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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Sette 593 Fleiß und Thätigkeit hatten genügende Früchte getragen, um zufrieden und glücklich zu leben. Aber mehrjährige Kränklichkeit hatte feine Erwerbsthätigkeit gehemmt, ließ seine Kräfte und sein Vermögen hinschwinden und schließlich mußte er sich einer schweren Operation unterziehen. Die hat er glücklich überstanden. Aber wie soll's nun werden? Darauf ist sein Sinnen und Denken gerichtet. — Da tritt ein wohlgekleideter Mann ein. Es ist keiner von den Professoren und Spitalsärzten, die kommen zu dieser Stunde niemals. Der Herr richtet an die Wärterin leise eine Frage und diese zeigt auf das Bett unseres Kranken hin. Der Fremde nähert sich dem Lager und richtet theilnehmend Fragen an den Kranken. Dieser schildert in kurzen Worten seine traurige Lage und fragt dann: »Mit wem habe ich die Ehre zu sprechen?" Ich bin ein Mitglied des Vorstandes der hiesigen Chewra-Kadischa, antwortete der Fremde, und komme von Zeit zu Zeit hieher, um nachzufragen, ob sich hilfsbedürftige Glaubensgenossen hier befinden, ob sie mit der ihnen zugewendeten Behandlung zufrieden sind und ob sie etwaige Wünsche haben, die^. wir zu erfüllen im Stande wären. Wenn Sie einen solchen Wunsch haben, so geben Sie mir ihn bekannt". »Ich hätte allerdings einen Wunsch, aber ich getraue mich nicht . . ." I " »Ohne Umstände, lassen Sie nur hören." - »Sehen Sie, lieber Herr, mein mehrjähriges Leiden hat eine Amputation nothwendig gemacht, man mußte mir ein Bein abnehmen. Ich brauche nun einen künstlichen Fuß. der kostet wenigstens 200 Kronen. Wie^svll ich diese Summe ausbringen? Die Fahrt nach Karlsbad, der Transport hierher und die Spitalskosten haben meine Mittel erschöpft". »Nun, seien Sie guten Muthes und sorgen Sie sich nicht mehr. Schreiben Sie ein kurzes Gesuch an den Vorstand, nur ganz kurz und bündig und sprechen Sie Ihren Wunsch , aus, er soll erfüllt werden". Mit bewegten Worten dankte der Patient und drückte mit Wärme die Hand, die ihm der freundliche Herr gereicht hatte. Das Gesuch wurde geschrieben und abgeschickt und schon an einem der nächsten Tage stellte sich der Bandagist ein, um das Maß zu dem bereits bei ihm bestellten künstlichen Fuß zu nehmen. — Nothleidenden Hilfe reichen, ist immer ein schönes Werk, sie in solcher Weise spenden, das lehrt das goldene jüdische Herz! Haus und Schule. Abermals erschließen sich die Pforten der Schule unserer Jugend. Nach zweimonatlicher Erholung der Abspannung wird die Arbeit der Erziehung und Bildung wieder ausgenommen. Die Kleinen, die Sorge und Hoffnung der Eltern, werden der Obhut der Lehrer anvertraut. Pläne werden geschmiedet, Luftschlöffer gebaut. Wenn das Kind zum ersten Male die Schwelle der Schule betritt, sehe» die Eltern ihr hoffnungsvolles Kind nur den Pfad des Ruhmes und der Ehre, den mit Rosen besäten Weg wandeln. Es wird ja aber auch der Jugend Alles geboten, um ihr die Wege zu ebnen. Sie wird überbürdet mit allem nur erdenklich Möglichen. Meistens haben die Kinder soviel zu thnn, daß sie die Nacht zu Hilfe nehmen müssen und da wird noch nachgeholfen im Französischen, Englischen und ein wenig Clavier. Es ist für Alles gesorgt, es kann nicht fehlen. Und doch übersehen sie Eines, lassen es unbeachtet. — Die Kinder werden überfrühreif — sie haben ihnen kein Gegengewicht, keinen moralischen Halt, keine Stütze mit auf dem Wege des Lebens gegeben, um die Fülle des gebotenen Modernen bis ans Ziel tragen zu können. Unbewußt, mit den treuesten Gesinnungen, mit der zärtlichsten Liebe und den besten Absichten aus ihren Kindern gute, tüchtige Menschen zu erziehen, schaden Eltern geradezu ihren Kindern durch ihren Jndifferentismus. Sie entziehen dem Kinde dos Beste, den Lebensnerv, die Religion. Wenn das Kind zum Manne wird, wenn dann der Ernst des Lebens an ihn herantritt, wenn Ungemach die Mifören des Lebens seinen geebneten Weg kreuzen, wenn statt der Rosen Dornen sind, da stürzt sein Lebensglück zusammen. Was schützt ihn vor völligem Zusammenbruch, was richtet ihn wieder auf? Es nützt nichts, wenn man die zwei gesetzlich vorgeschriebencn Religionsstunden „mitmachen muß", sie sind nur als Ballast, als ein notwendiges Uebel betrachtet, weil eine schlechte Religionsnote den Ausweis „verschandelt". Da muß das Gemüth mitreden, das jüdische Gefühl, das jüdische Haus. Haus und Schule, diese zwei Factoren, sie geöhren zusammen, diese müssen sich ergänzen, einander in die Hände arbeiten. Was die Schule mühselig pflanzt, muß zu Hause zum Reifen gebracht werden, muß sozusagen in die That umgesetzt werden. Der empfängliche Geist des Kindes muß dazu ausgenützt werden, um dem Kinde eine festgesittete Basis fürs Lebens zu geben. ...