Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 20 (1903)
- Issue
- 36 (4.9.1903)
- Date
- 1903-09-04
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 36 Dr. Blocks MocbenscbrMi Seite 583 geputztesten und anspruchsvollsten Kleider französischer Schneiderinnen zu tragen und sich auch in einem glatten, weißen Leinenkleide sehr vortheilhaft ausnahm. Er prüfte die allgemeine Correctheit ihres Costümes, den glatten, engen Rock, der kurz genug war, um einen Blick auf schlanke, biegsame Gelenke und zierliche, braune Schuhe zu gestatten, die steife, weiße Hemdblouse, Hut und Handschuhe mit unverhehlter, aber gänzlich unpersönlicher Billigung. „Frau Allen ist ihr Name" erklärte er, .und ich habe Anhaltspunkte dafür, daß es eine Theekanne von höchster Bedeutung ist." Es existirt die Sage von einer Auction in Portland vor wenigen Jahren, wo echte Lowestost-Erzeugniffe für Nichts zugeschlagen und von Landleuten und Fischern gekauft wurden, und es ist mehr als wahrscheinlich, daß dieses Stück von dort stammen mag." Sie gingen durch eine enge Gasse, deren dörflicher Charakter über die eindringende Cultur des aufblühenden Badeortes gesiegt hatte. Der gemischte Geruch von Küchendüften, Ceresin und Akazienblüthen erfüllte die Luft. Fast vor jedem Hause war ein farbenprächtiger Blumengarten, nur Frau Allen's Haus, älter als alle anderen, öffnete sich direct aus die Straße. Aus vieles Klopfen wurde die Thür von einer ältlichen, untersetzten Person mit der Geschäftigkeit ältlicher Frauen ihrer Classe geöffnet. Tottingham beabsichtigte, daß der Besuch ihm Gelegenheit bieten sollte, Edith durch seine Schlauheit und Feinheit zu imponiren. So begann er vorsichtig mit der Frage nach einigen Sherraton-Stühlen, die einst das Eigenthum der Familie Allen gewesen waren. Während Frau Allen deren Geschichte erzählte, beschäftigten sich Edith's Gedanken mit der Frage, weshalb Armuth ein Grund sein sollte, um werthlosen Trödel aufzustapeln. Das Zimmer war mit anständigen Möbeln ziemlich gut ausgestattet, aber jedes nur dafür verwendbare Plätzchen war mit zerbrochenem Trödel, verräucherten Bildern und all jenen Jnterieur-Decorationsgegenständen, welche die verständniß- und gewiffenlosesten Sonntagsblätter anzupreisen pflegen, vollgestkckt. Sie dachte gerade darüber nach, ob der Aufputz von vergoldetem Kanarienvogelfutter oder von gespaltenen Muscheln Bilderrahmen scheußlicher machen, als der Klang ihres Namens sie zum vorliegenden Geschäfte zurückrief. .Fräulein Linton, wenn wir nur aus der Suche nach Theekannen und nicht nach Stühlen waren, hat Frau Allen eine, bic sie in Portland aufgestöbert hat, ein merkwürdiges, altes Stück. Wie kamen sie dazu, Frau Allen?" Nun, Frau Allen, eine unschuldige, geschwätzige alte Seele, freute sich der Gelegenheit, ihrem Erzählertalente die Zügel schießen lassen zu dürfen. .Mein Bruder Elmer pachtete eme Wirthschaft in der Gegend von Grouts Neck, etwa 10 Meilen westlich von Portland. Das Land ist so ärmlich, daß man nicht glauben mochte, daß Jemand dort seinen Unterhalt gewinnen könnte. Aber Edna, sein Weib, hatte den Ort so lieb und auch das Gut, wenn man Etwas ein Gut nennen kann, das nur aus Steinen und Brombeersträuchen besteht. Die Sommerfrischler in Grout's wollten den Platz für ihren Fußballclub pachten, und während sie die Papiere durchlas, bevor sie den Vertrag Unterzeichnete, hebt sie eine Zeitung auf, die Einem entfallen war und liest darin, daß die drei Hauptursachen für das viele Fluchen in unserem Lande: .Trunksucht, Weiberregiment und Sport" seien. .Das entscheidet!" sagte sie, .wir haben weder Gelage noch Weiberregiment hier und wollen auch auf unserer Weide keinen Fußballsport.'' .Nun da gab es einen großen Aufruhr —" .Und wie endete der?" sagte Herr Tottingham mit einem Versuche, die Redefluth einzudämmen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. Im Verlage von Schall & dientet, Berlin W. 80, erschien soeben die fünfte Auflage der Ernährungslehre, Grundlage zur häuslichen Gesundheitspflege, von Lina Morgenstern. Ein überaus empfehlenswerthes Geschenk für Frauen und Mütter, ein geprüftes Lehrbuch für Fortbildungs-, Haushaltungs-, Kochschulen und Curse für häusliche Krankenpflege. Prämiirt auf den Weltausstellungen in Amsterdam, Antwerpen, Brüssel, Berlin, Chicago und Paris. — Preis elegant gebunden Mark 3.