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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-25 · 39 (25.9.1903) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
39 (25.9.1903)
Date
1903-09-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Llocb's TKHocbenscbritt Seite 621 Straßen. Die Häuser an der Techniker-, Wind- und Nowakowskystraße wurden ausgeplündert, und als sich die Juden in Bewegung setzten, um den Plünderern entgegenzutreten, wurden sie von dem Militär zurückgetrieben. Es fanden also auch hier in Homel Plünderungen und Dewolirungen unter directem Schutze des Militärs statt, während der Polizeimeister und der Jsprawnik (Landrath), sowie die gesammte Polizeimannschaft auf den Straßen nicht zu sehen waren. Da die Juden sich nicht thatlos ausplündern lassen wollten, so gab es auf beiden Seiten Todte und Verwundete. Die Zahl ist keine sehr große, aber ich glaube doch, daß etwa ein Dutzend Juden und ein Dutzend Christen bei der Revolte gefallen sein werden. Das Charakteristische für einen Westeuropäer ist auch in diesem Falle, daß die Staatsbehörden die Plünderungen, genau wie es zur Zeit Jgnatiew's gewesen ist, patronisirt haben und jene, die sich zur Wehr setzten, mit Kolbenstoßen und Schüssen an der Selbstvertheidigung hinderten. Es unterliegt für mich nicht dem geringsten Zweifel, daß. wenn die Behörden gewollt hätten, mit derselben Schnelligkeit wie am Freitag auch am Montag jede größere Gewaltthätigkeit unterdrückt worden wäre. Die Polizei hat sich am Freitag tadellos benommen, soweit ich es beurtheilen kann. Für die Sceuen am Montag, wobei wiederum gegen 200 Buden and Verkaufslocale der ärmsten jüdischen Bevölkerung zerstört worden sind, ist das Militär verantwortlich, und daß es nur auf höheren Befehl gehandelt hat, ist ja für den, der russische Verhältnisse kennt, selbstverständlich." Einem Privatschreiben entnehmen wir folgende Stelle: Als die Juden sich gesammelt, bereit für ihre Brüder in den Kampf zu gehen, sind plötzlich Soldaten aus allen Ecken hervorgekomwen und ließen die Juden nicht in die Straßen, wo man plünderte; die Soldaten schlugen die Juden und arretirten sehr viele, alle jüngeren Leute.... Der Pöbel raubte und plünderte mit der größten Energie lustig und frei. Die Patrouille stand ruhig dabei So plünderte man aus die Technikerstraße, die Windstraße und Nowakowskistraße. Die Patrouille ließ Niemanden durch, außer die Plünderer. Als die Juden durch eine Winkelgasse durchgehen wollten, um den mißhandelten Brüdern zu helfen, bemerkten die Patrouillen diesen Hilfsversuch und schossen auf die Juden los.... Sechs Juden fielen todt für ihre Brüder. Dagegen sucht Herr von P l e h w e die Juden als die Schuldtragenden darzustellen. So meldet der »Regierungsbote" im nichtamtlichen Theile: In Homel, Gouvernement Mohilew, entwickelte sich am 11. d. M. im Bazar aus einem Streite zwischen einem Bauern und einem jüdischen Händler eine erbitterte Schlägerei zwischen Juden und Russen. Als die Polizei die Ordnung wiederherstellen wollte, warfen die Juden mit Steinen auf dieselbe. Auch wurde aus ihrer Mitte ein Revolverschuß abgefeuert, worauf die Polizisten mit Schöffen in die Luft antworteten. Bei der Prügelei wurde ein Ruffe von einem Juden durch einen Messerstich in den Leib tödtlich verletzt. Ein Jude und sieben andere Personen trugen leichte Verletzungen davon. Am 14. d. M. wiederholten sich die Unruhen. Russische Arbeiter fingen aus Rache für eine ihnen am 11. d. M. zugefügte Kränkung an, im Judenviertel Buden zu zerstören. Bei dem Zusammenstöße mit den Juden wurden auf beiden Seiten etwa 20 Personen verwundet. Als Truppen erschienen, wurden sie von den Juden mit Schüssen empfangen. Infolge dessen mußte von der Feuerwaffe Gebrauch gemacht werden. Tags darauf veröffentlichte der amtliche russische »Regierungsbote" einen Bericht aus Homel im Gouvernement Mohilew, der, in merkwürdigem Widerspruch mit allen Nachrichten, welche bisher über die Excesse der Juden bekannt geworden sind, die Juden wiederum als den schuldtragenden Theil hinstellt. Der merkwürdige Bericht lautet: »Beiden Unruhen in Homel am 14. d. M. setzten mit Meffern, Dolchen, Wurfkugeln und Revolvern bewaffnete Juden dem Militär, als dieses einer Prügelei zwischen ihnen und Christen Einhalt thun wollte, Widerstand entgegen. Die Juden schossen aus den Häusern und hinter Bäumen auf die Soldaten. Ein Feldwebel, der einen schießenden Juden festnehmen wollte, wurde von einem anderen Juden durch einen Messerstich am Halse verwundet. Das Militär hält die Ruhe aufrecht. Officiere und Justizbeamte bezeichnen die Haltung des Polizeimeisters bei der