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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 87 Dr. Llocb's Mocbenscbrttt. Sette 597 Am Abende des zweiten Tages speiste sie außer dem Hause. Julian saß am andern Ende der sehr langen Tafel und sprach sehr lebhaft mit Alice Windham. Edith erinnerte sich an Frau Brand's Bemerkungen über den Reiz gleichmüthiger, junger Damen und fand ihre Nachbarinnen langweilig. Sie waren von 8 Uhr bis 10 Uhr 15 Minuten bei Tische, und ihr Wagen wurde ihr gemeldet, bevor die Herren in den Salon kamen. Am dritten Tage las fie einen ganzen Roman von Dostoiewski und eine kurze Erzählung von Henry Jones, sowie ein gewisses Gedicht, das so beginnt: „Siede la terra dove nota fui Sulla morina dove il Po discendi Per-aver pace cö segnaci suoi. (Es liegt der Ort, wo ich geboren bin, an dem Strande, wo der Po fich ins Meer ergießt, um vor seinen Anwohnern Ruhe zu bekommen.) Sie ging wegen Kopfschmerzen zu Bett. Der vierte Tag brach strahlend hell an und ihre Laune stieg sofort trotz des Umstandes, daß sie zu einer von Frau Warfeld's gemischten Gabelfrühstücks - Gesellschaften versprochen war. Das Gastfreundschafts-Princip dieser Dame verbot ihr blos einige Personen, die einander gern trafen, zu laden. Mit der gewiffenhaften Absicht, die Gesellschaft zu erweitern und vertiefen, mischte sie unbarmherzig Junge und Alte, Leichtfertige und Ehrenwerthe. Selbst die Schwierigkeit, genug Herren zu bekommen, schreckte sie nie.' Demgemäß fand sich Edith in einer sonderbaren Ansammlung von Frauen, die von der Haube bis zum Kopftuch alles trugen, nur ganz vereinzelt mit einem gelegentlichen, widerstrebenden Frack unterbrochen. „Liebe Edith!* Damit flatterte die Wirthin auf fie zu. »Wir werden so glücklich sein, heute Fräulein Emilie Pickermg unter uns zu haben, deren Flugschriften über die Affaire so schmeichelhaftes Aufsehen in Boston erregt haben. Vielleicht läßt sie sich herbei, bei Tische etwas zu sprechen." Obgleich Edith der Thür den Rücken wandte, empfand sie plötzlich beschleunigtes Herzklopfen, über dessen Dauer sie ärgerlich wurde. Was war über sie gekommen, daß sie, sobald sie Julian Meldohla's Stimme in dem allgemeinen Stimmengewirr erkannte, deutliche Körper-Empfindungen hatte, als ob etwas Wichtiges sich ereignete? Die Wirthin flatterte von einem der Gäste zum anderen, bis zur Ankunft des Fräulein Pickering, einer gewichtigen, dunklen Persönlichkeit, deren reiche Spitzen und Juwelen bestimmt waren, die vollkommene Vereinbarkeit des öffentlichen Lebens mit eleganter Weiblichkeit zu illustriren. (Fortsetzung folgt.) Krieflrasterr. F. Die österreichischen Socialdemokraten treiben ein sonderbares Spiel. Der Grazer „Arbeiterwille" vom 6. September kündet auf der einen Seite einen Vortrag von Herrn Dr. Verkauf aus Wien an und auf der anderen Seite schimpft er im ordinärsten antisemitischen Jargon über die Juden: „Die jüdischen Holzhändler, welche ihre Opfer wie Spinnen umgarnten, sind fast alle untereinander verwandt oder verschwägert." Solches Treiben ist moralisch nahezu verächtlich und gereicht der Partei zur unauslöschlichen Schande. Dr. T. Der Artikel gegen den jüdischen Turnverein ist zwar gut geschrieben, die Publication müssen wir indeß ablehnen. Wir sehen nicht ein, warum jüdische Turnvereine eine Schädigung der jüdischen Interessen darstellen sollen. „Antizionist". Eine Stellungnahme zu dem ostafrikanischen Plan behalten wir uns für einen späteren Zeitpunkt vor. Wir registriren zunächst nur fremde Stimmen. K. In Rio de Janeiro wurde eine deutsche Schule mit Hilfe jüdischer Unterstützung eröffnet. Jüdische Schüler und Schülerinnen, Julius und Amalie Abramant, trugen Festgedichte vor, welche allgemeinen Beifall fanden. So wird in den fernsten Ländern die deutsche Sprache von den Juden gepflegt und verbreitet. C. St., Berlin. Die Notiz über die früheren Beziehungen des Papstes zu der jüdischen Familie Romanin-Tacur beruht auf Angaben, die der Bruder des Papstes gemacht hat. G. In Epinal im Vogesendepartement stand am Samstag der 49jährige Dechant Humblot von Gerardmer vor den Geschwornen. Die Anklage gegen Humblot enthielt eine geradezu entsetzliche Liste von Verbrechen. Nicht weniger als 28 Kinder von 9 bis 13 Jahren hat dieser „Hochwürdige" geschändet! Der Angeklagte hörte die Verlesung mit zynischer Gleichgiltigkeit an, auch als die Opfer seiner verbreckerischen Gelüste eines nach dem anderen auf den Zeugenstand traten, verzog er keine Miene. Er erhielt 12 Jahre Zwangsarbeit. Was hätten unsere arischen Sittenrichter für einen Lärm geschlagen, wenn auch nur eine wenigstens halbwegs ähnliche Anklage gegen einen Juden erhoben worden wäre. S. M. Klingersche Widmung für jüdische mittellose Wöchnerinnen. Am 10. November d. I. gelangen die Erträgniffe der von Herrn Samuel Klinger zum Andenken an seine Gattin Frau Pauline Klinger errichteten Stiftung an vier arme israelitische Wöchnerinnen im Betrage von je K. 94.