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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1903-09-04 · 36 (4.9.1903) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
20 (1903)
Issue
36 (4.9.1903)
Date
1903-09-04
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 684 Dr. Dlocb's Mocbenscbrift Nr- 36 erfuhren die Hochrufe allerorts, als in einem der folgenden Wagen Bürgermeister Dr. Lueger zwischen den Reihen durchfuhr." Also Lueger wurde „allerortens" mit viel mehr Hochrufen als der Kaiser begrüßt. So schreiben in Wien die Kaisertreuen! „Jurist". Sie wundern sich, daß gegen die „Deutsche Zeitung" wegen Publication der famosen Rauscher'schen Erklärung im Processe Saborsky-Jedek nicht von der k. k. Staatsanwaltschaft die Anklage erhoben worden. Daß damit „aus Anlaß einer noch im Zuge befindlichen Strafverhandlung", wie der bekannte Artikel VIII sagt, „Eroberungen über die Kraft der Beweismittel" unternommen werden, ist zweifellos. Die antisemitische Presse darf sich über noch ganz andere Gesetze hinwegsetzen, ihr scheint in der That die Beeinflussung der Rechtsprechung die Staatsgewalt als ein erworbenes Gewohnheitsrecht zuzubilligen. I. L., Brody. Die Einsendung, betreffend die Rabbinerwahl in Brody. kann, weil anonym, nicht publicirt werden. Was bedeutet ein Mißtrauensvotum „sämmtlicher jüdisch denkender und jüdisch fühlender Bürger", sowie der „jüdisch-nationalen. akademischen Jugend", ohne eine einzige Unterschrift? Kundmachung. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien hat Sr Ehrwürden Herrn Dr. Aron L. Mandel in seiner Eigenschaft als Rabbiner des israelitischen Tempelvereines für den X. Wiener Gemeindebezirk im Sinne des § 44 des Gemeindestatutes zum Gemeinderabbiner bestellt. Nachdem gegen diese Bestellung zufolge Erlasses der k. k. n.-ö. Statthalterei vom I. August 1903, Z. 77.876, seitens der Staatsbehörde keine Einsprache erhoben wurde, erfolgt hiemit die allgemeine Verlautbarung. Wien, 25. August 1903. Der Borstand der israelitischen Cultusgemeinde. Die Budapester Brandkatastrophe. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat vor wenigen Tagen ein großes Waarenhaus in der ungarischen Hauptstadt zerstört, viele, noch nicht mit Bestimmtheit anzugebende Zahl, Menschenleben gefordert, von welchen ein Theil — und zwar der weitaus bedeutendere — eines schrecklichen Todes umgekommen, während die mit dem Leben Davongekommenen möglicherweise für immer Krüppel bleiben werden. Ueberall sieht man die regste Theilnahme den bedauernswerthen Opfern sich zuwenden, denen durch Uebermittlung von Unterstützungen mindestens für die nächste Zeit der Lebensunterhalt verschafft werden soll, deffen sie so dringend bedürfen. Für die Bekenner der jüdischen Religionsgemeinschaft zumal ist es diesesmal von besonderer Wichtigkeit, helfend und fördernd einzugreifen, sind ja beinahe sämmtliche Opfer Fleisch von unserem Fleische und Blut aus unserem Blute! Jüdische Familien sind betroffen, und da das jüdische Herz immer und jederzeit bereit ist, Wohlthun zu pflegen, Nächstenliebe zu bethatigen und Humanität zu üben, bietet sich jetzt Gelegenheit, unseren ohne Verschulden verarmten Glaubensgenossen helfend beizustehen! Zu diesem Zwecke empfehlen wir auf das Angelegentlichste untenstehenden Auftuf, der das Elend zu mildern bestimmt ist. Möge jeder Jude sein Scherflein beisteuern, die Roth und die traurige Lage der Bedauernswerthen zu verbessern, denen es vor den bevorstehenden hohen Festtagen nicht ermöglicht sein dürfte, Verdienst und Erwerb zu finden. Der Auftuf lautet: Eine Wiener Hilfsaction. Unter dem Eindrücke der erschütternden Katastrophe hat sich in Wien ein Hilfscomitä gebildet, das uns folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung übersendet: „Ein