Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021493-3021531--12977-3037602
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 696 Dr. JSlocb s Mocbenscbrltt. Nr. 87 Wien. Freitag den 11. d. M., 6V» Uhr, findet in der Synagoge, II., Leopoldsgaffe 29 aus Anlaß des zehnjährigen Amtsjubiläums des Obercautors Mayer Schorr ein festlicher Gottesdienst statt. Wie«. (Bib.elschule XVIII. Bezirk Währin g.) Die Einschreibungen für Volks-, Bürger- und Mittelschüler finden im Lehrzimmer, XVUI., Schopenhauerstraße 39, II. Stock, Thür 12, vom 20. September l. I. an jeden Sonntag von 9—11 Uhr Vormittag und jeden Mittwoch von 2—4 Uhr Nachmittag mit Ausnahme der jüdischen Feiertage statt. Wie«. (Todesf a l l.) Vorige Woche verschied in Karlsbad «ach kurzer Krankheit der hiesige Hausbesitzer und Protokoll. Kaufmann Herr Karl Hager. Der Heimgegangene, der im 61. Lebensjahre stand, war Mitglied vieler humanitärer Vereine und erfreute fich allgemeiner Beliebtheit. Wie». (Synagogen-Verein „Letd Israel" nach polnischjüdischem Ritus, Wien, II., Leopoldsgasse 29.) Aus dem Kaiser Franz Josef I. Regierungs-Jubiläums-Heirats-Ausstattungs- Foud gelangt pro 1903 ein Betrag von X 400.— an ein armes, jüdisches Mädchen, das sich im Brautstande befindet, zur Verleihung. Die bis längstens 15. October d. I. an das Bereins-Secretariat, Wien, II, Leopoldsgaffe 29 einzureichenden Gesuche müssen folgende Beilagen enthalten: 1. Geburts-, Armuths- und Sittenzeugniffe; 2. Nachweis des Brautstandes und Namen und Berus des Bräutigams; 3. Nachweis, ob die Braut Eltern hat oder verwaist ist; 4. Nachweis, ob der Vater der Braut Mitglied des Vereines „Letd Israel" ist oder war. Die Trauung des Brautpaares, dem diese Stiftung zuerkannt wird, wird im Laufe des Monates December l. I. in der Vereins-Synagoge unentgeltlich vollzogen. Wien, im September 1903. Der Vorstand. Kutteuberg. Der für das hiesige Kreisgericht neuernannte Präsident, Hofrath Ritter v. Ko sch in traf am 31. August Rachmtttags hier ein, um am 1. September sein Amt anzutreten. Am 3. September beehrte er bereits den hiesigen Rabbiner Herrn A b e l e s mit seiner Äntrittsvifite, gewiß ein sehr schöner Zug dieses hohen Staatsbeamten, durch welchen er seine Achtung unserer Religion bewies. Der Herr Rabbiner erwiderte diese Ehre am 5. d. M. mit seiner Gegenvisite und wurde von dem Herrn Hofrathe aufs Liebenswürdigste empfangen. Hostomitz bei Bilin. Am 23. August verschied im Krankenhause zu Setenz Herr Jacob Kraus aus Hostomitz, Wirthschafts- und Ziegeleibefitzer hierorts, 36 Jahre alt. Die Theilnahme am Begräbniffe war großartig, sie zeigte von der allgemeinen Beliebtheit des Herrn Kraus. Mehrere Vereine von hier kamen bis Teplitz, woselbst das Begrabniß stattfand, und viele Bewohner des Ortes scheuten nicht den Weg nach Teplitz, um ihrem beliebten Mitbürger das letzte Geleite zu geben; auch eine Deputation der Biliner Cultusgemeinde war erschienen. Am Gr^be hielt Ehrw. Herr Rabb. Dr. Kurrein einen warmen Nachruf. — Eine Woche später starb die Mutter des Herrn Jacob Kraus. Frau RosaliaKraus, und wurde unter großer Betheiligung der Hostomitzer Bevölkerung, der Hostomitzer Feuerwehr, vou der die Verstorbene sehr verehtt wurde, und der Biliner Cultusgemeinde in Bilin begraben. Im Trauerhause und am Friedhof hielt Se. Ehrw. Herr Rabb. Brock tief ergreifende Nachmfe, die auf alle Zuhörer nachhalteud wirkten. Feuilleton. Julia« Mewohla. Von Mary Mosi.Z (Fortsetzung.) »Oh, sie ordneten es sehr rasch. Die Leute Unterzeichneten einen Vertrag, daß der. welcher kräftige Redensarten gebrauchen wird, sofort aus dem Club gestoßen würde und —" »Und es ist anzuuehmen, daß Ihre Schwester nach Portland ging, um etwas von dem Pachtzinse auszugeben/ Edith konnte nicht umhin,. Herrn Tottingham für einen liebenswürdigen und entschloffenen Steuermann zu halten. »Wir fuhren in Edmer's Wagen, nie will ich das wieder in einer Stadt thun; nächstes Jahr ließen wir das Pferd zu Hause, es war so störrisch." Edith wunderte sich, wie die Reise ohne dasselbe ausgeführt .nurde, hielt es aber für geboten, fich des Fragens zu enthalten. »Es ist ein großes, braunes Pferd", fuhr Frau Allen fort, »nicht sonderlich