Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 37 (11.9.1903)
- Date
- 1903-09-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 37 Dr. Llocb's Mocbenscbrift Seite 595 zionistischer Organisationen zu verbieten; Geldsammlungen für den jüdischen Nationalfonds und die Verbreitung von Actien desselben zu verhindern; 5. die Zionistenführer zu zwingen, ein Schriftstück zu unterzeichnen, daß sie keine Fonds mehr sammeln und alle in ihren Händen befindlichen Fonds der Odessaer Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Farmer und Handwerker in Syrien und Palästina übergeben werden, ferner alle jetzt in Rußland circulirenden Actien des jüdischen Nationalfonds zu confisciren; 6. Schulen, Bibliotheken für Erwachsene und andere Institutionen, in denen Althebräisch gelehrt wird und die dazu beitragen, die Juden als abgesonderte Race zu erhalten, streng zu überwachen; 7. über zionistische Neigungen aller Candidaten für Rabbinerposten und andere Aemter zu berichten. Bekanntlich hat dieses Verbot Dr. Herz! veranlaßt, seine Reise nach Rußland zu unternehmen. Als Erfolg derselben darf man den Brief v. Plehwe's an Dr. Herz! ansehen. Besonders charakteristisch in diesem Erlaste ist der Passus, in welchem Herr v. Plehwe sagt, daß die zionistischen Bestrebungen einer Verschmelzung der Juden mit den Russen hinderlich seien. Dieser Paffus ist ein Hohn auf die russische Gesetzgebung gegen die Juden. Die grausamen Ausnahmegesetze gegen die Juden sind leider jedem unserer Leser so sehr geläufig, daß wir uns eine Aufzählung im Einzelnen ersparen können. Wie Herr v. Plehwe in Wirklichkeit den Juden gegenübersteht, zeigt die in seinem Briefe an Dr. Herzl abgegebene Erklärung, deren Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt, wonach er die Auswanderung der Juden als die von der russischen Regierung begünstigte Lösung der Judenfrage für Rußland betrachtet. Der ganze Erlaß kennzeichnet sich als ein Erlaß der politischen Heuchelei des Herrn v. Plehwe. der es zu allem Uebrigen auch noch darauf abgesehen hat, unter dem Vorwände der Schädlichkeit des Zionismus den Juden selbst den letzten Rest von Bereinsfreiheit, die ihnen noch geblieben ist, zu nehmen. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Dienstag den 15. September d. I., um 4 Uhr Nachmittags, findet in Hamburg, Rotherbaumchaustee 40, die Trauung des Fräuleins Paula Lassally, Tochter des Herrn Martin L a s s a l l y, mit Herrn Richard Janowitzer, Sohn des k. k. Commerciemathls Herrn Albert Janowitzer, Vorsteher des Dmpelvereines für die westliegenden Bezirke in Wien, statt. Wien. Die Vereinsleitung von Tefilas-Haneorim (Jngendandacht) bringt zur Kenntniß, daß von ihrer Seite an den diesjährigen hohen Festtagen ein unentgeltlicher Gottesdienst für arme Schulkinder und Waisen, wie auch für Lehrlinge und Praktikanten unter Leitung von Lehrern und verdienstvollen Männern abgehalten werden wird, und zwar für den I. Bezirk in der Religionsschule, Seitenstettengasse 2, im II. Stock, für Handelspraktikanten und Handwerkslehrlinge. Im II. Bezirk, Tempelgasse, im Tempelgebäude imBeth Hamidrasch für Studirende von der Bürgerschule und Mittelschüler. In dem VI. und VII. Bezirk, Schmalzhofgasse 10, für Praktikanten und Lehrlinge. Karten können vom 15. bis 2.0. September für den I. und II. Bezirk in der Tempelgasse, Tempelgebäude, täglich von 4 bis 7 Abends, hingegen für den VI. und VII. Bezirk von 6 bis 8 Uhr Abends Schmalzhofgasse 10 bezogen werden. Diese Karten sind weder verkäuflich, noch übertragbar. Wien. (S ch u l n a ch r i ch t.) An der Privat-Religionsschule der ,Adaß-Jisroel" (,,Sch>ff"-Schul). unter Leitung Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiners S. F ü r st, beginnt am 16. September das neue Schuljahr mit je drei Abtheilungen für Knaben und Mädchen. Die stetig steigende Frequenz — von 60 ist die Schülerzahl auf 180 gestiegen — ist wohl die beste Anerkennung der Leistungen dieser Schule. Im Interesse des Unterrichtes ist es von Wichtigkeit, daß schon zu Schulbeginn das ganze Schülermaterial classirt werden kann und werden die Eltern eingeladen, die Kinder rechtzeitig einschreiben zu lassen. Aufnahme finden Kinder im Alter von 7—14 Jahren. Die Einschreibung findet statt im Schullocale, II., Negerlcgasse 2: Sonntag, 13. September, von 9—12 Uhr Vormittags. Montag, 14., und Dienstag, 15. September, von 1 — 3 Uhr Nachmittags, weiterhin an Sonntagen, von 8—12 Uhr Vormittags, Mittwoch von 2—6 Uhr Nachmittags. Wien. Herr Jacob Lederer und Frau Jeannette Lederer, geborene Kraus, U., Untere Augartenstraße 25, feierten am 11. September im rüstigsten Alter im intimsten Familienkreise die goldene Hochzeit. Wien. Der Bethaus-Verein im Hl. Bezirk (Erdbergstraße) hat Se. Ehrwürden Herrn