menge wälzte sich zu dem Hause des Schusters Leiser Burg, bei welchem der Schuhmachergehilfe Rachmil N i e r aus Sadagora arbeitete. Nach den Berichten der Augenzeugen waren es hier viele Hunderte von Bauern, welche mit Eisenstangen, Prügeln und auch einer Heugabel eiudrangeu, nachdem sie das Haus mit Steinen in der Größe eines Kindskopfs bombardirt hatten. Auch hier stellte sich der Finanzwach-Oberaufseher Skalski und mit ihm der Gemischtwaarenhändler Michael Krzywiecki an die Spitze der Excedenten. Es wird erzählt, daß insbesondere Skalski mit blankem Säbel auf den Tisch sprang und den Bauern zurief: „Bejte!“ („S chlägt zu!") und daß Krzywiecki dem Rachmil Nier mit der Faust Stöße in die Brust versetzte. Schon vorher hatte Skalski auch im Hause des Leiser Burg nach Aba Eisenberg gesucht, indem er mit dem Säbel die Strohsäcke durchstach. Als Rachmil Nier sich angstvoll hinter dem Tische versteckt hatte, auf welchem Skalski stand, und diesem zurief: „Herr Oberaufseher! Man schlägt mich todt!", rief Skalski: „Kusch! Oder ich fetze dich durch!" Rachmil Nier wurde schwer verwundet und entging nur dadurch dem Tode, daß im kritischesten Augenblicke der Gemeindesecretär Karl Hübscher erschien, welcher Rachmil Nier für verhaftet erklärte und in's Gemeindeamt abführen ließ. Ein anderer Bauernhause war mittlerweile.auf dem Marktplatze dem Occonomiepächter Jüdel Karpel ans Jlincze begegnet. Auch er wurde durch Stcckhiebe fürchterlich zugerichtet. Ein Bauer versetzte ihm mit einer Heugabel einen Stich unter das linke Auge, man warf ihn zu Boden, trat ihn mit Füßen und schlug ihm sämmtliche Zähne des Oberkiefers aus. . Der 18jährige Schuhmachergehilfe Mordko Burg war im Begriffe; vom Viehmarkt nach Hause zu gehen, wo er ein Paar Stiefel verkauft hatte. Da sah er einen Bauernhaufen sich entgegenkommen, blieb verblüfft stehen und bekam von rückwärts mit einem eisenbeschlagenen Stück Holz, das als Wagenstütze dient, einen furchtbaren Hieb über den Kopf. Er wendete sich um und erkannte den Gemischtwaarenhändler Krzywiecki, welcher noch das bezeichnete Holzstück in der Hand hielt. Mordko Burg umfaßte den Krzywiecki mit beiden Händen und fragte ihn: „Habe ich Ihnen denn je etwas Schlechtes gethan?" Darauf erhielt er von dem Finanzwach- Oberaufseher Skalski mit dem versorgten Säbel einen Hieb über die Schulter und Skalski rief den Bauern zu: „Schlagt diesen Juden todt! Er hat die Bäuerin geschlachtet!" Nun regnete es Hiebe auf Mordko Burg, der zeitweilig das Bewußtsein verlor. Die wüthende Menge schleppte ihn an den Mühlbach, stieß ihn von dem hohen Ufer in's Wasser hinab und bewarf ihn mit Steinen. Einige Bauern sprangen ihm in's Wasser nach und tauchten ihn mehrere Male unter. Als sie in der Meinung, daß er schon todt sei, von ihm abließen, erhob er sich im Wasser, sah zwei bekannte Bauern und rief ihnen zu: „Rettet mich, Ihr kennt mich ja!" Als diese ihm beistehen wollten, stürzten die Bauern wieder heran, verhinderten die Beiden an der Rettung und schlugen neuerdings auf Mordko Burg los. Burg flüchtete sich nun in das nahestehende Häuschen, wo die Markt certificate ausgefertigt werden, und versteckte sich unter einem Tische. Die Bauern rissen die Fenster aus, drangen in das Haus ein und schleppten den Mordko Burg wieder zum Mühlbach In diesem Augenblicke kam der Gerichtsdiener Karl Karlicz, erkannte den Mordko Burg und wehrte die Bauern von dem Halbtodten ab. Zwei Stadtpolizisten, deren Vornamen Michails und Onufry lauten, trugen das furchtbar zugerichtete Opfer in das Haus des Leiser Burg. Der Schädel Mordko Burg's ist an elf Stellen durchlöchert und es ist ein wahres Wunder, daß derselbe bisher mit dem Leben davongekommen ist. An seinem Aufkommen wird noch immer gezweifelt. In vielen Judenhäusern wurden Fenster und Thüren eiugeschlagen, Hab und Gut entwendet und an 30—40 Juden trugen schwere und leichte Verletzungen davon. Der materielle Schaden beläuft sich auf circa 8000 Kronen. Die Excesse dauerten ungefähr eine Stunde, da die Gendarmerie weit außerhalb der Stadt kasernirt ist und erst spät auf dem Schauplatze der Unruhen erschien. Die drei Gendarmen haben jedoch voll und ganz ihre Pflicht gethan und insbesondere hat der Postenführer, Titularwachtmeister Johann Or czech, in geradezu heldenmüthiger Weise sich allein der wüthenden Menge enkAgengestellt und theils durch gütliches Zureden, theils durch energische und zugleich besonnene Gewaltanwendung die Bauern zum Abzüge bewogen und so ernsteres Unheil verhütet. Ebenso verdient das tapfere und zugleich besonnene Verhalten des Gemeindestcretärs Karl Hübscher uneingeschränktes Lob. Es wurden siebzehn Bauern verhaftet, allein die beiden Personen, welche von zahlreichen durchaus glaubwürdigen Zeugen und namentlich von dem bereits eidlich einvernommenen Mordko Burg als die intellectuellen Urheber und Rädelsführer des Excesses bezeichnet werden, der Finanzwach-Oberaufseher Skalski und der Gemischtwaarenhändler Krzywiecki, sind noch immer auf freiem Fuß und verkehren ungehindert mit allen Amtspersonen.

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