—. Das vorliegende Buch ist die Frucht von Erfahrung und wissenschaftlichen Studien. Die Verfasserin sagt in ihrer Vorrede: die Grundlage aller Gesundheit ist angemessene Ernährung. Wenn Töchter und Frauen deren Gesetze studiren und sie bei der Ausübung der Kochkunst, so wie bei der Kinder- und Krankenpflege berücksichtigen, wird durch sie das Familien- und Volkswohl nach Kräften Förderung erfahren. Von dem Verständniß der Frauen für die vernunftgemäße Ernährung in jedem Alter.so wie bei Krankheit hängt oft Leben und Gesundheit der ihrer Obhut anvertrauten Menschen ab. Die oft bei Kindern und Erwachsenen auftretenden Magen- und Verdauungskrankheiten sind häufig durch die Unwissenheit der Frauen verschuldet, welche man nicht über den Bau, die Entwicklung und die Bedürfnisse des Organismus belehrte und die daher nicht wissen, wieviel von der Wahl, der Mischung und der Zubereitung der Speisen abhängt und wieviel durch mangelhafte Verwerthung der Stoffe verschwendet wird. Es ist zu wünschen, daß dies Werk in jeder Familie Eingang finde und als Lehrbuch in allen Fortbildungs-, Koch- und Haushaltungsschulen eingeführt werde. Auch die neuesten Erfindungen auf dem Gebiete der Ernährung finden in dem Werke Berücksichtigung. Ulrich Frank. Simon Eichelkatz und Anderes. Breslau, Schlesische Verlagsanstalt W. S. Schottländer. 1903. Als ich vor einigen Monaten an anderer Stelle die Erzählung „Simon Eichelkatz" las, äußerte und schrieb ich wiederholt in meinem Freundeskreise: „Das ist ein wahres Cabinetstück, das sich den besten Schöpfungen A. Bernstein's und Leopold Kompert's würdig anreiht." Die begabte Romanschriftstellerin hat mit dieser trefflichen Erzählung ein neues Gebiet betreten, und mit Glück. „Simon Eichelkatz" ist jetzt vereint mit einer nicht minder ausgezeichneten Erzählung. „Die Geschichte zweier Sabbath-Nachmittage", als Buch erschienen, ein Buch, dem man das Lob zollen kann, daß es zu denjenigen Büchern gehört und gehören wird, die uns nicht nur eine flüchtige Stunde der Unterhaltung bieten, sondern zu denen man immer wieder gern zurückgreift. Diese gemüthvollen und doch so schlichten Erzählungen muthen uns ältere Leute ganz besonders eigenartig reizvoll an. Vielleicht, ja gewiß sogar, hat die Verfasserin in „Sinron Eichelkatz" die Zustände geschildert, die vor vierzig Jahren und darüber in ihrer oberschlesischen Heimat geherrscht haben. Wir verstehen sehr wohl, daß eine Persönlichkeit wie Simon Eichelkatz sich auf jenem Boden entwickelt haben kann. Wir beugen uns in demüthiger Ehrfurcht vor der sittlichen Größe, der milden, abgeklärten Ruhe und Weisheit dieses Greises, der viel erlebt und gelitten hat und dessen Aussprüche die tiefsten Wahrheiten enthalten. „Die Geschichte zweier Sabbath Nachmittage" zeigt uns der Liebe Lust und Leid in der „Gasse" des mährischen Landstädtchens und in der vornehm-modernen Villa in der Nähe Wiens eng verkettet mit glücklichem Ausgange. Auch hier bildet ein Mann den Mittelpunkt des Interesses, Samuel Stern, dessen schwächlicher, mißgestalteter Körper einen Feuergeist, eine große edle Seele birgt. Wir verrathcn absichtlich nichts von dem Inhalt dieser Erzählungen. Wir rufen den deutschen Familien jüdischen Glaubens zu, sie nicht nur zu lesen, sondern zu kaufen, und somit die idealen Güter ibres Hauses zu mehren. Wir älteren Leute fühlen uns von diesen Erzählungen gerührt und ergriffen, und wenn wir unseren Kindern und Enkeln das, was ihnen darin fremd und unverständlich, erklären, werden sich ihre Herzen auch dafür erwärmen. So mögen sie denn nach Verdienst Eingang und Verbreitung in den deutschen Familien jüdischen Glaubens finden; als Festgeschenk können wir sie besonders warm empfehlen! Breslau. Regina Weißer. Krirfkasten. K. Der erste Vorsteher des Kaiser!. Russischen Allgemeinen Instituts der Pathologie und Experimental-Medicin, der Erfinder der Radii-Strahlen, des bisherigen alleinigen Mittels gegen äußeren Krebs, Prof. Dr. E. S. L o n d o n aus Petersburg, wird in mehreren europäischen Städten Vorträge über seine große Erfindung auf dem Gebiete der ärztlichen Wissenschaft halten. Er ist zu diesem Zwecke von der russischen Regierung entsandt worden. Der Professor Lukjanoff, der frühere Drrector des pathologischen Instituts, jetziger Gehilfe des russischen Ministers für Volksaufklärung, hatte London in Warschau» wo er Hörer von Lukjar war, als Studenten kennen gelernt, und berief London von dem kleinen Städtchen Wischey bei Calvary, wo dieser prakticirte, dorthin. London hält auch in Petersburg Vorlesungen über Physiologie und gerichtliche Medicin an einer Hochschule, wo der höchste russische Adel in den kameralistischen Wissenschaften ausgebildet wird. Der berühmte Arzt steht erst im Alter von 33 Jahren, er ist der Sohn armer, jüdischer Eltern in Calvary, Gouvernement Snwalki, selbst sehr religiös und ist bereits mehrmals vom Czaren in Audienz empfangen und ausgezeichnet worden. D. Die famose „Deutsche Zeitung", welche die Juden irredentistischer antimonarchischer Bestrebungen denuncirte, hat sich anläßlich des Besuches Königs Eduard von England in Wien Folgendes geleistet: „Die Bevölkerung begrüßte den Wagen, in dem der König neben dem Kaiser saß, mit Hochrufen. Eine Steigerung, die allgemein bemerkt und auch besprochen wurde,