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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-11 · 37 (11.9.1903) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
37 (11.9.1903)
Date
1903-09-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Dr. 3Blocb’s MlocbenscbrM, Seite 591 keine weitere Verantwortung übernommen und kein Versprechen gegeben, als die Gewährung eines geeigneten Gebietes und das Privilegium localer Autonomie. Mehr wäre auch unklug gewesen. Die Pläne jüdischer Colonisation sind keineswegs neu, der Experimente seien schon viele gemacht worden, und die Resultate seien nicht gerade sehr befriedigende gewesen. Das Cityblatt wirft dann einen kurzen kritischen Rückblick auf die jüngste Geschichte des Zionismus, um sortzufahren: „SSBir wünschen nicht in entmuthigender Weise von den Anstrengungen der Männer zu sprechen, die die etwas unbestimmte Sache des Zionismus zu der ihrigen gemacht haben. Selbst wenn sie nicht gerade das erreichen, was sie gerade im Auge haben, können sie ihrer Race gute Dienste leisten; — sie können große Theile in der Verfolgung hoher Ziele vereinigen, dieselben für eine weitblickende Politik begeistern und der Befolgung mit durch die Einigkeit erhöhter Stärke ent'gegentreten. . ." Dann aber betont das Blatt wieder die großen Schwierigkeiten, hauptsächlich die finanzieller Natur, welche sich der Verwirklichung der zionistischen Ideen entgegenstellen. Auch der neue Plan werde starker Opposition begegnen, selbst vom jüdischen Standpunkte aus. Schließlich bezieht sich das Blatt auf die Stellung der Juden in Großbritannien selbst, indem es sagt: „Warum sollen die Juden nicht Bürger im vollen Sinne des Wortes in solchen Ländern werden, in denen sie als solche bewillkommnet werden. Warum sollen sie sich als Fremde in einem Lande fühlen, in dem man sie nicht als solche behandelt?" Der „Daily Graphic“ ist mit der geplanten Gewährung der localen Autonomie nicht einverstanden, in dem er darauf hinweist, daß bereits italienische und indische Colonien in Britisch-Ostafrika beständen, die beide derartige Privilegien genössen. In Britisch-Ostafrika selbst hat die Nachricht, daß die englische Regierung den Zionisten in Ostafrika Land angeboten hat zur Bildung einer jüdischen Colonie unter englischer Coutrole, wie der „Daily Mail“ aus Mombasa gemeldet wird, große Erregung hervorgerufen. Das an der Uganda-Bahn gelegene in Aussicht genommene Land soll nämlich das beste des Protectoratks sein. Bon Mombasa aus sind, wie der „Daily Mail"-Correspondent mittheilt, energische Proteste an das Auswärtige Amt in London abgegangen. Die „Times" publicirt einen an sie gerichteten Brief Sir Harry Johnston's, in welchem dieser gegen das Project einer Ansirdlung in Uganda auftritt. Das Land, sagt Johnston, um das es sich handelt, ist überaus werthvoll, und es sei ein zum mindesten seltsamer Gedanke, einen großen Theil davon russischen oder rumänischen Juden anstatt englischen Colonisten zu überlassen. Es wäre sehr unklug vom Auswärtigen Amte, Ausländer zu encouragiren, sich dort niederzulassen oder gar einen selbstständigen jüdlschen Staat dort zu gründen. „Ich werde nie vergessen/ schließt Sir Harry Johnston, „wie Dr. Hertzka's unsinniger Plan einer Freilandcolonie in Ostafrika zunichte wurde. Die Colonisten, die sich entschieden, zu bleiben, wurden wilde Räuber, die immer wieder die Eingeborenen überfielen, die das Wild, allen Vorschriften entgegen, direct ausrotteten und dem damaligen Commissär für Ostafrika die größten Schwierigkeiten bereiteten. Glücklicherweise wurde der Schlimmste dieser Leute schließlich von einem vernünftigen Rhinoceros getödtet, gerade in dem Moment als er es so weit gebracht hatte, daß ein Aufstand der nördlichen Stämme nicht mehr zu vermeiden war." Nun bringen die „Times" folgendes Telegramm aus Nairobi, der Hauptstadt Ugandas, unterzeichnet von Lord Delamere: „Wir sind hier sehr gegen die Einführung fremder Juden. Es besteht hier eine Bahn von 260 (englischen) Meilen Länge, welche für die britische Colonisation sehr geeignet ist. Das Auswärtige Amt soll 200 Meilen besten Lands unerwünschten (!) Fremden geben; ist die kostspielige Bahn zu diesem Zwecke gebaut worden? Eine Flut von den genannten Leuten würde sicher zu Unruhen mit den halbgezähmten, auf ihre Rechte eifersüchtigen Eingeborenen führen. Es würde ein eigener Stab dazu gehören, sie zu controliren. Ist der britische Steuerträger, der Ergenthümer von Ostafrika, damit zufrieden, daß dieses herrliche und kostbare Land Fremden übergeben werden soll? Würde das Land nach und nach colonisirt werden, so würde es