Unterdrückung der Unruhen als tadellos. Nur den Anordnungen der Polizei sei es zu verdanken, daß die Unruhen auf einen verhältnismäßig unbedeutenden Kreis beschränkt blieben. Die Ursache der Unruhen sei nach der Ueberzeugung der gutgesinnten Bevölkerung in der äußerst feindseligen und herausfordernden Haltung der Juden gegen die christliche Bevölkerung zu suchen." So schreibt natürlich auch die »Nowvje Wremja": »Der schonungslose, an Raserei grenzende Haß der Juden gegen die christliche Bevölkerung bildet den kennzeichnenden Charakter und das Wesen aller jüdischen Ruhestörungen." Der Berliner „Tägl. Rundschau" schreibt man aus Petersburg: „Plehwe ist fest entschlossen, den Juden die Mittel und Wege abzuschneiden, es sich in ihrer Art im Lande bequem zu machen." Zur Linderung der Nothlage dieser Unglücklichen hat der »Hilfsverein deutscher Juden" einen namhaften Betrag gewidmet. Eine Enthüllung über das Blutbad in Kischenew. Man schreibt uns aus Petersburg vom 8. September: Die Nachforschungen und Haussuchungen bei den Anstiftern des Kischenewer Ueberfalles führten zu der wichtigen Entdeckung eines Dokuments, dessen eifrige Unterdrückung im Ministerinm des Innern den schon ursprünglich aufgetauchten Verdacht bestärkte, daß die Mordscenen von Kischenew als Ablenkung von politischen Wirren nicht ganz ohne Wissen der Geistlichkeit und der Regierungsverwaltung vorbereitet wurden. Das Document stellt einen hektographirten Aufruf dar, der in Kischenew am Vorabend des Opferfestes vertheilt wurde und nachstehenden Inhalt hat: »Brüder und Mitchristen! Es naht der große Tag unseres Herrn Jesu Christi. Bor vielen, vielen Jahren hat unser Heiland, der von den Juden gequält wurde, mit seinem Blute unsere Sünden gebüßt und uns erlöst. Die schändlichen Juden geben sich jedoch noch nicht zufrieden mit dem Blute, das unser Heiland für sie vergossen hat. Alljährlich vergießen sie aufs Neue unschuldig christliches Blut, das sie für ihre Gebräuche anwenden. Habt Ihr es gehört, daß sie in Duboffary einen Christenknaben um gebracht und ihm das Blut abgezapft haben? Das ist wahr! Die Regierung weiß es längst, aber sie wollte es nicht bekannt machen. Dasselbe trug sich aber neulich in Kiew zu, wo ein unschuldiger christlicher Junge sein Blut lassen mußte und todt auf die Straße geworfen wurde. Jetzt, da wir uns anschicken, der Leiden Christi zu gedenken, trinken die Juden christliches Blut. Die Juden lassen verschiedene Proclamationen drucken, um das Volk gegen die Regierung, ja sogar gegen unseren Herrscher aufzureizen. Er weiß, was das für ein verlogenes, verdammtes, geldgieriges Volk ist und gibt ihnen daher keine Freiheit. Sie wollen fich diese erobern, und benützen die allgemeine Aufregung dazu. Hat der Jude aber erst den Willen, so unterwirft er sich unser heiliges Rußland, nimmt Alles, und dann gibt es kein Rußland mehr, sondern nur noch ein Judenland! Im Namen unseres Heilandes, der sein Blut für uns vergossen, im Namen unseres erhabenen Czar-Väterchens, der für sein Volk sorgt, bitten wir Euch, an unserem Großen Feste mit uns einzustimmen in den Ruf: »Nieder mit den Juden!" Erinnert Euch der Judenhetze in Odessa, wo selbst das Militär dem Volke geholfen hat! Auch jetzt wird das christlich-russische Heer uns beistehen! Helfet uns, Brüder! Schlagt sie nieder! Wir find schon viele an der Zahl. Die Partei der wahren, christlichen Arbeiter." Es bleibt höchst bezeichnend, daß ein ruffischer Arbeiterverein zu einem blutigen Unternehmen mit vollster Sicherheit auf den Beistand des Militärs zu rechnen sich erdreistete. Dieser Beistand erfolgte ja auch bekanntlich durch die Passivität des Militärs, dem keine Ordre zuging, den Aufstand zu unterdrücken. Vom Znbrmarkt des Lebens. Nach 25 Jahren. Erinnerungen an die Occupation Bosniens und der Herzegowina, 1878. Jetzt, wo die Bierteljahrhundertswende des denkwürdigen bosnischen Feldzuges gefeiert, Monumente für die Tapfern, die ihr Leben auf dem Altäre des Vaterlandes geopfert, errichtet werden, wo die Mitglieder der verschiedensten Vereinigungen, Hunderte von Meilen zurücklegen, um, wenn auch nur für Momente, den blutgetränkten Boden wieder zu betreten, auf den Grabeshügeln der gefallenen Kameraden im pietätvollen Gedenken den heißen Zähren freien Lauf zu lassen, — wird man wohl begreifen, daß bei so Manchem Reminiscenzen auftauchen und Rückerinnerungen wachgerufen werden an jene ernsten und schweren Tage. Nicht dem wackeren Verhalten unserer Truppen, der mitgemachten Strapazen und Entbehrungen will ich Erwähnung thun. Meine Erinnerungen find vielmehr persönlicher Natur und

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