fürchterliches, in seinen Folgen derzeit noch nicht auszumalendes Elementarereigniß hat die Bevölkerung der ungarischen Metropole, alle edel und human denkenden Menschen auf dem ganzen Erdenrunde mit starrem Entsetzen erfüllt: eine Brandkatastrophe von erschreckenden Dimensionen hat mehr als fünfzehn Verwundete und eine bisher noch nicht festgesetzte Zahl Todter gefordert. Die Schreckcnsscenen, die aus Budapest täglich in die Oeffentlichkeit dringen, lassen den ungeheuren Umfang des unsäglichen Jammers erkennen, von welchem so viele Familien betroffen wurden, die den Verlust ihres Ernährers beklagen: den Vater, der um das Wohl der Kinder besorgt war, dm Sohn oder die Tochter, die, als Stützen ihrer Eltern, in dem abgebrannten Geschäftshause ihren redlichen Erwerd fanden. Allenthalb regt sich für die Bedauernswerthen tiefes und inniges Mitleid, das aber nur dann die beabsichtigte Wirkung erzielen kann, wmn es den Opfern ermöglicht ist, ihre Lebensexistenz, um welche so viele kamen, sich zu sichern, und hiezu bedarf es nicht allein der Trostesworte, sondern der Thaten! Diese sind es, deren die Hinterbliebenen bedürfen! Diese Thaten mögen sich durch reichlichst einfließende Spmden documentiren, die den ohne ihr Verschulden an den Bettelstab gebrachten Familien zugewendet werden mögen, die diese Art der Theilnahme bedeutend höher schätzen würden, als den bloßen Ausdruck des Mitgefühls! Mögen diese Spenden in ausgiebigem Maße fließen, das traurige Los der mit dem Tode ringenden Opfer, sowie der zahlreichen Hinterbliebenen der als verkohlte und verstümmelte Leichm hervorgezogenen Getödteten zu lindern, mögen diese Spendm nach dem Worte: „Wer schnell gibt, gibt doppelt!" erfließen. Spenden werden erbeten an die Sammelstelle Emil Jelinek, Wien, I. Bezirk, Seitenstettengaffe 5, von wo aus die Gelder der richtigen Adresse behufs Vertheilung zugemittelt werden." Um möglichste Weiterverbreitung wird im Interesse des edlen Zweckes höflichst gebeten. Aufruf. Ein 75j übriger, hervorragender jüdischer Gelehrter, Rabbiner Simon Kirsch, II, Malzgasse 10, Parterre, schwer krauk daniederliegend, befindet sich in der denkbar traurigsten Lage. Es ergeht daher an edle Menschenfreunde die Bitte um Zuwendung einer materiellen Hilfe. Wilh. Morgenstern. Concurs. Bei dem israelitischen Minjan-Gebetvereine in Kunowitz hei Ung.-Hradisch ist die Stelle eines Koreh, Schochet und Bodek der zugleich befähigt ist, Kindern den Unterricht der Volksschule zu ertheilen, zu vergehen. Mit der Stelle ist ein Fixum von 800 Kronen, freie Wohnung nebst Nebeneinkünften verbunden. Bewerber wollen ihre Zeugnisabschriften bis längstens 15. d. M. an den Vereinsobmann einsendeu. Dem Acceptirten werden die Reisespesen vergütet. Kunowitz den 1. September 1903. Der Obmann David Zweigenthal. ' Erlauben uns, einem geschätzten p. t. Publicum zur gefl- Anzeige zu bringen, dass wir mit 1. September d. J. unter der Firma CrSSttungs-Anzeigc M. Steiner & Comp. Wien, 1., Rothenthurmstrasse 23 ein Maassgeschäft für feine Herrengarderohe, englische Jagd- und Sportcostüme eröffnet haben. Wir werden ein stets reichhaltiges Lager der neuesten und modernsten englischen und französischen, sowie auch der feinsten Inländer Stoffe zur gefl. Auswahl unserer werthen Kunden bereit halten, sichern gleichzeitig die massigsten Preise zu und bitten um gefl. Probeaufträge. Hochachtungsvoll M. Steiner & Comp. Tailors of Gentlemen Wien, I, Rothenthurmstrasse 23. ARTHUR FRlEDMANN PHILIPP MÜLLER Tapezierer und Decorateure Wien, II. Bezirk, Czerningasse Nr. 17. Uebernahme sämmtlicher Tapezierer-, Decorations-, Montirungs- und Spalirungsarbeiten bis zu feinster Ausführung, in und ausser dem Hause bei den billigsten Preisen. 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