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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 682 Dr. Blocb’s Wocbenscbrtft. Nr. 36 nur einzig und allein dem Manne zu verdanken, der nicht erlahmte um sein Ziel zu erreichen, und bittet daher zum ewigen Andenken der Dankbarkeit im Sitzungssaale des Heims das Porträt des Herrn Sch i s ch a anbringen zu dürfen. Als Herr S ch i s ch a in sehr gelungenen Worten ganz gerührt antwortete, wurde das prachtvolle, fast zum sprechen ähnliche Porträt enthüllt und Herr S ch i s ch a allseitig beglückwünscht. Feuilleton. Julia» Meldohla. Von Mary Maß. (Fortsetzung.) Edith nickte. „Genau mit derselben Grazie uub Gutwilligkeit gab der Bischof nach, und wir sind einander seither wenig begegnet: Wäre es nicht schmählich, ihm den Nachmittag zu verderben, indem ich plötzlich austauchte und ihn an einen Kampf erinnerte, in welchem er besiegt wurde?" „Wären Sie nicht ein etwas wunderlicher Pastor gewesen?" Edith vergaß, streng unpersönlich zu sein. „Wunderlicher als Sie denken!" Er war ernst geworden. „Eines Tages, nicht jetzt, werden Sie mir vielleicht gestatten, Ihnen davon zu erzählen." Auf dem Heimwege wurde sich Edith einer wachsenden Angst bewußt, die sie von jedem Gesprächsversuche abhielt. Es war so leicht gewesen, vor Herrn Tottingham davon zu laufen, daß sie bisher nicht daran gedacht hatte, wie sir ihm oder der viel mehr zu fürchtenden Frau Brand ihr B-tragen werde erklären können. Ob, weil die Nähe des Bischofs einen dämpfenden Einfluß übte, oder aus Sympathie mit ihrer Stimmung, zeigte ihr neuer Freund ein Talent für Stillschweigen. Ein Gefühl von Abendstille lag über der Welt. Ein strahlenloser Sonnenuntergang, theilweise durch die mastigen Contouren blauer Berge verdunkelt, warf kein Licht auf das ruhige Wasser. Ihr Canoe glitt lautlos auf das Festland zu. In der Nähe der Küste herrschte schon Dämmerung. Schwere Düfte von Jasminblüthen wurden gegen die See hinausgeweht. In den Baumwipfeln saßen Vögel, die sich schwarz vom lichten Abendhimmel abhoben und süße Abendlieder verstreuten. Der Nebelhornruf eines vor Anker liegenden Kriegsschiffes klang in den Hafen hinaus. Ihre Augen trafen sich. .Ist es nicht eigenthümlich!" sagte Julian, „daß alle die besten Dinge im Leben, wie verschieden sie auch sein mögen, genau dieselbe Empfindung erzeugen." Edith schwieg einen Augenblick, dann antwortete sie träumerisch. „Eigenthümlich! Ich bin nicht so gewiß, daß es das ist. Gewiffe Dinge, gewisse Augenblicke dringen durch alle äußeren Hülsen, bis sie das eigenste Ich erreichen. Es ist ein kleiner Punkt irgendwo, manchmal nur ein schmerzhaftes Pünktchen, und dann ist es wieder Freude, wie diese, reine Freude, die hoffe» läßt, daß das Leben doch der Mühe werth ist, gelebt zu werden, da es solchen Frieden, solche Schönheit hat". Ihr zartes, blaffes Gesicht und die dunkeln, nachdenklichen Augen beobachtend, sah er die Rothwendigkeit ein, gewaltsam zur Erde zurückzukehren, damit er nicht etwa Alles sage, was auf seinen Lippen lebte. „Hängen Sie meinen Rock um, bitte Fräulein Linton. Diese abendlichen Schatten sind kühl." Dankbar für seine Sorgsamkeit, warf sie den Rock über ihre Schultern und wünschte, daß sie es nicht gethan hätte. Die Berührung verursachte ihr eine Empfindung von unschicklicher Intimität, die Gezwungenheit und Schuldbewußtsein zurückbrachte. Sie landeten und gingen in ununterbrochenem Schweigen nach dem Hause. Julian legte seine Hand auf den Klingelzug, ohne zu läuten. „Waren Sie in letzter Zeit auf Norman's Point, Fräulein Linton? Sie wissen, man hat eine Brücke über den Strom geworfen, und man kann jetzt zu Pferde den ganzen Weg und bis hinaus an die Klippen bis ganz an's Ende machen, wo eine so starke Strömung ist; die Fluth tritt morgen am Nachmittag ein, wollen Sie nicht zur rechten Zeit Hinausreiten, um die Brandung zu sehen"? Sie hatte den Rock zurückgestellt, aber dessen Einfluß war noch über ihr, und unter diesem schüttelte sie nur den Kops und antwortete kurz: „Es dauert zu lang!" „Wieso?