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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-18 · 38 (18.9.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
38 (18.9.1903)
Date
1903-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Blocb’s MocbenscbrM. Sette 607 zu Boden fiel und die Aerzte an seinem Aufkommen zweifeln. Zwei Juden wurden tödtlich verletzt, mehrere schwer und viele leicht verwundet. Die Gendarmerie war nicht bei der Hand, fie mußte erst requirirt werden; es kamen ein Wachtmeister und drei Gendarmen, die einer tausendköpfigen Menge gegenüber sehr wenig ausrichten konnten. Die Landbevölkerung des ganzen Kolomeaer Bezirkes ist in großer socialer Erregung. Nach der Judenh-tze in Zablotow haben die Bauern eine zweite Judenhetze in Kalaczkowec, gleichfalls im Kolomeaer Bezirke, organisirt, die für den am 14. d. M. stattfindenden Jahrmarkt geplant war. Die Bauern von Kalaczkowec begannen aber die Hetze schon Samstag. Es gelang der Gendarmerie, den Exceß zu unterdrücken. Es wurden blos drei jüdische Häuser geplündert. Die Bezirkshauptmannschaft hat für den Jahrmarkt nach Kalaczkowec einen Bezirkscommifsär mit einer Abtheilung Gendarmerie von Kolomea gesendet, und man hofft damit einer Gefahr gesteuert zu haben. Die in jüngster Zeit in den ruthenischen Landgemeinden organisirten Sokolvereine tragen zu der Erregung der Bauern sehr viel bei. Lemberg, 14. September. (D ie Excesse gegen die Juden in Zablotow.) Die blutigen, gegen die jüdische Bevölkerung in Zablotow gerichteten Excesse nehmen die Aufmerksamkeit der politischen Kreise auf das Ernsteste in Anspruch, weil in denselben nicht blos ein sporadischer Fall gesehen wird. Nach Informationen von Persönlichkeiten, welche in der Lage sind, 'hierüber ein Urtheil abzugeben. ist dem Zablotower Vorfall eine symptomatische Bedeutung beizumefsen, und haben diese Exceffe als Erscheinungen einer tiefgehenden Agitation zu gelten, welche sich derzeit in erster Linie gegen die Juden richtet, sach lich aber sich wohl noch schärfer gegen die besitzenden Claffen wenden dürfte. Die Vorfälle sind um so empörender, als keinerlei Anlaß für sie gegeben war und der Ueberfall auf die jüdische Bevölkerung in Zablotow ganz unmotivirt erscheint, ja nicht einmal ein Vorwand hiefür gesucht wurde. Daß solche Vorkommnisse geeignet sind, die jüdische Bevölkerung des flach-, u Landes zu beunruhigen, ja alle ernsten politischen Kreise besorgt za machen, ist offenbar. Deshalb hat der Bezirksmarschall des auch die Ortschaft Zablotow umfassenden Snialyner Kreises, Reichsraths- und Landtagsabgeordneter R. v. Moysa, welcher als Vorstand der localen autonomen Behörde am besten in der Lage ist, die betreffenden Vorgänge richtig zu erfaßen und zu beurtheilen, sich an die Spitze der Deputation gestellt, welche den Statthalter Grafen Potocki um deffen energische Intervention anging. Dieser Abordnung schloffen sich auch sämmtliche jüdische Abgeordnete des Landtages, Dr. Fruchtmann, Dr. Kolischer, Dr. Löwenstein und Dr. Rappaport, an. Diese Deputation erhielt aus dem Munde des Statthalters Grafen Andreas Potocki die Versicherung, er habe sich bereits veranlaßt gesehen, aus das Energischcste derartige Ausschreitungen zu unterdrücken und er werde an Ort und Stelle erscheinen, sowie nur seine amtlichen Obliegenheiten ihm das Verlassen der Landeshauptstadt ermöglichen werden. Die offenen, loyalen und mannhaften Versicherungen des S'atthalters machten auf die Deputation den besten Eindruck, umso mehr, als der Statthalter sich nicht damit begnügte, für diesen einzelnen Fall Abhilfe zu treffen, sondern ausdrücklich erklärte, er werde im Einklang mit seinen heute im Landtag abgegebenen programmatischen Erklärungen alle gegen einzelne Brvö.kerungsclaffen gerichteten feindseligen Bestrebungen rückhaltlos bekämpfen, wenn sie sich auch vorwiegend blos eine Confeffion zur Zielscheibe ausgewählt haben sollten. Die Haltung des Landeschefs macht schon deshalb einen sehr günstigen Eindruck, weil die Verhältnisse hier mit jedem Tage unleidlicher werden und eine zielbewußte energische Action der Verwaltungsbehörde mehr denn je nothwendig machen. Ein Jude als Landesgerichtspräsident. Wir erhalten folgende Zuschrift: Bezugnehmend auf vorstehende Notiz, die Sie in ihrer geschätzten Zeitung vom 11. September 1903, Nr. 37, aus Kroatien mit der Beifügung bringen, daß ein Jude unter der Regierung unseres neuen Banus, des Grafen Theodor Ptjaöevich zum Landesgerichtspräsidenten ernannt wurde, erlaube ich mir hiermit ergänzend höflichst hinzuzufügen, daß Herr Mijo Heim schon unter dem Regime des Banus Grafen Khuen-Hedervary zum Leiter des Mitrovitzaer Gerichtshofes ernannt wurde, deffen erster Staatsanwalt er früher war. Es muß immer im Auge