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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-18 · 38 (18.9.1903) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 608 Dr. Llocb's MocbenscbrM, Nr. 88 Juden, die in Oesterreich Hausirer und Händler sind, bekommen in Unqarn hohe öffentliche Würden, und deshalb Z bekämpfen sie Oesterreich. Das, was die Ungarn verlangen, wird ihnen niemals bewilligt. Weil man jedoch mit den Ungarn im Guten nichts ausrichten kann, werden wir bald scharf gegen sie Vorgehen müssen. Wir werden nach Ungarn einmaschiren und die Leute dort gut durchprügeln, dann werden die erst Ruhe geben! Deshalb seid jeden Augenblick darauf vorbereitet, daß wir nach Ungarn gehen und uns dort schlagen ^werden. Und sollte es zur Schlacht kommen, dann sollt ihr es euch merken, daß die Juden es verschuldet haben! Diese Ansprache blieb nicht ohne Wirkung. Auf dem Heimwege von den Uebungen bedrohten die Soldaten die Juden, die sie unterwegs trafen, wie auch ihre eigenen jüdischen Kameraden. Ein blutjunger Cadett bei der nämlichen Compagnie, Namens Pischek, beschimpfte dabei die jüdischen Reservisten aufs gröblichste. Wie«. Ein schwimmsportliches Ereigniß von ganz besonderer Bedeutung hat sich in den jüngsten Wochen hier zugetragen und verdient es wohl, unseren Lesern mitgetheilt zu werden. Die höchsten Ehren, welche auf diesem Gebiete überhaupt errungen werden können, hat ein 18jähriger jüdischer Gymnasiast eingeheimst, indem er (allerdings nach ausdauerndem und systematischem dreijährigen Training) innerhalb eines Zeitraumes von nicht ganz drei Wochen vier goldene Meisterschaftsmedaillen und einen Kaiserpreis gewann. Am 23. August fand auf der Strecke Klosterneuburg—Wien die vom Oesterreichischen Schwimmsport-Ausschuffe veranstaltete Donaumeisterschaft über 9 Kilometer statt. Den Meistertitel in diesem Schwimmen errang im glänzendsten Stile Leopold Mayer; aber auch der zweite und dritte Platz war von jung-n Männern besetzt, welche unsere Glaubensgenossen sind : Grza K e st l e r und Heinrich Blau sind ihre Namen. Miletta, welcher durch vier Jahre unbefi^gtcr Meister im Donauschwimmen gewesen, hatte nach kurzer Zeit den aussichtslosen Kampf aufgegeben, die anderen Concurrenten kam--n für den ersten Platz nicht in Betracht. Am 29. August wurde in der k. k. Militär-Schwimmanstatt Wien die Meisterschaft von Oesterreich über die englische Meile (1609 Meter) ausgetragen. Wieder errang Leopold Mayer den ersten Platz, fein einziger ernster Cvncurrent. der Ungar Ms, gab schon nach einigen Längen auf. Dasselbe Resultat hatte die Meisterschaft von Europa, welche ebendaselbst am 30. August in dem Internationalen Wettschwimm - Meeting des Wiener Amateur- Schwimmclub zur Austragung gelangte. Leopold Mayer war überlegener Sieger und errang damit den Meistertitel von Europa. Am 7. S ptember holte sich derselbe den ersten Preis der in Abbazia ausgeschriebenen Meisterschaft im Salzwasser und am darauffolgenden Tag, den 8. September, gleichfalls in Abbazia den Kaiser preis. Vivat sequens! Wien. (Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender auf dem Lande) Die große Heilanstalt Alland wird zu eng, um alle hilfesuchenden, den Todeskeim in sich tragenden Brustkranken zu bergen, und die Commune Wien plant deshalb die Errichtung eines neuen, großen Tuberculosen-Heims. Da Stadt und Land materielle Opfer bringen werden, ist an das Zustandekommen dieses Projektes nicht zu zweifeln. Der einzige jüdische „Verein zur unentgeltlichen Verpflegung armer Brustleidender auf dem Lande" setzt schon seit vielen Jahren alle Mittel in Bewegung, um seinen Kranken auch ein eigenes, nach den Grundsätzen der modernen Hygiene eingerichtetes Heim zu schaffen, ohne daß es ihm bisher geglückt wäre, das erforderliche Capital zusammenzubringen. Dieser seit 33 Jahren bestehende Verein ist eben einzig und allein auf private jüdische Wohlthätigkeit angewiesen, und es ist eine betrübende. aber nicht zu leugnende Thatsache, daß seine Institution, die sich die große Aufgabe gestellt hatarme jüdische Brustleidende in wohlthuender Landluft zu kräftigen und deren Wiedergenesung und Arbeitsfähigkeit zu ermöglichen, in den Kreisen der begüterten jüdischen Bevölkerung leider nicht jene Würdigung und Theilnahme findet, die ihm dank seiner heilbringenden Thätigkeit von rechtswegen zukäme. Wäre es denn sonst möglich, daß die seit vielen Jahren eifrigst betriebenen Bestrebungen der Bereinsleitung den zur Errichtung des Asyls bestimmten Fond