sicherlich von britischen Colonialansiedlern ungemein gern aufgesucht werden. Die hiesigen Engländer rufen die öffentliche Meinung, insbesondere derjenigen, welche dieses Land kennen, gegenüber der Entscheidung auf, welche die Zukunft dieses Landes in unendliche Schwierigkeiten stürzen würde." Vom AabrmnrKt des Lebens. Gloffen zur Tagesgeschichte. (Ostdeutsche Niedertracht. — Ein Wahrspruch des „Vaterland". — Die defraudirte Bevölkerung. — Abgeblitzt.) Die arme „Ostdeutsche Rundschau" führt seit ihrem Bestände einen schweren Kampf um ihre Ex stenz. Bald sind es die Fabrikanten, die die Sammelbüchsen füllen, bald die Zuckerbarone, die „durch überzeugende Gründe" die Haltung des alldeutschen Organes bestimmen. Aber ach, alle diese Mittel helfen nur zeitweilig, das Deficit nimmt immer größere Dimensionen an, und da gilt es, auf andere Auswege zu sinnen, um es zu beseitigen. Der glänzende Erfolg des Concurrenzorganes in Antisemitismus, das „Deutsche Volksblatt", weist den Weg, der einzig zum erwünschten Ziele führt: brutale Verhetzung, gemeine Verleumdung. Der Artikel „Die Massenopfer jüdischer Schacherwuth" hat bewiesen, daß die „Ostdeutsche Rundschau" diese Bahn zu benützen versteht. Verdammenswerth ist die Profitgier der Unternehmer, nichtswürdig sind die leichtsinnigen und corrupten Beamten, beklagenswerth fiub die unglücklichen Opfer der Katastrophe; in diesen Urtheilen äußerte sich die öffentliche Meinung, bis — bis eben die antisemitische Presse Licht in die Sache bringt. Es ist nur ein Zufall, daß der Brand gerade in dem Hause eines jüdischen Unternehmers ausbrach, nur Zufall, daß gerade Juden ihm zum Opfer fielen, glaubte man, und die Oeffevtlichkeit klagte auch nicht den einzelnen Unternehmer an, der nicht bester und nicht schlechter ist, als die anderen, sondern das ganze System, das verwerflich ist, und das der französische Ministerpräsident Combes in seiner berühmten Rede treffend gebrandmarkt hat. Die Antisemiten denken aber nicht so, nur „jüdische Schacherwuth" verursachte die Katastrophe, die in solchem Umfange auch nur möglich war, weil der jüdische Unternehmer lauter jüdische Angestellte batte, verkünden sie der staunenden Mitwelt. Es genügt ihnen nicht, gegen jüdische Unternehmer zu hetzen, die vielen Tausende jüdische Angestellte, von denen selbst der ärgste Judenfresser nicht behaupten kann, daß sie von Ausbeutung und Bewucherung leben, werden in der frivolsten Weise herabgesetzt. Es wird dem Unternehmer als bodenloser Leichtsinn vorgeworfen, daß er sich mit jüdischen Angestellten umgeben habe, „obwohl das undisciplinirte jüdische Personal erwiesenermaßen zu dem schlampigsten gehört und an und für sich schon einen Factor mehr für die Wahrscheinlichkeit einer Feuersbrunst bildet." Es ist eine Infamie, ehrliche Leute, denen angestrengte Arbeit einen oft nur kärglichen Unterhalt verschafft, zu verleumden, und es ihnen zu erschweren, ihre Existenz zu behaupten, und der hi hre Zweck, der „Ostdeutschen Rundschau" auf die Beine zu helfen, heiligt selbst in den Augen des enragirtesten Deutschnatioralen nicht die Anwendung der niederträchtigsten Mittel. * * * Das fromme „Vaterland" befindet sich in heiliger Entrüstung, etwas Entsetzliches hat sich zugetragen. Eine jüdische Lehrerin hat es gewagt, ihre Schülerinnen zu ihrer Hochzeit einzuladen und katholische Mädchen leisteten dieser Einladung folge, „obwohl es sich für ein katholisches Mädchen nicht geziemt, in den Judentempel zu gehen". Damit sich derlei Haarsträubendes nicht wieder ereigne, verlangt das schwarze Blatt, daß an Schulen mit überwiegend katholischen Schülern nur katholische Lehrer angestellt werden. Von der pädagogischen Eignung spricht es nicht, die ist für einen richtigen Clericalen ganz nebensächlich, ausschließlich auf die Confeffion kommt es an, und wenn schon das böse Reichsvolksschulgesrtz von confeffionellen Schulen nichts wissen will, so liegt es in der Macht der Körperschaften, die die Lehrer zu ernennen haben, solche fromme Wünsche zu erfüllen. Wo „gute" Wahlen vorgenommen werden, gesch eht es auch, aber diese Liberalen und Socialdemokraten! In seinem flammenden Unmuthe entschlüpft dem „Vaterland" da eine interessante Bemerkung: „Wo liberal oder social-demokratisch gewählt wird, da wird man nicht fanatisch oder intolerant, sondern nachgiebig, milde und tolerant sein." Ja, da hat das liebe „Vaterland" ganz Recht, und Recht hat es auch, wenn es sich zum Tröste sagt, das Volk müsse erst zur Toleranz erzogen werden. Damit hat es leider noch gute Weile. Lieb' Vaterland, kannst ruhig sein.

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