jung oder flink, aber stützig. Man konnte nicht eben sagen, daß es durchging, aber in der Hauptstraße fing er an die Flanken mit dem Schweife zu peitschen. Edith fing an, ein wahrhaftes Interesse an dem Pferde zu nehmen, aber Tottingham dachte, daß es Zeit zu einem kühnen Handstreich sei. »Und dann gingen Sie zur Auction?" Es schien, als ob Frau Allen sich etwas verletzt fühlte und antwortete kurz: »Ja und da kauften wir die Theekanne. Leute, die sie gesehen haben, sagen, daß sie sehr werthvoll sei, aber mein Gott! was versteht ein altes Weib, wie ich, von solchen Dingen? Da die Stühle Sie so enttäuscht haben", fügte sie etwas milder hinzu, »möchte ich Ihnen die Kanne zum Ansehen herunterbringen. Aber sie steckt in einem Schranke unter einer Menge Gerümpel und ich sagte neulich, daß ich all' das nicht unter fünf Dollars wieder wegräumen würde." »Jetzt haben wir Sie diesen Nachmittag so lange aufgehalten", sagte Tottingham freundlich. „Sagen wir, ich kaufe die Theekanne für 5 Dollars und Sie bringen mir dieselbe herunter." »Fünf Dollars für das alte Ding, das hieße Sie berauben. Sie bekommen neue in reizenden Farben, viel bessere als diese um einen halben." Herr Tottingham konnte seine Freude kaum beherrschen. »Nun mir scheint, ich möchte sie als ein Andenken an den heutigen Nachmittag." Mit einem sentimentalen Blick auf Edith, verschwand die Alte auf einer dunklen, knarrenden Wendeltreppe. »Es ist offenbar das, was ich suchte, »flüsterte der erfreute Porzellan-Jäger. »Denken Sie nur, dieses Glück! Fünf Dollars! Alles Lowestaft ist sein Gewicht in Gold werth, und da noch schwer zu finden!" Man hörte von oben das Geräusch verschobener Möbel, ein Poltern, einen Krach! »Gnädiger Gott!" rief Edith aus, »ich hoffe, daß sie die Kanne nicht zerschlagen hat!" Die alte Frau kam hinunter, eine kleine Kanne sicher im Arme haltend, deren Muster infolge mehrerer übereinander lagernder Schmutzschichten nicht zu unterscheiden war. Etwas rasch Abschied nehmend, eilten die Kunden aus der Hütte, um ihren Schatz im hellen Sonnenlichte zu besichtigen Selbst Edith's ungeschulten Augen erschien er verdächtig modern aussehend. Tottingham wurde ganz blaß und stieß ein unterdrücktes Etwas aus, das seine Mitgliedschaft in dem Fußball- Club der frommen Edna gefährdet hätte. »Sie können viel beffere um einen halben, um einen viertel Dollar bekommen, ich will's glauben." Er sprach mit wirklichem Kummer. Sie ist bezeichnet. Er zeigte den Boden wo man nach vielem Wischen lesen konnte: »Brooklyn 1898." Edith's Neigung, zu lachen, wurde durch feine sichtliche Demüthigung zurückgedrängt. Wenn es ihm so weh lhat, so wäre es roh gewesen, auch nur zu lächeln. »Es ist nicht des Geldes wegen", fuhr er bitter fort, »von dem lügnerischen alten Weibe so betrogen zu werden." »Es ist nur ein Gutes dabei", sagte Edith tröstend, »es braucht nie Jemand zu erfahren, wie wir hereingefallen sind. Sie wird es nicht erzählen, und wir Beide sind doch sicherlich nicht dazu verpflichtet. Gehen wir jetzt zu den Felsen, füllen die Kanne mit Steinen und versenken sie an einer tiefen Stelle, wo sie selbst bei der Ebbe bedeckt ist." Kaum waren diese Worte ihrem Mund entflohen, als sie dieselben bereute, denn Tottingham warf ihr einen Blick der Bewunderung zu, der weder ihren Kleidern, noch ihrer Person galt, er war direct auf ihre Seele gerichtet, die er schöner denn je fand JIV. I/akkaire. Am nächsten Tage wurde Edith durch das Herabplätschern des Regens auf das Dach der Veranda geweckt. Er fiel ganz gerade, dicht, hart und ohne auszusetzen. Dichter, bräunlicher Nebel schloß Alles aus, bis auf die nächsten Zweige der triefenden Eichen und Schmerlings-Tannen. Das dauerte so drei tödtlich lange Tage an. während welchen die Ereignisse in Edith's Leben sich auf eine Karte von Julian Meldohla beschränkten, der anfragte, ob er den Nachmittag bei ihr verbringen dürfe, da das Ausreiten unmöglich sei. Das gestattete sie ihm nicht, da sie sich vor Frau Brand's ausgesprochenen oder unausgesprochenen Bemerkungen fürchtete, und verbrachte den Rest des Tages damit, sich zu sagendaß sie sehr klug gehandelt habe.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.