Dr. Bernhard Templer zum Vereinsrabbiner ernannt. Wien. (Einweihung des neuen Tempels im VIII. Bezirk Ne u d e g ger g a s s e.) D.eser prachtvolle Bau, von der Meisterhand des Architekten Herrn Max Fleischer hervorgegangen, wird Dienstag den 15. September um halb 5 Uhr eing-weiht. Es wird aufmerksam gemacht, daß die Zufahrt von Wagen laut polizeilicher Anordnung zu dieser Festlichkeit durch die Lerchenfelder st caße in die Neudeggergafie zu erfolgen hat. Die Nachfrage für Tempelsitze ist so bedeutend, daß binnen kurzer Zeit alles vergriffen sein dürfte. Die noch vorhandenen Tempelsitze sind im Secretariat im neuen Tempelgebäude zwischen 4 und 7 Uhr Abends erhältlich. Wien (C o m m e r c i a l r a t h Hermann Stiaßny.) Einer der Letzten der Ueberlebenden der Akademischen Legion des Jahres 1848, Commercialrath Hermann Stiaßny, ist im 72. Lebensjahre nach kurzer Krankheit gestorben. Noch vor einigen Tagen rüstig und frisch, erlitt er einen leichten Schlaganfall, zu dem eine Lungenentzündung trat, die nach vier Tagen den hochverdienten Mann dahinraffte. Stiaßny war absolvirter Techniker und betheiligte sich als solcher an den Kämpfen des Jahres 1848. Später war er dann Liqueurfabrikant. Er hat sich im Dienste der öffentlichen Wohlthätigkeitsinstitute die größten Verdienste erworben. So hat er fast ganz allein das Institut für schwachsinnige Kinder in Biedermannsdorf gegründet. Auch an der Ausgestaltung des israelitischen Versorgungshauses hat er mitgearbeitet. In stiller Weise hat er fortdauernd große Wohlthaten an Vereinen und an Armen geübt. Sein humanes Wirken brachte ihm die große goldene Salvatormedaille, das taxfreie Bürgerrecht der Stadt Wien und das goldene Verdienstkreuz mit der Krone. Sein einziger Sohn ist der Schauspieler Stiaßny vo n Josefstädter Theater. Das Leichenbegängniß fand Montag, 7. d. M. um jo Uhr Vormittags auf dem Centralfriedhofe unter zahlreicher Betheiligung statt. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. D. Feuchtwang hielt dem Verblichenen einen sehr würdigen Nachruf. Herr erster Cantor Schiller versah die cantoralen Functionen in trefflicher Weise. Wien. Im fünften Bezirk ist eine hochachtbare Familie, der Schirmerzeuger Wilhelm Flesch, durch das Ableben seines lieben Sohnes Oskar Flesch, der am 5. d. M. in seinem >5. Lebensjahre sanft entschlummerte, in tiefe Trauer versetzt worden. Es war ein braves, gutes Kind, dessen Anlagen zu den besten Hoffnungen berechtigten. Die Beerdigung des Theuren fand am 7. d. M. am Centralfriedhofe statt und fanden sich daselbst überaus viele Trauergäste ein. Tie Grabrede die Herr Rabbiner Reich hielt, machte einen tiefen Eindruck bei allen Anwesenden. Tie cantoralen Functionen versah Herr Cantor R o t h o l z. Wien. Der Verein „Rener Freundschaftsbund" zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder erläßt folgenden herzergreifenden Aufruf an die Kinder der besser situirten Glaubensgenossen und bittet'gütige Spenden zu Bekleidungszwecken an den Vereinscassier, Herrn D. Steinhardt, XX., Wallensteinstraße 19, gelangen zu lassen: Liebe Kinder! Ihr Glücklichen! — Ihr seid geborgen Im trauten Elternhaus blüht Euch die Jugendzeit, Ihr kennet nicht der Armuth bittere Sorgen, Noch kennet Ihr des Mangels herbes Leid. Zur Winterzeit — wann eisiger Schneesturm wüthet. Wird Euch vor Kälte — Schutz durch warmes Kleid, Ihr seid vor Winters Ungemach behütet Und kennet nicht der armen Kinder Leid. Die leicht bekleidet — der Kälte preisgegeben, Zur Schule müssen — wenn es stürmt mtb schneit. Gefährdet an Gesundheit und am Leben, Weil ihnen fehlt — ein warmes Winterkleid. D'rum liebe Kinder übet doch Erbarmen Und trägt ein Scherflein bei zur Linderung der Roth — Jüdische Kinder sind es — die Ärmsten sind's der Armen, An ihnen übt das göttliche Gebot. Wie es steht im heiligen Buch geschrieben: „Du sollst den Nächsten wie Dich selber lieben." Wien. (Mäd chen-Unter st ützungs-Berein.) An den Privatschulen dieses wohlthätigen Vereines beginnt das neue Schuljahr am 16. September d. I. — Die Einschreibungen für die einzelnen Abtheilungen finden, wie folgt, statt: Für die Fortbildungsschule Montag den 14. September von 9—12 Vormittags, für den Handels-Lehrcurs Dienstag am 15. September von 10—12 Uhr Vormittags und für die Arbeitsschulen Dienstag den 15. September von 3—5 Uhr Nachmittags. Zur Aufnahme zugelaffen werden arme israelitische Mädchen, welche das 14. (für den Handels-Lehrcurs und die Fachschule für Schneiderei das 15.) Lebensjahr bereits vollendet haben. Bewerberinnen können sich unter Beibringung ihres Geburts- und Schulentlassungs-Zeugnisses in Begleitung ihrer Eltern oder Obsorger melden in der Schulkanzlei: II., Kaiser Josessstraße 32. Der Unterricht wird durchwegs unentgeltlich ertheilt.