noch immer nicht auf jene Höhe gebracht haben, die die Verwirklichung des Bauprojectes zuläßt! Wäre es bei einer regeren Betheiligung der jüdischen Bevölkerung möglich, daß die Einnahmen des Vereines abnehmen und die Bereinsleitung bemüssigt ist, wiewohl die Zahl der hilfesuchenden Brustkranken in fortwährender Zunahme ist, ihre segensreiche Wirksamkeit einzuschränken und Hunderte von Petenten schweren Herzens abzuweisen, diese armen Unglücklichen dem Siechthum, nicht selten dem unerbittlichen Tode preiszugeben! Wollten doch alle Glücklichen und Reichen, die in der Fülle des Wohlstandes und der Gesundheit das Mitgefühl für ihre armen und kranken Mitmenschen nicht eingebüßt haben, jeder sein Scherflein beitragen, dann würde die tiefbeschämende Thatsache aus der Welt geschafft werden, daß alljährlich Hunderte arme Glaubensgenossen hilflos an Tuberculose zu Grunde gehen, dann würde der Bau bald erstehen, der Unglücklichen Heil und Allen, die zu seiner Ermöglichung beitrugen, Ehre und Anerkennung bringen wird. In allen Bethäusern Wiens steht der Name des Vereines auf der Spendentafel, möge Jeder, der an den kommenden Feiertagen die israelitischen Wohlthätigkeits-Jnstitute fördern will, auch des Brustkranken-Bereines gedenken! Znaim. Sehr geehrter Herr Redacteur! Zu den Schlußsätzen des Artikels „Erinnerungen an Moritz Lazarus" sei mir gestattet. Folgendes zu bemerken: Das es Noth in der Welt gibt, damit die Freude des Wohlthuns dem Menschen gewährt sei; daß ferner „der Helfende für die Gabe, die er gibt, mehr, und inniger zu danken hat, als der, dem geholfen wird", sind altrabbinische und nicht echte Lazarus-Gedanken. Den Rabbi Akiba fragte Turnus Rufus: Wenn Euer Gott die Armen liebt, warum läßt er sie Noth leiden? — Damit wir durch sie von der Hölle erlöst werden, gab Rabbi Akiba zur Antwort. (Baba bathra 10a). Gott schuf Arme und Reiche, damit sie einander beglücken sollen (Wajikra rab. 34). Mehr noch als der Hausherr (m>3) an den Armen Ihut, thut der Arme an dem Hausherrn, denn so heißt es: der Name des Mannes, an dem ich heute (Gutes) gethan habe, ist Boas (Ruth 2, 19.). — Freilich wird Lazarus' Verdienst dadurch nicht geschmälert, daß er sich diese echt rabbinischen Gedanken zu eigen gemacht hat! Dr. I. Kahan. Budapest. Verschiedene Blätter erzählen das' folgende Geich ichtchen: Als sich zum Beginn des Sommers Kaiser Franz Joseph in der Hofburg zu Ofen aufhielt, meldete sich daselbst Frau Witwe Adolf Duschanek aus Szegedin zur Audienz. Sie schilderte ihre Familienverhältnisse. Sie sei die verarmte Witwe eines Grundbesitzers und habe einen einzigen Sohn, der mit Auszeichnung das Obergymnasium absolvirt und eine unüberwindbare Neigung zum Militärstande habe. Sie bat um die Aufnahme ihres Sohnes in eine Militärakademie. Als der König schweigend diese Bitte anhöcte, bemerkte die Frau schüchtern: „Mein Sohn ist Jude; wenn es aber nothwendig ist, wird er auch zum Christenthum übertreten." „Nicht nothwendig", erwiderte der König huldvoll, „wenn er eine so große Neigung für die militärische Laufbahn empfindet, wird er in eine militärische Akademie ausgenommen werden, ohne daß er den Glauben seiner Väter verleugnen müßte." Bald darauf erhielt Frau Duschanek aus der Wiener Cabinetskanzlei die Verständigung, daß ihr Sohn vollständig gebührenfrei in die Budapester Honved-Akademie aufgerommen ist. Czernowitz. (Ein Ehrentag für den Herrn Doctor Benno Strauch er*). Am Sonntag den 6. September d. I. gab es für unseren verehrten Bice-Präsidenten der Czernowitzer Jsraeliten-Gemeinde, dem Reichsraths- und Landtags-Abgeordneten, Gemeinderath, Stadtanwalt rc. Herrn Dr. Benno Straucher, einen seltenen Ehrentag. Um die Mittagsstunde wurde im festlich decorirten großen Sitzungssaals des Cullusrathes ein schönes Oel-Porträt dieses unseres Volksvertreters enthüllt und vom Präsidenten unserer Israeliten, dem kaiserlichen Rathe Herrn Naftali Tittinger, namens der Cultusgemeinde in die Obhut genommen. Das Bildniß wurde von einem Privat- Cornitö gewidmet, an dessen Spitze der städtische Ober- Ingenieur Herr M. Birkenthal und der Advocat Herr Doctor Leiter standen. Anläßlich dieser Enthüllungsfeier wurden viele erhebende Reden gehalten, in denen Herr Dr. Straucher ob seiner muthigen Kämpfe für das Judenthum gebührend gefeiert wurde; dasselbe geschah an dem am Abende des Festtages stattgefundenen Fest-Bankette. Es ist selbstverständlich, daß bei diesem *) Durch Zufall^verspätet.

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