behalten werden, daß die ersten und hervorragendsten Staatsmänner und Machthaber unseres Landes nach den Gesetzen der Billigkeit und dis Rechts regieren, das keine confeffion^ll?:i Schranken kennt. Graf Khuen-Hedervary war und ist ein äußerst freisinniger Mann, der Kroatien und Slavonien während seines zwanzigjährigen Regimes zur schönsten Blüte brachte. Unter seiner vorsichtigen und klugen Leitung der Staatsgeschäfte unseres Landes reiften viele ausgezeichnete Politiker heran, die einst der Segen unseres Landes sein werden. Einer dieser hervorragendsten Jünger des gewesenen Banus ist der gegenwärtige Banus Graf Dr. Theodor Pejaöevich und der gegenwärtige Obergespan des B'roviticaer Comitates. Levin von Chavrak, deffen rastlose und unermüdliche Arbeit auf allen Gebieten der Verwaltung die Bewunderung Aller Hervorrust. Es ist nun selbstverständlich, daß unter der Regierung solch edler Männer das Unkraut confessionellen Haders nicht gedeihen kann. Was nun den soeben ernannten Präsidenten des Mitrovitzaer Gerichtshofes, Herrn Mijo Heim, betrifft, so hat er schon als Gerichtsadjunct durch die scharfsinnige Begründung der von ihm gefällter Urtheile die Aufmerksamkeit seiner Vorgesetzten auf sich gelenkt. Ich hatte das Vergnügen, diese hervorragende Persönlichkeit unseres Landes persönlich kennen zu lernen. Mit seinen Schwiegereltern, die in der Nähe von Virovitica wohnten und Mitglieder unserer Gemeinde waren, war ich auf's Innigste befreundet. Max Beck war der Name seines Schwiegervaters, deffen Ehrenhaftigkeit in den weitesten Kreisen der Geschäftswelt geradezu sprichwörtlich geworden ist und deffen häusliches, echtjüdisches Familienleben eines der schönsten unter der hierländischen Judenschaft war. Bei ihm lernte ich auch den Mitrovitzaer Gerichtspräsidenten, Herrn Mijo Heim, der damals Bezirksrichter in Brod a. d. Save war, kennen. Nicht lange danach segnete Max Beck das Zeitliche und sank frühzeitig ins Grab. Seine Gattin, die nach der B rheiratung ihrer Tochter an den angesehenen Binkovcer Kaufmann Rudolf Groß, der auch Officier in der R. ist, zu dieser zog, folgte nach einigen Jahren ihrem Gatten in den Tod und verfügte letztwillig, daß ihre Leiche nach Virovitica zur Beerdigung gebracht werde. Herr Mijo Heim, der damals erster Staatsanwalt in Mitrovitza war, scheute nicht die mühevolle Reise von Binkovce bis nach Virovitica und begleitete tiefgebeugt die Leiche seiner Schwiegermutter hierher. Ich hebe dies aus dem Grunde hervor, um zu zeigen, daß auch das Herz eines Staatsanwaltes — Herr Präsident Heim war damals, wie schon hervorgehoben, Staatsanwalt — von feinern, zartern Regungen gar oft getragen ist. Den neuesten literarischen Erscheinungen, ob nun auf dem Gebiete des serbo-kroatischen Schriftthums oder auf dem Gebiete der Weltliteratur, bringt der neuernannte Gerichtspräsident das lebhafteste Interesse entgegen. Aber auch dem jüdischen Schriftthum steht er nicht interesselos gegenüber. Anknüpfend an meinen Aufsatz »Was lehrte J-sus?*, der seinerzeit im »Pester Lloyd* erschienen war, besprach er mit mir so manche jüdische Seite auf geistigem und religiösem Gebiete und gab mir den Rath, meiner verehclichten Gemeinde den Antrag zu stellen, daß fie mir jährlich einen gewissen Betrag behufs Anschaffung einer entsprechenden Bibliothek zur Verfügung stelle, allerdings mit der Bedingung, daß die Bibliothek dann Gemeindeeigenthum sei. Wie großartig aber die Denkweise des neuernannten Gerichtspräsidenten Herrn Mijo Heim ist, geht aus diesen Zeilen deutlich hervor. Virovitica. Rabbiner Dr. Kaufmann. Die Rede eines Officiers. Aus Przemysl wird uns geschrieben: Durch einen Befehl des X. Corpscommandos wurde sämmtlichen commandirenden Officieren aller Waffengattungen zur Pflicht gemacht, die Soldaten darüber zu belehren, warum sie trotz der beendeten dreijährigen Dienstpflicht noch weiter in den Kasernen bleiben müssen. Ob bei dieser Gelegenheit den Officieren auch die entsprechenden Weisungen gegeben wurden, wie und mit welchen Argumenten sie die Propaganda bei den Soldaten zu machen haben, wissen wir nicht; wir kennen jedoch den genauen Wortlaut einer solchen Rede, einer wahren Brandrede, die der Oberlieutenant Formanek von der 10. Compagnie des 10. Infanterieregiments vom Stapel ließ. Der Herr Oberlieutenant führte seine Soldaten während einer Hebung in ein abseits liegendes Wäldchen und dort hielt er folgende Ansprache: Soldaten des dritten Jahrganges, ihr sollt jetzt nach Hause gehen, und wenn ihr nicht gehen werdet, die Schuld daran tragen die Juden. Di? österreichischen und insbesondere die galizischen Juden wandern nach Ungarn aus, dort rnagy-rrisiren sie sich und agitiren gegen Oesterreich. Die

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