« I. Pick. X. Die Anstatt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger in Prestburg. Die Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger hielt vorigen Sonntag ihre diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitze des Primararztes Herrn Dr. Jakob Fischer ab. Wie aus dem Berichte ersichtlich ist. hat die Anstalt, welche bereits schon das dritte Jahr besteht, erfreuliche Fortschritte gemacht und solch glänzende Resultate erzielt, auf welche nicht nur die Anstalt sondern auch unsere Confesfion stolz sein kann, r Im vergangenen Jahre haben die Wärterinnen in 28 Familien bei kranken Angehörigen Pflegedienste geleistet, 165 Nächte haben sie durchwacht und 265 Tage haben sie gepflegt. Die übrige Zeit verbrachten sie im israelitischen Krankenhause. Ihr guter Ruf verbreitete sich auch in die weite Provinz, so wurden sie nach Wagbistritz, Oedenburg, Szered a. W., Ko morn. Eisenstadt und Böfing zur Ausübung des Krankenpflegedienstes gerufen. J Trotzdem sie in erster Reihe nur zur Pflege unserer kranken Glaubensgenoffen berufen sind, so hat der Directionsrath die Wärter auch unseren nichtjüdischen Mitmenschen zur Verfügung gestellt. i Die Wärterinnen wurden derartig in Anspruch genommen, daß der Directionsrath die Aufnahme und Ausbildung einer neuen Wärterin in Vorschlag brachte. Die Generalversammlung uahm den Bericht und die Vorschläge genehmigend zur Kenntniß und ertheilte dem Casfier Herrn D a v i d N a ß das Absolutorium. * Aus dem Caffenberichte ist zu ersehen, daß die Anstalt ein Vermögen von 16.000 Kronen hat und circa 1000 Kronen Jahresbeiträge gezeichnet find. Das Präliminar weist gegen Einnahmen von 3100 Kronen an Ausgaben 2800 Kronen aus. ES ist aus diesen Daten ersichtlich, daß die Anstalt auf starke materielle Unterstützungen angewiesen ist. Die Generalversammlung nahm auch mit großem Enthusiasmus den dahin lautenden Antrag des Directionsrathes an, daß, nachdem die Anstalt anläßlich des Todes unserer unvergeßlichen Königin Elisabeth zu Höchst Ihrem Andenken gegründet wurde und der Bestand der Anstalt schon gesichert ist, die Statuten derartig zu modificiren seien, daß die Pietät schon in der Benennung der Anstalt Ausdruck finde. Der Directionsrath wird an competenter Stelle bittlich werden, daß die Anstalt folgenden Namen erhält „Königin Elisabeth-Landes-Anstatt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger", und daß der Directionsrath, entsprechend dem Landescharakter, um 12 Mitglieder, die außerhalb Preßburgs domiciliren. vermehrt werde. Hiermit wurde die Generalversammlung geschloffen. Wir können nicht umhin, die Aufmerksamkeit unserer geehrten Leser auf die Unterstützung dieser außerordentlichen humanitären Anstalt zu lenken, welche nicht nur unseren kranken Mitmenschen von berufenen jüdischen Pflegern eine fachgemäße Pflege gewährt, sondern auch unseren Glaubensgenoffen einen neuen edlen Beruf erschließt. Gleichzeitig ersuchen wir besonders die hochlöblichen Israelitischen Frauen - Vereine, da in der Anstalt zur Heranbildung israelitischer Krankenpfleger eine Krankenpflegerin-Stelle vacant wird, eine dazu geeignete Frauensperson gefälligst uns empfehlen zu wollen. Mit Aufklärungen dienen bereitwilligst die Herren Dr. Jakob Fischer, Primararzt des königlich ungarischen Staatskrankenhauses als Präses und Dr. Eugen Lichtner, Advocat als Secretär. Klattau, 6. September 1903. Sonst fremde Länder durchziehend, mich kühlend in den Wellen des Meeres und der Seen an fernen Gestaden, ergötzend an himmelanstrebenden Bergen, erfrischend in den Thälern nachbarlicher Landschaften, befreundend mit Menschen verschiedener Zunge, Sitten und Gebräuche, verbrachte ich Heuer meine Ferien in der Sprudelstadt Karlsbad. Was auch bislang geschrieben, gesagt, gedichtet und gesungen wurde über Karls herrliche Stadt, der Wirklichkeit ist immer noch nicht Recht geschehen, denn Jahr für Jahr verschönert sich diese herrliche gesegnete und Segen verleihende Stadt. Tausende Menschen suchen und finden hier Genesung oder wenigstens Linderung ihrer Leiden. Und groß ist die Zahl der leidenden Menschheit. Dies ersieht man aus den einzelnen mächtigen Zügen der im Gänsemarsch zu den einzelnen „Brunnen" und „Quellen" — insbesondere „Sprudel" — unter den Klängen der Musik daherschreitenden Menge, und Frau Baronin v Suttner fühlt sich gewiß glücklich ob des Weltfriedens, der in den einzelnen Reihen unter der „Colonnade" herrscht. Jude und Christ, Mohammedaner und Heide, Deutscher und Czeche, Franzose und Engländer, Ungar und Spanier, alle sprachlich und religiös vereint, wandern dahin und beten e i n Gebet: „Du Gott, der Du im Himmel thronest. Der Du diese Heilquellen aus den Felsen erwecktest, lasse uns aus diesem Deinem Borne, der Deiner

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