* begann er erwidernd, brach aber ab, läutete und zog den Hut mit einer gewissen Förmlichkeit: „Adieu also!" Als er sich zum Gehen wandte, fand sie den Ritt plötzlich sehr verlockend. „Herr Meldohla! Ich bin Tags darauf frei!" „Um 4 Uhr also!" Seine Stimme war ein Muster heiterer Alltagsstimmung, aber als er sie mit hüpfenden Pulsen verließ, verfiel er auf dem Heimwege darauf, vor sich hin zu singen mit der fadendünnen Stimme, die nie eine Note verfehlte oder einen falschen Ansatz machte. HI. Eine Theekanne von höchster Bedeutung. „Fräulein Windham war hier, Fräulein!" meldete Hanna, »und Herr Tottingham und Frau Winthrop. Frau Brand hat sie Alle gesehen". Edith war einer jener unglücklichen Geschöpfe, deren Widerstandsfähigkeit durch ein schuldiges Gewissen sehr beeinträchtigt wird. Etwas Unbestimmbares hatte ihr im Leben gefehlt und deshalb war ihre wirkliche Sanftmuth und Zärtlichkeit zumeist unter Reizbarkeit und Schalkhaftigkeit verborgen. Aber selbst unter diesem hatten ihr Muth und ihr Gerechtigkeitssinn doch immer' einen echten Klang. So sehr sie es haßte, ausgescholten zu werden, so unmöglich war es ihr, es durch Ableugnung oder Ausflüchte zu umgehen. Ihr Unbehagen betreffs Herrn Tottingham war geschwunden. Er würde einfach seine Aufmerksamkeit einer Andern widmen. Aber das Schlimmste war von Frau Brand zu erwarten. Diese kluge Dame jedoch hatte nicht die geringste Absicht, einen so durchaus wünschenswerthen Bewerber verhaßt zu machen, denn eine um seinetwillen erlittene böse Viertelstunde würde genügen, um Edith unheilbar gegen ihn aufzubringen. Sie fing folglich ganz liebenswürdig' an: „Alice Windham sah heute Nachmittags sehr hübsch aus, Edith. Sie kam, um uns zu sagen, daß ihre Trauung im Oktober in der Stadt stattfinden wird. Ihre sechs Cousinen sind Brautjungfern." „Denkst Du, daß sie ihn gern hat"? fragte Edith, welche Frage den Eindruck der Unanwendbarkeit auf den vorliegenden Fall machte. „Ihn gern hat? Natürlich! welche Idee!" „Nun! Edith interessirte sich ernstlich für das Problem — „Ec und sie sind so ganz gleich unzähligen andern Leuten, daß ich glaube, wenn jetzt noch die Verlobung gelöst würde, so läge gar nichts daran, welche von den viel Tausenden Männern oder Frauen eines oder das andere von ihnen heiraten möchte." „Wirklich Edith, es ist nicht häufig, daß Du so dumm bist, aber denke nur, wie sehr ein Mann wie Henry Steppard ein gleichmüthiges, zuverlässiges Mädchen dem reizendsten Jrwisch — Dir zum Beispiel — vorziehen muß. Du bist viel gescheidter, viel individueller und Du würdest ihm nicht halb so gut passen." „Jetzt kommts!" dachte Edith, aber sie war ganz unvorbereitet aus das, was ihre Tante zunächst sagte. „Oskar Tottingham war auch hier!" fuhr Frau Brand unerbittlich fort. „Er schien zu hoffen, daß Du heute Nachmittags irgendwohin mit ihm gehen würdest; aber ich sagte ihm, er müsse sich geirrt haben, denn ich erinnere mich ganz genau, Du habest gesagt, die Verabredung mit ihm sei für morgen;' er war zuerst ganz unglücklich darüber, bis ich ihm klar machte, Du freuest Dich auf die Unternehmung, welche sie auch sei, und er wird morgen hier sein." Edith forschte in Frau Brand's offenem Gesichte, deffen vollkommene Gemüthsruhe beinahe den Glauben an ihre Aufrichtigkeit herstellte. Mit dem Gefühl humoristischer Verzweiflung über die Vereitlung sah das junge Mädchen ein, wie schwierig es sei, diese Angabe zurückzuweisen, ohne den Umstand zu verschärfen, daß sie zweimal in 24 Stunden einen alten Freund um eines fremden jungen Mannes, eines gewiffen Julian Meldohla, willen, aufsitzen ließ. Der bloße Gedanke, diese Offenbarung in Worte zu faffen, ließ eine rothe Glutwelle in ihrem Gesichte aufsleigen. Frau Brand sah das Erröthen und war froh, daß Edith bei all ihrer Unlenkbarkeit doch empfindlich genug war, das unausgesprochene Wort zu verstehen und sich zu Herzen zu nehmen. Die wirkliche Schönheit dieses Schachzuges lag darin, daß er Edith nöthigte, entweder mit Herrn Tottingham liebenswürdig zu fein, oder ihre Vorliebe für Meldohla einzugestehen. Deshalb ging sie anscheinend mit Eifer auf die Jagd nach der Theekanne ein und nahm nicht einmal den Blick erfreuter Kameradschaft übel, den ihr Gefährte ihr zuwarf. Es schmeichelte feinem Geschmack für Vollkommenheit, daß Edith im Stande war, die

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