— zur Verleihung. Die Bewerberinnen haben die mit ihrem Geburts- und Trauungsscheine und dem Armuthszeugnisse versehenen Gesuche bis längstens 30. September 1903 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien, I., Seitenstetten gaffe 4, i. Stock während der Amtsstunden von 9-13 Uhr Vormittags, woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich zu beheben sind, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Cultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Auf verspätet überreichte oder mit den oben geforderten Beilagen nicht versehene Gesuche wird keine Rücksicht genommen. Siegrrrrrnd und Regine Kauderssche Heirats-Arrsstattungs-Stistrrng für mittellose jüdische Bräute. Aus der obgenannten Stiftung sind am 26. November 1903 die Jahreserträgnisse per K 220.— vor allem Anderen an Verwandte des stifterischen Ehepaares Herrn Siegmund Kauders und dessen Gattin, Frau Regine, geborene Schlesinger, (in er st er, zweiter unddritterLinie); an Verwandte der Familien Dr. Anton Kauders aus Körmend, Ungarn,und JohannaWolf verehelichten Kauders aus Eisen st ad t, Ungarn, Josef Schlesinger aus Tyrnau, Ungarn, und Johanna Neubrunn verehelichte Schlesinger aus Trencsin, Ungarn, (in er st er und zweiter Linie), und in Ermangelung von Bewerberinnen der vorgenannteu Kategorien annachWienzuständige, bezw. in Wien geborene und bis zur Zeit der Bewerbung daselbst wohnhafte Bewerberinnen, endlich in letzter Linie an Bewerberinnen österreichischer oder ungarischer Staatsangehörigkeit, ohne Rücksicht auf Zuständigkeit und Wohnort, zu verleihen. Die Gesuche sind mit dem Geburtszeugnisse, dem Mittellosigkeits- oder Armuthszeugnisse, dem Sittenzeugnisse, sowie dem Nachweise des Brautst a n d e s zu belegen; Bewerberinnen, welche das Vorzugsrecht der Verwandtschaft geltend machen wollen, haben dieselbe document arisch nachzuweise»; Bewerberinnen, welche nach Wien zuständig find, haben die Wiener Heimatsberechtigung, in Wien geborene endlich den Umstand, daß sie bis zur Zeit der Bewerbung in Wien domicilirten, mit dem Meldzettel zu belegen. Die Ueberreichung der ordnungsgemäß belegten Gesuche hat bis längstens 30. September 1903 im Einreichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde Wien, I., Seitenüettengasse 4, I. Stock, woselbst Gesuchsblanquette während der Amtsstunden (9 bis 12 Uhr Vormittags) unentgeltlich behoben werden können, zu erfolgen. Auszüge aus den Geburts-, Sterbe- und Trauungs-Matriken der israelitischen Cultusgemeinde Wien sind als Gesuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der betreffenden Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden in keiner Weise berücksichtigt. Flora Reich geborene Laudesmann- Wöchnerinnen-Widmnng. Aus der von Herrn Alois Reich zum Andenken an seine am 25 Oktober 1899 verschiedene Gatlin, Frau Flora geborene Landesmann, begründeten Widmung gelangen am 25. O c t o b e r a. c. die Jahreszinsen per L 84.— an eine arme, israelitische Wöchnerin zur Verleihung. Gesuche um Verleihung dieser Widmungserträgniffe find, mit dem Geburts-, Trauungs- und Armuthszeugniffe belegt, bis 30. September 1903 im Eiureichungsprotokolle der israelitischen Cultusgemeinde (I. Bez., Seitenstettengaffe 4, I. Stock), woselbst auch Gesuchsblanquette unentgeltlich verabfolgt werden, zu überreichen. Auszüge aus den Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken der israelitischen Cultusgemeinde Wien sind als Gefuchsbelege nicht erforderlich, sondern genügt die genaue Angabe der bezüglichen Daten. Nicht entsprechend belegte oder verspätet überreichte Gesuche werden nicht berücksichtigt.

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